Neusser Seelsorgerin: Messerangriff spiegelt gesellschaftliche Entwicklung

Neusser Seelsorgerin: Messerangriff spiegelt gesellschaftliche Entwicklung
Der tödliche Messerangriff auf eine Mitarbeiterin der Jobagentur Neuss ist nach Einschätzung der in dem Fall tätigen Notfallseelsorgerin Angelika Ludwig Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

Gewalt und Aggression seien zunehmend in allen gesellschaftlichen Bereichen zu finden, sagte die evangelische Pfarrerin in Neuss. "Menschen reagieren zusehends hilflos in Ausnahmensituationen, Verhalten schlägt in Gewalt um."

In die Arbeitsagenturen kämen Menschen mit existenziellen Anliegen. Ähnliches erlebe sie in ihrer Arbeit als Seelsorgerin an einem Neusser Krankenhaus, erläuterte Ludwig

Spätfolgen abfedern

Patienten müssten sich unerwarteten medizinischen Diagnosen stellen, auch Angehörige erlebe sie zusehends hilfloser. Die Theologin verwies auch auf aggressives Verhalten im Straßenverkehr oder gegenüber Polizeibeamten bei Kontrollen.

Für die Mitarbeiter des Neusser Jobcenters, die den Tod einer jungen Kollegin und auch ihre eigene Hilflosigkeit erleben mussten, bietet das Team der Notfallseelsorge Sprechstunden als Teil der Einsatznachsorge an. "Ein begleitetes Erleben der Dinge kann vorbeugen helfen und Spätfolgen abfedern", sagte Ludwig. Nach einem derart einschneidenden Erlebnis und dem Verlust einer Kollegin trete der reguläre Arbeitsalltag für die Mitarbeiter in den Hintergrund. Die Familie der Toten werde gesondert betreut.