Haseloff fordert aufgeklärten Islam in Deutschland

Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff

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Reiner Haseloff wies auf die Wirkung der Aufklärung auf das Christentum, das dadurch in der Lage gewesen sei, "die Leitkultur des Grundgesetzes zu entwickeln".

Der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hält eine Aufklärung des Islams für eine Voraussetzung für dessen Integration in Deutschland. Bei einer Diskussion am Montag in Berlin verwies Haseloff auf die Wirkung der Aufklärung auf das Christentum, das dadurch in der Lage gewesen sei, "die Leitkultur des Grundgesetzes zu entwickeln". Für eine andere Religion gelte damit, dass sie durch "aufklärerische Filter" gegangen sein müsste, "damit sie zumutbar ist für eine plurale Gesellschaft", sagte Haseloff.

"Jede Kultur, die mit ihrer Religion nicht durch diese Prozesse gegangen ist, ist faktisch nicht integrierbar, ist faktisch eine Gegenkultur, die zu Reibungspunkten führt", sagte der Regierungschef. Hätte man die Vorstellungen des Christentums aus dem zehnten Jahrhundert in die Verfassung geschrieben, sähe diese heute anders aus als das Grundgesetz, sagte Haseloff. Dann stünde darin die Todesstrafe.

Haseloff diskutierte mit dem Buchautor Klaus-Rüdiger Mai über die Zukunft der Kirche in der pluralen Gesellschaft. Mai hatte mit seiner Streitschrift "Geht der Kirche der Glaube aus?" für Aufmerksamkeit gesorgt. Darin wirft er der evangelischen Kirche vor, eher als "Moralagentur" aufzutreten, sich einseitig politisch zu äußern und zu wenig zu missionieren.

Mai sagte, die Kirche sei angesichts der Spaltungen heute so wichtig wie nie und angesichts des Mitgliederverlusts gleichzeitig so bedroht wie nie. Er forderte die Kirchen auf, integrierend zu wirken und ansprechbar für alle Menschen zu sein.

Haseloff sagte, wenn die Kirchen nichts gegen die Entwicklung unternähmen, drohe ihnen zumindest in Ostdeutschland eine "sektenähnliche Struktur". Die Taufquote in seinem Bundesland liege bei fünf bis sieben Prozent. Auch die Bedeutung der Kirche als sozialer Träger relativierte der Ministerpräsident: Der Markt für überproportionales politisches Agieren sei "dicht". "Selbst für Sozialeinrichtungen bräuchten wir die Kirchen nicht. Wir haben ausreichend Träger, die das alles abdecken", sagte er. Dennoch sei es richtig, einen "besonderen Spirit" zu fördern. Eine Diskussion werde aber entfacht, wenn man Predigten nicht mehr von Parteitagsreden unterscheiden könne.