Marktkirche: Gläubige verabschieden sich von Margot Käßmann

Margot Käßmann

Margot Käßmann hat sich mit einem "Wort an die Gemeinden" an die Gläubigen gewandt. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Traurigkeit - Rund 500 Hannoveraner waren am Sonntag in die Marktkirche gekommen, um Abschied von Margot Käßmann zu nehmen. Erstmals seit ihrem Rücktritt wandte sich Käßmann mit einem "Wort an die Gemeinden" selbst an die Gläubigen. Der Text wurde in vielen Kirchen verlesen.

Von Ulrike Millhahn

"Liebe hannoversche Landeskirche", lautet ein Eintrag im Gästebuch der Marktkirche in Hannover: "Bitte wählen Sie Frau Käßmann wieder zu Ihrer Landesbischöfin." Dieser Wunsch ist am Sonntag nach dem Gottesdienst immer wieder zu hören. In der gotischen Backsteinkirche in der Altstadt, die traditionell als bischöfliche Predigtkirche gilt, hat Margot Käßmann ihre Kerngemeinde. Rund 500 Hannoveraner wollen dort Abschied von ihrer Bischöfin nehmen. Sie war am Mittwoch nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von ihren Ämtern zurückgetreten.

Als der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Arend de Vries, ein "Wort an die Gemeinden" verliest, haben viele Tränen in den Augen. Erstmals nach ihrem Rücktritt wendet sich auch Käßmann in diesem Text der Kirchenleitung an die Christinnen und Christen in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Er wird auf allen 1.500 Kanzeln zwischen Göttingen und Cuxhaven vorgetragen.

Entscheidung völlig unnötig

"Ich danke allen Menschen in den Gemeinden unserer Landeskirche, die mich so wunderbar getragen und gestützt und für mich gebetet haben", schreibt die 51-jährige Theologin. Es tue ihr leid, dass sie mit ihrem Rücktritt viele enttäusche. Sie sei mehr als zehn Jahre mit Leib und Seele Bischöfin gewesen und habe all ihre Kraft in diese Aufgabe gegeben.

"Ich will es immer noch nicht glauben", sagt die 38-jährige Doris Schneider, die ihre beiden Kinder mit in den Gottesdienst genommen hat: "Sie hinterlässt eine Lücke, die so nie wieder geschlossen werden kann." Auch Thomas Oeters (27) schüttelt den Kopf. Er ist zum ersten Mal nach der Gedenkfeier für Nationaltorwart Robert Enke Mitte November wieder in der Marktkirche: "Die Bischöfin hat uns damals mit ihrer Predigt so viel Mut gemacht." Er schluckt: "Ihre Entscheidung ist nachvollziehbar, aber völlig unnötig."

Bei der Gedenkfeier nach dem Suizid des Fußballstars hatte Käßmann einen Satz zitiert, der sie - wie sie oft erzählte - in schwierigen Lebenssituationen immer begleitet hat: "Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand." Dieser Satz stand auch am Ende ihrer Rücktrittserklärung. Das aus einem Kirchenlied stammende Zitat zieht sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst: "Gott, lass uns nicht verzagen. Wir bitten dich, sei du bei Margot Käßmann, die nicht tiefer gefallen ist, als in Gottes Hand", heißt es auch in den Fürbitten.

Rahmen für spürbare Traurigkeit

Vizepräsident de Vries und Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann versuchen, der spürbaren Traurigkeit einen angemessenen Rahmen zu geben. Das Wort "Pastor" bedeutet "Hirte", erläutert Kreisel-Liebermann in ihrer Predigt. Eine Bischöfin sei demzufolge eine Art Oberhirtin: "Und so stimmt das Bild, dass sich etliche von uns wie verlorene Schafe fühlen, weil die Hirtin ihren Bischofsstab niedergelegt hat."

