Justizsenator fordert vom Bund Entschuldigung für Kolonialverbrechen

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt hat von der Bundesregierung eine offizielle Entschuldigung für die deutschen Kolonialverbrechen gefordert.

Kay Nietfeld/dpa

Dirk Behrendt (4.v.r,), Berliner Justizsenator, empfing eine Delegation von Ovaherero und Nama aus Namibia in Berlin.

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat von der Bundesregierung eine offizielle Entschuldigung für die deutschen Kolonialverbrechen gefordert. Dem Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts seien bis zu 70.000 Herero und Nama zum Opfer gefallen, sagte Berendt am Montag in Berlin. "Es ist an der Stunde, das Verbrechen als solches anzuerkennen und dafür Verantwortung zu übernehmen", sagte Berendt.

Der Berliner Justizsenator äußerte sich anlässlich einer bevorstehenden offiziellen Übergabe von kolonialen Raubobjekten am Mittwoch durch die Bundesregierung an Vertreter der Regierung Namibias. Laut der Initiative "Völkermord verjährt nicht!" handelt es sich unter anderem um die sterblichen Überreste von rund 25 Opfern, die während des Genozids an den Herero und Nama 1904 bis 1908 in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Darunter sollen sich unter anderem Schädel und eine Kopfhaut befinden, die sich bislang in anthropologischen Sammlungen in Berlin, Hannover, Witzenhausen, Hamburg, Greifswald und Jena befanden. Zudem soll eine während der Kolonialzeit zu Unrecht nach Deutschland gelangte Bibel an Namibia zurückgegeben werden.

Bereits vor der offiziellen Akt am Mittwoch gibt es Kritik an dem Vorgehen der Bundesregierung und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die einen Gedenkgottesdienst aus Anlass der Übergabe ausrichtet. Unter anderem kritisiert die Initiative "Völkermord verjährt nicht!", dass heutige Vertreter der ursprünglichen Herkunftsgesellschaften nicht zu dem Gottesdienst und dem Übergabeakt eingeladen wurden.

Berlins Justizsenator richtete deshalb bereits am Montag einen offiziellen Empfang für Vertreter der Herero und Nama aus, die nach eigenen Angaben von Bundesregierung und EKD nicht zu den Veranstaltungen am Mittwoch eingeladen sind. Berendt betonte zudem, er wolle um Entschuldigung bitten für den Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts an den Herero und Nama. Die Bundesregierung solle dem auch folgen.

Der Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck kritisierte, es sei "beschämend", dass es in Namibia bislang keinen Gedenkort gebe, der an die deutschen Kolonialverbrechen erinnere. Zudem sei es unbefriedigend, dass immer noch unklar sei, wie viele menschliche Überreste aus Kolonialverbrechen bundesweit in verschiedenen Sammlungen lagerten. Die Initiative "Völkermord verjährt nicht!" kündigte unterdessen aus Protest gegen den Rahmen der bevorstehenden Übergabe am Mittwoch Mahnwachen in verschiedenen Städten an, unter anderem in Berlin, München und Leipzig.

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