Was, wenn Margot Käßmann ein Mann gewesen wäre ...?

Margot Käßmann

Margot Käßmann trat nach ihrem Fehler von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin zurück. Foto: dpa/Marcus Brandt

Kommentar - Nach dem Rücktritt von Margot Käßmann als Ratsvorsitzende der EKD ist viel darüber spekuliert worden, wie der Fall ausgegangenen wäre, wenn ein Mann das Amt bekleidet hätte und ihm der Fehler unterlaufen wäre. Aber wird man mit dieser Frage überhaupt Margot Käßmann gerecht?

Von Eva Kohlrusch

Natürlich ist das eine der ersten Fragen, die sich vor allem Frauen stellte: Wäre die Entwicklung rund um den Fall Käßmann genauso verlaufen, wenn ein Mann sturzbetrunken eine rote Ampel überfahren hätte? Wäre nicht darüber hinaus schon die Wahrnehmung der Amtsperson von Anfang an eine ganz andere gewesen, wenn die Evangelische Kirche weiterhin von einem Mann repräsentiert worden wäre statt von dieser endlich und erstmals gewählten Frau?

Muster des Durchhaltens

Nun, nachdem alles entschieden ist, wissen wir: Margot Käßmann hat alles, was peinlich hätte sein können bei ihrem Abgang, ins Positive verkehrt. Hat volle Verantwortung fürs eigene Tun übernommen, widerstand jeglicher Versuchung, die Sache aussitzen zu wollen, ließ sich nicht einmal von inständigen Bitten verlocken, sie möge an ihrem Platz bleiben, weil sie genau dort ein Kleinod für die Kirche gewesen sei. Ohne Umschweife, hart gegen sich selbst trat sie zurück – "mir geht es auch um aus Respekt und Achtung vor mir selbst". Eine ähnliche Gradlinigkeit sah man bei Männern in hohen Ämtern eher selten.

Es lohnt sich also, noch ein wenig über die ersten spontanen – zugegebenermaßen voreingenommenen – Fragen nachzudenken. Es könnte ja sein, dass vor allem Frauen eines Tages Margot Käßmann übel nehmen, dass sie durch so eine platte Verfehlung wie ihre Trunkenheitsfahrt eine so wichtige Bastion wie den Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche verlor und womöglich für viele Jahre für Frauen verloren machte. Auch könnte sein, dass es auf Frauen allgemein zurückschlägt, wenn eine von ihnen nicht heil durch die Fährnisse eines hohen Amtes schippert. Immer noch ist es so, dass einzelne Frauen zwar schaffen, eine mächtige Position zu erreichen, dann aber scheitern, sich dort zu halten, weil ihnen gewisse Muster des Durchhaltens fehlen. Oder doch eher, weil sie nicht aushalten wollen, was ihnen an Zumutungen in dünner Luft begegnet?

Der Unterschied zu Männern

Fakt ist: An Frauen wird ein anderer Maßstab gelegt als an Männer. Das zeigt sich schon dadurch, dass sie sich nicht nur als Profis legitimieren müssen, sondern doppelt und dreifach als Frau, als Mutter, als Privatmensch bis hin zu der Frage, warum sie denn überhaupt eine Karriere anpeilen. Fakt ist auch, dass sie strenger und aufgeregter beurteilt werden, wenn sie Kritik auf sich ziehen. Die erste, die in Deutschland Bischöfin werden durfte – die Hamburgerin Maria Jepsen – musste heftigste Anwürfe wegen angeblicher "Unbescheidenheit" durchstehen, weil ihr ein 120 qm großes Haus (Wert damals: eine Million D-Mark) zur Verfügung gestellt werden sollte. Kampflos entschied sie sich dann für einen Amtssitz in einer Mietwohnung.

