Asia Bibi hat offenbar Pakistan verlassen

Nach Angaben ihres Anwalts hat die Christin Asia Bibi Pakistan verlassen können.

©Iram Asim/AP/dpa

Asia Bibi auf einer Polizeistation am 30.10.2017 in Pakistan. Nach Angaben ihres Anwalts hat die Christin Pakistan nun verlassen können.

Die freigesprochene Christin Asia Bibi hat nach Angaben ihres Anwalts Pakistan verlassen. Der Anwalt Saif-ul-Malook erklärte, Bibi sei aus dem Gefängnis entlassen worden und befinde sich an einem unbekannten Ort außer Landes, wie der pakistanische Sender Geo TV am Donnerstag berichtete.

Malook war am Samstag selbst aus Pakistan in die Niederlande geflohen, weil er um sein Leben fürchtete. Die pakistanische Regierung bestritt jedoch, dass Bibi freigelassen wurde. Die Situation in Pakistan ist weiter angespannt, seit das Oberste Gericht das Blasphemie-Todesurteil gegen die etwa 50-jährige Christin aufgehoben hat.

Tausende protestierten gegen das Urteil

Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt und 2010 zum Tode verurteilt worden. Ihre Freilassung nach mehr als neun Jahren Haft wäre bereits in der vergangenen Woche rechtmäßig gewesen. Doch religiöse Parteien schickten Tausende ihrer Anhänger auf die Straße, um gegen das Urteil zu protestieren. Die pakistanische Regierung beugte sich schließlich dem Druck des islamistischen Mobs, der tagelang randaliert hatte, und kündigte eine Ausreisesperre gegen Bibi an.

Später machte die Regierung jedoch deutlich, dass nur ein Gericht berechtigt sei, die Christin auf die Liste der Personen zu setzen, die Pakistan nicht verlassen dürfen. Bibis Familie hatte eine Reihe Länder angerufen, ihnen und Bibi Asyl zu gewähren. Bereits während der Haft waren mehrere Anschläge gegen Bibi vereitelt worden.



Das pakistanische Außenministerium erklärte jedoch, alle Berichte über eine Freilassung Bibis seien falsch. "Asia Bibi ist in Pakistan", sagte Ministeriumssprecher Muhammad Faisal laut Geo TV in Islamabad. Die Regierung fürchtete weitere Proteste. Religiöse Parteien hatten für Donnerstag zu einer Großkundgebung in der Hafenstadt Karachi aufgerufen.

Religiöse Hardliner verhindern Gesetzesänderung

Menschenrechtler fordern immer wieder die Reform des harschen pakistanischen Blasphemie-Gesetzes, weil dieses aus ihrer Sicht für Racheakte und Behördenwillkür missbraucht wird. Doch alle Versuche, das Gesetz zu ändern, scheiterten am Widerstand religiöser Hardliner. Zwei wichtige Politiker wurden 2011 ermordet, weil sie eine Lockerung forderten: Anfang Januar 2011 wurde der liberale Gouverneur Salman Taseer getötet und Anfang März 2011 der Minister für religiöse Minderheiten, der Christ Shahbaz Bhatti.