Einmal Handauflegen, bitte!

Lisa und Narintorn Horthong und ihre Töchter Emma und Charlotte.

Foto: Gerald Biebersdorf

Lisa und Narintorn Horthong mit ihren Töchtern Emma und Charlotte.

Einmal Handauflegen, bitte!
Die Kirchen sind voll bei ökumenischen Segensfeiern für Babys, die im Ruhrgebiet angeboten werden. Ein Ortsbesuch in Essen.
12.07.2018
Ulrike Klöß
Evangelische Kirche im Rheinland

"Gibt es da was umsonst?" Ein Jugendlicher wundert sich. Er hängt mit seinen Kumpeln auf einer Mauer vor der Heilig-Geist-Kirche in Essen-Katernberg ab und beobachtet die Kinderwagen schiebenden Menschen, die an diesem sonnigen Sonntagnachmittag in das Gotteshaus strömen. Tatsächlich gibt es in der Kirche heute etwas umsonst, und zwar etwas ganz Besonderes: 70 Familien sind gekommen, um Gottes Segen für ihre Neugeborenen zu empfangen. Viele von ihnen haben auch Großeltern, Verwandte und Freunde mitgebracht.

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Geschenke für die Taufe

Kinderbibel schenken

Foto: S.Kobold/stock.adobe.com

Kinderbibel schenken

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Kinder sind begeisterungsfähig und neugierig. In jedem Alter verlieren sie sich gerne in Geschichten. Ein Taufgeschenk könnte also passenderweise eine altersgerechte Kinderbibel sein. Das Vorlesen oder Reden über das Gelesene gibt Eltern und Paten die Gelegenheit, mit Kindern ins Gespräch über den Glauben zu kommen.

Kreuzanhänger

Foto: ZOA PHOTO / Stocksy United

Mit einer Gravur wird aus vielen Gegenständen unkompliziert eine schöne Erinnerung. Unser Tipp: Lassen Sie den Namen Ihres Patenkinds und das Taufdatum eingravieren, in hochwertiges Kinderbesteck, Schmuck (z. B. einen Kreuzanhänger), schöne Gläser oder einen Metallrahmen, der ein Tauferinnerungsbild trägt.

Engelfigur

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Ein religiöses Symbol, das auch ganz unabhängig von anderen Zusammenhängen funktioniert, ist der (Schutz-)Engel. Verschenken Sie doch vielleicht eine kleine Engelfigur aus Bronze, Holz oder Glas, versehen mit dem Taufspruch (Gravur oder Karte dazu).

Taufkleid kaufen

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Die Eltern haben unter Umständen einiges für die Feier zu planen und auch zu bezahlen. Bieten Sie den Eltern an, die Garderobe ihres Patenkindes für den Tauftag mit auszusuchen - und eventuell auch zu kaufen.

Taufkerze

Foto: Getty Images/iStockphoto/Christian Rummel

Bieten Sie den Eltern an, für die Taufkerze zu sorgen: Gestalten oder bestellen Sie eine Taufkerze. Und wenn Sie richtig gut sind: Suchen Sie noch einen Kerzenhalter dazu aus. Gestaltungsanregungen gibt's en masse im Netz.

Fürbitte schreiben im Taufgottesdienst

Foto: Getty Images/Exkalibur

Im Rahmen des Gottesdienstes und der Tauffeier gibt es noch mehr zu tun: Übernehmen Sie doch einen Beitrag im Gottesdienst oder bei der anschließenden Tauffeier in Form einer Fürbitte oder eines Gebets (eine Anleitung hierzu gibt es in der "Taufbegleiter"-App).

Dekoration des Festsaals

Foto: Getty Images/martinedoucet

Bieten Sie den Eltern an, beim Dekorieren des Festraums oder der Tische mitzuhelfen.

Mädchen mit Kreuzanhänger

Foto: Robert Lang / Stocksy United/Robert Lang

hr Patenkind ist wahrscheinlich noch ein Kleinkind. An den Tauftag und die Umstände, warum gerade Sie Pate oder Patin geworden sind, wird sich der Täufling zu seiner Konfirmation nicht mehr erinnern. Schreiben Sie doch einen persönlichen Brief an Ihr Patenkind. Sie können darin erzählen, warum Sie Pate sind und was Sie sich für den Täufling wünschen. Versiegeln Sie den Brief und geben Sie ihn den Eltern, die ihn bis zur Konfirmation verwahren sollen.

Buch, Kreuz und Fische

Foto: Getty Images/iStockphoto/Marina Lohrbach

Erinnerungen an diesen besonderen Tag sind wichtig und wertvoll: Sammeln Sie alles vom Tauftag, was sich aufzuheben lohnt, und machen Sie damit eine "Schatzkiste der Erinnerungen" (Zeitung, Tischdeko, Einladungskarte, Gottesdienstablauf, Liedzettel, Speisekarte, Gästeliste, Redemanuskript und vieles mehr).

