Kirchentag: Die ökumenische Ungeduld ist gewachsen

Ökumenischer Kirchentag

Plakatmotiv zum Ökumenischen Kirchentag in München. Foto: ÖKT

Interview - Hundert Tage vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München äußern sich die beiden ÖKT-Präsidenten Alois Glück (katholisch) und Eckhard Nagel (evangelisch) über ihre Erwartungen an das große Christentreffen, zu dem vom 12. bis 16. Mai weit über 100.000 Besucher in der bayerischen Landeshauptstadt erwartet werden.

Evangelisch.de: Wie ist der Stand der Vorbereitung?

 

Eckhard Nagel: Jetzt ist die Zeit, sich zum 2. Ökumenischen Kirchentag anzumelden. Überall in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz hängen Plakate und liegen Einladungsprospekte aus. Der Teilnehmerservice in der Münchner Geschäftsstelle arbeitet auf Hochtouren. Gleichzeitig erstellen wir schon das Programmheft, das voraussichtlich mehr als 700 Seiten haben wird. Die Abteilung "BauTec" stellt die Planungen für die vielen Veranstaltungsorte - Messehallen, große Bühnen, Säle und Kirchen - fertig, und wir suchen 15.000 Gastgeberinnen und Gastgeber in und um München, die Teilnehmende des ÖKT bei sich zu Hause unterbringen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gang - und auf einem guten Stand, um am 12. Mai in München über 100.000 Menschen aus ganz Deutschland und aus aller Welt begrüßen zu können.

Evangelisch.de: Was sind die größten Herausforderungen bis zum Beginn der Veranstaltung?

Alois Glück: Die inhaltliche Vorbereitung in der Ökumene vor Ort durch gemeinsames Beten und Aktionen im Miteinander der christlichen Gemeinden. Dazu in München der Abschluss der Programmgestaltung und die großen logistischen Aufgaben wie Unterkünfte für Teilnehmer, Veranstaltungsorte und Verkehr organisieren, Sicherheitsfragen und so weiter.

Evangelisch.de: Ist die Zeit denn überhaupt reif für einen 2. Ökumenischen Kirchentag, schließlich gab es in der letzten Zeit auch immer wieder Verstimmungen?

Nagel: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den 2. Ökumenischen Kirchentag. Christinnen und Christen aus allen Kirchen wollen ökumenische Gemeinschaft erleben, feiern und vor der Öffentlichkeit bezeugen - unabhängig davon, welche ökumenischen Fortschritte im Gespräch zwischen den Kirchen erreicht sind oder weiter auf sich warten lassen.

"Die Zeit für gemeinsames Abendmahl ist noch nicht gekommen"

 

Evangelisch.de: Was bedeutet für Sie Ökumene?

Glück: Das ist der bleibende Auftrag für ein besseres Zusammenwachsen, einer Einheit in der Vielfalt auf der Basis der gemeinsamen Grundlagen im Glauben an Jesus Christus, seinen Tod und seine Auferstehung in der Gemeinsamkeit der Christlichen Taufe.

Evangelisch.de: Welchen Impuls für die Ökumene erwarten Sie vom 2. Ökumenischen Kirchentag?

Nagel: Ich gehe davon aus, dass die geübte gemeinsame Praxis des Gebets und des Gottesdienstes während des 2. Ökumenischen Kirchentages, das Aufeinanderzugehen in unseren christlichen Kirchen konkret erleichtert und für die Gemeinden eine hilfreiche Unterstützung sein wird. Der 2. ÖKT ist ein wichtiger Motor für das gegenseitige Verständnis und die Basis für gemeinsames Handeln. Zum anderen erwarte ich, dass der Wunsch nach Einheit, nach tieferer Gemeinschaft innerhalb der Christenheit klar und unüberhörbar artikuliert wird - auch die ökumenische Ungeduld, die in den vergangenen Jahren bei vielen angewachsen ist. Es wäre gut, wenn die Hoffnungen und das Drängen in den Gemeinden den Leitungen der Kirchen zu denken geben.

Evangelisch.de: Immer wieder wird die Frage des gemeinsamen Abendmahls thematisiert. Was wird uns beim 2. Ökumenischen Kirchentag erwarten?

Glück: Es wird beim 2. Ökumenischen Kirchentag keine gemeinsame Abendmahlfeier geben. Dafür ist die Zeit noch nicht gekommen und dies ist auch von Seiten unserer Partnerkirchen so akzeptiert. Wenn Einzelne, wie in Berlin, demonstrativ eine gemeinsame Abendmahlfeier organisieren, nützt dies dem Fortschritt in der Ökumene nicht, im Gegenteil, dies polarisiert und stärkt diejenigen in unseren Kirchen, denen die ganze Zielsetzung der Ökumene und des Kirchentages nicht passt.

Evangelisch.de: Welches starke Zeichen wollen Sie während des 2. Ökumenischen Kirchentages für die Ökumene setzen?

