EKD-Kulturbeauftragter: Kauft Konzertkarten!

Portrait Johann Hinrich Claussen

© epd-bild/Norbert Neetz

Der EKD-Kulturbeauftragter Johann Hinrich Claussen fordert Bürger auf, sich Konzertkarten zu kaufen, um ein Zeichen der Solidarität mit den Künstlern in der Corona-Krise zu setzen.

EKD-Kulturbeauftragter: Kauft Konzertkarten!
Angesichts der dramatischen Folgen der Corona-Krise für freiberufliche Musiker erwägt die evangelische Kirche Hilfen. Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, macht Vorschläge dazu.
20.03.2020
Renate Kortheuer-Schüring
epd

"Es ist dringend notwendig, dass wir uns solidarisch zeigen", sagte der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf Hunderte und mehr abgesagter Kirchenmusik-Konzerte. Er reagierte damit auf einen Appell des Deutschen Musikrats an die Kirchen, Musikern ihr Honorar auch im Falle gecancelter Veranstaltungen zu zahlen.

"Da es keinen zentralen Topf gibt, müssen wir kreativ werden", sagte Claussen. In den Festgottesdiensten zu Ostern etwa, die nicht stattfinden dürfen, wären viele freiberufliche Musiker aufgetreten. Das Geld für deren Auftritte sei zumeist in den Haushalten der Kirchengemeinden schon eingeplant; daher müsse man jetzt nur "Kulanzregeln" finden, um die Musiker zu bezahlen. "Das wäre ein erstes Signal", sagte der Theologe und Kulturexperte.

Vor dem Hintergrund abgesagter Konzerte - von den Aufführungen großer Passions-Oratorien bis hin zu den vielen kleineren Musik-Darbietungen - appellierte der EKD-Kulturbeauftragte an das Publikum zu spenden. "Kauft als Spende Karten für ein nicht gegebenes Konzert", sagte Claussen: "Das wird ausbezahlt an freiberufliche Musiker." Neben dem Sammeln von Online-Spenden müssten aber auch EKD, Landeskirchen und Kirchengemeinden "in ihre Töpfe gucken, um die dramatische Situation zu lindern und ein Zeichen der Solidarität mit den Künstlern zu setzen".

Jetzt komme es darauf an, vor Ort gute Ideen zu entwickeln, sagte Claussen. So könnten zum Beispiel auch Festangestellte darüber nachdenken, einen Teil ihres Gehalts abzugeben. Es sei zu befürchten, dass den ganzen Sommer über keine Konzerte stattfinden könnten, und dies sei schließlich die Zeit kirchlicher Sommermusiken, vor allem im ländlichen Raum.

Glocken als musikalischer Gruß der Kirche

Der Theologe schlug auch vor, das Glockengeläut "neu zu entdecken". Das Läuten könne in Corona-Zeiten ein wichtiges Signal in die Orte senden, sagte er. So könne man jetzt etwa überlegen, überall um zwölf oder um 18 Uhr zu läuten. Wenn es sonst im Straßenlärm untergegangen sei, würden jetzt die Glocken gehört - als musikalischer Gruß der Kirche, ein Zeichen der Solidarität und der Hoffnung.

Die EKD und die evangelischen Landeskirchen wollen auf ihrer anstehenden Kirchenkonferenz in der kommenden Woche über Maßnahmen zur Unterstützung der Kirchenmusik beraten. Die Konferenz findet digital statt.

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