Die Landeskirche möchte ihre ehemalige Landesbischöfin auch noch würdig verabschieden, sagt de Vries nach dem Gottesdienst. Doch noch sei nicht die Zeit dafür. Mehr als 10.000 E-Mails sind bisher seit Käßmanns Rücktritt bei der Landeskirche eingegangen. Auch in der Marktkirche bildet sich eine Schlange vor dem Podest mit dem Gästebuch. Das Bedürfnis, der beliebten Theologin den Rücken zu stärken, ist groß. So wie bei Ines Schulz, die schreibt: "Als Katholikin waren Sie meine Bischöfin."

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 1. März 2010 - 11:27.

Beamter fährt Dienstauto mit 1,54 Prom = knallharte Diszistrafe

Es ist doch erstaunlich, wie verzerrt die Dinge bei Prominenten wahrgenommen...

Es ist doch erstaunlich, wie verzerrt die Dinge bei Prominenten wahrgenommen werden. Erstens weiss jeder Insider, dass der Normalalkoholgenießer 1,5 Promille meist gar nicht erreicht, er übergibt sich schon vorher und torkelt stark, nur der Gewohnheitstrinker verhält sich dann noch unauffällig. Bei diesem Wert ist man richtig "knülle".
Wenn ein Beamter ein Dienstauto mit 1,54 Promille fährt, ergibt das neben der normalen Bestrafung durch die Justiz eine knallharte Disziplinarstrafe, je nach Einzelfall, in den Begründungen steht dann regelmässig etwas von Gefährdung des Landeseigentums, Vorbildfunktion des Beamten und Abschreckungswirkung auf andere Angehörige des öffentlichen Dienstes. Darüber schreibt dann aber keine Zeitung oder sie bestätigt das dann nur noch.
Merke: Die Kleinen hängt man, die mediensüchtigen Promis bemitleidet man.

Verfasst von Gast am 1. März 2010 - 9:41.

Bedauern und Zukunft

Auch ich bin traurig darüber, dass sie ausschied. Doch bitte vergessen wir über...

Auch ich bin traurig darüber, dass sie ausschied.

Doch bitte vergessen wir über die Trauer nicht, dass wir in der Tat Probleme in unserer protestantischen deutschen Kirche haben. Frau Bischöfin Käßmann dafür aber alleinig verantwortlich zu machen, noch dazu weil sie eine Frau sei, wie es hier ein Kommentator tat, ist nicht zielführend. Ihr Tun und ihren, bzw. den ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter, eingeschlagenen Weg überhaupt nicht zu hinterfragen ist aber auch nicht zulässig.

Wir können aber nicht stets aussagen: Wir sind Kirche und dann ist auf einmal nur eine Bischöfin verantwortlich, die noch dazu recht kurz im Amt war. Wir sind froh über unsere ordinierten Frauen, über den Platz den woanders ausgegrenzte (z.B. Homosexuelle) bei uns haben, über die Möglichkeit Kirche mitgestalten zu können.

Vielmehr sind wir nicht nur froh, dass diese Menschen mit uns in einer Kirche sind, ordiniert werden. Nein: Sie sind Kirche, so wie ich es als heterosexueller Mann bin. Sie sind Bestandteil des WIR's (So sehe ich das, weshalb bitte auch niemand Anmaßung aus den Worten herauslesen möge.). Aber wir müssen mit Gottes Wort für und mit diesen Menschen kämpfen, wir dürfen sie nicht fortjagen bei Verfehlungen. Jesus hatte auch nie jemanden weggeschickt, der sich Gottes Wort verpflichtete und auch sonst nie.

Und wir wollen die Ökumene.

Das alles lässt sich nur halten und erreichen, wenn wir theologische Antworten und Argumente finden. Wenn wir mit unserer theologischen Exegese attraktiv für Christen anderer Konfessionen sind. Auch in Fragen der Kirchenorganisationen -Kirche in der Fläche- haben wir massivste Probleme, ebenso sind die Gemeinden derzeit in der EKD nur indirekt (Kritiker sagen: gar nicht bzw. massiv unterrepräsentiert) repräsentiert sind.