Nagel: Ein wichtiges Bild des 2. ÖKT soll die "Gemeinschaft zu Tisch" sein. Der Tisch ist ein sichtbares Zeichen für unseren tiefen Wunsch nach Gemeinschaft. Es handelt sich um ein urchristliches Motiv des gemeinsamen Handelns, dass das Prinzip des Teilens in den Mittelpunkt stellt und der Sehnsucht nach Gemeinschaft Ausdruck verleiht. Der Tisch symbolisiert, dass jeder - ungeachtet seiner Konfession oder seines sozialen Status - von Christus eingeladen ist und willkommen geheißen wird. So können wir die verbindende Kraft des Christentums betonen. Am Eindrücklichsten wird dies am Freitag des Ökumenischen Kirchentages sichtbar sein. Wir wollen eine orthodoxe Vesper feiern und im Anschluss daran gesegnetes Brot an 1.000 Tischen in ökumenischer Gemeinschaft miteinander teilen. Das ist etwas ganz anderes als die Feier von Abendmahl oder Eucharistie. Es ist aber ein kräftiges Signal und ein starkes Bild, wie wir Christen unseren Glauben in den Alltag integrieren.

"Hoffnungsvolle Antworten auf die Krise"

 

Evangelisch.de: Wie arbeiten die Gemeinden vor Ort bereits schon zusammen?

Glück: Der Ökumenische Kirchentag ist in vielen Orten der Impuls für gemeinsame Aktivitäten der Christlichen Gemeinden im Gebet, in Themenveranstaltungen oder sozialen Aktionen. Das sind schon Früchte dieser Veranstaltung und es ist ganz wichtig, dass dies nach dem Ökumenischen Kirchentag weitergeführt wird. Das ist "Ökumene von unten".

Evangelisch.de: Welche gesellschaftlichen Probleme werden eine besondere Rolle beim 2. ÖKT einnehmen?

Nagel: Das Jahr 2010 wird geprägt sein durch konkrete Auswirkungen einer schweren Weltwirtschaftskrise. Dementsprechend werden Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, nach Teilhabe und Teilen in vielen gesellschaftlichen Bereichen höchste Priorität besitzen. Hierzu können Christinnen und Christen aus ihrer Glaubensüberzeugung klare und hoffnungsvolle Antworten geben. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass der 2. Ökumenische Kirchentag dazu beiträgt, das Wirken des Christentums als wichtiges Fundament für unsere demokratische Gesellschaft in vielfältigen Facetten zu unterstreichen.
Selbstverständlich werden wir die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die konkreten Lebensbezüge der Menschen thematisieren - sei es in Arbeit und Arbeitslosigkeit, seien es Bildungschancen oder die Frage nach einer ausreichenden Gesundheitsversorgung. Dass wir trotz aller Bemühungen eine zunehmende Schere zwischen Arm und Reich in unserem Land haben, kann aus christlicher Perspektive heute nicht hingenommen werden.

Es soll dabei nicht nur bei der Diskussion der Probleme und bei abstrakten Antworten bleiben, sondern wir wollen versuchen, mit der Formulierung von "Selbstverpflichtungen" über den Kirchentag hinaus etwas zu bewegen. Sicher wird auch die uns immer begleitende Frage einer christlichen Friedensethik eine zentrale Rolle spielen. Gelten angesichts einer häufig religiös motivierten Gewalt noch die Antworten von vor 20 Jahren oder aber ergeben sich aufgrund neuer Anforderungen andere Positionen? Darüber wollen wir sprechen und dabei nicht die Betroffenen aus dem Auge verlieren; diejenigen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise - ob im Rahmen der Kirchen, von NGOs oder der Bundeswehr - für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt einsetzen.

"Der ÖKT wird seine Besucherinnen und Besucher verändern"

 

Evangelisch.de: Woraus soll der einzelne Mensch Hoffnung schöpfen können angesichts all der Ungerechtigkeit?

Glück: Viele Beispiele hier bei uns und in aller Welt belegen, dass durch das Engagement von Christen mehr Gerechtigkeit verwirklicht werden konnte. Unsere Kraft schöpfen wir daraus, dass wir im Vertrauen auf unseren Gott wissen, dass wir nicht alles selbst machen müssen und dass er uns dabei begleitet. Das ist für mich auch die Brücke zum Leitwort des Katholikentages 1984 in München "Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt".

Evangelisch.de: Wie kann eine Großveranstaltung wie der 2. ÖKT dazu beitragen, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert?

