Studie: Inklusion ist gefährdet

Studie: Inklusion ist gefährdet
Zahl der Kinder mit Förderbedarf steigt
Bundesweit öffnen sich einer Studie zufolge immer mehr Schulen für Förderschüler. Zugleich sei jedoch auch die Zahl von behinderten Kindern mit einem Förderbedarf gestiegen, erklärte die Bertelsmann Stiftung bei der Vorstellung ihres aktuellen "Datenreports Inklusion" am Mittwoch in Gütersloh.

Deshalb bleibt der Anteil der Schüler an Sonderschulen gleich. Die Chancen auf einen Abschluss seien dort nach wie vor schlecht. Im letzten Schuljahr verließen fast drei Viertel (72,6 Prozent) der betroffenen Jugendlichen die Sonderschule ohne einen Abschluss.

Im Schuljahr 2012/13 besuchten rund 28 Prozent der insgesamt knapp eine halbe Million Förderschüler eine Regelschule. Fünf Jahre zuvor lag der Inklusionsanteil der Studie noch bei 18,4 Prozent. Im vergangenen Schuljahr hatten von 1.000 Kindern 66 Schüler Förderbedarf. Von diesen besuchten 48 eine Förderschule. Innerhalb von fünf Jahren stieg bundesweit der Anteil der Schüler bis zur zehnten Klasse mit besonderem Förderbedarf um zehn Prozentpunkte von sechs auf 6,6 Prozent.

Warum wird mehr Förderbedarf festgestellt?

"Von einem Systemwandel kann hier noch nicht die Rede sein, denn das Doppelsystem aus Regel- und Sonderschulen bleibt bestehen", erklärte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Der Anstieg der Schüler mit besonderem sonderpädagogischen Bedarf deute einen bisher verdeckten Förderbedarf an. Wenn die vorhandenen Mittel im Förderschulsystem gebunden blieben, sei die Inklusion in den Regelschulen ernsthaft gefährdet, mahnte Dräger. Nötig sei jetzt "konzeptionell und finanziell eine nationale Kraftanstrengung von Bund und Ländern".

Über die Ursache für die steigenden Zahlen könne zurzeit nur spekuliert werden, sagte Nicole Hollenbach-Biele von der Stiftung dem Evangelischen Pressedienst (epd). Möglich sei, dass durch sensiblere Untersuchungen, aber auch durch eine größere gesellschaftliche Akzeptanz inzwischen häufiger ein Förderbedarf erkannt werde.

Laut der Studie gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Mecklenburg-Vorpommern haben anteilig doppelt so viele Kinder Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz (10,1 bzw. 5,1 Prozent). In Bremen besuchten vier Mal so viele Schüler mit Behinderung eine reguläre Schule wie in Niedersachsen (rund 63 bzw. 15 Prozent). Für die Studie wurden aktuelle, öffentlich verfügbare Daten aus dem Schuljahr 2012/13 ausgewertet.

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