Heide Pfarr (SPD), seinerzeit Ministerin in Hessen, stürzte darüber, dass sie wegen ihres beruflich bedingten Umzugs 53.000 Mark für einen Einbau in der Privatwohnung abrechnen wollte. Sie verschwand von der politischen Bühne, während etwa Hans Eichel weiter Karriere machte, obwohl er etwa zur selben Zeit 200.000 Mark Staatsgelder u.a. für den Einbau eines Zimmers für ein Kindermädchen in seiner Villa begehrt hatte. Rita Süßmuth (CDU) wurde für zukünftige Ämter blockiert, weil sie ihren Dienstwagen für Privatfahrten nutzte. Carola von Braun (FDP) scheiterte gar, weil sie es legitim fand, Friseurrechnungen für ihre Wahlkampfauftritte bezahlt zu bekommen. Es hatte durchaus den Anschein, als sollten hier genau solche Frauen klein gemacht werden, die sich deutlich für frauenpolitische Belange einsetzten. Doch letztlich bestand und besteht der Unterschied zu Männern darin, dass Frauen seltener auf stur schalten angesichts eigener Fehler, sondern sich vorwerfen, zu unsensibel gewesen zu sein gegenüber dem eigenen Tun.

Ihre Offenheit macht sie angreifbar

Tatsächlich existiert ein besonderes Handicap für Frauen, wenn sie Ämter übernehmen: Sie wollen sich nicht als Person aufspalten. Keine Trennung zwischen politischem Credo und ganz privatem Gespräch. Die ganze Partitur wollen sie, ungeteilt, authentisch. "Wenn ich nicht mehr sein kann, wie ich bin, dann kann ich dieses Amt nicht mehr ausüben", sagte Margot Käßmann schon während der Afghanistan-Debatte, als manche ihr vorhielten, ihr Predigtzitat "Nichts ist gut in Afghanistan" sei naiv und beleidige die verzweifelt kämpfenden Soldaten. "Was ist los, wenn Kirche nicht mehr sagen darf, dass Kriege nicht sein dürfen?", fragte sie, willens christliche Grundsätze und politische Einmischung miteinander zu verflechten. Auch bei privaten Themen teilte sie sich nie in die Amtsperson und die persönlich Betroffene. Sprach über ihren Krebs, über ihre Scheidung, über Ängste beim Altwerden, über die eigene Frömmigkeit wie über zeitweiliges Zweifeln.

Die Menschen – vorwiegend ihre Zuhörerinnen in der Kirche und die Leserinnen ihrer Bücher – lieben sie für ihre unprätentiöse Art. Aber genau diese Offenheit macht sie angreifbar. Es bleibt ja kaum etwas verborgen von ihr als Person. Alle Storys und Gedanken sind abgespeichert in den Archiven. Immer ist sie erkennbar als ganzer Mensch mit ihren Schwächen und Ansprüchen. Männer haben es in der langen Geschichte ihrer Macht anders gehalten. Haben Amt und privates Verhalten streng getrennt, sich als reale Person unkenntlich gemacht, indem sie sich einhüllten in ihre Ämter, versteckt hinter der öffentlich zur Schau getragenen Rolle, niemals die nackte kleine Kreatur, sondern bekleidet mit Uniformen, Talaren, Titeln und Ritualen, bis sie nur noch Symbole waren. Ungreifbar, unfehlbar.

Sie hat sich selbst zum Vorbild gemacht

Ein Zitat aus der Zeit kurz nach ihrer Wahl zur Ratspräsidentin zeigt, wie deutlich Margot Käßmann vor Augen stand, dass sie mit ihrem Anspruch des offenen Zugangs auf Menschen gar nicht anders handeln konnte als zurückzutreten in die Rolle als einfache Pastorin. "Es gab dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Hält sie durch oder nicht?", schreibt sie in ihrem Bestseller 'In der Mitte des Lebens'. "Es gab Zurückweisung, Häme, Giftspritzen ohne Absender, Leserbriefe ohne Barmherzigkeit, die Freude am 'tiefen Fall' eines Menschen, eine Lust geradezu in der Herabsetzung". Das wollte sie nie wieder erleben. Nie wieder. Sie hätte es erlebt. Sie wäre aufgezogen und geächtet worden wie auch der Mann Häme und Verachtung auf sich gezogen hätte, der betrunken am Steuer andere gefährdet. Kein Unterschied. Außer diesem: Sie wäre immer wieder in voller Breitseite mit dem gemachten Fehler konfrontiert worden – nicht nur als Ratspräsidentin, sondern als Frau, als Mutter, als Trösterin, Mahnerin, Liebende. Aber was machen wir uns Gedanken: Sie hat sich selbst zum Vorbild gemacht durch ihren Rücktritt. Das Amt muss sie nicht mehr schützen. Nur noch sich.


