Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Minarette in der Schweiz. Foto: dpa

Die Moschee von Petit-Saconnex in Genf (Archivfoto). Foto: dpa.

Religionen - In der Schweiz dürfen in Zukunft keine Minarette mehr gebaut werden. Mit der Mehrheit von 57,5 Prozent nahmen die Schweizer bei einer Volksabstimmung am Sonntag einen entsprechenden Antrag national-konservativer Kräfte an, berichtetet das Schweizer Fernsehen. Das Ergebnis kam für die meisten Parteien sowie die Regierung völlig überraschend. Die Wahlbeteiligung war mit rund 54 Prozent unerwartet hoch. In der Schweiz leben etwa 400 000 Muslime. Es gibt bereits vier Minarette, zwei neue Bauanträge liegen vor.

Von Jan Dirk Herbermann

"Ich bin sehr befriedigt", sagte Ulrich Schlüer, Abgeordneter der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Schlüer gilt als der geistige Vater der Initiative. Die SVP, die größte Partei des Landes, unterstützte das Vorhaben. Die Befürworter eines Banns sagten, die Minarette symbolisierten einen "Herrschaftsanspruch des Islam" über die Schweiz. Sie warnten auch vor einer "Islamisierung" der Schweiz.

Ob das Bauverbot tatsächlich in die Verfassung des Landes aufgenommen wird, ist jedoch fraglich. Rechtsexperten betonen, ein Bauverbot verstoße wahrscheinlich gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte könnte das Bauverbot für Minarette in der Schweiz stoppen. "Gegen das Bauverbot wird sicher vor dem Gerichtshof geklagt", sagte der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze.

Die Regierung, die meisten Parteien und die Kirchen hatten vor einer Annahme der Initiative gewarnt. Sie sagten, ein Minarettverbot löse keine Probleme bei der Integration von Menschen aus muslimischen Ländern. Sie befürchteten auch einen Angriff auf die Religionsfreiheit. Wirtschaft und Unternehmen fürchten jetzt einen Boykott Schweizer Waren in der muslimischen Welt.

Soziologe warnt vor Pogromstimmung

Der Soziologe und Autor Jean Ziegler hat vor einer "Pogromstimmung" in der Schweiz gegen Muslime gewarnt. Die Volksabstimmung über ein Bauverbot für Minarette sei in Wahrheit ein Referendum über den Islam, sagte Ziegler dem epd in Genf. "Viele Muslime fürchten sich vor Anschlägen, vor Gewalt, vor Stigmatisierung", sagte der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete. "Zuerst gab es nur eine kleine Gruppe in der Schweizerischen Volkspartei, hart an der Grenze zum Faschismus, die ein Bauverbot für Minarette forderte." Diese Gruppe habe aber eine riesige Kampagne gestartet.

Gleichzeitig lehnten die Schweizer ein Exportverbot für Waffen ab. Eine linksgerichtete Gruppe hatte das Verbot gefordert. Die schlechte Wirtschaftslage des Landes und die Angst vor einem Jobabbau hätten zu dem Nein geführt, sagte der sozialistische Abgeordnete und Rüstungsgegner Jo Lang.
Warnungen vor Angriff auf die Religionsfreiheit

Fast alle anderen Parteien, die Regierung, das Parlament und die Kirchen standen auf der Seite der Muslime. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, die katholische Kirche und die jüdischen Gemeinden warnten vor einem Angriff auf die Religionsfreiheit. Auch die Wirtschaft sorgte sich um den Ruf der Schweiz als offenes Land. Ein Minarettverbot könnte Boykottaufrufe gegen Schweizer Erzeugnisse nach sich ziehen, warnten Arbeitgeber und Unternehmer.

Einer der Wortführer im Kampf gegen die Minarette ist der SVP-Abgeordnete Walter Wobmann: "Die Befürchtung ist groß, dass den Minaretten der Gebetsrufer, der Muezzin, folgen wird", warnt er. Und nach dem Muezzin droht in Wobmanns Vorstellungswelt die Scharia. Was das bedeutet? "Scharia, also islamisches Recht, beinhaltet unter anderem Ehrenmorde, Zwangsehen, Beschneidungen, das Tragen der Burka, die Missachtung von Schulvorschriften, ja sogar Steinigungen." Ein anderer bekannter Hardliner, Ulrich Schlüer, fasst zusammen: "Die Islamisierung vollzieht sich schrittweise." Jetzt müsse sich das Schweizervolk wehren. Tatsächlich errichteten die Muslime seit 1962 erst vier Minarette in der Schweiz, der Bau eines weiteren Turms ist bewilligt.