Buch mit Kerze und Deko

benni313 / photocase

Kümmern Sie sich um das Gästebuch. Am besten verteilen Sie lose Ringbuchseiten aus bunter Pappe, eine Menge Farbstifte und eventuell noch etwas Bastelmaterial unter den Taufgästen. Am besten ist es nämlich, wenn mehrere Gäste oder Gruppen gleichzeitig am Gästebuch arbeiten können.

Erwachsene mit baby

Foto: Getty Images/martinedoucet

Machen Sie ganz viele Fotos und schenken Sie die schönsten in einem Album, Fotobuch oder Online-Album.

"Willkommen im Leben, kleiner Segen!" heißt die Feier, die die evangelische und katholische Kirche in Essen seit Anfang vergangenen Jahres einmal im Quartal anbieten. Alle Kirchenmitglieder, die in den vier Monaten zuvor ein Baby bekommen haben, erhalten eine Glückwunschkarte zur Geburt und dazu eine Einladung, ihr Kind segnen zu lassen.

Schnell ist die Heilig-Geist-Kirche bist auf den letzten Platz besetzt. Es herrscht fröhliche und gespannte Unruhe, Babys glucksen und brabbeln, einige schreien. Aber das stört hier niemanden. Begrüßung, zwei Lieder, Gebet und eine kurze Predigt – dann kommt auch schon der wesentliche Punkt: die Segnung. Dazu versammeln sich die Familien um den Altar in der Mitte der Kirche, im Hintergrund leise Klaviermusik. Dieses Mal segnen die katholische Pastoralreferentin Astrid Jöxen, die evangelische Pfarrerin Julia Olmesdahl und drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen die Kinder.

Pfarrerin Julia Olmesdahl mit Familie Horthong.

Die einzelnen Segnungen dauern einige Minuten. "Das ist hier kein Fließband", sagt Astrid Jöxen. "Wir nehmen uns Zeit für jede Familie." Die Pastoralreferentin möchte bei jeder Familie erst einmal die Situation erfassen: Sie fragt nach dem Namen des Kindes und wechselt ein paar Worte mit den Eltern. Dann bittet sie diese, die Hände auf den Rücken oder Kopf des Babys zu legen und legt ihre eignen obenauf, bevor sie ein Segensgebet spricht.

"Wohltuend und stärkend" empfindet Narintorn Horthong die Segensfeier. Der Essener mit thailändischen Wurzeln und seine Frau Lisa sind mit ihrer Tochter Emma (5) gekommen, um die neun Wochen alte Charlotte segnen zu lassen. "Es ist immer gut, wenn man einen Segen mitnehmen kann", sagt Lisa Horthong und lacht. "Und für uns ist es besonders schön, diese Segnungsfeier für Charlotte zu haben, da wir unsere Kinder nicht taufen lassen."

Trennung von Taufe und Segen

Babysegnung statt Säuglingstaufe – ist das der Sinn des Angebots? Auf keinen Fall, auch wenn es vorkommt, dass manche Eltern es so sehen, meint die evangelische Pfarrerin Juliane Gayk, die gemeinsam mit ihrer katholischen Kollegin Astrid Jöxen die Segensfeiern ins Leben gerufen hat. Die Taufe und der Segen seien getrennt voneinander zu betrachten.

Die Segensfeier ist ein Angebot für Eltern, Danke für ihr Baby zu sagen und es unter Gottes Schutz zu stellen. "Wir wollen dazu beitragen, eine Willkommenskultur für neues Leben zu schaffen", erklärt Juliane Gayk, die auch an ökumenischen Segnungsfeiern für Schwangere beteiligt ist. Rund um das Ereignis Geburt bestehe bei Eltern ein großes Bedürfnis nach Begleitung und Unterstützung. Die Taufe sei davon abzugrenzen: "Sie ist für Christen das äußere Zeichen, dass sie zu Jesus Christus gehören und Mitglied der Kirche sind", sagt Juliane Gayk. "Ich vergleiche die Taufe gerne mit einer engen Freundschaft, die von beiden Seiten besiegelt ist. Beim Segen geht es um Gottes Schutz und Kraft, die jedem Menschen gilt. Bei der Babysegnung wird also Gottes Liebe über diesem kleinen Menschen ausgeschüttet." Und viele Eltern nähmen auch gerne beides in Anspruch.

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Symbole der Taufe: Wasser, Licht, Segen und mehr

Wasser

Foto: Getty Images/Jupiterimages

Wasser

Foto: Getty Images/Jupiterimages

Wasser ist das Urelement des Lebens. Nur mit Wasser kann Leben entstehen. Wasser reinigt und erfrischt. Es kann aber auch eine Bedrohung für das Leben sein. Im Wasser kann Leben untergehen und enden. Der Täufling erfährt symbolisch, was Jesus Christus durchlebt hat. Wie er durch den Tod hindurch zum ewigen Leben gelangt ist, so "taucht" der Täufling auf als neuer Mensch. Genau darum geht es: Im Wasser der Taufe soll alles, was unser Leben bedroht, abgewaschen werden und untergehen. Neues, befreites Leben kann entstehen.

