Fundraising-Forum - Der langjährige Börsenberichterstatter der ARD, Frank Lehmann, hat den Werteverfall als Hauptursache der derzeitigen Finanzmarktkrise bezeichnet. Mit der Globalisierung seien die Wertesysteme zertrümmert und der Markt zur "neuen Religion" erkoren worden, sagte der Wirtschaftsjournalist am Dienstag in Frankfurt am Main beim Fundraising-Forum von evangelischer Kirche und Diakonie in Hessen und Nassau.
Als weitere Ursachen nannte Lehmann das "Erfinden neuer Produkte durch schnöselige Finanzdesigner" sowie die "mangelnden Englischkenntnisse der Vorstände, diese Produkte zu verstehen". Das Gefährlichste seien jedoch die im "vorhinein zugesicherten Boni" gewesen, fügte der Börsenexperte hinzu. Diese hätten die Investmentbanker dazu verleitet, an nichts anderes zu denken als an ihren persönlichen Profit.
Trotz der gewaltigen Verluste der Geldhäuser und der Auswirkungen auf die sogenannte "Realwirtschaft" habe sich seit dem Crash vor einem Jahr kaum etwas verändert, rügte das Kuratoriumsmitglied der Stiftung der hessen-nassauischen Kirche. Die Märkte befänden sich derzeit in einer "neuen Gierphase". Dabei sei erst ein Drittel der sogenannten "toxischen" Wertpapiere abgeschrieben.
Vor diesem Hintergrund müsse sich die Kirche stärker als bisher als ethische und moralische Kraft profilieren, mahnte Lehmann. Sie habe etwa die Aufgabe, im Denken der Finanzfachleute "Leitplanken wie Verantwortung, Mitgefühl und Nächstenliebe einzuziehen". Studierende und angehende Bankkaufleute sehnten sich geradezu danach.
Dabei müsse die Kirche allerdings darauf achten, dass sie den Bogen nicht überspanne und ihre Eigenkompetenzen überschreite wie etwa der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, so Lehmann. Der Berliner Bischof hatte sich nach einer persönlichen Kritik an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann öffentlich entschuldigt. Das Motto des 7. Fundraising-Forums in der DZ-Bank lautet "Ethisch währt am längsten".