Billig oder Qualität: Was wollen die Verbraucher eigentlich?

Der Preiskampf der Discounter geht weiter

Mit ihren Preissenkungen sprechen Discounter auch auch die Kunden an, die sich immer weniger leisten können. Nach Ansicht der Gesellschaft für Konsumforschung dürfte die Zahl derer, die auch bei Lebensmitteln sehr auf den Preis achten müssen, in diesem Jahr noch mal zunehmen. Foto: dpa / Fredrik von Erichsen

Preiswettbewerb - Die großen Discounter haben seit Jahresbeginn bereits die dritte Preissenkungsrunde eingeläutet. Doch wie passen immer billigere Lebensmittel und hohe Qualitätsansprüche zusammen?

Von Maren Martell

Pfirsichhälften um 21 Prozent, Apfelmus um 13 Prozent billiger! Seit Jahresbeginn drehen die großen Supermarktketten wieder an den Preisen und setzen ihren brutalen Preiswettbewerb vom vergangenen Jahr fort. Zuletzt griffen die Discounter Aldi, Penny, Norma und Lidl zum Rotstift und läuteten die bereits dritte Preissenkungsrunde in diesem Jahr ein. Die Billigheimer sprechen damit auch die Kunden an, die sich immer weniger leisten können. Andererseits verunsichern Meldungen über Imitatkäse oder Pestizidrückstände in Obst und Gemüse die Verbraucher. Immer billigere Lebensmittel und doch hohe Qualitätsansprüche - wie passt das eigentlich zusammen?

"Aldi senkt die Preise, nie die Qualität! Wir bieten Ihnen den niedrigsten Preis, der bei hoher Qualität möglich ist", verspricht beispielsweise der Marktführer unter den Discountern vollmundig in großen Zeitungsanzeigen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch, die gerade in der vergangenen Zeit zahlreiche Missstände bei Nahrungsmitteln anprangerte, sieht darin aber keinen Widerspruch. "Es tobt ein Preis- und kein Qualitätswettbewerb", sagt Sprecher Martin Rücker. Gerade Discounter würden nicht unbedingt immer die schlechteste Qualität anbieten. Das zeigten auch zahlreiche Verbrauchertests.

Qualitäten kaum zu unterscheiden

Für die Verbraucher sei es ohnehin kaum möglich, in den Supermarktregalen gute von schlechter Qualität zu unterscheiden. Mit der Verpackung werde beispielsweise nur suggeriert, dass der Inhalt hochwertiger ist und damit auch seinen Preis haben muss. Rücker nennt dabei Milch als Beispiel. Hier sei nicht zu erkennen, ob sich hinter der feinen Glasflasche mit schönem Etikett von glücklichen Landkühen auch ein besserer Inhalt verberge als in der Tetrapackung einer billigeren No-Name-Handelsmarke. "Gerade bei Milch ist es schwierig nachzuvollziehen, auf welcher Weide die Kühe standen und wie die Milch verarbeitet wurde."

Nach Rückers Beobachtungen gibt es aber durchaus Verbraucher, die weiterhin bereit sind, für gute Lebensmittelqualität tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Das zeige beispielsweise die Entwicklung auf dem Biomarkt. Zwar stagniere dieser insgesamt. Doch Rückgänge verzeichnen vor allem die Bio-Angebote der Discounter, der Absatz von klassischen Bioprodukten mit anerkanntem Gütesiegel laufe hingegen weiter gut.

Zwei Verbrauchertrends

Auch die Marktforscher beobachten zwei Trends: Zum einen wird immer weniger für Ernährung ausgegeben. Zum anderen stehen Werte wie Verantwortung, Vertrauen und Sicherheit wieder hoch im Kurs. Und das sicher auch als Reaktion auf die zahlreichen Lebensmittelskandale und Berichte über Mogeleien bei Verpackungen und Inhaltsstoffen.

Nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kauft mittlerweile fast die Hälfte der Deutschen Lebensmittel und Getränke so preisgünstig wie möglich ein. Beim Autofahren schränkten sich hingegen nur knapp 22 Prozent ein. Auch die Gesamtausgaben für Nahrungsmittel und Getränke sind im Krisenjahr 2009 zurückgegangen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes waren es im vergangenen Jahr nur noch 193 Milliarden, nach rund 195 Milliarden Euro in 2008. Der GfK zufolge dürfte auch in diesem Jahr die Zahl der Menschen, die sich immer weniger leisten können und auch bei Lebensmitteln sehr auf den Preis achten müssen, noch mal zunehmen.

