Hindu-Extremisten in Indien drohen Schulen wegen Weihnachtsfeiern

Weihnachtsmann verteilt Schokolade an Kinder

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In Kolkata in West Bengal verteilt ein Weihnachtsmann Schokolade an Kinder während einer Weihnachtsfeier. Im Norden des Landes hingegen machen Hindu-Extremisten gegen Weihnachtsfeiern mobil.

In Indien machen Hindu-Extremisten gegen Weihnachtsfeiern mobil.

In der Stadt Aligarh im Norden des Landes warnte die Gruppe Hindu Jagran Manch laut indischen Medienberichten vom Mittwoch Schulen davor, Weihnachten zu feiern. In Briefen an Schulen betonte die radikale Vereinigung demnach, Kinder sollten nicht an Weihnachtsprogrammen teilnehmen, weil diese "ein Schritt zur Zwangskonvertierungen" seien. Schulen und Schüler würden Weihnachten "auf eigenes Risiko feiern", drohte die Gruppe laut einer Meldung der Presseagentur PTI. Sollten die Schulen sich den Forderungen nicht beugen, werde es Proteste geben.

Im nordindischen Agra wollen zwei hindunationalistische Gruppen zudem in Hotels und Restaurants gegen Neujahrsfeiern protestieren. Die Polizei erklärte, sie werde Vorsorge treffen, dass die Feierlichkeiten nicht gestört würden.

Agra und Aligarh liegen beide in Indiens größtem Bundesstaat Uttar Pradesh, in dem die hindunationalistischen Regierungspartei Bharatiya Janata Partei (BJP) regiert. Ministerpräsident ist der 45-jährige Yogi Adityanath, ein umstrittene Hindu-Priester und religiöser Hardliner, der für seine antiislamische und antichristliche Rhetorik bekannt ist.

In der vergangenen Woche waren in Südindien ein Priester und mehrere Seminaristen in einer katholischen Ausbildungsstätte wegen des Singens von Weihnachtsliedern kurzzeitig festgenommen worden, nachdem ein Mann sie beschuldigt hatte, ihn zum Christentum bekehren zu wollen. Mehrere Seminaristen wurden von radikalen Hindus verprügelt und Fahrzeuge in Brand gesteckt.

Um die 80 Prozent von Indiens Bevölkerung sind Hindus. Etwa 15 Prozent sind Muslime, Christen machen etwa zwei Prozent aus.