Nagel: Zu allererst dadurch, dass der 2. ÖKT vielen Menschen über München hinaus wichtige Fragen ins Gedächtnis ruft. Die mediale Bedeutung eines Großereignisses, auf das sich auch schon viele Erwartungshaltungen projizieren, ist ein wesentlicher Beitrag zur Lebenswirklichkeit in Deutschland und Europa. Darüber hinaus wird der 2. ÖKT seine Besucherinnen und Besucher verändern - und ich hoffe selbstverständlich - sie ermutigen, ihnen Kraft geben, Trost spenden und im Glauben bestärken. Wir werden Antworten finden auf manche schwierige Frage, Vorschläge unterbreiten, Wege und Auswege suchen und wir werden unmissverständliche Aufforderungen an Verantwortliche formulieren, um die Lebenswirklichkeit der Menschen zu verbessern. Jeder Einzelne, der den 2. ÖKT besucht oder ihn inhaltlich wahrnimmt, wird zu einem Stein im Fundament einer gerechteren, offeneren und werteorientierten Gesellschaft.


Das Interview ist mit freundlicher Genehmigung übernommen von der Homepage des ÖKT.

Kommentare

Verfasst von Gast am 1. Februar 2010 - 19:59.

RE: Kirchentag: Die ökumenische Ungeduld ist gewachsen

Jesus hat keinen Menschen aus seiner Mahlgemeinschaft ausgeschlossen, zu der er...

Jesus hat keinen Menschen aus seiner Mahlgemeinschaft ausgeschlossen, zu der er insbesondere diejenigen einlud, die am Rande der Gesellschaft lebten. Diese Mahlgemeinschaft, Anzeichen des himmlischen Hochzeitsmahls, symbolisiert die Gleichheit aller vor Gott ; denn Gott akzeptiert alle ohne Ansehen der Person, erwartet aber auch von denen, die sich zum Mahle einladen lassen, eine brüderliche und schwesterliche Nähe und den Glauben an die liebende und verzeihende Kraft seiner frohmachenden und den Menschen befreienden Botschaft. Ernst Lange hat vor ca. 30 Jahren diese Aussage zusammengefasst in dem Satz : „Jesu Tisch kannte keine Zulassungsprobleme – außer der Frage, ob einer sich treffen ließ von der Liebe Jesu.“

Ökumenische Theologie wird in Zukunft nur dann Akzeptanz und Berechtigung finden, wenn Kirchen sich als Kirchen „par cum pari“ also auf Augenhöhe, anerkennen.

Wenn jedoch führende Vertreter der katholischen Kirche, wie z.B. Papst Johannes Paul II. in seinem Rundschreiben „Dominus Jesus“ aus dem Jahre 2000, glauben feststellen zu müssen, dass den Mitbrüdern und Mitschwestern z.B. in der evangelischen Kirche Entscheidendes fehle und dass die evangelischen Mitchristen nicht für sich das Recht beanspruchen könnten, in einer „Kirche“ organisiert zu sein - allenfalls könne man von einer „kirchlichen Gemeinschaft“ reden – so geraten diese Vertreter der katholischen Hierarchie zumindest in den Verdacht, an einem ernsthaften ökumenischen Dialog nicht interessiert zu sein.

Wer den evangelischen Mitbrüdern und Mitschwestern mit einer solch ehrverletzenden Art begegnet, der muss sich fragen lassen, ob dieser katholische Kirche, die von ihrem Glaubensverständnis ( extra ecclesiam nulla salus ) den Anspruch erhebt, hinsichtlich der authentischen Verkündigung der Botschaft Jesu Alleinverkündungsberechtigte zu sein, nicht im Letzten auch etwas sehr Menschenverachtendes innewohnt, wenn sie beispielsweise den evangelischen Kirchen das Recht abspricht, sich als Kirche darstellen zu dürfen. Wenn ich in diesen Tagen lese, dass die Evangelische Kirche ihre Zusammenarbeit bezüglich einer gemeinsamen Bibelübersetzung mit den Katholiken wegen „Lithurgiam authenticam“ aufgekündigt hat, dann müssen die von dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz vergossenen Krokodilstränen vor dem Hintergrund auch des Verhaltens der katholischen Kirche hinsichtlich der Aussagen in „Dominus Jesus“ als wenig überzeugend und wahrhaftig eingestuft werden.

Es ist nicht unwichtig, heute daran zu erinnern, dass damals der Vorsitzende des Rates der EKD, Manfred Kock formulierte: „Die Zeichen aus Rom stehen auf Stillstand. Mehr noch: Sie bedeuten die Verfestigung des traditionellen Selbstverständnisses der römisch-katholischen Kirche und einen Rückschlag für das ökumenische Miteinander in versöhnter Verschiedenheit.“

Wenn Landessuperintendent Krause jedoch meint, die „Ökumene herbeizuführen …liege nicht in menschlicher Macht, sondern sei ‚Geschenk Gottes, das erbetet werden will’“, so mag das in der theologischen Fachterminologie gewiss die richtige Formulierung sein, die ich auch zunächst einmal unkommentiert lassen möchte.

