Gastbeitrag - Uta Ranke-Heinemann hat sich noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in deutschen Jesuitenschulen geht sie mit der katholischen Sexualmoral scharf ins Gericht. Die Verdrängung der Frauen aus der Kirche, so die streitbare katholische Theologin, der einst die Lehrbefugnis entzogen wurde, sei ein Pyrrhussieg - denn dadurch würden homoerotische Verfehlungen im Klerus befördert.
Pädophilie ist die Gefahr einer monosexuellen Kirche, der in 2.000 Jahren zwar die Vertreibung der Frauen, aber noch nicht die Entsexualisierung geglückt ist. Wie lange die Kirche jetzt noch zur Züchtung des "keuschen Homosexuellen" benötigt, wie sie im Weltkatechismus 1992 in Nr. 2357-9 gefordert wird, ist noch nicht klar. Klar ist nur dies: Solange zwangsentsexualisierte, homosexuelle Priester mit Männern, Jugendlichen und Kindern in dunklem Beichtstuhlgewisper vereint sind, wird sich der Beichtstuhl immer mehr zur Kontaktbörse für Homosexuelle entwickeln, in der auch Pädophilie nicht ausgeschlossen werden kann. Er sollte darum für Kinder und Jugendliche verboten werden.
Der endgültige Ausschluss der Frauen war eine Reaktion darauf, daß der Priester und Mönch Martin Luther eine Nonne geheiratet und eine riesige Antizölibatsbewegung in Gang gesetzt hatte. Sechs Jahre nach Luthers Tod rief der heilige Philipp Neri 1552 eine antilutherische Priesterreformbewegung ins Leben. Einer seiner Schüler, Francesco Pucci, berichtete am 29. Juni 1610 rückblickend, dass der heilige Philipp Neri ihm seinerzeit immer wieder eingeschärft habe, "dass ich die Frauen fliehen sollte, weil diese ein Hindernis sind für jeden, der im geistlichen Leben vorankommen will".
Frauen aus Rom vertrieben
Im Zuge der Gegenreformation erfolgte die Vertreibung der Frauen aus Rom, sämtlicher Schauspielerinnen und Sängerinnen von allen Bühnen, Theatern und Opern. 1562 singt der erste Kastrat im sixtinischen Chor, der Spanier Francesco Soto. 1563 wird dem Priesternachwuchs die klandestine - heimliche - Eheschließung unmöglich gemacht durch die Einführung der "Formpflicht" bei der Eheschließung. 1592 wird in der Vulgata Clementina der Text des 1. Korintherbriefs 9,5 geändert. Paulus sagt ursprünglich: "Habe ich nicht das Recht, eine Ehefrau auf den Reisen mitzunehmen wie die übrigen Apostel und Petrus". Aus den Ehefrauen der Apostel werden (dienende) Schwestern. Der Vatikan wird immer mehr zu einer entsexualisierten Homosexuellengesellschaft. Das Wort Homosexualität kommt von dem griechischen Wort "homo" = "gleich". Im Vatikan haben die Tonangebenden alle das gleiche Geschlecht.
Von Anfang an wird nämlich im Christentum das alttestamentlich-jüdische Erbe, das heißt der Vernichtungswille gegenüber der Homosexualität, durchkreuzt durch eine entgegengesetzte Strömung, nämlich eine dem Judentum fremde Sexualfeindlichkeit und eine von dieser Sexualfeindlichkeit gefärbte Frauenfeindlichkeit. Dadurch wird nun aber als unbeabsichtigte Nebenwirkung die Homosexualität begünstigt. Denn Sexualfeindlichkeit und Frauenfeindlichkeit führen zum Zölibat. Und dieses unheilsschwangere Dreigestirn (Sexualfeindlichkeit - Frauenfeindlichkeit - Zölibat) bringt zwar Homosexualität nicht hervor, aber erleichtert den Homosexuellen den Zugang zu den Spitzenpositionen. In einer kirchlichen Hierarchie, deren oberstes Motto "Bloß keine Frauenskandale!" ist, wird homosexuelle Veranlagung zur günstigen Voraussetzung des gesellschaftlichen Aufstiegs.
