Hintergrund - Die Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen an Jesuitenschulen haben viele Eltern verunsichert. Worauf müssen sie im Verdachtsfall achten, wo bekommen sie Hilfe?
Der Verdacht, dass ein Kind sexuell missbraucht worden sein könnte, ist schwerwiegend - und schwierig zu beweisen. Deswegen ist größtmögliches Fingerspitzengefühl notwendig. Die meisten Opfer können kaum oder gar nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Sichere und zweifelsfreie Belege sind dem Verhalten des Kindes allein kaum zu entnehmen.
Psychologen und Sexualpädagogen nennen beispielhaft einige Verhaltensauffälligkeiten, die ein genaueres Hinsehen begründen können:
• Das Kind wirkt verschlossen und lässt niemanden mehr an sich heran.
• Es hat nachts Albträume, schläft sehr unruhig oder wacht schreiend auf.
• Es spielt nicht mehr wie gewohnt.
• Es meidet plötzlich bestimmte Orte oder Personen.
• Es verletzt sich selbst vorsätzlich.
• Es macht wieder in die Hose.
• Es zieht viele Kleidungstücke übereinander an oder trägt auf einmal viel zu große Kleidungsstücke.
• Seine Leistungen in der Schule lassen nach.
• Es legt plötzlich ein ungewöhnliches Waschverhalten an den Tag, es hat das Gefühl der "Unreinheit", empfindet sich als "schmutzig".
• Es verhält sich frühreif, zeigt dem Alter unangemessene sexuelle Neugierde, malt Bilder von Geschlechtsteilen oder Missbrauchssituationen oder stellt seine Genitalien bloß.
Doch Vorsicht: Die geschilderten Verhaltensweisen sind Hinweise, aber noch keine Beweise für einen Missbrauch! Je nach Schwere der Symptome sollten sich Eltern aber an eine Erziehungsberatungsstelle wenden. Wichtig: Setzen Sie das Kind nicht unter Druck.
Ein dringender Verdacht auf einen Missbrauch besteht, wenn diese Merkmale vorliegen:
• Das Kind hat blaue Flecke oder Bisswunden an den Oberschenkeln oder der Brust.
• Es hat anale, orale oder vaginale Verletzungen oder Entzündungen.
• Es hat eine ansteckende Geschlechtskrankheit.
• Bei Mädchen: chronischer vaginaler Ausfluss, Blasenentzündungen ohne organische Ursache.
In diesen Fällen sollten Eltern dringend eine Beratungsstelle aufsuchen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auch hier gilt: Setzen Sie das Kind keinesfalls unter Druck, damit es erzählt, was in ihm vorgeht.
Literatur zum Thema: Günther Deegener: Kindesmissbrauch – erkennen, helfen, vorbeugen, Weinheim 2009. Verlagsgruppe Beltz, 290 Seiten, 12,95 Euro; Heinz-Peter Röhr: Ich traue meiner Wahrnehmung: Sexueller und emotionaler Missbrauch, München 2006. Deutscher Taschenbuch-Verlag, 192 Seiten, 8,90 Euro.
Thomas Östreicher ist freier Journalist in Hamburg und Frankfurt.






