Präses Rekowski besucht Seenotretter auf Malta

Manfred Rekowski

Foto: epd-bild/Heiko Kantar

Der rheinische Präses Manfred Rekowski ist diese Woche auf Malta, um sich ein Bild von den Rahmenbedingungen der Rettungsmissionen zu machen.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat bei einem Besuch auf Malta Vorwürfe zurückgewiesen, private Seenotretter spielten Schleppern in die Hände. "Diese Helferinnen und Helfer retten Menschenleben, die in Seenot sind", sagte Rekowski am Montag nach einem Treffen mit Crew-Mitgliedern des von Behörden festgesetzten Rettungsschiffs "Sea-Watch 3" im Hafen von Valetta. "Der Vorwurf, sie arbeiteten den Schleppern in die Hände, kriminalisiert sie und ihren wertvollen Dienst."

Der Besuch der Seenotretter war Auftakt einer dreitägigen Malta-Reise von Rekowski, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Der Theologe will sich ein Bild von Rettungsmissionen im Mittelmeer machen. Die EKD ist an der Finanzierung der Hilfsorganisation Sea-Watch beteiligt.

Rekowski erklärte, der Vorwurf der Beihilfe zur Schlepperei sei auch deshalb absurd, weil internationales Seerecht eingehalten werde. "Die Pflicht zur Seenotrettung ist eine unbedingte Verpflichtung, unabhängig davon, ob die Notlage von den zu rettenden Personen selbst herbeigeführt wurde oder sie ohne ihr Zutun hineingeraten sind." Die Seenotretter seien nicht die Ursache für die Flucht über das Mittelmeer, sondern die Reaktion auf eine Entwicklung, die auch Ergebnis einer falschen Flüchtlingspolitik sei. Auch wenn sich die politische Stimmung gewandelt habe, halte die EKD den Einsatz für Menschenleben unverändert für geboten, betonte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. "Niemand soll ertrinken müssen."

Mehrere Rettungsschiffe im Mittelmeer konnten in den vergangenen Wochen nicht an den nächstgelegenen Häfen anlegen. Italien verwehrte die Einfahrt, zudem dürfen in Malta Seenotretter nicht mehr auslaufen. Am Wochenende hatten zwei Schiffe der EU-Grenzschutzbehörde Frontex rund 450 Menschen gerettet und in italienische Gewässer gebracht. Für sie wurde inzwischen eine Lösung gefunden: Mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Malta, nehmen die Migranten auf.

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Sea-Watch - Hoffnung auf dem Mittelmeer
Der Fotograf Chris Grodotzki, der als Media-Coordinator bei Rettungseinsätzen dabei war, porträtiert in seinen Bildern die Arbeit von Sea Watch.

Rekowski kritisiert das Flugverbot für das zivile Aufklärungsflugzeug "Moonbird" auf Malta. Das Flugverbot für die kleine Maschine der Seenotrettungsorganisation Sea-Watch und der Schweizer Hilfsorganisation HPI sei eine Amputation der humanitären Hilfe für Flüchtlinge im Mittelmeer und ein Skandal, sagte Rekowski am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Valletta.

Das Flugverbot verhindere, dass die Öffentlichkeit wahrnehme, was im Mittelmeer passiere, kritisierte Rekowski. "Nur weil das Flugzeug bis auf weiteres nicht starten darf, sterben nicht weniger Flüchtlinge im Mittelmeer", sagte er nach einem Flug mit der "Moonbird", bei dem er sich ein Bild von Einsatzabläufen machte. "Nicht hinzusehen, ist keine Lösung, sondern eine Verdrängung der Flüchtlingskatastrophe."

Der Präses würdigte nach seinem Gespräch mit der "Moonbird"-Crew am Dienstag und zuvor mit der Besatzung der "Sea-Watch 3" das gut aufeinander abgestimmte und bislang reibungslose Zusammenspiel zwischen den zivilen Rettungsschiffen und dem Aufklärungsflugzeug. Die Maschine war bis Anfang dieses Monats fast täglich von Malta aus zur libyschen Küste geflogen, beobachtete das Meer und meldete den Rettungsschiffen oder Handelsschiffen Flüchtlingsboote, die in Not geraten waren.

Dass diese zivilen Rettungseinsätze nicht mehr stattfinden können, sei empörend und nicht akzeptabel, sagte Rekowski. Noch vor einem halben Jahr habe er sich nicht vorstellen können, dass ziviles Engagement derart behindert werde. Die maltesischen Behörden haben derzeit drei zivile Rettungsschiffe im Hafen festgesetzt. Die "Moonbird", die die EKD finanziell allein in diesem Jahr mit bis zu 100.000 Euro unterstützt, darf derzeit maltesisches Hoheitsgebiet nicht verlassen. Das Flugzeug ist nach Rekowskis Worten betankt und jederzeit startklar. Auch die Rettungsschiffe im Hafen von Valletta seien zum Auslaufen bereit.

In Deutschland und der EU sei jüngst eine irrationale Debatte geführt worden, ob einige wenige Flüchtlinge an der bayerisch-österreichischen Grenze zurückgewiesen werden, mahnte Rekowski. Stattdessen gehe es um das "Weltproblem Flucht", das einen anderen Umgang erfordere. Mit seinem Besuch auf Malta wolle er auch die öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik erhöhen, sagte der Präses. Neben Hilfsorganisationen wie Sea-Watch gebe es auf Malta auch eine engagierte deutschsprachige Kirchengemeinde, die sich für die Flüchtlinge auf der Insel einsetze. Dieses humanitäre Engagement müsse unterstützt werden.

Rekowski informiert sich noch bis Mittwoch über zivile Seenotrettungsprojekte auf Malta. Unter anderem wollte er am Dienstagabend auch den Friedhof Santa Maria Addolorata in Paola bei Valletta besuchen. Dort wird der zahlreichen Ertrunkenen im Mittelmeer gedacht. 24 Flüchtlinge wurden dort bestattet.