UN-Menschenrechtler rügen die Provokation

Damit die Eidgenossen die Botschaft auch richtig verstehen, haben die Initiatoren in vielen Städten und Gemeinden ihr berüchtigtes "Raketen-Plakat" geklebt. Links steht eine schwarz verhüllte Frau, daneben ragen Minarette wie Raketen in den Himmel. Ihre dunklen Schatten bedecken eine Schweizer Fahne. Das Poster sorgt bei den Gegnern der Initiative für Empörung, selbst UN-Menschenrechtsexperten rügen die "Provokation".

Und viele der 400.000 Muslime in dem Land mit knapp acht Millionen Einwohnern beobachten die schrille Kampagne mit Angst. "Es ist vor allem eine Diskriminierung all jener Muslime, die sich im Rahmen des gesellschaftlichen und interreligiösen Dialogs engagieren", sagt Hisham Maizar. Der Präsident der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz fährt fort: "Sie fühlen sich wie mit Hammerschlägen vor den Kopf gestoßen." Maizar sieht Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. So müssten auch die Muslime als "Sündenböcke" herhalten. Viele Muslime fürchten zudem, dass die Minarett-Gegner eine langfristige Strategie verfolgen. "Das ist für uns eindeutig", sagt der Imam der Genfer Moschee, Youssef Ibram.

"Erst die Minarette, dann die Muslime"

Die Moschee in Genf ist das größte Schweizer Bethaus für Muslime. "Erst sind es die Minarette, dann sind es die Moscheen, dann sind es die Muslime", sagt der Imam mit sorgenvollem Gesicht. Bislang konnten die Minarett-Gegner noch nicht eine Mehrheit der Schweizer von ihrem Kurs überzeugen. Laut Umfragen überwiegt die Zahl der Eidgenossen, die ein Minarettverbot ablehnen. Die Muslime fürchten sich dennoch. "Wenn schon fünf Prozent der Schweizer das Verbot der Minarette verlangen ist das eine Niederlage für uns, es würde zeigen, dass wir Muslime in der Schweiz nicht willkommen sind", sagt der Genfer Imam.

Ein Forschungsprojekt an der Universität Bern, das die Rolle religiöser Minderheiten in den vergangenen fünf Jahrzehnten untersuchte, kommt zu einem überraschenden Befund. Bei 15 Volksentscheiden zu religiösen Themen wurden auf Kantonsebene alle Vorlagen angenommen, bei denen es um die christliche und jüdische Gemeinschaften ging. Drei Abstimmungen, die eine Besserstellung der muslimischen Minderheit betrafen, wurden abgelehnt.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 3. Dezember 2009 - 14:54.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Sehr mutig von den Schweizern....Ich nehme es so zur Kenntniss.Das Schweizer...

Sehr mutig von den Schweizern....Ich nehme es so zur Kenntniss.Das Schweizer ergebniss drück die begründete Angst vor dem ungewissen aus was wir alle in Europa haben.Ich denke sogar das wenn wir in Deuschland diese Abstimmung hätten wäre es genau so ausgegangen.Der einzige unterschied wäre das wir Deutschen eben dann als Nazis beschimpft und damit auch Mudntot gemacht würden.Darf man den überhaupt noch seine Meinung sagen ohen das man in eine Ecke gedrengt wird?Ich habe Angst meine MEinung zu äußern.Wenn ich sage was ich denke und das ist keines wegs radikal, würde man auf mich losgehn und mich als Nazi faschist oder sonstiges bezeichenen....Deswegen bin ich froh das eine LAnd wie die Schweiz entlich mal Mut hat zu bekennen was wir alle denken.....

Verfasst von Gast am 1. Dezember 2009 - 17:48.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Ich gratuliere der Schweiz zu dem gesunden Empfinden für das Minarettverbot!...

