Lutherischer Weltbund sieht Reformation als "Weltbürgerin"

Lutherischer Weltbund sieht Reformation als "Weltbürgerin"
Die Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 steht im Mittelpunkt der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) ab dem 17. Juni in Genf. Bei der Tagung der weltweiten Gemeinschaft von 142 lutherischen Kirchen geht es bis zum 23. Juni auch um Sparmaßnahmen. Der württembergische lutherische Landesbischof Frank Otfried July, der auch LWB-Vizepräsident ist, erläutert die Pläne des Weltbundes.

In welcher Weise sollte sich der Dachverband der Lutheraner aus Ihrer Sicht am Reformationsjubiläum 2017 beteiligen? Was ist konkret geplant?

Otfried July: Der Lutherische Weltbund bringt sich mit drei Schwerpunkten beim Reformationsjubiläum ein. Zum einen ist ihm wichtig, dass die Reformation eine 'Weltbürgerin' ist und nicht auf Deutschland beschränkt. Zum Zweiten ist ihm wichtig, dass ein Reformationsgedenken nur zusammen mit der römisch-katholischen Kirche möglich ist und zum dritten sollen konkrete Inhalte festgelegt werden für die Zukunft, damit das Jubiläum nicht rückwärtsgewandt ist. Inhalte, die den einzelnen Kirchen, auch und vor allem den Minderheitenkirchen, zugutekommen.

Sehen Sie bei diesen Plänen aufkommende Differenzen zur Linie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)?

July: Ich sehe keinerlei Differenzen. Denn der Lutherische Weltbund agiert weltweit und die EKD plant ja ihre Aktivitäten vor allem in Deutschland. Also keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Schön und angemessen finde ich es, dass die Ratstagung im nächsten Jahr bewusst in Wittenberg abgehalten wird. Da ist dann Gelegenheit, die deutsche Sicht der Reformation deutlich werden zu lassen und den internationalen Gäste vom Rat zu zeigen, wo die Stätten der Reformation liegen, welche Programme deutsche Kirchen für die Zukunft planen und wie Kirche in Deutschland "funktioniert". Für mich besonders wichtig dabei ist auch unser selbstverständliches Zusammenspiel von verfasster Kirche und Diakonie.

Wie ist die finanzielle Situation des Lutherischen Weltbundes derzeit?

Frank Otfried July: Die finanzielle Situation ist extrem angespannt nach den Währungsaktivitäten der Schweizerischen Bundesbank. Der Schweizer Franken wurde von jetzt auf gleich um 20 Prozent aufgewertet. Das muss man erst mal verkraften. Von einem Tag zum anderen musste der Luterhische Weltbund reagieren, um die finanzielle Situation zu bewältigen: Beispielsweise mussten alle Angestellten in Genf acht Tage unbezahlten Urlaub nehmen. Andere Abschläge beim Gehalt werden folgen. Insgesamt muss darüber nachgedacht werden, wie wir den teuren Schweizer Platz weiterhin halten können oder ob über Alternativen nachgedacht werden muss. Aber in den vergangenen Jahren hat der Weltbund finanziell sehr solide gearbeitet und ist deshalb gut aufgestellt. Es wurden keine Schulden gemacht und die Zahlungsmoral der Mitgliedskirchen hat sich stetig verbessert.

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