Andererseits erlaube ich mir, darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um Menschen handelt, die dem Wunsch nach Einheit nicht immer wohlwollend gegenüberstehen. Das Beispiel der Enzyklika „Dominus Jesus“ aus dem Jahre 2000 soll – neben einer Vielzahl weiterer Belegmöglichkeiten – darauf hinweisen, dass wir Menschen nicht zu voreilig sein sollen, bei Problemen im gesellschaftlichen, politischen – aber auch im religiösen – Bereich Gott ins Spiel zu bringen. Nicht allzu zu selten sind wir Menschen es, die aus einem Portfolio recht unterschiedlicher Interessen den Namen Gottes missbrauchen, um einem eigenen oft sehr egoistischen und aus einer Gemengelage von Macht, Ansehen, Ignoranz und Intransingenz durchzogenen Interessenwirrwarr ein religiöses Mäntelchen zu verleihen.

Bonhoeffer schrieb kurz vor seiner Hinrichtung im Gefängnis den Satz: „Den Gott, den es gibt, gibt es nicht. - Gott ist die Mitte des Lebens und keineswegs dazu gekommen, uns ungelöste Fragen zu beantworten. – Gott ist kein Lückenbüßer.“

Als katholischer Christ möchte ich an dieser Stelle nur auf katholische „Schwachstellen“ im Ökumeneprozess hinweisen – wohl wissend, dass es solche ebenfalls bei den Kirchen der Reformation gibt.

Für mich bleibt der Monopolanspruch der katholischen Kirche in der rechtmäßigen Verkündigung unverständlich und gegenüber den evangelischen Kirchen diskriminierend, da diese doch zu Recht davon überzeugt sind, dass sie in der befreienden Verkündigung der Worte Jesu die ihnen nahe stehenden Mitchristen ebenfalls den Weg zum „Ewigen Heil“ weisen.

Die Überzeugung in der katholischen Kirche, die „einzig wahre, katholische und apostolische Kirche“ zu sein, die geleitet wird vom „Stellvertreter Jesu Christi“ und ausschließlich repräsentiert wird von Amtsträgern, die „in persona Christi“ agieren, bilden eine ungeheuere Barriere für eine Ökumene, die Gleichwertigkeit der Partner zur Voraussetzung hat. Wenn auch viele Christen der reformierten Kirchen mittlerweile einen universalkirchlichen Petrusdienst als menschliche Einrichtung (iure humano) für durchaus nützlich ansehen („Communio mit Petrus“), so wird die katholische Kirche zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie Abschied nehmen muss von der Vorstellung einer „Communio unter Petrus“.

Es ist doch theologisch unzulässig und pastoral problematisch, wenn sich die katholische Kirche auf den Willen Jesu oder die ungebrochene Tradition der Kirche beruft, um ökumenisches Miteinander bei der Abendmahls- und Eucharistiefeier zu unterbinden. Entscheidend dagegen ist für die Nachfolger Jesu, dass Menschen sich seiner erinnern, seine Gegenwart in Wort und Sakrament feiern und versuchen, seine Botschaft in der Welt erfahrbar werden zu lassen.

Die wesentlichen Merkmale der Kirche sind somit Wortverkündigung und Sakrament. So heißt es auch in der Confessio Augustana:

"Est autem ecclesia congregatio sanctorum, in qua evangelium pure docetur et recte administrantur sacramenta."

Die Kirche ist also die Versammlung der Gläubigen, in der das Evangelium rein gelehrt und die Sakramente richtig verwaltet werden. Auf dieser Grundlage ist eine Vielfalt von Kirchenverständnis möglich.

Millionen Christen, die auf die Kraft des Heiligen Geistes bauen, beten jeden Tag darum, dass bei allen Beteiligten, die für den Bau des ökumenischen Hauses Verantwortung tragen , die Einsicht darin wachsen möge, dass selbstverständlich dieses Haus von unterschiedlichen Baustilen und verschiedensten Formen der Innenausstattung geprägt sein muss und dass vor allem in diesem Haus Platz für unterschiedliche Bewohner sein muss, die sich jedoch in einem einig sind : Sie verdanken sich Jesus von Nazareth, bekennen ihn in ihrer Mitte als in Wort und Sakrament gegenwärtig und versuchen, die Botschaft Jesu von der befreienden Nähe Gottes den Menschen nahe zu bringen.

Nach Worten der Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, kann es, wenn es um die Lehre der Kirche geht, weder einen Minimalkonsens geben, weil dieser alle entscheidenden Inhalte ausblenden würde. Außerdem können die Kirchenverständnisse nicht einfach nebeneinander gestellt werden, weil dann jede dogmatische Überlegung ausgeblendet wäre. Wir brauchen also eine Erörterung der Lehre von der Kirche, die sich ihrer konfessionellen Herkunft bewusst ist, und vom ihr aus die Fragen und Gegenpositionen anderer Ekklesiologien zu Gehör bringt. Es gibt keine konfessionsneutrale Lehre von der Kirche. Die Frage ist, ob wir einander als Kirchen wahrnehmen und anerkennen können.

