Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Der Moskauer Patriarch Kyrill I., von Männern umgeben. Foto: dpa

Der Moskauer Patriarch Kyrill I., von Männern umgeben. Foto: dpa

Ökumene - Paukenschlag aus Moskau: Die russisch-orthodoxe Kirche will die Beziehungen zur EKD abbrechen, weil in Margot Käßmann eine geschiedene Frau an deren Spitze steht. Käßmann und das EKD-Kirchenamt reagierten mit Verwunderung. Der orthodox-protestantische Dialog hatte vor genau 50 Jahren begonnen.

Wegen der Wahl von Margot Käßmann zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) will die russisch-orthodoxe Kirche ihre Kontakte zur EKD beenden. Das kündigte der Außenamtsleiter des Moskauer Patriarchats, Erzbischof Hilarion Alfejew, am Donnerstag nach Angaben der russischen Tageszeitung "Kommersant" an. Die für Ende November angesetzten Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Dialogs zwischen orthodoxer Kirche und den deutschen Protestanten seien auch das Ende der Gespräche. Grund ist offenbar die Tatsache, dass die hannoversche Landesbischöfin eine Frau und geschieden ist.

"Gebot des Respekts, Verschiedenheit auszuhalten"

Nach den Worten des Pressechefs im Moskauer Außenamt, Georgi Sawerschinski, ist der Dialog zwischen der orthodoxen Kirche und der EKD, so wie es ihn seit 50 Jahren gegeben hat, nach der Wahl einer geschiedenen Frau zur Kirchenführerin nicht mehr möglich. Dies widerspreche den "evangelischen Prinzipien". Aus diesem Grund könne es keine Kirchenbeziehungen geben. "Höchstwahrscheinlich werden neue Kommunikationsformen gefunden", so der Geistliche. In letzter Instanz müsse dies aber Patriarch Kyrill I. entscheiden.

Käßmann sagte, zum Grundverständnis der ökumenischen Bewegung gehöre, dass es trotz des unterschiedlichen Kirchen- und Amtsverständnisses eine Gemeinschaft gebe. Das wisse auch die russisch-orthodoxe Kirche. Dieses Thema sei Gegenstand der Gespräche der vergangenen 50 Jahre gewesen. "Es ist ein Gebot des gegenseitigen Respekts, diese Verschiedenheit auszuhalten und doch zu wissen, was Paulus an die Epheser schreibt: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe", betonte die Bischöfin, die am 28. Oktober zur EKD-Ratschefin gewählt worden war.

Topthema für russische Zeitungen

Der Orthodoxie-Experte des EKD-Kirchenamtes, Johann Schneider, sagte, bezüglich des geistlichen Dienstes von Frauen in der Kirche unterschieden sich die evangelischen, anglikanischen und altkatholischen Kirchen von den orthodoxen. Dieser Unterschied sei bisher kein Hinderungsgrund für fruchtbare zwischenkirchliche Beziehungen gewesen. Als Beispiel verwies Schneider auf die Partnerschaft zwischen der nordelbischen Kirche und der russisch-orthodoxen Metropolie St. Petersburg. Die Begegnungen zwischen der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen und dem Petersburger Metropoliten Wladimir seien immer von geschwisterlicher Offenheit geprägt gewesen. "Die EKD ist sich sicher, dass sich den zum Teil sehr jungen russischen Theologen, die seit letztem Jahr im Moskauer Außenamt tätig sind, der reiche Erfahrunsgsschatz ihrer Kirche im Umgang mit den evangelischen Kirchen erschließen wird", erklärte Oberkirchenrat Schneider.

Die Aufkündigung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen war auf den Seiten mehrerer russischer Zeitungen am Donnerstag das Topthema. "Der Patriarch darf nicht mit der neuen Führerin der Lutheraner in Deutschland verkehren", schrieb die Zeitung "Wremja Nowostej". Die evangelischen Christen in Russland unterstützen offenbar die Entscheidung. Der Chefsekretär der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands, der Priester Alexander Priluzki, nannte die Wahl Käßmanns ein "Krisenzeichen in der westlichen Gesellschaft".