Name

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Auch wenn es zunächst so klingt – Taufe ist keine Namensgebung. Trotzdem spielt die Namensnennung bei der Taufe eine wichtige Rolle. Gott meint jeden und jede von uns ganz persönlich und kennt unsere Namen. Sie sind "eingeschrieben" in das "Buch des Lebens". Auch dem Täufling gilt: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!"(Jes 43,1)

Licht

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"Ich bin das Licht der Welt" (Joh 8, 12), sagt Jesus Christus. Die Osterkerze erinnert daran, dass er mit seinem Kommen und mit seiner Auferstehung der Welt das Licht gebracht hat. Wenn bei der Taufe für das Kind eine Kerze am Osterlicht entzündet wird, drückt das aus: Dieses Licht gilt auch für den Täufling. Es wird ihm in der Dunkelheit leuchten und ihn zu neuem Leben aufstehen lassen.

Regenbogen

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Das Versprechen, das Gott Noah nach der großen Flut gegeben hat, gilt auch dir, kleines Kind: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (1. Mose 8,22)

Taufkleid

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Das festliche, meist weiße Taufkleid erinnert an den alten christlichen Brauch, den Neugetauften in der Osternacht ein weißes Gewand als Symbol des ewigen Lebens überzuziehen. Eine Woche lang trugen die getauften Erwachsenen das weiße Kleid im Gottesdienst. Es sollte daran erinnern, dass sie mit der Taufe mündige Christen waren und Christus "wie ein Gewand" angezogen hatten (Gal 3,27). In vielen Familien gibt es die schöne Tradition eines Taufkleides, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Hand

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Auch die Hände spielen in der Taufe eine wichtige Rolle: bei der Segnung des Täuflings im Namen des dreieinigen Gottes", bei der Taufe selbst, wenn die Eltern das Kind in die Hände der Paten geben und diese sie über den Taufstein halten. Wie wir ein Kind mit unseren Händen behüten und schützen wollen, so beschirmt uns Gott: "Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir (Psalm 139,5)."

 Kreuz

Foto: Getty Images/Top Photo Group

Vorsichtig zeichnet der Pfarrer mit Daumen und Zeigefinger ein unsichtbares Kreuz auf die Stirn des Täuflings: "Nimm hin das Zeichen des Kreuzes, Du gehörst zu Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen". Nichts zeigt so sehr die Verbundenheit Gottes mit dem Täufling, wie dieses Kreuz. Nichts, "weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes" können ihn von der Liebe Gottes scheiden. (Röm 3,38)

Wer von den eingeladenen Familien zu den Segnungsfeiern kommt und welche Gedanken sie mitbringen, wissen die Organisatorinnen vorher nicht. Anmeldungen sind nicht nötig. Juliane Gayk erinnert sich an Eltern, die zwar Mitglieder in der Kirche sind, aber schon lange keinen Kontakt mehr zur Gemeinde hatten. An Eltern, die in ihrer Kirchengemeinde aktiv sind. Und auch an Eltern, die ansonsten kaum Bezug zu Religion habe. "Sie alle haben das Bedürfnis, Gott oder einer höheren Macht Danke zu sagen und um Schutz für ihr Kind zu bitten." Die Ausrichtung der Segensfeiern sei dezidiert christlich, stellt Juliane Gayk klar. "Aber wir sind froh, damit auch Anknüpfungspunkte zu schaffen für Menschen, die auf der Suche sind."

Bei der Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen der Babysegnung und der Taufe hat Juliane Gayk die Erfahrung gemacht, dass darin auch große Chancen liegen, die Taufe aufzuwerten: "Wenn ich Eltern in Taufgesprächen erkläre, was Taufe tatsächlich bedeutet, werden manche zögerlich. Dann ist es auch völlig in Ordnung, wenn Eltern sagen: Wir wollen erst einmal den Segen."

Dass Lisa und Narintorn Horthong nur den Segen für ihr Baby wollen, hat nichts damit zu tun, dass sie eine zögerliche Haltung zur Kirche haben. Im Gegenteil. Die beiden sind in ihrer evangelischen Gemeinde im Essener Weigle-Haus verwurzelt. "Wir wollen unsere Kinder nicht taufen lassen, weil wir überzeugt davon sind, dass sie das später selbst entscheiden sollen", sagt Narintorn Horthong. Er selbst wurde 2010 als Erwachsener getauft, nachdem er sich ganz bewusst entschlossen hatte, Gott zu folgen. "Es war ein unglaublich wichtiges und berührendes Erlebnis für mich, die Taufe nach dieser Glaubensentscheidung zu erleben. Das möchte ich meinen Kindern nicht vorenthalten", sagt er.

Das Team hinter den Segnungsfeiern ist ökumenisch aufgestellt: Die Mitarbeitenden sind evangelisch und katholisch, arbeiten beruflich und ehrenamtlich in ihren Kirchen. Pastoralreferentin Astrid Jöxen sieht in der ökumenischen Ausrichtung auch die Stärke des Projekts: "Wir wollen nicht unsere Unterschiede herausstellen, sondern unsere Gemeinsamkeiten."

Die wichtigsten Informationen, Tipps und HIntergründe zur Taufe finden Sie im Taufbegleiter von evangelisch.de.