"Du bist gewachsen wie ein Lustgarten…"

Adam und Eva

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lucas_Cranach/Adam and Eve-Paradise/Kunsthistorisches Museum Wien

Adam und seine Frau im Garten Eden von Lucas Cranach d. Ä.: Im Vordergrund: Verbot Gottes an Adam und Eva; im Mittelgrund: Erschaffung Adams, Sündenfall, Entdeckung des Sündenfalls, Vertreibung aus dem Paradies.

"Du bist gewachsen wie ein Lustgarten…"
Die Menschheitsgeschichte beginnt im schönsten Garten, den man sich vorstellen kann. Und sie wird einst in einem ewigen Garten enden.
Deutschland spricht 2019

Gott als Gartengestalter

1 Mose 2,8

Davon träumt jeder Gärtner: einen paradiesischen Garten anzulegen ganz nach eigenem Geschmack; Sträucher, Blumen und andere Gewächse nicht im Gartencenter kaufen zu müssen, sondern aus der Fantasie in die Wirklichkeit bringen. Diese grenzenlos schöpferische Gartengestaltung ist allein Gott vorbehalten; liest man die Paradiesgeschichte, erscheint er unwillkürlich in Gestalt eines Gärtners mit Hacke, Handschuhen und Schweißperlen auf der Stirn. Nachdem er "aus Erde vom Acker" den ersten Menschen geformt hatte, pflanzte er den Garten Eden (hebr., "Wonne") und legte zur Bewässerung vier Flüsse an. In die Mitte des Gartens ließ er zwei Bäume wachsen: den des Lebens und den der Erkenntnis.

Zitat: "Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin."

Des Königs Gartenfest  

Ester 1,1-8

Alljährlich lädt die Bundeskanzlerin das Volk, besonders die Kinder, zum Fest in den Garten ihres Amtes. Das ist nur ein müder Abklatsch jenes Festes, das der persische Herrscher Ahasveros (auch Xerxes genannt) für sein Volk gab: Sieben Tage lang durften alle, "vom Größten bis zum Kleinsten", in seinem Palastgarten feiern und wurden königlich bewirtet. Der Garten war mit weißen, roten und blauen Tüchern und anderen Dingen geschmückt, die Freigetränke wurden in goldenen Gefäßen serviert. 

Zitat: Da "machte der König ein Festmahl für alles Volk … im Hofe des Gartens beim königlichen Palast."

Der Liebesgarten

Hoheslied

Das Liebespaar Sulamith und Salomo, von dem das "Hohelied" erzählt, ist äußerst naturverbunden. Nicht nur, dass die beiden sich im Garten treffen und lieben. Auch finden sie eine sehr poetische und im wahrsten Sinne des Wortes blumige Sprache, um einander die Liebe und erotische Reize zu beschreiben. "Wie eine Lilie unter Dornen ist meine Freundin", sagt Salomo, und seine Geliebte erwidert: "Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund." 

Zitat: "Du bist gewachsen wie ein Lustgarten…"

Susanna im Bade.

Lüstlinge in Susannas Gartenbad

Stücke zum Buch Daniel 1 (apokryph)

Die fromme Susanna wähnte sich alleine in ihrem Garten, als sie ein Bad nahm. Doch zwei geifernde Alte hatten sich zu ihr geschlichen und stellten sie vor die Wahl: Entweder sie solle sich ihnen willig zeigen, oder die Alten würden sie des unzüchtigen Verhaltens anzeigen. Susanna schrie um Hilfe und fand sich als Angeklagte vor Gericht wieder. Doch der Richter Daniel überführte die alten Lüstlinge der Lüge und ließ sie hinrichten.

Zitat: "Holt mir Öl und Salben und schließt den Garten zu, damit ich baden kann!"

Der Garten Gethsemane

Markus 14,32-42

In diesem Garten im Jerusalemer Ölberg fand eine der dramatischsten Stunden Jesu statt. Jesus begann "zu zittern und zu zagen" und gestand dreien seiner Jüngern: "Meine Seele ist betrübt bis an den Tod." Er bat die drei, wach zu bleiben. Doch während er Gott anflehte, dass der Kelch des Leids an ihm vorübergehen möge, schliefen sie wieder und wieder ein.  

Zitat: "Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane."

Christus und Maria Magdalena.

Der Gärtner war Jesus  

Johannes 19,41; 20,15

In der Nähe der Kreuzigungsstätte Golgatha befand sich ein Friedhofsgarten; dorthin legten Josef von Arimathäa und Nikodemus den Leichnam Jesu. Als drei Tage später Maria Magdalena zu diesem Grab kam und es leer fand, weinte sie bitterlich – denn sie vermutete, jemand habe den toten Körper gestohlen. Der erste Verdächtige war eine Männergestalt, die ihr über den Weg lief. In der Annahme, es sei der Gärtner, fragte sie ihn: "Hast du ihn weggetragen?" Rasch erkannte sie: Der vermeintliche Gärtner ist Jesus.

Zitat: "Sie meint, es sei der Gärtner."

Der Garten im neuen Jerusalem

Offenbarung 22, 1f.

Mit einem Garten beginnt die biblische Heilsgeschichte, mit einem Garten endet sie. Der Seher Johannes beschreibt das endzeitliche "neue Jerusalem", die Ähnlichkeiten mit dem Paradies fallen auf: Bäume des Lebens säumen die Ufer eines Stromes, der dem Thron Gottes entspringt.

Zitat: "Auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker."

Dass ein fruchtbarer Garten als Inbegriff der Schöpfung gilt, wird umso verständlicher, wenn man sich die Kargheit der meisten biblischen Regionen vorstellt. Die Pflege der Gärten ist mühsam, ständig müssen die Pflanzen bewässert werden. In Nutzgärten wachsen Obst und Gemüse, der Zierde dienen Blumen.

Zum Weiterlesen: Gisela Andresen: Gartengeschichten der Bibel, Stuttgart 2007.