Zeichen für ideologische Radikalisierung

Russische Menschenrechtler nannten die Abkehr der Orthodoxen von der evangelischen Kirche ein Zeichen für deren zunehmende ideologische Radikalisierung. Die russisch-orthodoxe Kirche wolle sich von der modernen Welt des Westens isolieren, sagte der Menschenrechtler Lew Ponomarjow. Dagegen werden die Beziehungen zur katholischen Kirche nach Angaben des Moskauer Patriarchats zusehends besser. Hilarion hielt ein historisches Treffen von Kyrill und Papst Benedikt XVI. zuletzt für durchaus möglich. Der Vatikan hatte sich in der Frage in jüngster Zeit bedeckt gehalten.

Auf Einladung der EKD hatte erstmals im Herbst 1959 eine hochrangige Delegation des Moskauer Patriarchats Landeskirchen in der Bundesrepublik besucht. Seither gab es regelmäßige Dialogtreffen. Auf ihrer Internetseite bietet die EKD ausführliche Informationen über die Beziehungen zur orthodoxen Kirche. Zuletzt hatten hochrangige Theologen im Februar 2008 in Wittenberg über das Thema "Freiheit und Verantwortung aus christlicher Sicht" beraten.

Margot Käßmann leitet als hannoversche Landesbischöfin seit 1999 die mit rund drei Millionen Mitgliedern größte evangelische Landeskirche in Deutschland. Im Jahr 2002 verließ die promovierte Theologin den Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), weil sich die orthodoxen Mitglieder weigerten, weiterhin ökumenische Gottesdienste zu feiern. Seither galt das Verhältnis Käßmanns zu den orthodoxen Kirchen als gespannt. Nach ihrer Wahl zur EKD-Ratschefin hatte die Bischöfin gleichwohl auf die Bedeutung der Ökumene für ihre künftige Arbeit verwiesen.

mit dpa und epd

 

Kommentare

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Hinsichtlich der Bildunterschrift beim Foto zum vorliegenden Artikel bedarf es der Korrektur,
dass an jenem Gottesdienst, von dem hier eine knappe Szene festgehalten hat, sehr wohl auch Frauen teilgenommen haben. Es ist miese Propaganda,
die mit solchen Bildunterschriften unterschwellig betrieben wird.
Der heilige Apostel Paulus beschreibt die Kirche als den Leib Christi,
in welchem alle ihren je spezifischen Platz haben.
Wenn man an Gottesdienste in evangelischen Kirchen denkt, wo von 2000 Gemeindegliedern vielleicht 15 am Sonntag in die Kirche kommen, dann sollten wir eher demuetig schweigen als mit dicken Fingern auf andere zeigen.
HERR, erbarme dich!

RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Lieber Gast,

 

die Bildunterschrift "Patriarch Kyrill I., von Männern umgeben" bedarf keiner Korrektur. Denn es zeigt wie angegeben den von Männern umgebenen Patriarchen Kyrill. Natürlich nahmen an dem betreffenden Gottesdienst, der feierlichen Amtseinführung des Patriarchen am 1. Februar 2009 in der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale, auch Frauen teil - aber auf dem Bild sind keine zu sehen. Warum? Weil die Personen, die den Patriarchen umgeben, die Bischöfe der russisch-orthodoxen Kirche sind. Und die russisch-orthodoxe Kirche weiht keine Frauen zu Bischöfen. Den Hinweis auf die angeblich leeren evangelischen Kirchen verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht, und dass jemand "mit dicken Fingern auf andere zeigt", kann ich ebenfalls in keiner Weise erkennen. Ein bisschen mehr Sachlichkeit in der Ökumene täte uns gut, anstatt immer mit Schaum vor dem Mund über den jeweils Anderen zu reden.

