Kleine Stilkritik zum ÖKT-Auftaktgottesdienst

Eröffnungsgottesdienst

Erste Gläubige finden sich ein: Eröffnungsgottesdienst des ÖKT in München. Foto: Andreas Gebert / dpa

Kirchentag - Wie feiert man eigentlich einen Gottesdienst, in dem über 50.000 Christinnen und Christen aus allen Konfessionen und Denominationen vertreten sind, aus allen Bundesländern und über die Grenzen Deutschlands hinaus? Eher klassisch oder modern, jazzig oder seriös, kunstvoll komponiert oder handwerklich stabil? Der Eröffnungsgottesdienst des 2. Ökumenischen Kirchentages versuchte von allem ein bisschen – und das war auch gut so.

Von Ingo Schütz

Normalerweise kann man sich in einem Gottesdienst die Bank aussuchen, in der man sitzen will. Überfüllt ist es ja in den wenigsten Fällen. Hier, am Eingang zur Münchner Theresienwiese, bekommt man aber schon am Eingang einen Block zugeteilt, in den man sich dann stellen kann. Die für den F-Block zuständige Dame sieht sympathisch aus, aber die Zettel sind ihr gerade ausgegangen. Deshalb muss sich der Gottesdienstbesucher, so geben es die Zettel ihrer Kollegin vor, im E-Block einfinden.

Gesang aus vielen Kehlen

Als er sich einfindet und den besten Blick auf die Bühne sucht, spielt oben bereits eine Band mit Bass, Schlagzeug und Streichern. Deren Dirigent animiert die versammelte Gottesdienstgemeinde immer wieder zum Mitsingen, Mitmachen, Teilnehmen, aber die Gemeinde findet sich erst langsam ein. Viele sind direkt vom Hauptbahnhof angekommen und brauchen offenbar noch Zeit, um sich auf die Großveranstaltung einzulassen. Kann man ihnen das verdenken?

Vielleicht liegt es aber auch an den Liedern, die gesungen werden. Die meisten sind fetzig und modern – und unbekannt. Das ändert sich, als der Posaunenchor sein musikalisches Stelldichein gibt. Hunderte von Blechbläsern sind gekommen und bilden eine beeindruckende Tonkulisse. Sie spielen den Choral "Lobe den Herren" an – und, siehe da: Bei diesem alten Lied erklingt auch der Gesang der Gläubigen aus vielen Kehlen.

Das Licht der Kerze flackert

Der eigentliche Beginn wird im wahrsten Sinne des Wortes eingeläutet. Von den Glocken der Stadtkirchen, die herüberwehen zur Theresienwiese. Dort, wo sonst das Oktoberfest Gäste aus aller Welt zum Biertrinken empfängt, breitet sich eine andächtige Stille unter den 55.000 Christinnen und Christen aus. Die Bischöfe Marx, katholisch, und Friedrich, evangelisch, stehen am Fuße der Bühnentreppe schon bereit. Auf ein pompöses Gloria der Blechkapelle hin ziehen sie nach oben, vorbei an dem Altar, auf dem ein eher abstrakt wirkendes Tongebilde steht.

Es sieht aus wie ein Kelch mit zu großem Fuß und zu kleinem Kopf. Die werden doch nicht etwa ...? Aber nein, dass die Kirchenvertreter dort oben zeichenhaft aus dem gleichen Kelche trinken, das kann nicht sein. Und tatsächlich: In Wirklichkeit ist es ein Kerzenständer, auf den eine flackernde Stumpenkerze gesetzt wird, geschützt durch ein Windglas. Aber träumen wird man doch dürfen, oder? Das Motto des Kirchentages lautet schließlich: "Damit ihr Hoffnung habt". Vielleicht auch Hoffnung, dass es endlich klappt.

Die Begrüßung übernehmen die beiden Liturgen Joachim Lenz, evangelischer Kirchentagspastor, und Andrea Schneider, freikirchliche Rundfunkpastorin. Sie betonen immer wieder den Wert der Ökumene, und unterstreichen: "Wir wollen weitergehen!" Was genau sie darunter verstehen, bleibt unklar. Aber vielleicht muss sich das ja auch erst in den kommenden Tagen zeigen. Wie weit man gehen kann. Worauf die Menschen Hoffnung haben sollen. Und warum Bischof Marx bei der Begrüßung skeptisch dreinzublicken scheint.

Zu klatschen traut sich keiner

Die Psalmlesung, die ohne die klassischen liturgischen Elemente Salutatio oder Kyrie an die Begrüßung anschließt, ist durch und durch poetisch inszeniert. "In unsere Situation heute" soll er übertragen sein, so die Ankündigung. Immer wieder werden Stichworte genannt, die sich wie ein Patchwork verdichten zu einem Düsterbildnis der Gegenwart: "Hunger. Flucht. Eine Welt voller Gewalt."

