7 Wochen Ohne, Woche 6: "Für die Wahrheit streiten"

Mann reckt die Hand in den Himmel.

© 7 Wochen Ohne/OSTKREUZ /Jörg Brüggemann

"Für die Wahrheit streiten" ist diese Woche Thema bei "7 Wochen Ohne".

7 Wochen Ohne, Woche 6: "Für die Wahrheit streiten"
Das Motto der evangelischen Fastenaktion "7 Wochen Ohne" lautet dieses Jahr: "Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen". In der sechsten Woche "Lügenfasten" rufen wir auf, sich aktiv für die Wahrheit einzusetzen.

Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller Götzenbilder sah. Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Denn er verkündigte das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung.
Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist. Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören. Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
Apostelgeschichte 17,16-24

Liebe Mitstreiterinnen, liebe Mitstreiter,

fühlen Sie sich noch wohl mit dem deutlich eingeschränkten Lügen in diesen Wochen? Oder haben Sie das Gefühl, dass es Sie sehr anstrengt, gegenüber sich selbst und anderen so ehrlich und so offen zu sein? Immerhin: Je offener wir werden, desto angreifbarer werden wir auch. Sicherlich gibt es mittlerweile eine Menge Möglichkeiten, ehrlich zu sein und die eigene Meinung zu sagen, ohne sich auf eine Diskussion einlassen zu müssen. Vor Jahren musste man sich noch die Mühe machen, einen Leserbrief zu schreiben, wenn man sich zu einem Beitrag in einer Zeitung, im Rundfunk oder im Fernsehen äußern wollte. Manchmal konnte man auch in den Redaktionen anrufen. Heute reicht ein Klick, und wir können unsere Meinung als Kommentar unter fast jeden Beitrag setzen, den wir im Internet finden. Noch einfacher wird es durch die sozialen Medien: Daumen hoch bei Facebook, Herzchen bei Instagram, unsere ehrliche Meinung ist anscheinend überall gefragt. Dass wir uns dadurch eine wunderbare Lügenblase erschaffen, weil wir immer mehr nur das zu sehen bekommen, was wir ohnehin gut finden, wissen wir oder wir ahnen es. Aber Konsequenzen ziehen wir daraus nur selten, weil es einfach viel angenehmer ist, wenn man von denen umgeben ist, die dieselbe Meinung haben wie man selbst.

Und es scheint auch überhaupt keinen Sinn zu machen, sich mit der eigenen Meinung in solche Diskussionen einzubringen, die fast ausschließlich von gleichgesinnten Andersdenkenden geführt werden. Wer andere überzeugen möchte, dass es wichtig ist, Kinder impfen zu lassen, der tut das nicht bei Facebook auf einer Seite, die von Impfgegnern beherrscht wird. Wer Menschen sagen möchte, wie gut der christliche Glaube tut, wird das nicht in Netzwerken besonders streitbarer Atheisten tun. Diejenigen, die sich mit ihrer abweichenden Meinung in ein gegnerisches Lager begeben, verhalten sich dort meistens von Beginn an wie ein feindlicher Eindringling: Es wird geschimpft, beleidigt, verallgemeinert und sogar bedroht. In den seltensten Fällen kommt jemand daher und will sich mit der eigenen Meinung einer Diskussion stellen. Der Apostel Paulus macht das in Athen anders. Darum geht es in der Bibelstelle, die in dieser Woche für uns ausgesucht wurde.

Paulus macht es richtig. Die Athener auch

Paulus reist nach Athen und ärgert sich über die Bilder und Statuen, die sämtlich Götter zeigen, die für ihn nichts als Götzen sind. Für Paulus sind diese Bilder eine Lüge, denn in Wahrheit ist Gott derjenige, der sich in Jesus Christus den Menschen zugewandt hat. Gott ist Mensch geworden und nicht Statue. Er beginnt also, seine Wahrheit laut auszusprechen. Er tut das nicht nur dort, wo er darauf hoffen kann, dass man ihm Verständnis entgegenbringt. Welchen Ton seine Predigten haben, ist nicht überliefert, aber die Reaktionen sind erwartungsgemäß: Einige lächeln über ihn, halten seine Wahrheit für Geschwätz. Andere sind argwöhnisch, weil sie vermuten, er würde neue Götter verkündigen. Das Wichtige aber ist: Die Athener suchen den offenen Streit mit Paulus. Sie zitieren ihn auf den Areopag, den berühmtesten Diskussionsort der Stadt, damit er dort vor allen Leuten erklärt, was er zu sagen hat. Alle Seiten scheinen alles richtig zu machen: Paulus ist nicht nachts in die Tempel eingedrungen und hat die Statuen, die ihn so störten, beschmiert oder zerstört. Stattdessen ist er an öffentlichen Plätzen aufgetreten. Und die Athener haben ihn nicht einfach hinausgeschmissen, sondern ihm die Möglichkeit gegeben, sich offen mit denen zu streiten, die anderer Meinung sind als er. In der Apostelgeschichte heißt es augenzwinkernd, die Athener hätten das vor allem deswegen getan, weil sie es mochten, wenn etwas Neues und Aufregendes in ihrer Stadt passierte. Aber so zeigen sie sich auch offen für den fremden Mann mit den merkwürdigen Ansichten, und so kann Paulus ihnen seine Wahrheit darlegen: Die vielen Götterbilder sind für ihn nur Puzzlestücke eines großen Bildes. Es gibt für Paulus nur den einen unendlich großen Gott, der in keinen Tempel hineinpassen kann.

Moment mal!

Sicherlich sind Ihnen solche Situationen bekannt, in denen man sich mit ärgerlichen Ansichten konfrontiert sieht. Ein Gespräch, in dem auf einmal rassistische Äußerungen fallen oder herabwürdigende Witze erzählt werden. In solchen Situationen kann man durchaus mit geradem Rücken sagen, dass man hier ganz anders denkt. Aber nicht durch eine schnippische Bemerkung oder ein Augenrollen, sondern sichtbar, wie es Paulus in Athen getan hat. Natürlich kann man sich damit auch Spott einhandeln. Aber nur, wenn man in einer solchen Situation sozusagen "Moment mal!" ruft, wird der Fluss der Dinge so unterbrochen, dass man darüber reden kann, was da gerade geschieht, was gerade gesagt oder getan wurde. Nur dann können Sie der Wahrheit weiterhelfen. Wenn Sie den Lauf unterbrechen und man Ihnen tatsächlich die Aufmerksamkeit zuwendet, können Sie sich und das, was Ihnen wirklich am Herzen liegt, vertreten.

Versuchen Sie das in dieser Woche einmal. Sagen Sie "Moment mal!", wenn Sie merken, dass um Sie herum gerade zweifelhafte Wahrheiten verbreitet werden. Zeigen Sie Ihr Gesicht und lassen Sie sich darauf ein, für die Wahrheit zu streiten. Streit ist etwas Gutes, denn er macht offenbar, wo es Unterschiede gibt, und man bekommt nur im Streit die Möglichkeit, für die eigene Wahrheit einzutreten. Machen Sie sich auch davon frei, dass Sie einen Streit "gewinnen" müssten. Darum geht es in einem offenen Streit nicht. Wohl kann man andere überzeugen, aber hat man dann gewonnen? Nein, es gibt in einem offenen Streit höchstens eine Gewinnerin: die Wahrheit.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche mit guten "Moment mal!"-Situationen.

Ihr Frank Muchlinsky

aus dem chrismonshop

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