Ich gratuliere der Schweiz zu dem gesunden Empfinden für das Minarettverbot! Bei Ihnen ist es noch nicht zu spät! Islamiserung is Glaubesunfreiheit. Wir in Holland sagen jetzt: es soll doch nicht verrückter werden! Ich hoffe dass man in der Schweiz gelernt hat von useren Probleme, da wir vielen Jahre "politisch korrekt' gewesen sind mit schreckliche Konsequenzen für unsere geistliche Freiheiten. Seien Sie doch nicht solche Stummköpfe wie wir sind! Sie haben jetzt genug Islam in der Schweiz, oder?
Peter Pardon

Verfasst von Gast am 29. November 2009 - 22:01.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

warum kann man das Ergebnis der Volksabstimmung nicht einfach akzeptieren??? Es...

warum kann man das Ergebnis der Volksabstimmung nicht einfach akzeptieren???
Es hätte ja anders ausgehen können.Doch die Schweizer sind Ihrer Nation sehr bewußt und
wissen um Ihren ursprünglichen Charme,den sie nicht so gerne ändern möchten.Sie wollen Ihr nationales Bild in der Welt bewahren...

Verfasst von Gast am 29. November 2009 - 21:39.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Ich als Christ kann diesen Volksentscheid nur begrüßen und gratuliere folglich...

Ich als Christ kann diesen Volksentscheid nur begrüßen und gratuliere folglich den Schweizern für ihre Vernunft, vor allem aber für ihre Weitsicht!

Daß dieser Volksentscheid bei vielen Christen der EKD übel aufstößt, wundert mich nicht.

Verfasst von Corydoras-paleatus am 29. November 2009 - 15:27.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Nun, dem offensichtlichen Ergebnis der Abstimmung nach ein durchaus schwarzer...

Nun, dem offensichtlichen Ergebnis der Abstimmung nach ein durchaus schwarzer Tag für die Schweiz.

 

Verfasst von Gast am 29. November 2009 - 15:25.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Die Schweizer haben lt. Hochrechnungen die Minarette verboten. http://www.nzz....

Die Schweizer haben lt. Hochrechnungen die Minarette verboten. http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/minarett_initiative_hochrechnung_a...
Doch so einfach lässt sich das ganze nicht über einen Kamm scheren, ja man kann jetzt aufschreien und sagen was, RELIGIONSFREIHEIT?
Ein Verbot der Minarette schreckt Moslems ja nicht in der Ausübung ihrer Religion ein, wie Kirchtürme sind auch Minarette nicht im Koran festgelegt noch verpflichtend sondern haben sich aus verschiedenen Zwecken entwickelt, nicht zu verleugnen ist hier auch der Sinn zur Machtdemonstration des Islams. Ein Minarett ohne Muezzin ist dann ähnlich sinnlos wie ein Kirchturm der keine Glocke mehr besitzen darf. Beide sind da um zum Gebet zu rufen. Niemand hat ein Problem mit der grundsätzlichen Ausübung ihrer Religion, aber man darf auch die Grundsätze des Islams nicht vergessen und die schliessen den Grundsatz "al-Islam din wa-daula" (Der Islam ist Religion und Staat) mit ein. (http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Islam/buettner.html)
Und ich denke man kann viel akzeptieren aber irgendwo muss man sich den Unterschied dann auch bewusst machen. Nicht alles ist gleich.

Ich muss sagen ich kann die Schweizer verstehen, auch wenn das nicht heisst das ich die Entscheidung unbedingt gut heisse. Ich hoffe allerdings dass die Entscheidung nun auch so akzeptiert wird, immerhin ist diese Art der Gesetzesbildung eine der Grundfesten der Schweiz.

Verfasst von GerdWS am 29. November 2009 - 13:56.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Wenn es in anderen Ländern hierüber eine Volksabstimmung geben w...

Wenn es in anderen Ländern hierüber eine Volksabstimmung geben würde, wäre das Ergebns wohl ähnlich.

Verfasst von radi.brock am 29. November 2009 - 19:23.

RE: RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Das ist ein fatales Signal für Europa, ich bin gespannt welche Folgen...