Frau Dr. Käßmanns Rücktritt belastet uns menschlich-ganz klar, aber er belastet unsere Kirche nur dann, wenn wir das auch zulassen. Und DAS sind wir Frau Dr. Käßmann schuldig, dass wir das nicht zulassen, sondern dass wir das auffangen, und dass wir weitergehen. In welche Richtung ist dabei für mich zunächst mal zweitrangig. Ich möchte das mit folgendem Bild illustrieren: Gottes Wort steht in der Mitte und es strahlt in alle Richtungen. Und es wird immer Menschen mit divergierenden Ansätzen und Überzeugungen geben. Aber mit Gottes Wort im Mittelpunkt, werden alle von ihm angezogen und in der Mitte, bei Gottes Wort treffen wir uns alle wieder, somit beim Glauben, bei der Liebe und bei der Hoffnung.

Ich hoffe doch sehr, dass Frau Dr. Käßmann an dieser Debatte und diesem Weg teilnimmt, wie hoffentlich viele weitere in unserer Kirche!

Verfasst von Marcel92 am 28. Februar 2010 - 20:40.

Ihr Rücktritt ist ein großer

Ihr Rücktritt ist ein großer Rückschritt in der EKD. Sie war...

Ihr Rücktritt ist ein großer Rückschritt in der EKD.

Sie war ein hervoragende Frau sie hat die Probleme beim Wort genommen!

Sie war auf einer Ebene mit uns sie zweifelt genauso an Glaubensfragen wie wir. Sie hat uns an ihren Leben teilnehmen lassen.

Ich kann da nur sagen jeder Mensch macht Fehler nach all dem was sie durchgemacht hat muss man doch diesen Fehler nicht so breitschlagen in der Presse. Sie hat viel für uns getan wir müssen jetz müssen wir was für sie tuhen!!!

Verfasst von Gast am 28. Februar 2010 - 18:40.

Ich vermisse sie nicht

Frau Käsmann hat mit aller Kraft gegen bibeltreue Protestanten gekämpft. Dies...

Frau Käsmann hat mit aller Kraft gegen bibeltreue Protestanten gekämpft. Dies reichte bis zu Berufsverboten. Luther, Petrus und Paulus hätten bei ihr Berufsverbot erhalten, denn sie waren gegen die Frauenordination. Doch Gott hat ihr Inneres vor allen entblößt, aber ich befürchte, dass die EKD Gottes Warnschuß nicht verstanden hat, und einfach so weitermacht. Die EKD sollte sich wieder ihren Aufgaben widmen: Evangelium statt linker Politik. Daher bin ich ausgetreten, denn Käßmann ist nur ein Symptom eines System-Fehlers.

Verfasst von Marcel92 am 28. Februar 2010 - 20:42.
Kommentar auf: Ich vermisse sie nicht

Gehts noch wo lebst du denn

Gehts noch wo lebst du denn sie hat ihr Amt mit würde getragen und dies...

Gehts noch wo lebst du denn sie hat ihr Amt mit würde getragen und dies wird kaum einer bessr machen können

Verfasst von Gast am 1. März 2010 - 20:39.

Unnötiger Disput

Fakt ist; Margor Käßman IST zurückgetreten. Die Schwere ihres Fehlers steht...

Fakt ist; Margor Käßman IST zurückgetreten. Die Schwere ihres Fehlers steht insofern nicht zur Debatte. Ich finde auch, daß sie eine hervorragende Frau war, doch ich kann nunmal nicht übersehen, daß ein Riesenschaden entstanden ist - und das ist auch ärgerlich.

Verfasst von Gast am 28. Februar 2010 - 20:37.
Kommentar auf: Ich vermisse sie nicht

Gast vom 28. Februar 2010 - 18:40

Der Gast vom 28. Februar 2010 - 18:40 hat weitgehend Recht. Es ist nötig, was...

