Missbrauchsskandal: Vatikan befürwortet Runden Tisch

Vatikan Petersdom

Auch der Vatikan ist um Aufklärung des Missbrauchsskandal bemüht. Foto: iStockphoto

Aufklärung - Der Vatikan hat die Einberufung eines Runden Tischs über Kindesmissbrauch durch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) positiv aufgenommen.

"Die Kirche ist selbstverständlich bereit, daran teilzunehmen und sich dafür einzusetzen", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag. Das Thema müsse "in einer komplexen und angemessenen Weise" behandelt werden, die Untersuchungen über Kindesmissbrauch nicht auf kirchliche Institutionen beschränke.

Vorwürfe nicht allein auf Kirchen konzentrieren

Der Vatikansprecher bezeichnete sexuelle Übergriffe auf Minderjährige in der Kirche wegen ihrer moralischen und erzieherischen Funktion als "besonders verwerflich". Wer "objektiv und informiert" sei, wisse jedoch, dass das Phänomen auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen existiere. "Die Vorwürfe allein auf die Kirche zu konzentrieren, führt zu einer falschen Perspektive", betonte der Vatikansprecher unter Hinweis auf eine Mehrheit von Fällen in nichtkirchlichen Einrichtungen, die in einer jüngsten österreichischen Untersuchung bekanntgeworden seien.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die katholische Kirche arbeite nicht ausreichend mit den Behörden zusammen dankte Lombardi Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Anerkennung. Diese habe der Kirche zu Recht "Ernsthaftigkeit und Konstruktivität" in ihren Bemühungen um Aufklärung der Pädophilie-Fälle bescheinigt.

Als Reaktion auf die Missbrauchsfälle an deutschen Schulen haben das Bundesfamilien- und das Bundesbildungsministerium am Montag einen Runden Tisch angekündigt. Er soll erstmals am 23. April zusammentreten und sich vor allem mit Fragen der Vorbeugung befassen. Das Justizministerium will dagegen einen eigenen Runden Tisch mit Vertretern der katholischen Kirche einberufen; diesen lehnt die Deutsche Bischofskonferenz ab, weil es sich nicht um ein spezielles Problem der katholischen Kirche handle.

Rechtzeitig und entschieden reagiert

Die wichtigsten kirchlichen Institutionen hätten "rechtzeitig und entschieden auf das Bekanntwerden des Problems" reagiert, betonte der Vatikansprecher. Sie hätten das Aufkommen des Skandals "in gewissem Sinn beschleunigt", indem sie Opfer auch lange zurückliegender Missbrauchsfälle aufgerufen hätten, über diese zu berichten. Die betroffenen Bischofskonferenzen erwägen dem Vatikansprecher zufolge überdies, ihre nationalen Richtlinien zu überarbeiten. Damit würden neue Strategien der Prävention entwickelt, um alles zu tun, damit ähnliche schwerwiegende Taten sich nicht wiederholen.

Der Vatikansprecher verteidigte überdies die 2001 vom Vatikan beschlossenen Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kleriker. Im Rahmen des Kirchenrechts zähle dieser zu den schwersten Vergehen. Die unter dem Eindruck der Missbrauchsskandale in der US-amerikanischen Kirche beschlossenen Richtlinien würden "zu Unrecht als Ursache für eine angebliche Kultur des Schweigens verantwortlich gemacht", betonte er im Hinblick auf Äußerungen der Bundesjustizministerin. Die Richtlinien der Glaubenskongregation hätten die Bischöfe vielmehr auf die Schwere des Phänomens aufmerksam gemacht und Impulse für die Ausarbeitung eigener Regeln gegeben.

epd

Kommentare

Verfasst von Buteo am 10. März 2010 - 14:49.

Das Erbrochene essen

 By the way, was ist eigentlich bei diesem Runden Tisch rausgekommen, wei...

 By the way, was ist eigentlich bei diesem Runden Tisch rausgekommen, weiß das jemand? http://www.welt.de/politik/article3900536/Deutsche-Heimkinder-sollen-entschaedigt-werden.html

War Sommer 2009 und da ging es um Misshandlungen, Sadismus und Zwangsarbeit in evangelischen und katholischen Heimen. Zitat eines Opfers: „Ich sitze im Vorraum der Toilette, ich bin geschlagen worden, vor mir steht ein Teller mit meinem Erbrochenen, da schwimmt Essen drin und die Diakonisse zwingt mich, das zu essen. Ich weine, würge daran herum, erbreche unmittelbar darauf wieder, da packt sie mich am Arm und prügelt mich mit einem Teppichklopfer windelweich. Dieses Szenario hat sich Tag für Tag, Woche für Woche, wiederholt. Mittags und abends. Ich konnte das Essen nicht bei mir behalten. Es wurde darauf bestanden, dass ich das Erbrochene wieder auf aß, was ich natürlich wieder erbrochen habe, dann wurde ich verprügelt, solange bis die Diakonisse – Schwester Marianne hieß sie – erschöpft war. Dann erst hörte sie auf.“

 

Weiß jemand, ob es diesen Entschädigungsfonds jetzt gibt?

Verfasst von Gast am 9. März 2010 - 20:22.

Rechtzeitig und entschieden

"Die wichtigsten kirchlichen Institutionen hätten 'rechtzeitig und entschieden...

"Die wichtigsten kirchlichen Institutionen hätten 'rechtzeitig und entschieden auf das Bekanntwerden des Problems' reagiert, betonte der Vatikansprecher."
Rechtzeitig? Jahrzehntelang haben sie die Opfer abgewiesen, ihnen Schweigegeld angeboten, die Täter vor Bestrafung geschützt. Ihnen, den "wichtigsten kirchlichen Institutionen", war das "Problem" doch von Anfang an bekannt, daran gibt es nicht den geringsten Zweifel. Oh diese Heuchler! Sie haben reagiert, als der öffentliche Druck so stark wurde, dass ihnen nur noch die Flucht nach vorne blieb, keinen Moment früher.

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