Eva Kohlrusch ist Kolumnistin des Magazins "Bunte". Zudem ist sie Vorsitzende des Journalistinnenbund.

Kommentare

Verfasst von Gast am 4. März 2010 - 20:54.

Frau oder Mann

Ich als Frau finde es nicht wichtig, ob eine Frau oder ein Mann eine...

Ich als Frau finde es nicht wichtig, ob eine Frau oder ein Mann eine Führungsposition innehat. Einzig die Leistung zählt. Das Geschlecht ist doch keine Qualifikation, und eine Frau in der Öffentlichkeit vertritt auch nicht "mich". Auf so einen Gedanken muß man erst mal kommen! Ich jedenfalls nicht.

Verfasst von Gast am 4. März 2010 - 0:00.

"Das hätte sie nicht machen müssen!",

habe ich gedacht, als ich vom Rücktritt Frau Kässmanns gehört habe. Sie ist...

habe ich gedacht, als ich vom Rücktritt Frau Kässmanns gehört habe. Sie ist auch nur ein Mensch und macht Fehler, wie jeder andere auch. Ein besonderer Mensch zwar aber sie hat Recht, mit dem, was sie sagt, wenn Sie ihre Authorität anspricht, die sie verloren haben könnte, weil man sich bei allem, für was sie eintreten würde, daran erinnern würde - jedenfalls eine ganze Weile. Und gerade wir Deutschen sind sehr gut darin, uns in Fehlern anderer zu baden. Weil wir uns selbst dann besser fühlen?

Darüber lohnt es sich doch einmal nachzudenken. In wie weit sind wir eigentlich fähig, die Fehler anderer zu verzeihen?

Oder müssen wir lernen uns selbst zu verzeihen und zu lieben, damit wir auch anderen verzeihen und sie lieben können?

Ich bin eigentlich nicht besonders religiös, aber so viel hab ich verstanden...

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 20:58.

Boulevard

Eine Kolumnistin der BUNTE will hier nun aufklären? Der Boulevard war es doch,...

Eine Kolumnistin der BUNTE will hier nun aufklären? Der Boulevard war es doch, der Frau Käßmann durch die Gazetten hetzte! Und wenn die Bunte gekonnt hätte, hätte sie doch genüßlich über die "Romanze der Frau Bischöfin"-Stichwort ominöser Beifahrer- berichtet.

Der Boulevard verschont niemanden, hat er jemand in seinen Klauen-nun auch nicht Frau Käßmann, nun auch nicht evangelisch.de...

Die Debatte hier wird immer abgeschmackter und suspekter.

Verfasst von Gast am 4. März 2010 - 13:07.
Kommentar auf: Boulevard

Kommentar-Niveau

Journalisten haben ein Verb dafür erfunden, Einzelschicksale auszuschlachten,...

