Präses Schneider kritisiert "zerstörerische Maßlosigkeit"

Schneider und Julian-Chaim Soussan

Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, der rheinische Praeses Nikolaus Schneider (links), und der Duesseldorfer Rabbiner Julian-Chaim Soussan beim Begegnungstreffen zwischen Vertretern der Allemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland, der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Foto: epd-bild/Annette Zoepf

Forderung - Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider fordert im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise von Unternehmen eine internationale Einschränkungen der Gewinnmaximierung. Die Maßlosigkeit müsse ein Ende haben, sagte Schneider bei einer Begegnung mit Rabbinern im Rahmen der "Woche der Brüderlichkeit".

Das Gewinnstreben einiger Unternehmen hat nach Ansicht des amtierenden Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, eine "zerstörerische Maßlosigkeit" angenommen. In einer Rede vor Rabbinern und Kirchenvertretern am Montagabend in Augsburg über die Herausforderungen der Wirtschaftkrise beklagte Schneider den Zwang, Gewinne zu maximieren. Er forderte daher internationale Einschränkungen der Gewinnmaximierung. Es sollte eine "Erziehung zum Maßhalten" geben.

"Die Stimme der Religion ist gefragt"

Der Präses der rheinischen Landeskirche warnte zudem vor zusätzlichem Druck auf die Sozialsysteme. Das Vertrauen der Menschen darin sei bereits erschüttert. Soziale Ungerechtigkeit sei ethisch verwerflich, sozial explosiv und ökonomisch kontraproduktiv, sagte Schneider bei dem Treffen anlässlich der "Woche der Brüderlichkeit"

Auch der Kölner Rabbiner Jaron Engelmayer betonte, dass die Jahrtausende alten biblischen Maßstäbe helfen könnten, Wege aus der Krise zu finden. "Die Stimme der Religion ist gefragt", sagte der Vertreter der orthodoxen Rabbinerkonferenz. Der Augsburger Rabbiner Henry Brandt sagte, es gehe in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise um eine tiefer sitzende und weit verbreitete Malaise der Gesellschaft.

Frage der Gerechtigkeit

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff forderte, dass die Kirchen ihre ethischen Überzeugungen "in die säkularen Sprachen von Politik, Recht und Wirtschaft" übersetzen müssten. Eine dauerhafte Lösung der Wirtschaftskrise könne nur gefunden werden, wenn auch die Frage der Gerechtigkeit beantwortet sei.

Eine Begegnung zwischen den Kirchen und den Rabbinern in Deutschland fand erstmals 2006 in Berlin anlässlich der jüdisch-christlichen "Woche der Brüderlichkeit" statt. Die diesjährige Woche, die am Sonntag eröffnet wurde, steht unter dem Thema "Verlorene Maßstäbe".

epd

Kommentare

Verfasst von Aquino am 11. März 2010 - 12:15.

Gut gebrüllt, Löwe! Wer soll

Gut gebrüllt, Löwe! Wer soll das denn durchführen? Die Politik...

Gut gebrüllt, Löwe! Wer soll das denn durchführen? Die Politik hat doch gerade eine Bauchlandung mit dem Versuch erlebt, die Banken an die Leine zu nehmen! Hat sich Nikolaus Schneider mal gefragt, warum die Politik so allergisch auf Margot Käßmanns Neujahrspredigt reagiert hat? Wohl im Endeffekt doch nur, weil sie von den Kirchen in der "Machttabelle" nicht auf Platz 3 verwiesen werden will!

Aquino

© 2009 - 2012 evangelisch.de  |  Tel: 069 58 098 - 189  |  Fax: 069 58 098 - 418  |  Kontakt  |  Impressum  |  Presse  |  Datenschutz  |  AGB