Herzliche Grüße

Bernd Buchner - evangelisch.de

RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Der Hinweis auf schwach besuchte "evangelische" Gottesdienste mag an der Stelle wirklich deplatziert und unangemessen gewesen sein.
Trotzdem suggeriert die Bildunterschrift, dass die Orthodoxe Kirche Frauen ueberhaupt aus dem kirchlichen Leben ausschloesse, und das ist eben absolut nicht wahr. Und zugleich haette die kritierte Bildunterschrift ganz anders geklungen, wenn dort gestanden haette: Patriarch Kyrill mit orthodoxen Bischofen bei seiner Amtseinfuehrung. Dann waere naemlich jede - tatsaechlich unangemessene - versteckte Polemik gegenueber der Praxis der orthodoxen Kirche unterblieben. So aber enthaelt die Bildunterschrift die versteckte Botschaft: Die Orthodoxen handeln nicht falsch, weil sie im Grunde ein Maennerverein sind. Und gegen solche unterschwelligen Nachrichten muessen wir aufstehen, weil sie nicht der Wahrheit entsprechen.

RE: RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen ...

Lieber Gast,

Ausgangspunkt der Diskussion ist ja die Weigerung der russisch-orthodoxen Kirche, den Kontakt mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) fortzuführen, weil an deren Spitze in Landesbischöfin Margot Käßmann eine Frau steht. Das sagt etwas aus über das Frauenbild der russisch-orthodoxen Kirche, was sich wiederum in der Bildunterschrift "Patriarch Kyrill I., von Männern umgeben" widerspiegelt. Es gehört schon viel Fantasie und Verdrehungskunst dazu, darin eine "versteckte Polemik" zu sehen. Und wenn Sie uns unterstellen, wie hielten die russisch-orthodoxe Kirche für einen "Männerverein", weisen wir das entschieden zurück.

Herzliche Grüße

Bernd Buchner - evangelisch.de

RE: RE: RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen ...

Lieber Herr Buchner,

es freut mich, wenn Sie die Russische Orthodoxe Kirche nicht als Männerverein ansehen. Dass Sie mir Verdrehungskunst unterstellen, rechne ich der unsachlichen Seite unseres Gespräches zu. Das von Ihnen verwendete Wörtchen "Frauenbild" ist hingegen sehr aufschlußreich.
Tatsache ist nämlich, dass uns durch das zweite Gebot verboten ist, dass wir uns Bilder machen:
"Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten."
Wovon wir vielmehr ausgehen sollen, ist die Wirklichkeit, die größer ist als die Bilder, die wir uns von ihr machen,
so, wie eben auch an jenem Gottesdienst, von dem das obige Titelbild einen Ausschnitt zeigt, der eben auch nur einen Teil dieser Wirklichkeit wiedergibt.
Der nächste Punkt nun betrifft die Tatsache, daß für die Orthodoxe Kirche die Priester und Bischöfe Väter sind, was sich nicht zuletzt auch in der Anrede "otez" kundgibt.
Nun können Väter ihr Amt gut oder schlecht ausüben. Das ist richtig. Es kommt hier grundsätzlich auf den Gehorsam gegenüber Gottes Wort an, wie er von jedem Menschen gefordert ist. Aber grundsätzlich kann eine Frau eben nicht Vater werden, und die Aussagen des Neuen Testaments sind da auch eindeutig. Das impliziert aber eben gerade keine Geringschätzung oder Mißachtung von Frauen, wie Sie das recht grundsätzlich unterstellen. Im Gegenteil, wenn Sie sich einmal Videoaufnahmen von dem Gottesdienst zur Einführung des neuen Patriarchen anschauen, werden Sie staunen, welche Würde und Schönheit die Frauen ausstrahlen, die an ihm teilgenommen haben. Das aber haben Sie in der Bildunterschrift verschwiegen. Der m.E. schwierige Punkt ist, dass Sie von der Russischen Orthodoxen Kirche verlangen, dass Sie Ihr - westeuropäisch-säkularistisch geprägtes - "Frauenbild" übernehmen soll, und zwar selbst durch eine so harmlos scheinende Bildunterschrift.