Der Gast vom 28. Februar 2010 - 18:40 hat weitgehend Recht. Es ist nötig, was mit Frau Käßmann geschehen ist, unter geistlichem Aspekt zu sehen. Auf keinen Fall ist es gut, wenn es in der EKD jetzt einfach heißt: "weiter so!".
Wir müssen uns fragen, was Gott will und wir müssen uns in allem wieder an Gottes Wort orientieren. Es ist jedenfalls ganz bestimmt kein Zufall, daß Frau Käßmann das passiert ist, was ihr passiert ist, weil es keinen Zufall gibt. Kirche ist nach dem Augsburgischen Bekenntnis, Art. VII die Versammlung der Heiligen, in welcher Gottes Wort rein gelehrt und die Sakramente ihrer Einsetzung gemäß verwaltet werden. Deshalb ist es nicht rechtens, wenn Gottes Wort verfälscht und durch neumodische Ideologiekonstrukte ersetzt wird wie es z.B. die sog. "Bibel in gerechter Sprache" repräsentiert. Vielmehr muß die EKD zu der heilsamen und gesunden Lehre der Heiligen Schrift zurückkehren. Einzig und allein im Gehorsam gegenüber Gottes heiligem Wort haben wir als Kirche noch eine Chance.

Verfasst von Gast am 1. März 2010 - 20:48.

Ja.

Hervorragender Beitrag, volle Zustimmung...Danke! N. Schneider ist ein guter...

Hervorragender Beitrag, volle Zustimmung...Danke!

N. Schneider ist ein guter Mann!!

Verfasst von franke7 am 28. Februar 2010 - 17:54.

Es ist genug.

Auch ich verehre diese Frau und habe ihren Abschied sehr bedauert. Aber es ist...

Auch ich verehre diese Frau und habe ihren Abschied sehr bedauert.
Aber es ist genug "getrauert" worden. Sie ist nicht gestorben und hat noch Zeit genug, eine neue Karriere zu starten. Der Wunsch, dass sie nochmal zur Bischöfin gewählt werden soll, dürfte wohl nicht in Erfüllung gehen.
Aber es gibt genug zu tun in der Evangelischen Kirche.
Sie kann sicher sein, dass sie nicht vergessen wird.
Sie ist eine starke Frau und schafft das schon.

Die Sonne scheint auch über den Wolken
Gunther

Verfasst von Gast am 28. Februar 2010 - 17:25.

Fr. Dr. Käßmann

Auch ich bedauere sehr den Rücktritt von Frau Dr. Käßmann. Sie hat den Menschen...

Auch ich bedauere sehr den Rücktritt von Frau Dr. Käßmann.
Sie hat den Menschen und auch mir viel zu sagen. Ihre Lebendigkeit und Menschlichkeit tuen der Kirche gut.
Mit ihrer Afghanistanäußerung sprach sie nicht nur mir aus dem Herzen. Schade, daß diese hoffnungsvolle Entwicklung unterbrochen wurde.
Für mich als "Ökumenische Christin" bleibt sie weiterhin die "BISCHÖFIN DER HERZEN".
"Der Herr ist in der Schwäche mächtig. Seine Gnade sei uns genug."
Ich hoffe, wir vernehmen auch weiterhin ihre Stimme in der Öffentlichkeit. Wir können auf sie nicht verzichten.

Voll Respekt und Wertschätzung

Christa Weidner

Verfasst von Gast am 28. Februar 2010 - 22:02.
Kommentar auf: Fr. Dr. Käßmann

dem kann ich nur

dem kann ich nur zustimmen. alle mit denen ich in den letzten tage hierüber...

dem kann ich nur zustimmen.

alle mit denen ich in den letzten tage hierüber gesprochen habe, habe dan schritt von frau käßmann außerordentlich bedauert.
sie war genau dort wo sie hingehört.

Verfasst von Nick am 28. Februar 2010 - 19:44.
Kommentar auf: Fr. Dr. Käßmann

On est responsable...

... de ce qu'on s'est apprivoisé. (St.Exupéry: "Man ist...

... de ce qu'on s'est apprivoisé. (St.Exupéry: "Man ist für die verantwortlich, die man sich vertraut gemacht hat.)

Nun, da Frau Kaessmann das Bischofskreuz abgenommen hat,

wird sie entdecken müssen, wie schwer es weiter auf ihren Schultern lastet.

 

 

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