Das Klima-Kochbuch: Einkaufen und genießen

Das Klima Kochbuch

Das Klima Kochbuch bringt viele Tipps, Fakten und spannende Zahlen. Foto: Meike Bergmann und Judith Keller

Klimaschutz - Kochen für den Klimaschutz - unter dieser Zielsetzung haben die "Klimaköche", Autoren und Herausgeber des "Klima Kochbuch" rund um die "BUND Jugend", einen Band von besonderer Aktualität zusammengestellt. Er wendet sich an jeden Konsumenten und ruft uns die Notwendigkeit, den Schutz des Klimas aktiv im Alltag zu verankern, ins Gedächtnis.

Von Andreas Reinwart

Ein Verständnis von gesunder Ernährung als möglichst billigem Luxus auf Kosten der Umwelt oder sozialer Gerechtigkeit greift zu kurz. Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln geschehen unter Bedingungen, die dem Endverbraucher nicht egal sein dürfen. An ihm ist es, sich bewusst für ein Produkt oder gegen ein anderes zu entscheiden - und es ist an ihm, den Prozess seiner Versorgung vom Einkaufen bis zur Zubereitung der Speisen zu reflektieren. Denn allein die ausgewogene Bilanz der Nährwerte einer Mahlzeit zählt nicht mehr. Jeder Konsument muss über den Tellerrand schauen, um zu entdecken, welche Folgen das eigene Kauf- und Essverhalten nicht nur kurzfristig für die eigene Gesundheit, sondern langfristig für das Klima und die weltweiten Lebensbedingungen haben.

Keine Drohnung mit dem Kochlöffel

Hierzu leitet das "Klima Kochbuch" an: zu klimafreundlichem Einkaufen, Kochen und Genießen. Zwar hat der Nahrungskonsum nicht den größten Anteil am CO2-Ausstoß der westlichen Industrienationen, aber er schlägt sich mit immerhin rund 20 Prozent in der Klimabilanz nieder und ist damit eine zu beachtende Größe. Ein Konsum konventionell hergestellter und daher billig vermarkteter Lebensmittel stellt eine vermeidbare Belastung für die Umwelt dar. Deshalb haben es sich die Autorinnen und Autoren zum geradezu aufklärerischen Ziel gesetzt, durch Information jeden Einzelnen zu einem mündigen Käufer und darüber hinaus kreativen Koch zu machen - und ihn schlicht und ergreifend zu vernünftigen Entscheidungen zu befähigen. Die Macher drohen allerdings niemandem mit dem Zeigefinger oder gar mit dem Kochlöffel. Sie hoffen stattdessen, bei den Lesern ein durch Erkenntnis sensibilisiertes Bewusstsein zu schaffen, das zukünftiges Handeln leiten kann.

Praktische Hilfestellung bei der Kaufentscheidung bietet die zum Ende des Bandes abgedruckte Saisontabelle - schließlich besteht im Konsum von frischen, regionalen Erzeugnissen eine der besonders naheliegenden Möglichkeiten, eine überflüssige CO2-Belastung des Klimas zu vermeiden. Mehrere Rubriken zu Sonderthemen geben eine zusätzliche Einführung und weisen auf eine Vielzahl an Informationsmöglichkeiten in der Literatur oder im Internet hin, so zum Beispiel zu Gentechnik, Fairetrade oder virtuellem Wasser.


Bio ist gut für die Umwelt

Der Tenor des Buches lautet: Die guten alten Gewohnheiten müssen allesamt auf den Prüfstand, um Ernährung und Genuss mit einem möglichst niedrigen CO2-Ausstoß zu verbinden. Auch wenn eine völlig klimaneutrale Versorgung unter unseren Lebensbedingungen nicht möglich ist, verfügt doch jeder einzelne Mensch über die Macht, Konsum so zu gestalten, dass seine Klimabilanz möglichst gering ausfällt - beispielsweise durch die Entscheidung für eine fleischreduzierte Ernährung mit fairen, möglichst regional angebauten Bioprodukten anstelle von konventionell hergestellten Lebensmitteln und Fertigprodukten, die nur unter hohem Energieaufwand hergestellt werden können oder gar Fastfood. "Wer Bioprodukte kauft, tut der Umwelt auf jeden Fall etwas Gutes. Auch wenn ihr gesundheitlicher Nutzen nicht nachweisbar höher ist." 
Zur leichteren Orientierung sind die Rezepte unterschiedlichen Kategorien zugeordnet: regionale, saisonale oder vegane Rezepte - und Einhorn Rezepte des ökologischen Catering-Unternehmens Einhorn "für klimabewusste Sterneköche".