Mit herzlichen Grüßen

Jakob S. Duldner

RE: RE: RE: RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen ...

Lieber Herr Duldner,

ich unterstelle der Russischen Orthodoxen Kirche nicht grundsätzlich, dass sie Frauen missachtet, und ich möchte auch nicht, dass diese ihr Frauenbild in irgendeiner Weise ändert. Diese Diskussion ist wenig fruchtbar, und deshalb ist es am besten, wenn wir sie beenden

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Buchner - evangelisch.de

Piep, piep, piep, Gott hat uns alle lieb???

Ich kann den Herrn Sawerschinski und Priluzki nur von ganzem Herzen gratulieren. Endlich sagt den Vertretern der evangelischen Landeskirchen in der BRD und der EKD offen seine Meinung über ihre Art des Umgangs mit ihren sakralen und religiösen Grundlagen.
Seit Jahrzehnten wird hier die Heilige Schrift bewußt mit Füßen getreten und man läßt Gott einen guten Mann sein, während man auf seinem Altar hüpft und jubiliert: "Piep, piep, piep, Gott hat uns alle lieb". Man meint regelmäßig, sich an die Masse derer verkaufen zu müssen, die mit der Heiligen Schrift nichts mehr anfangen können und wider ihre Gesetze leben.
Jedoch gerade zum Thema Ehe, Scheidung und Unzucht ist die Heilige Schrift sehr eindeutig. Gemäß Apg 15,28-29 sind zwar die Heidenchristen zwar vom jüdischen Ritualgesetz befreit, jedoch wird hiervon der Bereich der Unzucht ausdrücklich ausgeschlossen, wie auch Hebr 13,4 auffordert: "Die Ehe sei ehrbar in allem, und das Ehebett unbefleckt; denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten." Aber schon dem Volke Israel sagte JHWH in Lev 20,23 (im Anschluß an die Satzungen gegen Inzest und sodomia beiderlei Art): "Und ihr sollt nicht in den Ordnungen der Nation leben, die ich vor euch vertreibe; denn alle diese Dinge haben sie getan, und sie sind mir zum Ekel geworden." Überhaupt mahnt die Heilige Schrift davor, dem Weg der Völker nachzuwandeln (Lev 18,24-30; Mt 10,5-6; 11,20-24) und weiß auch Sanktionen für diese zu verkünden (Gen 19,24-25; Jer 3,6-9; 2 Petr 2,1-22; Jud 3-23)
Gemäß den Evangelien untersagte Christus eindeutig die Ehescheidung, sofern sie nicht aufgrund von Hurerei erfolgt (Mk 10,2-12; Mt 19,3-9; 5,31-32 (Bergpredigt); 1 Kor 7,10-16). Dies bedeutet nun im konkreten, daß im Falle einer Scheidung entweder der einreichende Part dem christlichen, von Christus in der Heiligen Schrift selbst verordnetem, Sakralrecht zuwiderhandelt oder der andere Teil zuvor einen Akt der Hurerei begangen hat. Daher muß einer der beiden das Sakralrecht der Heiligen Schrift, und zwar sogar der Evangelien in eklatanter Weise mißachtet haben. Wenn nun beide das Hirtenamt der Kirche ausüben, müßte in der Folge dann doch mindestens einer von beiden hochkant aus dem Amt fliegen. Oder werden die Gemeindehirten demnächst noch aus gewissen Etblissements rekrutiert werden. Nun schaffte es eine gewisse Dame aus höheren Kreisen der EKD die Scheidung einzureichen und ihr Amt zu behalten, während auch ihr Gatte ungeschoren davonkam. Ja diese gewisse Dame stieg danach in der Kirchenhierarchie sogar noch weiter auf und eine ganze Kirchenorganisation unterstützte sie hierbei, als wären alle vom Shatan erfolgreich versucht worden.
Allen aufrichtigen Christen evangelischen Glaubens, die noch Mitglied einer der Landeskirchen der EKD sind, kann ich daher nur raten, mit den Füßen abzustimmen. Vor nun knapp über 20 Jahren hatte diese Methode schon einmal Erfolg. Wenn damals Menschen über Jahrzehnte ihr Leben einsetzten, um ein marodes System zum Sturz zu bringen, dann muß es doch das Opfer von 5 bis 75 Euro (je nach Ort) einzusetzen, um eine "Kirche", die Gottes Heilige Schrift und Satzungen mit den Füßen tritt, zur Besinnung oder notfalls zum Fall zu bringen. Sie kann sich dann nämlich unendlich lang mit ihren Bilanzen beschäftigen und das heilige Geld horten, wenn ihre Mitglieder alle austreten. Die evangelische Kirche stellt auch keine Heilsvoraussatzung dar, sondern allein der Glaube, und eine christliche Kirche ist jede Gemeinschaft, in der sich Christen in rechter Weise zum gemeinsamen Dienst an Gott versammeln. Jeder kann sein eigener Priester sein, es bedarf keines Pfarrers.
Schließlich sagte schon Christus (Mt 5,29-30): "(29) Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlaß zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. (30) Und wenn deine rechte Hand dir Anlaß zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist dir besser, daß eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird." Also laßt uns dieses Auge jeweils aus uns ausreißen und aus der EKD austreten.

Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Die Brüskierung der EKD-Ratswahl durch die russisch-orthodoxe Kirche bedarf einer deutlichen Anwort. Voraussetzung für das Bischofsamt und Priesteramt ist nicht der Bart, sondern ein fester Geist (Logion 114 Th.Ev.) Die Liebe zur Wahrhaftigkeit gehört zur Toleranz. Wahrhaftigkeit steht höher als die Fortsetzung einer toten Ehe. Der Tolerante darf auf Wahrhaftigkeit nicht verzichten, wohl aber auf den Monopolanspruch für sämtliche Wahrheit und alleinigen Zugang zu Gott. 

Die beste und notwendige Antwort auf die russisch-orthodoxe Intoleranz wäre, sich beim internen Reformprozess nicht auf rein organisatorische Änderungen zu beschränken. Seit langem hat sich innerhalb der Evangelischen Kirche eine "Entfremdung" zwischen toleranten und streng konservativen Christen gezeigt. Die EKD muss sagen, wie sie die Zielvorgabe der Leuenberger Konkordie von 1973 verwirklichen will. Danach gibt sie weder für Einzelne noch Völker die Erwartung einer Rettung vor ewigem Unheil auf. Worin besteht die Heilsaufgabe beispielsweise der muslimischen Religionsgemeinschaft? Worin die der Christenheit? Es geht darum, aus dem Kontakt der Verschiedengläubigen eine Synergie zu machen. Das gelingt am besten, wenn Wahrhaftigkeit oberster Wert neben Liebe ist und bleibt. 

 

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Sehr geehrter Lorenz,

schon einmal vom Prinzip sola scriptura gehört?
Argumentationsbasis für theologische Auseinandersetzungen und Religions- und Glaubensfragen hat hiermit die Heilige Schrift zu sein und nicht irgendwelche gnostischen Verirrungen wie das Thomas-"Evangelium". Die Gnosis ist traditionell und auch in den heutigen Köpfen vieler einer der größten Feinde des Christentums und nicht mit diesem vereinbar, auch wenn sie es immer wieder beheuptete.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Dann sollen sich bitte auch alle darüber empören, dass die katholische Kirche keine Frauen auf den Papstthron setzt und teils gegen Verhütung wettert - das ist mindestens genauso rückständig.
Mich würde nur interessieren, wie die Reaktion auf orthodoxer Seite ausgefallen wäre, wenn es sich um einen geschiedenen Mann gehandelt hätte....