Mutter Teresa fügt sich ins Ideal
Im Licht und im Glanz steht nur noch ein einziges Geschlecht, das männliche. Das Idealbild der Frau ist jetzt Mutter Teresa von Kalkutta - eigentlich Schwester Theresa, aber mit der Entsexualisierung der Ehe geht die Entsexualisierung der Mutterschaft einher -, die sich als Jungfrau und Magd nahtlos in das päpstliche Jungfräulichkeitsideal einfügte und die als Dienerin der Kranken und Miserablen die Machtposition und Überlegenheit der Männer nicht anzweifelte. Ihr Platz neben dem Kranken- und Sterbelager der Unterprivilegierten ist die ideale weibliche Position, die den Frauen von den Männern noch nie streitig gemacht wurde.
Aber: Ist die Frauengefahr nach 2.000 Jahren schließlich gebannt, so wird die Verdrängung der Frauen immer mehr zum Pyrrhussieg, denn nun nehmen die homoerotischen Verfehlungen des Klerus zu. Die beiden Geheimschreiben 1962 von Kardinal Ottaviani (Crimen Sollicitationis) und 2001 von Kardinal Ratzinger (De Delictis Gravioribus), in denen allen Bischöfen unter Strafe der Exkommunikation die Geheimhaltung befohlen wird, wegen der "ausschließlichen Kompetenz des Vatikans", führen zur totalen Justizbehinderung für die staatlichen Gerichte und zu einer ständigen heimlichen Versetzung der Pädophilen, die nach einer sogenannten "Therapie" ihr Unwesen Jahrzehnte weiter treiben.
Uta Ranke-Heinemann (82) ist eine der bekanntesten katholischen Theologinnen in Deutschland. Die Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann studierte zunächst evangelische Theologie, ehe sie trotz ihres frommen Elternhauses 1953 zum Katholizismus konvertierte. Sie war weltweit die erste Frau, die im Fach katholische Theologie habilitiert wurde und einen Lehrstuhl als Professorin erhielt. Nachdem Ranke-Heinemann 1987 öffentlich die Jungfräulichkeit Mariens bezweifelt hatte, entzog ihr die Kirche die Lehrbefugnis. Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählt "Eunuchen für das Himmelreich - Katholische Kirche und Sexualität". Das Buch erschien erstmals im Jahr 1988 und ist inzwischen in einer wesentlich erweiterten Ausgabe als Heyne-Taschenbuch erhältlich (25. Aufl., 576 Seiten, 10,95 Euro). Der hier veröffentlichte Artikel ist eine Zusammenfassung des dortigen Kapitels über Homosexualität.
















Kommentare
Tolle Frau
endlich mal jemand, der die Wahrheit auf den Tisch bringt!!!!
Nicht alles schlecht.
Etwas muß man der Dame lassen: Sie kann Homosexuelle nicht leiden. Das gereicht ihr zur Ehre.
Sie kann Homosexuelle nicht leiden? Wieso das denn?
Woraus entnimmt der Kommentator, dass Uta Ranke-Heinemann "Homosexuelle nicht leiden kann"? Er scheint wohl weder den Arikel oben noch ihr Buch "Eunuchen für das Himmelreich" gelesen zu haben und unterstellt ihr seine eigene Feindseligkeit gegen wen auch immer, wahrscheinlich sowohl gegen Uta Ranke-Heinemann als auch gegen die Homosexuellen.
frau ranke-heinemann kann
frau ranke-heinemann kann homosexuelle nicht leiden?? da hast du wohl was falsch verstanden....
es gibt andere, die sie nicht leiden kann.
http://www.lernfunk.de/Main/ranke-heinemann-gim-08
Erfrischend
Was bei Frau Ranke-Heinemann immer wieder imponiert, ist die erfrischende Direktheit. Krank nennen, was krank ist - dass es das in unserer Zeit noch gibt! Da werden ferne Erinnerungen wach von jenseits des schwampfigen Kirchenjargons, nebeliger Denkschriften und verquaster Enzykliken... da war mal was vor langer Zeit... Ja,ja - nein,nein, Otterngezücht,selig,reinen Herzens... da war mal was!
Richtig, da war mal was.
Da wurde einer eingekerkert, weil er einen Ehebruch monierte, und es wurde ihm der Kopf abgeschlagen, weil eine Frau schön tanzte.
Da sagte einer: "Steht die Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist's nicht gut zu heiraten." Und er erhielt zur Antwort: "Dies Wort fassen nicht alle, sondern nur die, denen es gegeben ist.
Da schrieb einer, es sei gut für den Menschen, ledig zu sein. Wer ledig ist, der sorgt sich um die Sache des Herrn, wie er dem Herrn gefalle; wer aber verheiratet ist, der sorgt sich um die Dinge der Welt.
