Religiöse Intoleranz: Experten setzen auf Dialog und Rechtsstaat

Teilnehmer der Kundgebung 'Steh auf! Nie wieder Judenhass!' des Zentralrats der Juden in Deutschland vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Foto: dpa/Maja Hitij

Teilnehmer der Kundgebung 'Steh auf! Nie wieder Judenhass!' des Zentralrats der Juden in Deutschland stehen im September 2014 vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Im Kampf gegen religiöse Intoleranz setzen Vertreter der Religionsgemeinschaften in Köln auf einen starken Rechtsstaat und den Dialog.

"Die jüdische historische Erfahrung mit Toleranz ist schlecht", sagte der jüdische Publizist Günther Bernd Ginzel am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion. Auch heute noch gebe es kein jüdisches Kind und keinen jüdischen Jugendlichen, der nicht schon antisemitische Erfahrungen gemacht habe. Deshalb sei wichtiger als Toleranz, dass die plurale Gesellschaft alles daransetze, gleiches Recht für alle durchzusetzen, so wie es Grundgesetz und der Rechtsstaat garantierten.

Es gebe auch kein muslimisches Kind und keinen muslimischen Jugendlichen, der nicht schon anti-islamische Erfahrungen gemacht habe, ergänzte die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Sie forderte dazu auf, Islamfeindlichkeit zu bekämpfen, nicht nur wegen des grundgesetzlich verbrieften Rechts der Religionsfreiheit. "Der Islamismus lebt von der Islamfeindlichkeit. Er kann immer darauf verweisen, dass die Welt feindlich ist und man sich wehren muss."

Die christlichen Kirchen setzen zudem auf den Dialog. Nach seiner Beobachtung wüssten viele Menschen heute nicht mehr, wofür sie eigentlich stehen und welche Meinung sie hätten, sagte Generalvikar Dominik Meiering vom Erzbistum Köln. Ihr Standpunkt richte sich oft danach, was gerade in den sozialen Medien Thema sei, und verpuffe auch ebenso schnell wieder. "Wo sind die stabilen Orte?" fragte er und sah einen "riesigen gesellschaftlichen Auftrag, Räume zu schaffen, in denen man sich angenommen fühlt".

"Auf den größten Teil der Muslime trifft all das nicht zu, was die Menschen auf sie projizieren", hob der Kölner Stadtsuperintendent Rolf Domning hervor. Er wolle deutlich machen, dass das Misstrauen und die Feindseligkeit Leben zerstöre. Auch in Köln habe es die Toleranz manchmal schwer. Der evangelische Theologe hat aber auch erfahren, dass "die Kölner gleichzeitig klare Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit setzen und eine große Bereitschaft zur Integration zeigen".

Die Diskussion war Teil der Begleitprogramms zur Ausstellung "Hilliges Köln 2.0 - Toleranz im Update?", die das Historische Archiv der Stadt Köln aus Anlass des 500jährigen Reformationsjubiläums zeigt. Die Schau ist noch bis zum 12. November zu sehen.