Knobloch fordert "Aufschrei" gegen zunehmenden Judenhass

Knobloch fordert "Aufschrei" gegen zunehmenden Judenhass
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat einen "Aufschrei der gesellschaftlichen und politischen Institutionen" gegen den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und Europa gefordert.

"Wir müssen den Anfängen wehren", sagte sie der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Der Judenhass habe hierzulande wieder deutlich zugenommen. So wie sich der Antisemitismus heute darstelle, habe sie ihn in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt, sagte Knobloch: "Wir erleben ihn von allen Seiten - von der politischen Linken, von Rechtsextremen wie der AfD und von Muslimen, die den Judenhass mit einer Israelfeindlichkeit verbinden".

Knobloch sprach von einer "Pogromstimmung in den sogenannten sozialen Netzwerken". Dies belaste sie, denn sie habe sehr darum gekämpft, dass jüdische Gemeinden in Deutschland wieder eine Zukunft hätten. Zwar habe sie den Glauben an Deutschland nicht verloren, "aber es ist fünf vor zwölf", sagte Knobloch: "Es fehlt noch immer der große gesellschaftliche Widerstand."



Gegen das Vergessen sei es wichtig, den 27. Januar als Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und als Erinnerungsdatum an den Holocaust wachzuhalten.

Knobloch hatte die AfD am vergangenen Mittwoch bei einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus im bayerischen Landtag als verfassungsfeindlich kritisiert. Daraufhin verließ der Großteil der AfD-Fraktion noch während Knoblochs Rede unter Protest den Plenarsaal.

Im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" bezeichnete Knobloch die AfD erneut als ein "Sammelbecken für Rechtsradikale, Nationalisten und Antisemiten". Die Partei wolle nicht nur "unsere Gedenkkultur beseitigen", sondern gefährde die freiheitlich-demokratische Grundordnung, sagte Knobloch. Daher sei die Prüfung einer Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz richtig.

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