Die Stimme erklingt mit Hall unterlegt aus den Lautsprechern. Ein Glockenspiel gesellt sich zu den Worten, später ein Cello. Und vielstimmig ergießt sich alles in den Chorsatz des Psalmwortes: "Woher kommt mir Hilfe?" Eine Antwort bleibt die Band auf der Bühne nicht schuldig: "Meine Hilfe kommt vom Herrn", lautet der Zuspruch in einem beschwingten Arrangement. Es entsteht der Eindruck von einem Gottesdienst als Kunstwerk. Ein bisschen ehrfürchtig stehen die Gläubigen als Betrachter davor. Die Spannung ist zum Greifen: Darf ich jetzt klatschen? Es traut sich keiner.

Knalleffekt zum Schluss

Was auf die Schriftlesung folgt, wirkt wie ein ökumenischer Zaunpfahl. Auf die hoffnungsvollen Worte des 1. Petrusbriefes antwortet die Band: "Jetzt ist die Zeit und hier ist der Ort, an dem Gott uns zu Zeugen nimmt, dass wir die Stimme erheben!" Auch später folgen Worte, die man auf die Fortschritte im ökumenischen Miteinander beziehen kann. Das Zitat von Dom Helder Camara zum Beispiel. "Wenn einer träumt, ist es nur ein Traum. Aber wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Beginn einer neuen Welt." Oder das musikalische Vortragsstück "Amazing Grace" mit seiner Textzeile: "I once way blind, but now I see". Oder ist damit etwa nicht (auch) die Ökumene gemeint?

Die Predigt gestalten die Bischöfe Marx und Friedrich gemeinsam als Dialog. Auf die Ökumene gehen sie selbstverständlich ein: Die gemeinsame Hoffnung sei es, die die Kirchen verbinde. Auf Christus, durch den die eine, unverbrüchliche Hoffnung in die Welt gekommen sei, die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Dass gerade auch kirchliche Amtsträger diese Hoffnung durch den von ihnen begangenen Missbrauch enttäuscht haben, sprechen sie offen an.

Was genau die christliche Hoffnung auszeichne, fassen sie in ein Akrostichon: Sie sei haltbar, offen, persönlich und einsatzbereit – die Anfangsbuchstaben ergeben das englische Wort für Hoffnung, HOPE. Der gefühlte Knalleffekt der Predigt ist aber ihr Schluss: Das Amen sprechen sie synchron zusammen. Diese Gemeinschaftlichkeit ist der Gemeinde dann doch einen ersten, großen Applaus wert.

Kein Gebet für die Täter

In einer "Litanei der Hoffnung" werden konkrete Wünsche und Hoffnungszeichen zitiert. Als Paten dienen Dorothee Sölle, Martin Luther King, Mutter Teresa und andere. Hoffnungsvolle, aber auch nachdenkliche Begriffe stehen auf die übergroßen Luftballons geschrieben, die dabei nach vorne getragen werden. "Versöhnung, Erneuerung, Zukunft. Reue, Umkehr, Heil. Frieden, Hilfe, Gemeinschaft." Jeder Ballon schwebt an einer langen Schnur über einem Menschen. Alle zusammen ergeben einen bunten Haufen an Männern und Frauen, Leuten aller Hautfarben, in zivil und in Kutte. Auf der riesigen Bühne wirken sie trotzdem verloren. Aber was soll's: Um Hoffnung geht es schließlich.

Die Fürbitten werden vorgebracht, jeweils durch Gemeindegesang unterbrochen. Das mit dem Singen klappt inzwischen schon besser. Gebetet wird für die Opfer von Krieg und Gewalt. Aber auch für alle, die für das Leid verantwortlich sind. Das klingt nach Größe, schließlich sind Christen aufgerufen, auch für ihre Feinde zu bitten. Als es um die Opfer von Missbrauch und Gewalt geht, wird auch für die Verantwortlichen in der Kirche gebetet, nicht aber für die Täter. Vielleicht war das dann doch zu heikel.

Synchroner Sprechakt

Den Fürbitten folgt eine verjazzte Bachversion des Gesangbuch-Klassikers "Wer nur den lieben Gott lässt walten". Und auch hier fällt auch: Die Gemeinde singt bei den alten Liedern mit. Mehr als bei den neuen Kompositionen, die zu großer Zahl von Gregor Linßen stammen. Linßen steht auch selbst auf der Bühne und leitet die Band. Seine Songs sind vielleicht, was sich derjenige an Kirchenmusik wünscht, der sonst nicht in die Kirche geht. Verbunden mit der Behauptung, wenn nicht immer diese schaurige Orgel spielen würde, ginge man ja auch gerne öfter dorthin. Hier aber, auf dem Münchner Christentreffen, überzeugen die altbekannten Stücke offenbar mehr.

