Experte: Menschen suchen nach ethischen Geldanlagen

Sparschweine

Nach der großen Krise wollen die Menschen ihr Geld nicht mehr nur nach reinen Renditekriterien anelgen. Foto: iStockphoto

Finanzkrise - Die Finanzkrise hat vielen Menschen offenbar die Augen geöffnet: Bis zu zehn Millionen Anleger möchten ihr Geld so investieren, dass es ethischen und moralischen Ansprüchen genügt.

Der Vorstandssprecher der alternativen GLS Bank, Thomas Jorberg, hat einschneidende Veränderungen im Finanzmarktsystem angemahnt. "Die Größe der Banken muss beschränkt werden", forderte Jorberg in einem epd-Gespräch. Zudem seien für sogenannte Leerverkäufe, den Handel mit verbrieften Kreditforderungen und auf den Rohstoffmärkten Regelungen nötig, "die das reine Spekulieren unterbinden".

Für Alternativbanken wie die Bochumer GLS Bank, die Kredite an ökologische, soziale oder kulturelle Projekte vergeben, sieht der 52-Jährige eine gute Perspektive: "Die Menschen merken, dass der rein renditeorientierte Umgang mit Geld nicht nur sozial und ökologisch, sondern auch ökonomisch problematisch ist." Sieben bis zehn Millionen Deutsche wollten ihren Konsum und ihre Geldanlage nachhaltig umgestalten: "Das ist unser Potenzial."

Im klassischen Bankgeschäft sei hingegen "eher Deregulierung notwendig". Die Konsequenzen, die aus der Krise gezogen worden seien, reichten bei weitem nicht aus. "Offensichtlich ist der Druck noch nicht groß genug", konstatierte Jorberg.

Eine exakte Wiederholung der Finanzmarktkrise werde es dennoch nicht geben, sagte der alternative Bankmanager: "So lernfähig sind die Akteure schon." Die Banken hätten nun Rohstoffe als Anlagemöglichkeit neu entdeckt. Das führe zu Blasen, ähnlich wie 2008 auf dem US-Immobilienmarkt. Auch die Entwicklung des DAX habe keine realwirtschaftlichen Grundlagen, sondern spekulative. Zudem sei "weltweit viel zu viel Geld im Umlauf".

Die Finanzmarktkrise habe die Arbeitsweise der Alternativbanken bestätigt und bewirkt, "dass die Menschen nun auch gesagt bekommen: Die Zusammenhänge sind kompliziert, mach nur das, was du auch verstehst!", resümierte Jorberg. Das sei die wichtigste Regel bei einer Geldanlage, so der Alternativbanker. "Dann kommt die nächste Frage automatisch: Was wird eigentlich mit meinem Geld gemacht?"

epd

Kommentare

RE: Experte: Menschen suchen nach ethischen Geldanlagen

Hallo,

dass tatsächlich 7-10 Millionen Deutsche ihren Geldanlage "nachhaltig umgestalten" wollen halte ich für übertrieben. Mag sein, dass bei einer Befragung viele Menschen angeben, sie wären für eine faire Geldanlage und Banken, die offen legen, was sie mit dem Geld der Anleger machen. Ich schätze jedoch, dass sich monatlich maximal 5000 Deutsche konkret mit diesem Thema auseinandersetzen. Das merkt man u.a. auch an der Auflagenstärke entsprechende Bücher. Dabei ist es doch so einfach ... ein Überblick ethischer Banken kann dabei die persönliche Entscheidung erleichtern.

Viele Grüße!

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