Journalisten haben ein Verb dafür erfunden, Einzelschicksale auszuschlachten, um subjektive Gesellschaftsanalyse zu betreiben: "kohlruschen".
Wer liest, bevor er schreibt, findet in den Online-Leitmedien überwiegend Respekt davor, dass "frau" konsequent Rückgrat gezeigt hat, wo "man" lieber den Schwanz einzieht. Die oben postulierten Fragen stellt keiner. Außer offenbar spät-feministische ReaktonärInnen.
Zu diesem Regress in die 70er hat Stephanie Berler-Rosch in ihren Kommentaren zu Ott/Kortheuer-Schüring schon alles hervorragend auf den Punkt gebracht (Mit anerkennender Verbeugung seitens der "evangelikalen Mischpoke" ;))
Meinungsmache statt Meinungsreflexion ist aber nun das Handwerk einer Burda-Kolumnistin, die als ehem. stellvertretende Bild-Chefredakteurin und Ex-Mopo-Mitarbeiterin tatsächlich genau Teil der Meute ist, die Verantwortungsträger in die Verzweiflung hetzen kann.
Was wollte evangelisch.de nochmal? Einen "evangelischen Blick" auf die Welt werfen. Möglicherweise ist die Bunte-Society-Expertin ja aktives Mitglied in ihrer evangelischen Gemeinde. Selbst Kai Dieckmann unterstützt engagiert ein katholisches Bielefelder Gymnasium.
Hier eine Plattform zu finden, auf der sie das uns Christen so bewegende Ereignis tendentiös ausschlachten kann, ist allerdings echt mehr, als ich glauben kann!
Gott schütze Frau Käßmann vor solchen GeierInnen und die evangelische Kirche vor der erneuten Besessenheit von einem seit 30 Jahren verwehten
Zeitgeist.
Suzan Gronemeier

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 20:23.

verfehlte Genderdebatte

An anderer Stelle http://www.evangelisch.de/themen/religion/kirchenfrauen-...

An anderer Stelle http://www.evangelisch.de/themen/religion/kirchenfrauen-hoffnungstraeger... wurde Bischöfin Jepsen indirekt und direkt zitiert: "Nach ihrer Erfahrung haben es Frauen in der Kirche, besonders in Spitzenpositionen, immer noch schwerer als Männer. 'Einerseits werden wir manchmal hochgejubelt. Aber dann auch sehr schnell fallengelassen.'"

Exakt so ist es. Und so wird es immer sein: Wenn wir die Erlangung einer herausgehobenen Position in unserem gesellschaftlichen Leben nicht unabhängig vom Geschlecht zu betrachten lernen, dann werden wir nie vorankommen, dann werden wir immer einen, diesen, Fehler begehen. So ist es auch mit diesem Artikel. Es ließen sich unzählige Männerbeispiele finden, die im Gegensatz zu Eichel et al. verschwanden, weil sie entsprechend handelten.

Unrechtmäßige Handlungen damit verteidigen zu wollen, weil sie von anderen ja auch begangen wurden nur mit anderem Ausgang, kann nicht zielführend sein. Jeder steht in solchen Momenten erstmal für sich allein. Frau Dr. Käßmann ist aber Christin, somit steht sie nicht lang allein. Weltlich, ethisch, wird ihr nach Buße der gerichtlichen Strafe vergeben sein, und in unserem Glauben ist ihr vergeben, wenn sie Vergebung gewährt und um Vergebung bittet-freilich ist hier nicht "bei mir" oder bei der sogenannten Öffentlichkeit gemeint.

Frau Dr. Käßmann war eine einerseits bei vielen sehr beliebte Bischöfin, andererseits in ihrer politischen Positionierung nicht unumstritten-das ist in einer Demokratie eigentlich auch niemand. Aber das alles nicht, weil sie eine Frau war, sondern weil sie handelte und sprach, wie sie es halt tat.

Das ist jetzt der dritte Kommentar/ Spekulation darüber, was wäre wenn Frau Dr. Käßmann ein Mann gewesen wäre und zum Anlass gereicht zu dikutieren, dass Frauen im öffentlichen Leben benachteiligt sind. Ja, sind sie. Aber mit solchen Artikeln, solcher Diskussion aufgrund des Anlasses wird sich rein gar nichts daran ändern. Der Schlüssel bei Gleichberechtigung, auch und vor allem als Christ/ Christin, heißt gleich, nicht Berechtigung!

Ich kann diese (west)deutsche Genderdebatte und (west)deutsche Antwortsuche nur mit einem Kopf schütteln quittieren. Sie befremdet mich und zeigt mir, wie wenig ein normaler Umgang der Geschlechter im (west)deutschen Establishment implementiert ist. Und führt mich zu der Frage: Sind (west)deutsche Frauen wirklich so schwach, dass sie sich a)immer über ihre Eigenschaft als Frau definieren (müssen), wenn sie in exponierten Stellungen angekommen sind und b)sich immer auf ihr weibliches Geschlecht reduzieren (müssen)? Sind umgekehrt die Männer nicht in der Lage ihren Beitrag zur Gleichberechtigung zu leisten? Diese Fragen im Jahre 2010 wohlgemerkt!

