Opern, die Christen kennen sollten - Teil 1

Oper für Christen

Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

Asmik Grigorian (Salome) tritt bei der Probe der Richard Strauss Oper "Salome" im Rahmen der Salzburger Festspiele auf.

Ein Paukenschlag, die Bläser holen tief Luft und weiter wirbelt die Trommel. Wir stellen 15 Opern mit christlichen Bezügen vor, die zu kennen wertvoll ist. Erfahren Sie im ersten Teil der dreiteiligen Serie Wissenswertes über Les Huguenots, Stiffelio, Mefistofele, Der Evangelimann und Salome.

Les Huguenots

Les Huguenots (Die Hugenotten) ist der Titel einer Großen Oper in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer (1791-1864). Das Libretto stammt von Eugène Scribe und Emil Deschamps. Der große Erfolg der Uraufführung 1836 in Paris, für Meyerbeer der Durchbruch, erlaubt dem aus einer wohlhabenden jüdischen Familie in Berlin stammenden Komponisten die Entwicklung einer eigenen musikalischen Idee auf der Grundlage des Stils der französischen Oper.

Historischer Kontext des Werks sind die französischen Religionskriege in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zwischen Katholiken und Protestanten (Hugenotten), die 1572 in der sogenannten Bartholomäusnacht eskalieren. Am Anfang der Oper steht eine als Versöhnung gedachte Geste der Margarete von Valois, Schwester des Königs. Sie strebt die Vermählung von Valentine, Tochter des Katholikenführers St. Bris, mit dem protestantischen Adligen Raoul de Nangis an. Der Plan jedoch scheitert auf Grund eines Missverständnisses. Raoul erfährt von dem Schwur der Katholiken, die Protestanten in der bevorstehenden Nacht zu vernichten. Als die Sturmglocken zum Kampf läuten, bekennt Valentine ihre Liebe zu Raoul. Sie will mit ihm im protestantischen Glauben sterben. Im Sturm bewaffneter Katholiken auf eine Kirche, in die sich die Hugenotten geflüchtet haben, werden auch Valentine und Raoul getötet. St. Bris, der Befehlshaber der Angreifer, wird gewahr, den Tod seiner eigenen Tochter befohlen zu haben.

Nach Jahren der Auseinandersetzung mit dem deutschen Singspiel und der Opera buffa (komische Oper) findet Meyerbeer mit den Hugenotten eine eigene musikalisch Linie. Sie gipfelt in großen Orchester- und Soloszenen sowie wohlklingender vokaler Melodik. Besonders gelungen ist die musikalische Charakterisierung der Protagonisten, etwa des eisernen Protestanten Marcel, Diener Raouls, mit seiner Neigung zu Canti firmi. Der von ihm angestimmte Lutherchoral Ein feste Burg, begleitet von Blechbläsern, klingt bereits im Orchestervorspiel an. Meyerbeer ist der erste Komponist, der hier die Orgel sowie Kirchenszenen auf die Opernbühne bringt.

 

Stiffelio

Stiffelio ist ein Melodram von Giuseppe Verdi (1813-1901) mit einer außergewöhnlichen Werkgeschichte. Das Libretto stammt von Francesco Maria Piave, der Verdi die Vorlagen zu insgesamt zehn Werken liefert. Die Uraufführung 1850 in Triest stößt auf wenig Verständnis und findet nur geringen Anklang. Hauptursache hierfür ist die Zensur der Habsburgischen Herrschaft drei Tage vor der Premiere mit massiven Veränderungen des Stoffes.