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Der Larmoyanz und den Drohgebärden eines patriarchalisch-reaktionären Männerbundes allzu viel Bedeutung beizumessen, halte ich für verfehlt. Dies würde bedeuten, all den Frauen und Männern in den Rücken zu fallen, die in ihren Kirchen (auch den orthodoxen!) und gesellschaftlichen Bezügen für die Einhaltung der Menschenrechte und die Abwesenheit von Diskriminierung, also für Gerechtigkeit und Frieden, kämpfen. Wenn ich richtig unterrichtet bin, soll davon das Reich Gottes geprägt sein, das Jesus uns angekündigt hat und an dem wir schon jetzt mitbauen sollen.
Das Wahlergebnis und die anschließende Berichterstattung in der Presse zeigen doch, wie sehr die Kirche in unserer Zeit eine Ratsvorsitzende mit ihrer theologischen Prägung, ihrer Biographie und ihrer Offenheit für die Menschen braucht.

RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Sehr geehrter Gast vom 13. November 2009 - 14:28!

Herr Buchner schreibt am 16. Januar 2010 - 12:56 Uhr,
dass "evangelisch.de" es entschieden zurückweist, die Russische Orthodoxe Kirche sei ein Männerverein.
Um so mehr ist es eine schwere Beleidigung für diese Kirche, wenn Sie sie als "patriachalisch-reaktionären Männerbund" bezeichnen, die eine klare Entschuldigung verlangt, zumal es eindeutig nicht die Wahrheit, sondern eine Lüge ist.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

" Käßmann und das EKD-Kirchenamt reagierten mit Verwunderung."

Wieso Verwunderung? Dass die orthodoxen Kirchen nach ihrem Schriftverständnis keine Frauen in Führungspositionen akzeptieren können und Scheidung für jemanden im kirchlichen Dienst unzulässig ist, dürfte doch bekannt sein. Statt Respekt einzufordern sollte man sich überlegen, dem Gegenüber soviel Respekt entgegenzubringen, seinen Glauben auch zu akzeptieren.

Doch damit sieht es in der EKD genauso mau aus wie in der Politik - ich bin gespannt, wie moslemische Staatschefs mit einem bekennenden Homosexuellen bei seinen Besuchen in ihren Ländern umgehen werden.

RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Wie sollte denn dieser Respekt aussehen? Einen anderen Ratsvorsitzenden wählen? Und sollte Herr Westerwelle nicht in arabische Länder reisen dürfen? In Polen immerhin lief es ja eigentlich ganz gut...

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Wenn ich sehe, daß der Papst mit "Ökumene" nur die Orthodoxen meint und diese sich wahrscheinlich gebauchpinselt fühle, wird da wohl eine Mauer zu den "andersgläubigen" hochgezogen.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Unterstützung für diesen Bruch gibt es auch bei evangelischen Christen in Russland. Deren Chefsekretär der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands, der Priester Alexander Priluzki, nannte die Wahl Käßmanns ein "Krisenzeichen in der westlichen Gesellschaft".

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Und was sagen die Lutheraner in Russland:

„Unsere Beziehungen mit den Protestanten aus dem Westen sind in jüngster Zeit ebenfalls ziemlich kompliziert geworden, und zwar wegen des Liberalismus in ihrer theologischen Praxis“, bedauerte der Geschäftsführer des Verbandes der Evangelisten in Rußland, Bischof Konstantin Berdas, in einem Interview für die Kommersant. „Leider verzichtet man im Westen auf die evangelischen Prinzipien, und die Schweden sind gar zu weit gegangen und haben eine Lesbe zur Bischöfin gewählt.“

Auch wenn ich Toleranz wichtig finde und Frau Kässmann sicher sehr fähig ist, Bibeltreuer sind die Russischen Orthodoxen und Lutheraner allemal als die evangelischen Christen in der BRD die auf Frau Kässmann setzen.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Das ist ja tiefstes Mittelalter.

Vor 22 Jahren habe ich mal in der damaligen Sowjetunion den Ort Sagorsk bei Moskau besucht. Das ist ein Dorf voller Kirchen und Klöster. Hier werden die Popen ausgebildet. Da habe ich erlebt, wie die alten Bäuerinnen in geradezu unterwürfiger Art die ganz normalen Mönche verehrt haben. Es war schon fast peinlich für Westler.