Fleischreich, vegetarisch oder vegan

Sehr bedacht wägen die Herausgeber zwischen den einzelnen Ernährungsmodellen "traditionell fleischreich, vegetarisch oder vegan" ab. Ihre Empfehlung: bewusste, genießerische Mäßigung. Für eine solche Ernährungsweise finden sich die unterschiedlich aufwendigen Rezepte, von marinierten Äpfeln bis zur Zwiebelsauce.

Das "Klima Kochbuch" gibt Nahrungsvorschläge für Bauch und Verstand. Es ist ein Plädoyer für verantwortungsvoll-kreativen Konsum anstelle weichgekochten Fließbandessens. Es öffnet die Augen dafür, dass der Mensch mehr ist als nur ein Konsument, dessen Kaufentscheidung einzig durch die trickreiche Ausstattung und das Produktarrangement der Supermärkte geleitet wird.



Konsumieren heißt bewusst entscheiden: Genuss und Klimaschutz - das zeigt das Kochbuch - schließen sich keineswegs aus. Und damit stellt es uns vor eine alternativlose Entscheidung: Ein ignorantes "weiter wie bisher" können wir uns ohnehin nicht leisten. Fangen wir doch einfach bei unseren täglichen Bedürfnissen an. Oder versuchen wir es zumindest.

Das Klima KochbuchDAS KLIMA KOCHBUCH
Klimafreundlich einkaufen, kochen und genießen

Ulrike Eberl, Karl von Koerber u.a.

128 Seiten, Hardcover
37 Abbildungen
55 Rezepte
16 fundierte Infotexte
und viele Expertentipps

€/D 12,95
ISBN 978-3-440-11926-6

Shop: KOSMOS Verlag
Stuttgart, 2009

Kommentare

Verfasst von Gast am 11. Dezember 2009 - 18:03.

RE: Das Klima-Kochbuch: Einkaufen und genießen

Sehr geehrtes Team! Als Alternative von „weichgekochtem Fließbandessen“...

Sehr geehrtes Team!
Als Alternative von „weichgekochtem Fließbandessen“ empfehlen Sie eine weichgekochte Ethik! Und widersprechen sich ständig selbst und das noch dazu mit inkorrekten Daten: Zwar habe der Nahrungskonsum ja „nicht den größten Anteil am CO2-Ausstoß der westlichen Nationen“, aber er mache 20% aus. Wären 20%, also ein FÜNFTEL nicht etwa ein Riesenbrocken?
In Wirklichkeit sind die Daten noch beeindruckender: Laut FAO kommen 18% der anthropogenen Treibhausgase durch die Haltung so genannter NUTZTIERE zustande. Da bleibt dem Klimabewussten nur eine Konsequenz (ich schließe mich dem Leserbriefschreiber Chris an): Viel weniger oder am besten überhaupt nichts Tierisches mehr auf den Teller!
Der negative Einfluss von Transporten auf das Klima wird demgegenüber total überschätzt, ebenso der von Bioware. Auch mit Produkten aus fairem Handel werden wir das Klima gewiss nicht retten (das suggerieren Sie ja allen Ernstes!) sondern allenfalls unser schlechtes Gewissen gegenüber Umwelt und „Nutz-Tieren“ weichspülen.
Freundliche Grüße, Katharina

Verfasst von Gast am 10. Dezember 2009 - 19:45.