Zum Gottesdienst gehört auch, dass die beiden Präsidenten des 2. Ökumenischen Kirchentages diesen offiziell eröffnen. Der Katholik Alois Glück und der Protestant Eckhard Nagel wünschen den Anwesenden, dass sie in den kommenden Tagen "Gottes Gegenwart feiern, im Herzen ein Licht für die Ökumene entzünden, respektvoll streiten und gemeinsam handeln". Die Eröffnungserklärung sprechen sie dann, wie die Bischöfe schon das Amen, gemeinsam. Die Unsicherheit, ob man nun das Jahr "Zweitausendzehn" oder "Zwanzigzehn" schreibt, sorgt für kurzes Gelächter, aber am Ende ist der synchrone Sprechakt der Gemeinde den zweiten großen Applaus wert. Gemeinsames Handeln wird hier nicht nur beschworen, sondern auch belohnt.

Das Beste kommt zum Schluss

Der Liturg Lenz spendet am Schluss des Gottesdienstes einen Segen. Weit über die Menge gereckt sind seine Arme im Talar, als er Worte aus dem 5. Buch Mose spricht: "Der Herr segne dich und behüte dich..." Bei dem Teil des Gottesdienstes, den viele als den wichtigsten empfinden – frei nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss – halten sich die Bischöfe zurück. Tatsächlich sind sie plötzlich gemeinsam von der Bühne verschwunden. Keine Prozession, bei der sie den Altarraum gemessen schreitend verlassen hätten. Stattdessen ein schneller Abgang hinter die Bühne. Was sie sich dort wohl zu sagen haben? Hoffentlich Hoffnungsvolles. Damit ... es endlich klappt.


Ingo Schütz ist angehender evangelischer Pfarrer und seit Jahren fasziniert vom Phänomen "Kirchentag".

Kommentare

Verfasst von Gast am 18. Mai 2010 - 18:18.

Und:

Ob die Menschen mitsingen, muss nicht unbedingt etwas mit der (Qualität der)...

Ob die Menschen mitsingen, muss nicht unbedingt etwas mit der (Qualität der) angebotenen Musik zu tun haben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Menschen sich unter freiem Himmel nicht so wohl fühlen beim Singen wie im Kirchenraum. Der Klang verfliegt schneller, man hört sich nicht so gut, fühlt sich eher alleine mit seinem Gesang - es sei denn, alle um einen herum singen lautstarkest.
Und unter Umständen ist es mir lieber, wenn einige schweigen, als wenn alle "gedankenlos" einen alten Shanty mitgrölen.
Sicherlich war das eine oder andere Lied von Gregor Linßen nicht ganz einfach mitzusingen. "Die Hoffnung bleibt" hört manch einer bestimmt lieber einmal ganz, bevor er einstimmt. Aber hier finde ich es nicht schlimm, denn der Text hat etwas zu sagen, so dass man auch durch aktives Hören eingebunden sein kann.
Solange nicht alle Lieder im Gottesdienst so komplex sind, finde ich es in Ordnung, wenn ein Lied nicht von allen auf Anhieb mitgesungen werden kann.
Ich wünsche mir, dass die guten NGLs, die im Eröffnungsgottesdienst erklungen sind, in den Gemeinden weiterleben dürfen, so dass sie bald von immer mehr Menschen mitgesungen werden können.
Nichts gegen Choräle und Co - s. anderer Beitrag. Aber ich möchte gute neue Texte und Lieder, die mich mit mir vertrauter Sprache und Bildern unmittelbar ansprechen, nicht missen.

Christina

Verfasst von Gast am 18. Mai 2010 - 12:09.

Mehr Meinungen

Ich würde gerne mehr Meinungen zum Gottesdienst lesen! Auch ich habe auf der...

Ich würde gerne mehr Meinungen zum Gottesdienst lesen!

Auch ich habe auf der Bühne gestanden und gesungen. Mir gefällt die Musik, ich fand die Mischung ansprechend. Aber da kann man auch anderer Meinung sein. Über Geschmack lässt sich nicht streiten.
Aber sowohl auf der Bühne, als auch beim Anschauen der Übertragung habe ich den Gottesdienst als Einheit aus Wort und Musik empfunden. Das ist mir wichtig, darauf achte ich. (Bei den Worten fehlte mir etwas der Schwung und die Begeisterung, die wir beim Singen empfanden.)