Ökumene will kein Verarmungsprozess sein, bei dem man sich auf den geringsten gemeinsamen Nenner einigt; Ökumene will und muss als ein Lern- und Mehrungsprozess verstanden werden, bei dem alle Beteiligten voneinander lernen. Keine Konfession darf und soll ihre Identität aufgeben müssen; zu der Vorstellung von einer „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ gibt es, wenn alle Beteiligten wahrhaftig und ernsthaft den Gedanken der Ökumene verwirklichen möchten, keine Alternative!

Jedoch kann keine Kirche einfach das Erbe ihrer Väter und Mütter im Glauben aufgeben. Im Bereich der Ökumene geht es nicht um einen Weg aus der Wahrheit heraus, sondern um einen Weg tiefer in sie hinein. Die von so vielen Christen herbeigesehnte Ökumene kann nur bedeuten, dass die angestrebte Einheit eben nicht darin besteht, dass eine Kirche ihre Eigenheiten aufgibt, dass Ökumene keine „Gleichmacherei“ anstrebt, sondern dass beide Kirchen, beide Traditionen sich gegenseitig bereichern können, dass beide sich in ihrer Verschiedenheit akzeptieren und schätzen und als „vollgültig“ anerkennen, dass beide darauf verzichten, sich als Besitzer der alleinigen Wahrheit zu wähnen und sich stattdessen als Suchende, als auf dem Weg Seiende verstehen.

Solange die offizielle katholische Position behauptet, dass Jesus eine hierarchisch strukturierte Papst- und Priesterkirche gewollt und er die Anerkennung dieser Kirchenstruktur als notwendige Voraussetzung für die Teilnahme an seinem Versöhnungsmahl angesehen hat, solange wird es keinen ökumenischen Fortschritt geben; dass diese von offizieller Seite aufgebauten Hürden vor über 20 Jahren von Karl Rahner unter theologischen Gesichtspunkten als längst obsolet erklärt worden sind, interessiert die vatikanischen hardliner der Gegenwart nicht, für die Besserwisserei und Macht wichtiger zu sein scheint als eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit.

Wenn sich so viele Christen nach einer gemeinsamen Eucharistiefeier sehnen und sie dennoch offiziell verweigert wird, so stellt sich doch eine Vielzahl von Fragen :

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist oder liegt nicht eine gewisse Logik darin, dass Christen mit wechselseitiger eucharistischer Gastfreundschaft sich gegenseitig einladen, wenn sie doch gemeinsam daran glauben, dass Christus in Wort und Sakrament in der Mahlfeier gegenwärtig ist?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern im Hinblick auf die erhoffte Versöhnung und Einheit der Menschen, die Jesus doch sehr am Herzen lag?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen eine weitherzige Handhabung der Kommunion als ein Gebot der ökumenischen Barmherzigkeit verstehen?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn wir im Zusammenhang mit der ökumenischen Eucharistie die Einladung Jesu, die allen Menschen gilt, höher stellen als ein „System von Richtigkeiten“?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Befürworter der ökumenischen Eucharistie argumentieren, dass nicht die Kirche, sondern Christus dazu einlädt, und deshalb ein jeder willkommen ist?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und damit bekunden, dass die Einheit der ganzen zerrissenen Menschheit Gottes Wille ist?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich daran erinnern, dass aufgrund der zerrissenen Menschheit Gott seinen Sohn gesandt hat, damit dieser durch seinen Tod und seine Auferstehung uns seinen Geist der Liebe schenke?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich dabei ins Bewusstsein rufen, dass am Vorabend seines Opfertodes am Kreuze Jesus selbst den Vater für seine Jünger und für alle, die an ihn glauben, darum bittet, dass „sie eins seien“ , eine lebendige Gemeinschaft?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich der Verantwortung gegenüber Gottes Plan stellen, dass die durch die Taufe vereinten Christen zu einem Leib werden mögen, in dem sich die Versöhnung und die Gemeinschaft voll verwirklichen soll?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und dabei sich des Glaubens bewusst werden, dass sie durch die Taufe eingetaucht wurden in den Tod des Herrn, das heißt in den Akt selbst, in dem Gott durch den Sohn die Wände der Trennung niedergerissen hat?

Widerspricht es wirklich dem jesuanischen Geist, wenn Christen gemeinsam Eucharistie feiern und sich vor Augen führen, dass die Spaltung ganz offenbar im Gegensatz zum Willen Christi steht und dabei mit bedenken, dass die „Spaltung ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen ist“ ?

Zum Schluss erlaube ich mir einen persönlichen Appell an alle in den Kirchen – vor allem in der Hierarchie Tätigen – einen persönlichen Appell:

Ihr führenden Vertreter von Katholiken und Protestanten - lasst euch nicht leiten von Rechthaberei und Alleinvertretungsansprüchen ( z.B. durch den Ausgrenzungssatz : extra ecclesiam nulla salus) ; einer glaubensmonopolistischen Hybris wohnt immer auch etwas Menschenverachtendes inne. Ich wünsche mir eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit – und zwar sowohl um dem Vorbild Jesus und seiner Taten und Worte zu entsprechen als auch um die Herzenswünsche unendlich vieler Gläubigen - nicht nur der gemischt konfessionellen Paare - endlich in Erfüllung gehen zu lassen!