Frauen haben dort nicht mal die kleinsten Rechte. Im Dorf selbst dürfen sie gar nicht wohnen. Sie kommen jeden Tag aus der Umgebung und schleppen Lebensmittel für die Mönche und Geistlichen an. Und wenn man das mal einen Tag gesehen hat, ist man über diese Reaktion nicht überrascht. Und man ist richtig froh in Deutschland zu leben und ist stolz, so eine tolle Frau wie Frau Käßmann zu haben.

Die Sonne scheint auch über den Wolken
Gunther

RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Wenn die Treue zu Christus darin besteht, hartherzig und gesetzestreu zu sein, dann würden wir uns von den "Pharisäern" nicht mehr unterscheiden, deren Hartherzigkeit und Gesetzestreue von Jesus kritisiert wurde. Die "Vollkommenheit", die der Kommentator vom 12.11., 22:19, von Christen einzufordern scheint, werden wir in diesem Leben und in dieser Welt nicht erreichen - auch wenn wir uns immer wieder darum bemühen.

Die Haltung der Russisch-Orthodoxen Kirche ist nicht die Haltung einer Kirche, der ich mich zugehörig fühlen könnte! Eine (vorläufige?) Kappung der Kontakte ist darum auch für die EKD durchaus sinnvoll.

RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Es geht hier nicht um Hartherzigkeit und Pharisäertum.
Wenn du einen Menschen in einen Abgrund laufen siehst,
ist es dann barmherzig, ihn in den Abgrund fallen zu lassen? In diesem Fall ist es barmherzig, den Menschen zu warnen, damit das Unglück verhindert werde.
Wenn in der evangelischen Kirche gelehrt und aus diesem Grunde auch praktiziert wird, was dem Wort Gottes eindeutig widerspricht, dann ist es vielmehr ein Akt aufrichtiger Liebe seitens der Russischen Orthodoxen Kirche, uns darauf aufmerksam zu machen, daß bei uns etwas schief läuft.
Es ist nicht in Ordnung, Ihnen deshalb Hochmut oder mangelnde Demut vorzuwerfen. Wir sollten uns dann eher an die eigene Nase fassen.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Wenigstens die Orthodoxen bleiben Christus treu und passen sich nicht dem Zeitgeist an. Der religiöse Zustand Deutschlands ist einfach nur noch erbärmlich.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Na ja, vielleicht klären die russisch Orthodoxen erst mal ihr Verhältnis zum KGB und zu Wladimir Wladimirowitsch Putin, bevor sie über unsere Ratvorsitzernde herfallen.

RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

My godness!
Unser evangelisches Kirchenverständnis ist auch nicht das der orthodoxen Kirche oder der Römer. Trotzdem halten wir Patriarchen und Päpste aus ...
*kopfschüttel*

Kermit

RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Die Zeiten an denen Religiösität nur noch mit konservativem Denken gleichzusetzen sind, sind zum Glück vorbei. Auch Kirchen mit Frauen an der Spitze sind Kirchen Jesu Christi. Das ist so und das wird auch nicht durch das Gejammere über sogenannten Zeitgeist (was immer das ist) anders.Was für ein ängstliches Denken. Wäre diese Denken bestimmend, würden wir noch immer noch predigen, dass sich die Sonne um die Erde dreht....

RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontakt

Vielleicht sind die Argumente nur vorgeschoben.
Es kamen in letzter Zeit einige Berichte zum Lebenslauf von Frau Käßmann.
Wenn ich mich richtig erinnere war sie schon für die Ökumene tätig und hat die Tätigkeit wegen Konflikten mit den Orthodoxen beendet.
Ich bitte mich zu korrigieren, wenn ich irre.
Ggf. ist das in Moskau noch bekannt.

RE: RE: RE: RE: Orthodoxe Russen kappen wegen Käßmann EKD-Kontak

 Ja – das ist richtig. Würde auch erklären, warum sich die Orthodoxen nicht einig sind in dieser Frage...

Daniel en blog: http://www.daniel-renz.de

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