1.060 Seiten-Synopse: Haffmanns Bibelübersicht

1.060 Seiten-Synopse: Haffmanns Bibelübersicht

Zugegeben: Ich kann weder griechisch noch latein. Obwohl es Leute gibt, die meinen man müsste das als Assistent an Bibliotheken - mein gelernter Beruf - ja wohl irgendwie können. Gut, arbeitet man in einer Spezialbibliothek, die sich ausschließlich auf alte Sprachen kapriziert hat, dann wäre das natürlich ein Grund. Generell aber: Eher nicht. Dennoch habe ich mir jetzt für wenig Geld eine Synopse des Neuen Testaments bestellt. Wie stilvoll ist das denn?

Gut, äußerlich macht die Ausgabe des Haffmann-Verlags nun nicht viel her: Keine Illustrationen, kein besonderes Etwas. Irgendwie recht bescheiden machen sich die rund 1.060 Seiten aus. Schon das Gewicht alleine lässt darauf schließen, dass man es nicht unbedingt als Bettlektüre empfehlen kann. Der Inhalt: Das Neue Testament. Und zwar auf vier Spalten zur Übersicht angeordnet vier Texte. Eine Synopse halt. Gibts zum Beispiel gerne öfters für die Vier Evangelien um zu Vergleichen, wer da von wem - ähm - also wer da was nun überliefert hat, welche Quellen die gemeinsam haben könnten. Zeile für Zeile, Kapitel für Kapitel gegenüberstellt. Das schärft den Blick beim Lesen.

Gemeinhin braucht sowas eigentlich nur der Wissenschaftler. Der ich natürlich nicht bin, aber ich habe mir dennoch den Band gekauft. Gut, griechisch kann ich nicht weder lesen noch verstehen und von der lateinischen Sprache habe ich auch keine Ahnung - allenfalls einige Redewendungen oder eben halt das "Magnifikat", Texte der Taize-Gesänge eventuell noch - "Laudates omnes gentes" - aber da hörts dann schon auf. Dennoch fasziniert mich hier der Klang der Sprache. Das lautbar Gemachte. Und einige Dinge sind mir dann doch vertrauter als ich dachte stelle ich beim Blättern in der Ausgabe fest.

Dass einige Dinge mir auch fremder sind merke ich, wenn ich mich der Luther-Übersetzung in dieser Ausgabe widme. Einige Formulierungen und Wörter sind hier wohl näher an der ursprünglichen Ausgabe - und beim Lesen entdecke ich aber auch erneut, dass Luther einfach kraftvoll und anschaulich ist. "Aber die Weingärtner stäupten ihn und ließen ihn leer von sich" - so stehts im "Gleichniß von den Weingärtnern". Das hat irgendwie was. Selbst wenn man heute nachschlagen muss, was stäupen bedeutet - man kanns aber erahnen - Luthers Fassung ist einfach nach wie vor unvergleichlich.

Gerade das Vergleichen macht aber den Reiz einer Synopse aus - denn als vierte Spalte ist die King James Übersetzung angefügt. "... but the husbandmen beat him and sent him away empty" - heißt etwa die obige Stelle im Englischen. Das Vergleichen zwischen Deutsch und Englisch ist für mich persönlich immer wieder auch reizvoll, weil ich dadurch den deutschen Text nochmal anders und neu erlebe. Eine sinnliche Leseerfahrung, ein bißchen Detektivspiel natürlich auch - und das macht mir halt Spaß.

Stilvoll ausgestattet ist diese Synopse nicht, aber die verschiedenen Typographien machen natürlich auch etwas aus. Zudem: Das Ganze ist eine Reproduktion aus dem Jahr 1858 - und selbst die war, laut Vorwort, schon eine Auflage von einer früheren Version. Insofern hat man hier gleichzeitig noch ein Stück Druckgeschichte in der Hand.

Sicherlich nichts als Abendlektüre fürs Bett. Handlich ist das Ganze nun wirklich nicht. Aber für den Handapparat eines interessierten Laien wie mich einfach eine schöne Bereicherung. Und ehrlich geschrieben: Die war auch gar nicht teuer. Das war noch ein Grund warum diese Synopse jetzt im Bücherschrank zu finden ist. :-)

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