Im Zentrum der Handlung steht die Ehe- und Glaubenskrise des evangelischen Pfarrers Stiffelio im deutschsprachigen Raum zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Stoff entstammt einem 1849 in Frankreich erschienenen Theaterstück. Wegen des Ehebruchs seiner Frau Lina sieht sich Stiffelio  mit der Frage konfrontiert, ob er sich an dem Verführer rächen und die Frau verstoßen oder Vergebung walten lassen soll. Bei der Auflösung des Konflikts spielt die biblische Geschichte von Christus und einer Ehebrecherin eine Rolle. Unter der Zensur mutieren die Geistlichen zu Sektenpredigern der Assasverianer, werden die Szenen in der Kirche ihrer religiösen Essenz beraubt. Bei späteren Aufführungen wird aus Stiffelio ein weltlicher Minister. Verdi verliert daraufhin zunächst das Interesse an dem Stoff. Eine völlige Überarbeitung der Oper erlebt unter dem Titel Aroldo 1857 in Rimini ihre Neubelebung. Der Geistliche ist nun ein Kreuzfahrer. In der Originalfassung ist das Werk seit der Entdeckung einer Abschrift der Partitur wieder auf Spielplänen zu finden, so 2017 beim Verdi-Festival in Parma.

Die Partitur von Verdis 16. Oper nimmt in Kompositionstechnik und Musiksprache die folgenden großen Schöpfungen wie Rigoletto und  La Traviata vorweg. In den Solopartien von Stiffelio und Lina kündigt sich eine neue natürliche Melodiesprache an. Besonders eindrucksvoll ist die Chorszene des Schlussbildes in der Kirche.

 

Mefistofele

Mefistofele ist das Hauptwerk des italienischen Komponisten Arrigo Boito (1842–1918). Ruhm erreicht er auch als Librettist der letzten Kompositionen Giuseppe Verdis (Otello, Falstaff). Die Oper beruht auf Goethes Faust-Epos. Mailand ist Schauplatz der Uraufführung 1868, Bologna 1875 Ort der radikal überarbeiteten Fassung. 

Faust ist von einem alle bisherigen Erkenntnisse sprengenden Wissensdrang erfüllt. Mit dem Antipoden Gottes schließt er einen Pakt. Sollte ihm in einem Moment dauerhaft Erfüllung zu Teil werden, verfiele seine Seele dem Teufel. Mefistofele verstrickt ihn in riskante Abenteuer, so in eine Liebesaffäre mit Margarethe. Diese, von Faust schwanger geworden, wird als Kindesmörderin verurteilt. Sie wendet sich mit der Bitte um Erlösung an Gott, was von den himmlischen Heerscharen erhört wird. Der alte Faust begreift die Liebe zu Gott als höchste irdische Liebe, rettet so seine Seele. Mit dem Evangelium in der Hand tritt er Mefistofele gegenüber.

Mefistofele ist Entwicklungs- und Erlösungsroman in einem. Boito erschließt der italienischen  Oper erstmals religiös-philosophische Antithesen wie Paradies und Hölle, Tugend und Sünde. Musikalische Höhepunkte sind die Chöre im Prolog, die Ausbrüche Mefistofeles und die Trauer Margarethes über den Tod ihres Kindes (Arie L'altra notte in fondo al mare).

 

Der Evangelimann

Der Evangelimann ist ein "musikalisches Schauspiel" in zwei Akten von Wilhelm Kienzl (1857-1941) und dessen größter bis heute anhaltende Erfolg. Der österreichische Komponist lässt sich für das von ihm verfasste Textbuch von einem in Polizeiakten dokumentierten Vorfall anregen, der in einen Strafprozess mündet. Der dort geschilderte Lebensweg der Brüder Johannes und Mathias ist eine Mischung aus Fakten und Fiktion. Anfänglich sind sie wegen ihrer Liebe zu demselben Mädchen verfeindet, am Ende versöhnt. Die Uraufführung findet 1895 in Berlin statt.

Schauplatz der Handlung, die in den Jahren 1820 und 1850 spielt, sind das Benediktinerkloster St. Othmar und Wien. Die Hauptfigur des Evangelimanns orientiert sich an damals häufig beobachteten Predigern, die an Sonn-und Feiertagen in Wiener Hinterhöfen aus der Bibel vortragen und dafür entlohnt werden.