Das war vor langer Zeit.
Bloß keine Frauenskandale
Viele Christen, speziell katholische, nehmen es dem lieben Gott heimlich übel, dass er das mit der Fortpflanzung so degoutant eingerichtet hat. Dass die "Lustleitung" mit der "Sanitärleitung" so verkoppelt ist, zeigt ja eigentlich, dass das Ganze "irgendwie schmutzig" ist – so jedenfalls die unausgesprochene Auffassung vieler Gesitlicher. Die evangelische Kirche und ihre Gläubigen haben sich von diesem Denken in den letzten Jahrzehnten immer mehr befreit, katholische Gläubige in ihrer großen Mehrheit wohl auch. Nur der katholische Klerus, vor allem ihre tonangebende Spitze in Rom, verfolgt nach wie vor eine die menschliche Natur vergewaltigende Politik. Welche Verfehlungen, Verbrechen und menschlichen Tragödien diese Sexualfeindlichkeit über die Jahrhunderte zur Folge hatte und bis heute hat, beschreiben z.B. die bewundernswerte Theologin Uta Ranke-Heinemann in oben schon erwähnten "Eunuchen für das Himmelreich" oder der Theologe und Kirchenkritiker Horst Hermann in "Sex und Folter in der Kirche" in beklemmender Deutlichkeit. Die versteckten sexuellen Motive der mittelalterlichen Hexenprozesse, die verzweifelten Kämpfe von Mönchen und Nonnen mit ihren Trieben fertig zu werden und die ungezählten Tötungen heimlich und ungewollt gezeugter Kinder oder die vielen Aids-Toten aufgrund des Verbots schützender Maßnahmen sind erschütternde Beispiele für eine Ideologie, die an der menschlichen Natur vorbei "konstruiert" wurde.
Die verheerenden Folgen des Zölibats und der befohlenen sexuellen Enthaltsamkeit sind speziell der katholischen Kirche seit sehr langer Zeit bekannt. An der eigentlichen Ursache will sie jedoch nicht rütteln. Sie versucht vielmehr die Problematik durch einen Schweigebefehl intern zu lösen. Diese explizite Aufforderung des Vatikans, alle Fälle sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener intern zu regeln, also nach außen strikt zu verheimlichen, ist anhand von Dokumenten belegbar (siehe die oben genannten vatikanischen Geheimdokumente oder Spiegel-Wikipedia "Crimen sollicitationis", dort Nachweis der Originalquellen). Solange diese Order nicht explizit zurückgenommen wird, bleibt aller Aufklärungswille unglaubwürdig.
Bezeichnend für die enge, verfassungswidrige Verquickung von Staat und Kirche in Deutschland ist die Tatsache, dass bisher kein Justizministerium und keine Generalstaatsanwaltschaft diese den Behörden wohl bekannte Aufforderung zur Strafvereitelung als Straftatbestand wahrhaben wollen. Dieses Geflecht aus kirchlicher Sexuallehre, daraus entstehender nicht bewältigter sexueller Probleme, Verklemmtheit und Scham von Täter und Opfer, Wegschauen, Nichtwahrhabenwollen usw. erklärt dieses weltweit in allen kirchlich-christlich geprägten Ländern ans Tageslicht kommende moralische Desaster. Auch die Heimkinder-Tragödie hat hier eine ihrer Wurzeln. Die Kirche als Quelle und Hüterin der Moral?
Übrigens: Sich für solche Taten einach zu "entschuldigen", empfinde ich als anmaßend und geradezu schamlos. Man kann um Verzeihung bitten, aber dann ist es allein Sache des Opfers, eine solche erbetene Vergebung von Schuld und Vergehen auszusprechen.
www.uwelehnert.de
www.uwelehnert.de
O tempore, o mores!
Ist es so schwer, zu begreifen, daß es Verzicht um des Himmelreichs willen gibt? Ich sehne mich nach einer Zeit, wo die Menschen wieder an Gott glauben und begreifen, was es heißt, sich in seinen Dienst zu stellen. Ich sehne mich nach einer Gesellschaft, die ihre Erkenntnisse über den Menschen wieder aus der Theologie bezieht und nicht mehr aus der Zoologie. Ich sehne mich nach einer Kultur, wo die Frauen sich um ihre eigenen Ehegatten kümmern, statt fremde Männer anzupöbeln. Ob man in dieser Welt meiner Sehnsucht wohl noch Deutsch sprechen wird?