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Thomas M. 1489 am 8. Februar 2010 - 16:41.

Kompliment!

Lieber Paul Haverkamp, das ist das Beste, was ich seit sehr langer Zeit zu...

Lieber Paul Haverkamp,

das ist das Beste, was ich seit sehr langer Zeit zu diesem schwierigen Thema gelesen habe! Kompliment!

Gruss,

Martin

Verfasst von Bruder_Bernd am 8. Februar 2010 - 14:46.

Lieber Paul Haverkamp, sehr

Lieber Paul Haverkamp, sehr viele Argumente und Thesen lese ich. Wenn ich nicht...

Lieber Paul Haverkamp,
sehr viele Argumente und Thesen lese ich. Wenn ich nicht nur oberflächlich und vereinfacht darauf eingehen will, bräuchte es sicher einen anderen Rahmen und ggf. auch einen anderen "Ort".
Etwas befremdlich finde ich allerdings Folgendes:
Ich habe den Eindruck, dass die Kritik nicht unerheblich auf die Inhalte der "Erklärung Dominus Jesus" aufbaut. Wenn diese Erklärung im Text dem verstorbenen Heiligen Vater Johannes Paul II zugeordnet wird und im weiteren auch als "Enzyklika" bezeichnet wird, kann ich nur noch davon ausgehen, dass eher oberflächlich nach der jeweiligen Quelle gesucht wurde. Die Erklärung einer Kongregation (in diesem Fall der Kongregation für die Glaubenslehre) unterscheidet sich natürlich ganz grundsätzlich von einer päpstlichen Enzyklika.
Da Veröffentlichungen der Kongregationen unterschiedliche Tragweite haben (incl. z.B. theologische Studien), sollte auch bekannt sein, bzw. geklärt werden, welchen innerkatholischen Stellenwert die besagte Erklärung hat, bevor man ans Kritisieren geht. Ich werde mal versuchen, da ich da selbst unklar/uninformiert bin, wie die Erklärung der Kongregation (innerkirchlich) hat.

Ich bitte, meinen Hinweis nicht falsch zu verstehen! Zumindest der Zeitpunkt, wann Dominus Jesus (die ich z.Zt. noch als theologische Studie sehe) veröffentlicht wurde, könnte als "unsensibel" gesehen werden. Es geht mir also nicht darum, Inhalte als richtig oder falsch zu beurteilen, sondern erst einmal darum, die Informationen (Autor und Benennung) über die Erklärung zu berichtigen.

pace e bene
Bernd

Verfasst von Gast am 13. Februar 2010 - 16:19.

Die Kompetenzen des Lehramtes

Das Lehramt versucht, für möglichst viele seiner Äußerungen eine Quasi-...

Das Lehramt versucht, für möglichst viele seiner Äußerungen eine Quasi-Unfehlbarkeit zu reklamieren

Natürlich ist „Dominus Jesus“ keine Enzyklika; zu Beginn habe ich deshalb auch von einem „Rundschreiben“ gesprochen. Dass ich im weiteren Verlauf von „Enzyklika“ gesprochen habe, ist gewiss ein formaler Fehler.

Doch wie groß sind die Unterschiede zwischen einem „Apostolischen Schreiben“ und einer „Enzyklika“ wirklich?

Mit Beginn der 90-iger Jahre setzt nun eine Flut von römischen Verlautbarungen ein, die den persönlichen Amts- bzw. Handlungsspielraum von Personen im Kirchendienst immer weiter einengen; betroffen sind nicht nur Bischöfe und Kardinäle, sondern auch Theologiedozenten, Priesterkandidaten und Diakone und verschiedene andere Personengruppen im Kirchendienst. Die Glaubenskongregation hatte seit 1984 an dem Text einer „professio fidei“ und einem zusätzlichen Treieid gearbeitet, die schließlich 1989 veröffentlicht wurden. Die professio fidei besteht aus dem nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis und drei Zusätzen. Im ersten und dritten Zusatz ist aktuell zu bekennen, was schon im CIC steht : der Glaube in Bezug auf Offenbarungslehren, der Gehorsam in Bezug auf alle definitiven Lehren.

Im Kommentar der Glaubenskongregation zum Schreiben Professio fidei heißt es – bezogen auf den zweiten Zusatz : „Mit Festigkeit erkenne ich auch an und halte an allem und jedem fest, was bezüglich der Lehre des Glaubens und der Sitten von der Kirche endgültig vorgelegt wird." Diese Formel besagt, dass der Gegenstand des zweiten Absatzes alle jene Lehren umfasst, die dem dogmatischen und sittlichen Bereich angehören und notwendig sind, um das Glaubensgut treu zu bewahren und auszulegen, auch wenn sie vom Lehramt der Kirche nicht als formell geoffenbart vorgelegt worden sind.