Eine Frau
P.S.: Zitat: "mir geht es auch um aus Respekt und Achtung vor mir selbst". Eine ähnliche Geradlinigkeit sah man bei Männern in hohen Ämtern eher selten." In unserer Kirchengeschichte gab es aber ganz besonders einen Mann: "Ich stehe hier und kann nicht anders", sagte Luther. Für mich also Anlass genug, das Verhalten im Rahmen des Rücktritts von Frau Bischöfin Dr. Käßmann als protestantisch klar, ehrlich und würdevoll einzustufen-unabhängig von ihrem Geschlecht.

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 12:10.

unerträglich

unerträglich finde ich die gehässigkeit einiger kommentare. auf welchem niveau...

unerträglich finde ich die gehässigkeit einiger kommentare. auf welchem niveau sich hier einige "austoben", weil sich ihre sicht der welt fundamental von der anderer unterscheidet, ist einfach nur zum abgewöhnen.

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 13:19.
Kommentar auf: unerträglich

unerträglich ....

If you can't stand the heat, get out of the kitchen!

If you can't stand the heat, get out of the kitchen!

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 17:43.
Kommentar auf: unerträglich ....

nicht wirklich verstanden,

nicht wirklich verstanden, was ich gesagt habe. sehr schade.

nicht wirklich verstanden, was ich gesagt habe. sehr schade.

Verfasst von Gast am 4. März 2010 - 16:12.

weibliches Vorbild-Engagement für eine "bewegte" Kirche

... "b e w e g t e" Kirche........sollte das natürlich heißen... Da eine...

... "b e w e g t e" Kirche........sollte das natürlich heißen...
Da eine nachträgliche Korrektur nicht möglich ist, sagen wir´s so:

"Was der Wind beweht und der Regen besprengt, das theilen wir zehenthaft"....

Freie Übersetzung des alten Textes: Was der Wind zusammengebracht, zerstreut der Teufel wieder.
Griechisch: Mala jehlička zničí veliký mĕchýř.....

In diesem Sinne passt die Überschrift vorzüglich :-)

Gudrun Pfennig

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 23:44.

weibliches Vorbild-Engagement für eine "bewehte" Kirche

Zuerst einmal stelle ich erneut die Frage, weshalb der Name Käßmann ich der...

Zuerst einmal stelle ich erneut die Frage, weshalb der Name Käßmann ich der Gesamtüberschrift: „Margot Kässmann, der Rücktritt“ weiterhin mit KäSSmann angegeben wird....... Bei mir verursacht das eine - zumindest mittelmäßige - Irritation.......
Die hier von der Autorin „Kohlrusch“ thematisierte Fraggestellung lautet: Was, wenn Margot Käßmann ein Mann gewesen wäre ...?“ , nicht aber: „Was wäre, wenn man alle Männer durch Frauen ersetzen würde?“
M.E zielen die Ausführungen von Kohlrusch deutlich auf die Frage ab: Wie steht es – zum gegenwärtigen Zeitpunkt - mit der Gleichberechtigung von Frauen in Machtpositionen?

Bei der durchaus reflektiert-kritischen Betrachtung fehlt mir (ein wenig) die Bezugnahme zu den, die Ungleichheit belegenden, historischen Hintergründen. Ich bin nicht sicher, ob man das gesamtgesellschaftliche Phänomen der „Immernochungleichberechtigung“ bei der Besetzung von Machtpositionen nicht auch - und das insbesondere in einem solchen Forum – unter dem Aspekt der kirchengeschichtlichen Sicht ansiedeln sollte. Hans Küng hat dazu ein bemerkenswertes Buch geschrieben: „Die Frau im Christentum (Serie-Pieper), das sicherlich nicht alle relevanten Aspekte erfasst, aber dennoch deutlich aufzeigt, dass die Rolle der Frau von der Zeit nach dem Ur-Christentum, als Samariterin wohl akzeptiert war, (kirchen- und gesellschafts-)politisch jedoch nicht nur bedeutungslos, sondern offensiv von Männern bekämpft wurde (Hexenverbrennung)... Es gehört zu den größten Blasphemien der Religionsgeschichte, dass die Religionen Gott zur Begründung dieser Diskriminierung missbrauchten.