O tempora o mores /nicht o tempore
falsches latein....Es muß lauten: o tempora o mores
Falsches Latein
Danke für die Korrektur, ich kann nur deutsch. Sollte in der Welt meiner Sehnsucht lateinisch gesprochen werden, müßte ich zwar stumm bleiben, ich wäre aber, glaube ich, trotzdem glücklicher.
Das mit dem Stumm bleiben,
Das mit dem Stumm bleiben, ist sicher eine gute Idee.
Einfache und pragmatische Lösung
Einfache und pragmatische Lösung des Problems des Missbrauchs:
Wer zölibatär leben möchte verzichtet bekanntlich auf jedwede sexuelle Betätigung (auch Selbstbefriedigung). So ein widernatürlicher Zölibat benötigt keine Geschlechtsorgane, und schon gar keine Keimdrüsen, also schnipp schnapp und die Testosteronproduktion geht gegen Null, kein Libido, kein sexueller Mißbrauch.
Also wenn am Zölibat festgehalten werden soll, warum dann nicht konsequent? Dem Priester müssten seine E... eigentlich egal sein, ansonsten stimmt von vornherein was nicht.
Die Täuschung, die sich in diesen Tagen abspielt
Was das in diesen Tagen sich abspielende Schauspiel der irischen Bischöfe betrifft, die in Rom beim Papst sich "entschuldigen" wollen für ihre jahrzehntelange Vertuschung der Pädophiliefälle und die jetzt reuig Rat suchen beim hl. Vater und die als "Scheinheilige" bezeichnet werden (so vom Spiegel Nr.6 vom 8.2.10 auf dem widerwärtigen Titelblatt mit einem Bischof und seiner unzüchtigen Handbewegung) : Ich möchte allen empfehlen, den BBC-Film von dem BBC-reporter Colm O'Gorman (der als 14-jähriger in Irland von einem Priester vergewaltigt wurde): Sex Crimes and Vatican, Oktober 2006 auf YouTube sich anzuschauen, da er in Deutschland - dank katholischen Bischöfen - nicht gezeigt werden darf. Wer sich diesen Film ansieht, dem wird klar, welches Täuschungsmanöver hier im Gang ist - um die Ehre des Papstes nicht zu beschädigen - obwohl er, der Papst, der Verursacher bzw. Fortsetzer dieser Tragödie ist, daß die pädophilen Priester nicht den staatlichen Gerichten in die Hände fallen, sondern nur ständig versetzt werden. Die Jesuiten, in besonderem Maße zu striktem Gehorsam dem Papst gegenüber verpflichtet, treten lieber reihenweise (als "Mitwisser") zurück, als zu verraten, daß sie den Papst nie verraten werden.
Univ.-Prof.Dr.theol.Uta Ranke-Heinemann
Die verzweifelten Schüler des Aloisiuskollegs
In der WAZ (Westdeutschen Allgemeinen Zeitung) vom 11. Februar stand eine halbe Seite mit einem riesigen Photo von weinenden Schülern. Sie weinten über den Weggang ihres Direktors Pater Theo Schneider SJ. Die Schüler versuchen alles, ihn wieder zurückzuholen. Haben sich per Facebook zusammengeschlossen, wo sie den BBC-Film "Sex Crimes and Vatican" auf YouTube ins Internet gestellt haben. Sie planen alles Mögliche, damit dieser beliebte Pater ihnen zurückerstattet wird. Im Kölner Express wurde Pater Schneider als Schwerverbrecher abgebildet. Die Schüler und ihre Eltern sind außer sich vor Entsetzen und wollen etwas unternehmen. Ich selbst hatte einmal Gelegenheit - wenn auch nur telefonisch - diesen charismatischen und freundlichen Pädagogen Schneider SJ kennenzulernen, als ich mich für einen intelligenten Schüler einsetzen wollte, der eine "Blockade" im Gehirn bekam und nichts mehr auf die Reihe zu bringen im Stande war, wenn er vier Zeilen Latein sah und sie sofort übersetzen sollte. Pater Schneider verstand das, daß so etwas möglich ist. Ihm wird jetzt "Mitwisserschaft" vorgeworfen, siehe meinen Kommentar :"Die Täuschung, die sich in diesen Tagen abspielt."
Univ.-Prof.Dr.theol.Uta Ranke-Heinemann