Das ist ein fatales Signal für Europa, ich bin gespannt welche Folgen dieser Volksentscheid für die Diskussion in Deutschland hat. Hoffentlich behalten die vernünftigen Stimmen die Oberhand. Befördert werden wohl  jetzt erste einmal die Radikalen beider Seiten, die immer gerne die gegenseitigen Vorurteile bedienen.  Mal schauen welche Politiker auf diesen Zug aufspringen werden.

Der Entscheid ist auch eine Niederlage für die christlichen Kirchen in der Schweiz, denen die Grenzen ihrer gesellschaftlichen Wirkungsmöglichkeiten aufgezeigt wurden. 

Verfasst von Gast am 29. November 2009 - 17:34.

RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Die Schweizer haben mit ihrem Votum der Friedensarbeit in der Welt einen...

Die Schweizer haben mit ihrem Votum der Friedensarbeit in der Welt einen Bärendienst erwiesen! Mit Verboten wird gar nichts erreicht, jedenfalls nichts Gutes. Im Gegenteil: Verbote tragen nur zur Verhärtung von Fronten - und damit zu Unfrieden bei!
Dabei ist das verhängnisvolle: Wenn es in der Schweiz die ersten Anschläge gibt, sagen diejenigen, die das mit ihrer Stimme VERURSACHT und BEFÖRDERT haben: Das hätten sie ja schon immer gewußt! Dabei sagt unser Glaube etwas Anderes, nämlich: Seid friedlich gegenüber denen, die ein anderes Gottesbild haben. Glauben Sie mir: Gott ist einfach zu groß, als daß er sich vorschreiben läßt (auch von Christen nicht!), wie wir an ihn glauben sollen.

So wenig, wie alle Christen Verbrecher sind, so wenig sind alle Muslime Terroristen
!
Hans Hillert Oetken
hhoetken@gmail.com

Verfasst von GerdWS am 29. November 2009 - 20:59.

RE: RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Die Moslems, die hier leben, haben selbstverständlich das Recht auf w...

Die Moslems, die hier leben, haben selbstverständlich das Recht auf würdige Gebetsräume. Was aber nicht geduldet werden sollte, sind riesige Minarette, die höher sind als manche Kirchtürme, und von denen womöglich noch der Muezzin ruft. So etwas ist pure islamische Machtdemonstration, nichts anderes. Die Minarette werden nicht von den arabischen oder türkischen Arbeitern finanziert, sondern vom Großkapital aus Saudi-Arabien und dem Persischen Golf. Und solange in moslemischen Ländern keine Kirche gebaut werden dürfen, Bibeln beschlagnahmt werden und Reisenden von saudi-arabischen Zöllner das Schmuckkreuz vom Hals gerissen wird, sollte man hier gegenüber den Moslems auch keine weiteren Zugeständnisse machen!

 

Verfasst von radi.brock am 29. November 2009 - 21:44.

RE: RE: RE: Schweizer wollen Bau von Minaretten verbieten

Hallo Gerd WS, gegen den Bau "riesiger Minarette" hilft villeicht...

Hallo Gerd WS,

gegen den Bau "riesiger Minarette" hilft villeicht sogar in der Schweiz ein Baurecht. Das kann also mit der Volksabstimmungsinitiative nicht gemeint gewesen sein. Ich glaube, was wir in der Schweiz erleben, ist die Machtdemonstration des europäischen Kleinbürgers, dem im Zweifelsfall auch der Rat seiner Kirche in solche Fragen egal ist. Der folgt lieber irgendwelchen Rattenfängern, die mit selbst ausgedachten Bedrohungsszenarien erst Angst verbreiten und dann davon, als Löser der Probleme, die sie selber schufen, zu profitieren. Der Umgang mit Christen oder mit Minderheiten in vielen, nicht allen, moslemischen Ländern, entspricht in keiner Weise der europäischer Toleranz, die auch in Europa mühsam gelernt werden musste. Jetzt zu meinen, "wie du mir, so ich dir", schafft die Eskalation, die nur den Radikalen, den Fundamentalisten nutzt, hier wie dort.

© 2009 - 2012 evangelisch.de  |  Tel: 069 58 098 - 189  |  Fax: 069 58 098 - 418  |  Kontakt  |  Impressum  |  Presse  |  Datenschutz  |  AGB