Erst seit 1975 sind in allen Gliedkirchen der EKD Frauen als ordinierte Theologinnen und Pfarrerinnen tätig. Viele fühlen und fühlten sich mehr als die männlichen Kollegen, für die oftmals die Ausübung von Macht im Vordergrund steht, für soziale Gerechtigkeit verantwortlich. Dass so etwas im männerdominierten Kirchenumfeld Probleme bringt, steht außer Frage.
Die Kernforderung der Tora als Gottes Weisung zum Leben, ist nun mal soziale Gerechtigkeit. Gott ist ein Gott, der aus Gewaltherrschaft befreit und Gerechtigkeit will! Gerechtigkeit heißt aber Verhältnisse, in denen jeder Mensch menschenwürdig leben kann.

Käßmanns Stellungnahme zum (Afghanistan-)KRIEG erweitert den sozialen Apell. Ihr Anliegen war nicht Ausdruck einer kommunistischen Unterwenderung- wie hier behauptet wurde - sondern basiert m.E. auf einem Religionsverständnis, das zunehmend Gott und NächstenLIEBE nicht mehr trennt.“ Gott ist Liebe!“ behauptet der (männliche!) von mir hoch verehrte theologischer Käßmann-Kollege „Klaus-Peter Jörens“.

Ich bin mit ihm der Meinung, dass die christliche Religion nur überleben kann, wenn sie sich von fundamentalistischen Vorgaben löst. Dass zunehmend auch Kirchenmänner dazu fähig sind, zeigt Nikolaus Schneider. Die drohende Mahnung, dass ein Christentum, das ein soziales und friedenspolitisches Engagement zeigt „links“ sei, entstammt denen, die die alte Ordnung von männlicher Überlegenheit – im Sinne des Konservativismus - aufrecht erhalten wollen.

Gudrun Pfennig

Verfasst von Gast am 4. März 2010 - 21:13.

Frauenordination

Einspruch! Frauenordination in Schaumburg-Lippe gibt es erst seit 1991, nicht...

Einspruch! Frauenordination in Schaumburg-Lippe gibt es erst seit 1991, nicht 1975.

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 10:39.

Wäre sie ein Mann gewesen....

zum Beispiel ein katholischer Bischof, dann hätte es diese unsägliche,...

zum Beispiel ein katholischer Bischof, dann hätte es diese unsägliche, tagelange Pity-Party von Seiten der Linksprotestanten nicht gegeben.Unisono hätte die gesamte "Qualitätspresse" triumphierend aufgeheult und der Mann wäre schon am ersten Tag erledigt gewesen.
Einige in der evangelischen Kirche können es wohl immer noch nicht verwinden,daß ihre Galionsfigur fortgespült wurde.
Herr Präses Schneider steht Frau Käßmann hinsichtlich der Geisteshaltung zwar wenig nach, mit seinen vulgär-kapitalismuskritischen Platitüden erinnert er allerdings mehr an einen mediokren Gewerkschaftssekretär - die Einschaltquoten auf Talkshows werden daher erheblich fallen.

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 9:30.

Was wäre wenn

Hoffentlich kommen nicht noch mehr Kommentare mit diesem unsinnigen wäre-wenn!...