Grundrecht auf gesunde Ernährung

Das Ringen um mehr Transparenz bei den Lebensmitteln zeigt sich auch an der Debatte um die Ampelkennzeichnung. Mit den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün sollen die Hersteller zu Angaben über den Gehalt von Fett, Zucker und Salz verpflichtet werden. Einen Beitrag zu mehr Information leistet bereits der Einzelhandel: So werden jetzt Daten zu möglichen Pestizidrückständen bei Obst und Gemüse zentral gesammelt. Ziel ist eine Datenbank, die helfen soll, die Einhaltung der zulässigen Höchstgrenzen besser zu überprüfen und Fehlentwicklungen schneller zu erkennen. Für Foodwatch ist es sogar ein Grundrecht, dass jeder Verbraucher die Möglichkeit hat, sich ausgewogen zu ernähren: "Da reicht es nicht, nur zu sagen, die Leute müssen satt werden."

dpa

Kommentare

Verfasst von Gast am 13. März 2010 - 17:04.

Lebensmittel werden eben fast

Lebensmittel werden eben fast täglich gekauft und nehmen bei Familien auch...

Lebensmittel werden eben fast täglich gekauft und nehmen bei Familien auch einen relativ hohen Teil der Ausgaben ein. Daher ist es doch verständlich, dass nach günstigen Angeboten gesucht wird.
Bei immer niedrigeren Löhnen und steigenden Ausgaben, muss doch jeder sehen, wo er mit seinem Geld bleibt. Bei hohem Einkommen kann ich nach Qualität fragen und einen entsprechenden Preis zahlen. Doch diese Frage wird doch eher immer mehr zu einer Luxusfrage.

Verfasst von Coriander am 7. Oktober 2010 - 10:50.

Luxusfrage

Ja und nein. Es hat auch viel mit den Essgewohnheiten und Einstellungen zu tun...

Ja und nein. Es hat auch viel mit den Essgewohnheiten und Einstellungen zu tun. Wenn es mehrmals in der Woche Fleisch sein muss, bleibt nichts anderes, als zum Billigsten zu greifen.

Aber ist ein tiefgefrorenes Hähnchen-"Cordon bleu" aus Massentierhaltung bei einem Kilopreis von 10 Euro billig? Oder auch nur seinen Preis wert? Wir wollen gar nicht wissen, was in diesem Produkt die Rolle von "Schinken" und "Käse" übernommen hat. Zum Glück ist es paniert.

Oder: Die Kühltheke beim Aldi liegt voll mit "frischer Pasta" und "Bratkartoffeln" aus der Tüte. Es gibt tiefgefrorene "Kartoffelrösti" mit und ohne Spinat. Es gibt fertige "Kartoffel-Gnocchi" ... "Antipasti", die man mit wenig Aufwand aus preiswerten Zutaten selbst machen könnte ... Reibekuchenteig mit Konservierungsmitteln, damit der nicht braun wird ... Wie preiswert ist das? Da es beim Aldi massenweise rumliegt, wird es wohl auch gekauft. Von den Leuten mit wenig Geld. Oder?

Man zahlt auch beim Discounter drauf, wenn man nicht kochen kann. Kann man dagegen mit Kartoffeln und Gemüse umgehen, lässt man die Finger von Convenience-Produkten und hält sich an Gemüse der Saison, dann kriegt man einen abwechslungsreichen Speisezettel hin, wo einmal in der Woche ein Bio-Kotelett durchaus drin ist. Ich weiß das, ich muss auch schon mal den Eurocent umdrehen. Auf Qualität zu sehen heißt nicht Markenfritten kaufen, sondern anständige Kartoffeln. Und schon liegt man mit dem Preis auch besser.

Natürlich ist es ein schöneres Gefühl, einfach so einkaufen zu gehen und nicht auf den Euro gucken zu müssen. Natürlich sind die Hartz-IV-Sätze unwürdig niedrig auch für Leute, die rechnen und kochen können. Natürlich ist es eine Schweinerei, wie mit Minijobs und ungerechten Löhnen die Menschen am Existenzminimum gehalten werden.

Ich meine nur, dass man selbst ein bisschen steuern kann, wofür man seine Euros ausgibt. Es gibt eine ganze Reihe von Produkten gerade beim Discounter, die man boykottieren soll und kann, und nicht zum Schaden des Portemonnaies. Immer nur nach dem "Billigsten" greifen, das hält die Discounter am Leben und bestätigt ihre Strategie, die Lieferanten zu drücken.

Coriander

 

 

- Streite dich nicht mit einem Dummkopf. Er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung. (Quelle unbekannt)-

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