DJV nimmt Augstein vor Antisemitismus-Vorwürfen in Schutz

DJV nimmt Augstein vor Antisemitismus-Vorwürfen in Schutz
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) nimmt den Publizisten Jakob Augstein vor Antisemitismus-Vorwürfen des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Schutz. Für solche Vorwürfe böten die bisher erschienenen Artikel keinen Anlass, sagte Verbandssprecher Hendrik Zörner am Donnerstag in Berlin.
Deutschland spricht 2019

Das Wiesenthal-Zentrum hatte den Herausgeber der Wochenzeitung "Der Freitag" auf eine Liste der zehn einflussreichsten Antisemiten des Jahres 2012 gesetzt. Zur Begründung wurden mehrere Kolumnen Augsteins auf "Spiegel Online" angeführt. Das Zentrum berief sich in seiner Einschätzung auch auf den Publizisten Henryk M. Broder, der Augstein unter anderem als "kleinen Streicher" bezeichnet habe. Julius Streicher, Gauleiter in Franken, gilt als einer der schlimmsten Propagandisten der NS-Zeit.

In den inkriminierten Passagen seiner Kolumnen übt Augstein, Sohn des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein, scharfe Kritik an der israelischen Regierung und ihrer Haltung im Gaza-Konflikt. Zudem verweist er darauf, dass auch in der israelischen Gesellschaft Fundamentalisten über nicht geringen Einfluss verfügten. DJV-Sprecher Zörner sagte, die vom Wiesenthal-Zentrum angeführten Belege seien nicht stichhaltig und könnten die schweren Vorwürfe nicht belegen. Augstein hatte zuvor erklärt, das Zentrum schwäche sich selbst, wenn es kritischen Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiere.

Ägyptische Muslimbrüder und Ahmedindedschad auf den ersten Plätzen

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum ist eine weltweit aktive jüdische Menschenrechtsorganisation mit Büros in den USA, Lateinamerika, Paris und Jerusalem. Benannt ist es nach dem als "Nazi-Jäger" bekannten österreichischen Holocaust-Überlebenden Simon Wiesenthal (1908-2005). Das von dem Publizisten in Wien gegründete Dokumentationszentrum zu Tätern und Verbrechen der NS-Zeit heißt heute Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien.

Auf den ersten Platz seiner jährlich herausgegebenen Liste der zehn schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Beschimpfungen setzte das Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles die ägyptischen Muslimbrüder Mohammed Badie und Futouh Abd Al-Nabi Mansour. Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad folgt auf dem zweiten Platz, Augstein findet sich auf Platz neun.

Meldungen

Top Meldung
30. Jubiläum Mauerfall
In einem Videoprojekt des Evangelischen Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg berichten Zeitzeugen aus Ost- und West-Berlin von ihren Erlebnissen im Herbst '89. Die elf Videos gehen bis zum 9. November nacheinander auf Youtube online.