Ein Beispiel für die konsequente Umsetzung der neuen Rechtsbestimmungen stellt das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ über die Unmöglichkeit der Priesterweihe für Frauen aus dem Jahre 1994 dar.

Über die Verbindlichkeit der Lehre ist zunächst gestritten worden. Der Papst bezeichnet sie jetzt als definitiv, d. h. als endgültig und unwiderruflich. Die Kongregation für die Glaubenslehre hat sie als eine unfehlbare Lehre im Sinne des erwähnten zweiten Zusatzes zum Glaubensbekenntnis eingestuft. Gefordert ist die unbedingte und unwiderrufliche Zustimmung zu dieser definitiven Lehre. Dabei hat der Papst die Unfehlbarkeit des ordentlichen und universalen Lehramts des über die Welt verstreuten Bischofskollegiums geltend gemacht. Die Unfehlbarkeit der Lehre gründet also auf der Übereinstimmung des Bischofskollegiums in dieser Lehre. Indem er diese Übereinstimmung feststellt und von Seiten der Bischöfe kein Widerspruch erfolgte, wird die Unfehlbarkeit für die Gläubigen erkennbar, und die rechtlich geforderte Antworthaltung kann greifen.

Auf die Frage, welchen Verpflichtungscharakter diese Lehren und welche Zustimmung von den Gläubigen deshalb gefordert ist, antwortet die Glaubenskongregation in einem Kommentar, dass alle genannten Lehren dieser Art (s.o.) – d.h. Lehren, die definitive tenendae sunt – seien Lehren des „unfehlbaren Lehramts“. Die Art der Zustimmung, die hier gefordert sei, unterscheide sich „hinsichtlich des vollen und unwiderruflichen Charakters der Zustimmung“ nicht von der Zustimmung zu formellen Glaubenswahrheiten, also etwa den Sätzen des Glaubensbekenntnisses. Lediglich der Grund, auf dem die Zustimmung beruhe, seien unterschiedlich : Bei der Zustimmung zu Glaubenssätzen sei der Grund die Autorität des Wortes Gottes. Bei den „endgültig zu haltenden Sätzen“ ruhe die Zustimmung auf dem „Glauben an den Beistand, der der Heilige Geist dem Lehramt schenkt und auf der katholischen Unfehlbarkeit des Lehramtes (de fide tenendae)“.

Der Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann kritisiert diese Form der Gleichsetzung:

„In dieser Gleichsetzung liegt eine gravierende Simplifizierung der Tatbestände vor. Der Glaube ist ein Akt, der unmittelbar auf Gott als die Wahrheit schlechthin bezogen ist. Der Glaube glaubt Gott selbst. Das Wort Gottes, der sich selbst mitteilende Gott ist konstitutiv für den Glauben. Deshalb ist die Zustimmung des Glaubens eine einzigartige. Sie bezieht sich auf den Gott, der nicht täuscht und nicht täuschen kann. Insofern kommt dem glauben und der Glaubenszustimmung der Charakter der Infallibilität zu.

Wie steht es mit den Sätzen, die logisch oder historisch lediglich mit dem Glauben verbunden sind. Hier geht es nicht um den sich mitteilenden Gott selbst, sondern um kreatürliche Sachverhalte…
Der ausschließliche Verweis auf die kirchliche Autorität als Zustimmungsgrundlage im Kommentar der Glaubenskongregation ist unzutreffend. Ebenso ist festzuhalten, daß es sich aus der Natur der Sache bei solchen Sätzen nicht um Sätze und Lehren des unfehlbaren Lehramts handeln kann. In dem angeführten Text des Kommentars findet hier eine unzulässige Klitterung zweier unterschiedlicher Sachverhalte statt.
….
Ein anderer Gesichtspunkt die Lehrform betreffend ist die Frage nach der „endgültigen“ oder „nicht-endgültigen“ Form der Vorlage. Der Kommentar der Glaubenskongregation stellt in diesem Zusammenhang fest: ‚Ohne eine dogmatische Definition vorzunehmen, hat der Papst bekräftigt, dass diese Lehre (von der lediglich Männern vorbehaltenen Priesterweihe, d.Vf.) endgültig zu halten ist, weil sie auf dem geschriebenen Wort Gottes gründet und in der Überlieferung der Kirche beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist.’
Sieht man hier zunächst einmal vom Inhalt ab, so gilt doch: Unfehlbar könnte eine solche Lehre nur sein aufgrund der Kriterien, die nach LG 25 für ein unfehlbares Lehramt gelten: Es muss die Gründung einer solchen Lehre im geschriebenen Wort Gottes gegeben sein, und es muss eine entsprechende universale Verkündigung dieser Lehre geben. Die Tatsache, dass der Papst eine ‚nicht-endgültige Erklärung’ zu diesem Sachverhalt abgibt, verändert den Status dieses Sachverhaltes in keiner Weise. Logischerweise gilt natürlich auch umgekehrt: Erfüllt der gekennzeichnete Sachverhalt die Kriterien von LG 25 von sich aus nicht, dann ändert auch die ‚nicht-endgültige’ Erklärung des Papstes keinen Deut an diesem Sachverhalt. Der Sachverhalt ist dann nicht als unfehlbar zu bezeichnen.“