Ich habe im Verlauf des Kirchentages einige Podien und Diskussionen zum Thema Kirchenmusik gehört. Teilweise kam gar keine richtige Diskussion auf, denn alle Musiker (selbst der eingefleischte Gregorianik-Professor) waren sich einig: Alle Stilrichtungen haben ihre Berechtigung in der Kirche, es kann und soll kein ausschließliches Entweder-Oder geben. Wichtig ist aber die Qualität der Musik.
Ob einem dann die dargebotene Mischung gefällt, ist individuell.
Dazu würde ich gerne mehr Stimmen hören. Sachlich und konstruktiv.

Christina

Verfasst von Gast am 17. Mai 2010 - 23:22.

"Kleine" Stilkritik?

Für mich liest sich das so: die dem Autor seit jeher vertrauten Elemente, also...

Für mich liest sich das so: die dem Autor seit jeher vertrauten Elemente, also Schriftlesung, Posaunenchor, Bläser und Predigt waren Teil eines Kunstwerkes.
Die Band (sogar mit Bass, Schlagzeug und Streichern, uiuiui!) mit ihrem neumodischen Liedgut hingegen weiss garnicht zu überzeugen - wenn denn nicht eines der altbekannten Lieder intoniert wurde.
Ein "angehender evangelischer Pfarrer", der schon in jungen Jahren neuen Impulsen völlig intolerant gegenübersteht? Herzlichen Glückwunsch!

Als auf der Bühne mitwirkender Katholik kann ich nur sagen: Soviele neue Impulse brauchen wir viel häufiger in unseren Kirchen.
Oder will man die Jugend mit vielstimmigen "Lobe den Herren"-Posaunen bei der Stange halten?

btw: Eine "verjazzte Bachversion" gab es nicht. Die erste Strophe war original nach J.S. Bach, die Strophen 2-4 waren neu arrangiert mit nahezu identischer Haupt- aber deutlich schwungvolleren Begleitstimmen von Band und Vocals.

derElli

Verfasst von Gast am 13. Mai 2010 - 13:30.

Journalistische Qualifikation

>Ingo Schütz ist angehender evangelischer Pfarrer und seit Jahren fasziniert...

>Ingo Schütz ist angehender evangelischer Pfarrer und seit Jahren fasziniert vom Phänomen "Kirchentag"<
Herzlichen Dank für diese Information! M.a.W. der Autor bringt die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine Berichterstattung und Einschätzung aus der kritischen Distanz eines seriösen Journalismus mit.

Verfasst von HenrikSchmitz am 13. Mai 2010 - 15:44.

Doch, bringt er! Als Pfarrer

Doch, bringt er! Als Pfarrer hat er das nötige Fachwissen, einen...

Doch, bringt er! Als Pfarrer hat er das nötige Fachwissen, einen Gottesdienst "bewerten" zu können. Zudem bedeutet Faszination nicht, dass man einem Phänomen unkritisch gegenüber steht. Man kann beispielsweise auch vom Thema Krieg fasziniert und gleichzeitig Pazifist sein.

Verfasst von Gast am 13. Mai 2010 - 20:46.

Nun

Herr Schmitz, wie ich hätten es garantiert nicht wenige gern gesehen, wenn Sie...

Herr Schmitz,

wie ich hätten es garantiert nicht wenige gern gesehen, wenn Sie das persönlich geschrieben hätten.

Und eines ganz allgemein: Der Herr Pfarrer in spe mag das Fachwissen haben, um einen Gottesdienst bewerten zu können. Die Vorgänge dort zum Kirchentag waren aber keiner, ergo etwas journalistische kritische Distanz auch nicht verkehrt gewesen. Oder?

Verfasst von Gast am 13. Mai 2010 - 16:14.

Doch, bringt er! - ???

Sag ich ja, Herr Schmitz, er bringt sie mit - die denkbar schlechtesten...

Sag ich ja, Herr Schmitz, er bringt sie mit - die denkbar schlechtesten Voraussetzungen! Mal wieder auf dem Kriegsfuß mit der Grammatik? Zur "Bewertung" von Gottesdiensten braucht es also "nötiges Fachwissen"? O weh, evangelische Kirche - wandern deshalb so viele Gottesdienstbesucher ab, muss deshalb ein "Qualitätsmanagement Gottesdienst" eingerichtet werden, weil deine Gottesdienste nur noch von pastoralen Fachleuten, also Selbstbewertern, beurteilt werden können? Ihren krausen Kriegsvergleich verstehe wer will - ich finde Krieg abscheulich und mich als Pazifisten auf evangelisch.de wieder einmal verunglimpft. Muss eigentlich jeder kritische Kommentar zum Journalismus dieser Plattform mit so unreflektierter Apologetik "gekontert" werden?

