Kopenhagen stärkt den Einfallsreichtum

Berliner Demonstration für Klimaschutz

Klimaschutz jetzt: Vor Beginnn der Kopenhagen-Konferenz demonstrieren Umweltschützer in Berlin. Foto: dpa / Tim Brakemeier

Klimaschutz - Zwei Tage vor Beginn des UN-Klimagipfels in Kopenhagen haben Umweltschützer mit einfallsreichen Aktionen in ganz Deutschland für einen Erfolg der Konferenz geworben.

Sie riefen die Bundesregierung am Samstag dazu auf, sich für einen Verhandlungserfolg einzusetzen. Der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, mahnte mehr Mittel für die ärmeren Länder beim Klimaschutz an. Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Europaparlament, Jo Leinen (SPD), warnte vor den Folgen der Erderwärmung bei einem Scheitern der Konferenz.

Die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen beginnt am Montag in Kopenhagen. Zwei Wochen lang werden Delegierte aus rund 190 Ländern in der dänischen Hauptstadt über ein neues internationales Klimaabkommen verhandeln. Erwartet wird ein hartes Ringen um die Minderung von Treibhausgasen in Industrie- und Schwellenländern. Mehr als 80 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama.

Riesiges Aquarium

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin stellten Aktivisten am Samstag in einem riesigen Aquarium eine Verhandlungsrunde nach, bei der den Politikern das Wasser buchstäblich bis zum Hals stand. Schon jetzt litten viele Menschen auf der Erde unter den Folgen der Erderwärmung, erklärte die Klima-Allianz. Nach Angaben des Bündnisses von rund 90 Organisationen waren in anderen Städten zahlreiche weitere Aktionen geplant. In Greifswald stachen die "Klimapiraten" mit zwei Segelschiffen und dem Ziel Kopenhagen in See. Der HSV habe sein Fußballbundesliga-Spiel am Nachmittag gegen Hoffenheim unter das Motto der Klima-Allianz "Act now - Klimaschutz jetzt" gestellt.

Steiner mahnte mehr Geld für die ärmeren Länder für den Klimaschutz an. "Wer von den Entwicklungsländern Emissionsminderungen verlangt, der muss auch dafür sorgen, dass die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen", sagte er der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe). Der Gipfel könne an dieser Frage scheitern, warnte er mit Blick auf die zögerlichen Zusagen der Industrienationen. Nach Einschätzung Steiners müssen jedes Jahr 100 bis 150 Milliarden Euro aufgebracht werden, um den armen Ländern bei der Bewältigung der Klimakrise zu helfen.

Aufforderung an EU

Der Europapolitiker Leinen rechnet nicht mit einem rechtlich bindenden Abkommen in Kopenhagen. Es sei aber nach wie vor beabsichtigt, in zwei Stufen zu einem neuen Klimaschutzvertrag zu kommen. Bei dem Klimagipfel müssten sich die Länder zunächst auf die Eckpunkte des neuen Abkommens einigen, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandradio Kultur. Der ehemalige saarländischen Umweltminister forderte von der EU ehrgeizigere Ziele zur Senkung der Treibhausgase. Es gehe auch darum, den Ehrgeiz der anderen Nationen anzukurbeln, sagte Leinen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sprach sich unterdessen für die Verringerung des Ölverbrauchs beim Autoverkehr aus. Die Automobilindustrie müsse "mit innovativen Lösungen punkten", sagte Ramsauer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch die anderen Verkehrsträger wie der Luft- und Seeverkehr müssten ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Verkehrsministerium sei Klimaschutz zu einem Schwerpunkt geworden. "Ich hoffe, dass man sich in Kopenhagen auf verbindliche und ehrgeizige Ziele einigen wird", sagte Ramsauer.

epd

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