Dröge: Kirche muss offensiv gegen völkisches Denken vorgehen

"Wenn der Rechtspopulismus wieder beginnt, völkisches Denken zu verbreiten oder wieder beginnt, unterschiedliche Menschengruppierungen unterschiedlich in ihrer Würde zu bewerten, dann müssen wir eine Kirche sein, die offensiv dagegen vorgeht", so Dröge.

Der Berliner Bischof Markus Dröge hat sich erneut für eine klare Positionierung der Kirche gegen den Rechtspopulismus ausgesprochen. "Wenn der Rechtspopulismus wieder beginnt, völkisches Denken zu verbreiten oder wieder beginnt, unterschiedliche Menschengruppierungen unterschiedlich in ihrer Würde zu bewerten, dann müssen wir eine Kirche sein, die offensiv dagegen vorgeht", sagte Dröge dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel" (Sonntag).

Dabei könne die aktuelle Entwicklung in Deutschland aber nicht mit der Endphase der Weimarer Republik verglichen werden: "Wir haben keine instabile Gesellschaft wie Anfang der Dreißiger Jahre. Wir haben gefestigte demokratische Institutionen und eine sichere Wirtschaftslage", so der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Mit Blick auf die im Vergleich zu Westdeutschland sehr viel geringere kirchliche Bindung der Ostdeutschen sagte Dröge, "Ostdeutschland gehört weltweit zu den Gebieten, in denen die Menschen am wenigsten religiös sind". Fast überall sonst auf der Erde gehöre Religiosität zum Menschsein. "In Ostdeutschland liegt das an der Erziehungspolitik der DDR", so Dröge. Die Gleichgültigkeit oder gar feindliche Haltung gegenüber der Kirche habe historische Gründe, "weil die Kirche in der DDR als Machtinstrument angeprangert wurde, zum Beispiel wegen der Kreuzzüge".

Zudem hätten viele Menschen seit dem Untergang der DDR eine innere Abneigung gegen alles, "was so wirkt wie eine ideologische Großinstitution". Es sei deshalb eine Generationenaufgabe, wieder Vertrauen in den christlichen Glauben zu schaffen. "Und das geht nur ökumenisch", also gemeinsam mit der katholischen Kirche, sagte der evangelische Bischof weiter.

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