RE: Das Klima-Kochbuch: Einkaufen und genießen

Hallo, vielen Dank für die Buchrezension. Ich kenn das Buch zwar (noch) nicht,...

Hallo,
vielen Dank für die Buchrezension. Ich kenn das Buch zwar (noch) nicht, aber ich hätte einen kleinen Einwand: In der Rezension heißt es: =Sehr bedacht wägen die Herausgeber zwischen den einzelnen Ernährungsmodellen "traditionell fleischreich, vegetarisch oder vegan" ab. Ihre Empfehlung: bewusste, genießerische Mäßigung.=
Dieser Schlußfolgerung kann ich nach dem was ich weiß, so nicht zustimmen. Nach einer Abwägung zwischen "fleischreich, vegetarisch oder vegan" muss eben gerade aus Klimaschutzgründen - und aus ethischen Gründen ohnehin - eindeutig eine ganz andere Folgerung gezogen werden, und zwar: Je weniger tierisches Essen desto besser! Besser vegetarisch, als fleischreich, und besser vegan als vegetarsich.
Dies wird übrigens auch detailliert und anschaulich in einem anderen, ebenfalls kürzlich erschienen Kochbuch (Titel "Umweltfreundlich vegetarisch" von Bettina Goldner, Hädecke Verlag, 2009) dargestellt und belegt...LG Chris

Verfasst von are am 11. Dezember 2009 - 13:53.

RE: RE: Das Klima-Kochbuch: Einkaufen und genießen

Die Herausgeber empfehlen genau das, was Sie anmerken: je weniger Fleisch desto...

Die Herausgeber empfehlen genau das, was Sie anmerken: je weniger Fleisch desto besser!
Es geht ihnen aber ganz bewusst darum, niemanden von vornherein auszuschließen und auch denjenigen Wege zu einem klimafreundlichen Essverhalten aufzuzeigen, die partout (noch!) nicht auf Fleisch verzichten wollen. Die Beispiele zur Mäßigung können damit aber der Anfang bis zu einem kompletten Verzicht sein. Man kennt doch aus eigener Erfahrung, dass eine Holzhammer-Methode eher zur Trotzreaktion und damit genau zum Gegenteil dessen führt, was man eigentlich erreichen wollte.

Beste Grüße
Andreas Reinwart

Verfasst von Gast am 7. Dezember 2009 - 8:36.

RE: Das Klimakochbuch: Einkaufen und genießen

Das Buch ist sicher ein Baustein für ein Verändertes Verhalten. Ich wünschte...

Das Buch ist sicher ein Baustein für ein Verändertes Verhalten. Ich wünschte mir zusätzlich ein Nachdenken darüber, was eigentlich mit all dem Fleisch, Gemüse, Obst, Blumen, Backwaren usw gemacht wird, das nicht mehr verkauft werden kann. Wie viele Tonnen kostbarer Fisch werden wöchentlich entsorgt? Die schöne Reichhaltigkeit, an der wir uns freuen, hat ihren Preis, nicht nur in Bezug auf den Ausstoß von Co2. Müssen Papayas, Flug-Ananas oder neue chiniesische Exoten in jedem Supermarkt rumliegen? Nur, weil ich zufällig auf die Idee kommen könnte, den Weihnachtsbraten mit einer Nashi zu garnieren? Mein Vorschlag wären dazu Spezialgeschäfte in erreichbarer Nähe, wo ich zu einem guten Preis Exoten kaufen kann, wenn ich sie denn haben will (früher gabs dazu die Kolonialwaren-Geschäfte...). Die modernen Konservierungsverfahren machen den Eindruck, als würde alles nie verderben und selbst die Hersteller verlieren den Blick dafür, dass sie Lebensmittel produzieren, von denen ein großer Teil gar nicht auf den Tisch kommen kann. Aber LEBENSMITTEL sind Mittel zum Leben und sollten in der mindest möglichen Menge angeboten werden. Und das hätte wieder Konsequenzen für die Gewinne und Arbeitsplätze, wie kommen wir da raus, die wir das alles auf einmal merken und verändern müssen.

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