Hoffentlich kommen nicht noch mehr Kommentare mit diesem unsinnigen wäre-wenn! Es ist passiert und wir wissen den Ausgang, alles was wäre ist Spekulation, in die man zwar trefflich seine Gedanken hineintragen kann (schließlich gibt es für das "wäre" keine Belege im Fall Käßmann). Dass Frauen und Männer unterschiedlich sind, das wissen wir zur Genüge. Man wird aber Frau Käßmann nicht gerecht, wenn man sie jetzt als Frau hoch spielt, so als hätte sie nur so gehandelt, weil sie eben Frau war. Sie war - nein ist - nicht nur Frau, sie ist auch ein charismatischer und sehr seltener Mensch. Sie fehlt der Kirche nicht nur als Frau, sondern weil die Kirche sie, wie sie als Mensch war, dringend gebraucht hat. Solche Menschen sind als Frauen wie auch als Männer sehr selten und wie ein Mann vom Format Käßmann gehandelt hätte, wer weiß. Unser Blick ist doch völlig getrübt, weil wir in hohen Ämtern 100 Männer haben und vielleicht nur drei Frauen. In diese Ämter kommen Männer mit durchschnittlichem Format, um diese Zahl zu füllen. Wer es dagegen als Frau schafft, hat schon mehr auf der Kirsche. Würde man (jetzt mache ich auch das blöde Spiel mit dem Konjunktiv) alle Männer mal durch Frauen ersetzen, ich glaube nicht, dass die, nur weil sie Frauen sind, alle so toll wie Frau Käßmann wären. Und bei ihrem Rücktritt könnte man bei Frau Käßmann nicht nur Geradlinigkeit, sondern auch einfach kühlen Verstand bescheinigen. Sie hatte nämlich in dieser Gesellschaft und dieser Kirche gar keine Chance. Und die hätte wahrscheinlich auch kein Mann, der auf diese Weise in Kirche und Gesellschaft gewirkt hätte. Und das wird sich rausstellen, wenn eines Tages die "Quoten" ein vernünftiges Maß erreicht haben. Dann werden wir die unterschiedlichen Qualitäten und Fähigkeiten von Frauen und Männern dankbar erkennen und nicht mehr nur die verklemmten "hinter dem Talar Versteckten" gegen die anderen "offen die Breitseite Zeigenden" ausspielen.

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 8:50.

Ein wunderbarer sachlicher

Ein wunderbarer sachlicher Artikel mit trotzdem sehr viel Wärme und Anerkennung...

Ein wunderbarer sachlicher Artikel mit trotzdem sehr viel Wärme und Anerkennung.
Danke dafür.
M. B.

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 18:32.

....dem stimme ich voll und ganz zu!

Schon bedenklich, daß es im ach so aufgeklärten Zeitalter einer nach außen hin...

Schon bedenklich, daß es im ach so aufgeklärten Zeitalter einer nach außen hin emanzipierten Gesellschaft einen Aufschrei der Empörung gibt, wenn ein weiblicher Bischof "fehlt".
Ein männlicher "Täter" hätte sich einer solchen Debatte in diesem Umfang vermutlich nicht stellen müssen, sondern es wäre ein Blätterrauschen am Rande geblieben und hätte nicht solche Konsequenzen gefordert.
Ich verneige mich vor der Konsequenz und Gradlinigkeit einer Frau Käßmann, die für ihre Ideale und Wertvorstellungen eingetrten ist und demgemäß gehandelt hat.
Davon könnte sich so manch alteingesessener Politiker oder kirchlicher Würdeträger eine Scheibe abschneiden...

Verfasst von Gast am 3. März 2010 - 18:32.

....dem stimme ich voll und ganz zu!

Schon bedenklich, daß es im ach so aufgeklärten Zeitalter einer nach außen hin...

Schon bedenklich, daß es im ach so aufgeklärten Zeitalter einer nach außen hin emanzipierten Gesellschaft einen Aufschrei der Empörung gibt, wenn ein weiblicher Bischof "fehlt".
Ein männlicher "Täter" hätte sich einer solchen Debatte in diesem Umfang vermutlich nicht stellen müssen, sondern es wäre ein Blätterrauschen am Rande geblieben und hätte nicht solche Konsequenzen gefordert.
Ich verneige mich vor der Konsequenz und Gradlinigkeit einer Frau Käßmann, die für ihre Ideale und Wertvorstellungen eingetrten ist und demgemäß gehandelt hat.
Davon könnte sich so manch alteingesessener Politiker oder kirchlicher Würdeträger eine Scheibe abschneiden...

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