Verfasst von HannoTerbuyken am 18. Mai 2010 - 7:50.
Kommentar auf: Doch, bringt er! - ???

"Muss eigentlich jeder

"Muss eigentlich jeder kritische Kommentar zum Journalismus dieser...

"Muss eigentlich jeder kritische Kommentar zum Journalismus dieser Plattform mit so unreflektierter Apologetik "gekontert" werden?"

Nicht unbedingt. Aber Kommentare, die im Grunde bedeuten: "Er hat nicht das geschrieben, was ich lesen wollte, also ist es schlechter Journalismus", sind keine kritischen Kommentare zum Journalismus. Wenn sie eine ANDERE Bewertung des Gottesdienstes lesen wollten, ist das keine Frage der journalistischen Qualität eines Textes, sondern des Inhalts (und das sind zwei verschiedene Dinge). Die Form einer kommentierenden Beobachtung, wie sie beispielsweise bei Parteitagen oder Theaterkritiken gern genutzt wird, ist journalistisch völlig legitim, zumal das Wort "Kritik" in der Überschrift das eigentlich völlig klar stellt, worum es sich hier handelt.

Wenn ihnen nicht passt, dass wir Ingo Schütz zur Stilkritik des Gottesdienstes einsetzen, meinetwegen, aber das ist unsere Entscheidung, nicht ihre. Natürlich hätte jeder von uns den Gottesdienst bewerten können, und bei jedem von uns wäre ein anderer Text mit einem anderen Tenor rausgekommen. Das ist nun einmal so. Wir haben denjenigen genommen, der von den verfügbaren Schreibern schon von Berufs wegen die meiste Erfahrung mit Gottesdiensten hat.

Schreiben sie doch eine Gegenkritik, statt sich hier so beleidigt zu beschweren! Was hätten sie denn gerne im Gottesdienst gesehen? Und was ist so schwer daran, einen sachlichen Kommentar zu schreiben: "Ich hätte es besser gefunden, wenn kein Vertreter der Amtskirche den Gottesdienst inhaltlich betrachtet hätte?" Damit können wir mehr anfangen als mit solchen salbungsvollen Vorwürfen. Ehrlich.

Ich sag's noch einmal: Nur, weil das, was da steht, ihnen nicht gefällt, ist es kein schlechter Journalismus. Für das eine gibt es externe Kriterien, für ihre Meinung nicht.

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Hanno Terbuyken
evangelisch.de

Verfasst von Gast am 18. Mai 2010 - 15:57.
Kommentar auf: "Muss eigentlich jeder

Pressekodex Ziffer 7

Eine Theaterkritik schreibt in der Regel aber auch nicht der Regieassistent. M....

Eine Theaterkritik schreibt in der Regel aber auch nicht der Regieassistent. M.a.W. zur Kritik gehört Distanz. Ein angehender Pfarrer ist aber entweder Stud.Theol. oder Vikar, befindet sich also schon im Systemdurchlauf. Das veranschaulicht das Grundproblem von evangelisch.de: ist es PR-Instrument der Kirchen, das wir aus meiner Sicht als PR-Tätige, Theologin und Pfarrfrau sehr sehr dringend hochprofessionell brauchen, oder Presse mit dem Hang im Biotop "Evangelische Lebensäußerungen" zu fischen, weil es dort kuscheliger ist, als im harten säkularen Redaktionsalltag? Bei SZ, FAZ etc. ist man m.E. einen viel raueren Ton in der Kritik gewohnt. Und ist evangelisch nicht geradezu synonym für Meinungsvielfalt? Deshalb gibt es hier nunmal mehr Sachverständige als Herrn oder Frau Pfarrer. Es ist Ihre Entscheidung, wer schreibt -und ggf. Ihr Schaden, wenn sich evangelische Christen weder informiert noch amüsiert sehen. "Evangelisch" als brand kann sich erst etablieren, wenn die "Kundschaft" erreicht wird.

Verfasst von Gast am 12. Mai 2010 - 22:03.

Predigten

Nach dem Segen drei Grußworte: Bundespräsident Köhler, Ministerpräsident...

Nach dem Segen drei Grußworte: Bundespräsident Köhler, Ministerpräsident Seehofer und Oberbürgermeister Ude waren die besseren Prediger und ließen die Masse lachen fühlen und an ihrer persönlichen Hoffnung teilhaben. Interessantes Phänomen!!!!

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