Kienzl, schwärmerischer Bewunderer der Musik Richard Wagners und 1879 sein Assistent in Bayreuth, gilt als österreichischer Vertreter des Verismo. Schicksale von Menschen, insbesondere aus dem Volk, werden in einer klaren kraftvollen Musiksprache geschildert. Sie ist frei von Pathos, erlaubt aber die Verwendung von effektvollen Melodien bis hin zur Rührseligkeit. Selig sind, die Verfolgung leiden, die Arie des Mathias (Evangelimann), gehört zum Standard-Repertoire vieler bedeutender Tenöre der vergangenen hundert Jahre von Fritz Wunderlich bis Nicolai Gedda. Ähnlich wirkungsvoll sind die Arie der Magdalene O schöne Jugendtage und die Schlussszene mit dem Chor der Kinder.

Die Oper ist nach ihrer Uraufführung längere Zeit im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus populär, verschwindet aber danach weitgehend von den Spielplänen. Dies ändert sich mit Aufführungen ab 2004 an Musiktheatern in Chemnitz, Wien, und Klagenfurt.

 

Salome

Salome, Musikdrama in einem Akt, ist die dritte Oper von Richard Strauss (1864 – 1949). Der Text von Hedwig Lachmann folgt einem Stück Oscar Wildes von 1891, das auf einer Dichtung von Gustave Flaubert fußt. Die Dresdner Uraufführung 1905 wird zu einem Triumph für den deutschen Komponisten, der mit dem durchkomponierten Stück seine persönliche Musiksprache findet.

Das Musikdrama spielt in der Regentschaft von Herodes II. Antipas nach dem Tod Christi. Schauplatz ist Jerusalem, der Palast von Herodes, Salomes Stiefvater. Der König hält den Propheten Jochanaan (Johannes der Täufer) in einer Zisterne gefangen. Jochanaan verurteilt die Ehe des Herodes und seiner Gemahlin Herodias wegen ihres lästerlichen Lebenswandels. Salome, die junge Prinzessin, fühlt sich von dem "heiligen Mann" magisch angezogen. Doch dieser geht auf ihr Begehren nicht ein, ermahnt sie vielmehr, nach "des Menschen Sohn" zu suchen. Herodes begehrt Salome. Diese ringt ihm die Zusage ab, ihr jeden Wunsch zu erfüllen, sollte sie für ihn tanzen (Tanz der sieben Schleier). Die Prinzessin fordert nach dem Tanz den Kopf des Jochanaan "auf einer Silberschüssel". Herodes sträubt sich zunächst, willigt aber am Ende notgedrungen ein und lässt den Propheten enthaupten. Salome küsst das Haupt und steigert sich in eine Ekstase. Der König befürchtet ein Unglück und befiehlt die Hinrichtung der Prinzessin: Man töte dieses Weib!

Im Neuen Testament wird der Salome-Stoff bei Markus und Matthäus erwähnt. Ihre dramaturgische Faszination entwickelt die Oper durch den Gegensatz der dekadent-morbiden Welt der Salome und der asketischen Haltung des Jochanaan, der - anders als in der Bibel - Opfer der Wollust der jungen Frau wird. Die gegensätzlichen Pole der Handelnden werden durch Leitmotive plastisch. Strauss entlehnt dieses Gestaltungsprinzip Kompositionen Richard Wagners. Ansonsten ist seine Musiksprache originär und bereits voll entwickelt. Den musikalischen Reiz einer Aufführung machen die Farbenpracht eines Orchesters mit mehr als 100 Musikern, die orientalische Atmosphäre am Hofe, die gewaltigen Ausbrüche Jochanaans, das Parlando des Königs und der Tanz der Salome aus. Dessen Ende kann als "Liebestod" vergleichbar dem in Wagners Tristan und Isolde gedeutet werden.

 

In einer Woche veröffentlichen wir auf evangelisch.de Teil 2 unserer Opern-Serie.

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