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Lehramt versucht, für möglichst viele seiner Äußerungen eine Quasi-Unfehlbarkeit zu reklamieren. Das hierarchische Lehramt argumentiert gegenüber Kritikern mit dem Argument, eine in sich nicht unfehlbare, weil nicht ex cathedra definierende Entscheidung wie etwa „Ordinatio sacerdotalis“ bringe nur gültig zum Ausdruck, was nach beständiger Überlieferung dem Depositium fidei angehört und deshalb vom Magisterium Ordinarium infallibel vorgelegt worden sei. Das Lehramt versucht den Eindruck zu erwecken, als seien die Lehren des Lehramtes das Spiegelbild des Depositium fidei, die auf diese Weise den Gläubigen als „geoffenbarte Lehre“ vorgelegt werde.

Dieser vom Lehramt immer wieder praktizierten Verfahrensweise, die darauf abzielt, ihren Unfehlbarkeitskatalog ständig zu verbreitern – vor allem bei Lehren, „die der Papst oder das Bischofskollegium vorlegen, wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn sie nicht beabsichtigen, diese in einem endgültigen Akt zu verkündigen“. Ob in Fragen der Frauenordination, des Zwangszölibats oder auch in der Frage der Empfängnisverhütung : Man kann es dem hierarchischen Lehramt nicht oft genug sagen : Das Depositum fidei ist nicht identisch mit den Lehren des Lehramtes.

Die ablehnende Haltung gegenüber Reformen und Veränderungen, die letztlich auch auf eine Negierung der Beschlüsse des 2. Vatikanums hinauslaufen, denn nach Konzilsverstellungen sollte die Kirche eine „ecclesia semper reformanda“ sein, hat ihre tieferen Wurzeln in der Angst des Lehramtes vor dem Entwicklungsgedanken : Die Entwicklung in einem Gebiet zugestanden, führe zum Entwicklungsgedanken in der Exegese und der Philosophie, dieser wiederum zur Entwicklung des Dogmas und der Kirche. Schriftauslegung, Traditionsverständnis, Philosophie und schließlich die Kirche selbst blieben nicht ewig und unwandelbar. Keine Angst sitzt beim katholischen Lehramt tiefer als diejenige, dass es in theologischer Hinsicht zu einer Evolution des Dogmas und der Bibelinterpretation kommen könnte.

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Thomas M. 1489 am 8. Februar 2010 - 16:57.

Bedeutung von "Dominus Jesus"

Lieber Bernd, Wie die "Erklärung Dominus Jesus" nun auch immer...

Lieber Bernd,

Wie die "Erklärung Dominus Jesus" nun auch immer einstufen ist: Sie zeigt die Grundhaltung der RKK in exemplarischer Weise. Aber die anderen Punkte sind mindestens genauso wichtig:

Solange die offizielle katholische Position behauptet, dass Jesus eine hierarchisch strukturierte Papst- und Priesterkirche gewollt und er die Anerkennung dieser Kirchenstruktur als notwendige Voraussetzung für die Teilnahme an seinem Versöhnungsmahl angesehen hat, solange wird es keinen ökumenischen Fortschritt geben; dass diese von offizieller Seite aufgebauten Hürden vor über 20 Jahren von Karl Rahner unter theologischen Gesichtspunkten als längst obsolet erklärt worden sind, interessiert die vatikanischen hardliner der Gegenwart nicht, für die Besserwisserei und Macht wichtiger zu sein scheint als eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit.

Das sind für mich doch gute Gründe, warum ich an meiner Haltung zur Ökumene derzeit festhalten muß. Erst wenn die Organisation RKK eine wirkliche Ökumene haben möchte, wird sich etwas bewegen. Schlimm finde ich dabei nur, dass mit der derzeitigen Haltung der RKK die Gefühle, Überzeugungen, und Bedürfnisse vieler Christen beider Konfession völlig ignoriert werden.

Gruss,

Martin

Verfasst von Gast am 2. Februar 2010 - 2:20.

RE: RE: Kirchentag: Die ökumenische Ungeduld ist gewachsen

Das erste Wort unseres HERRN Jesus Christus lautet: "Tut Buße! Denn das Reich...

Das erste Wort unseres HERRN Jesus Christus lautet:
"Tut Buße! Denn das Reich Gottes ist herbeigekommen!"
Buße tun, umkehren zu Gott, abzulassen davon, dem HERRN des Lebens gegenüber Ansprüche anzumelden, sondern diesem HERRN Gehorsam zu werden, das ist das Erste.
Luther schreibt in der ersten seiner 95 Thesen:
"Indem unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: 'Tut BUße' usw. (Matt. 4, 17) wollte er, daß das ganze Leben der Glaubenden eine Buße sei."
- Warum richten wir uns in der Evangelischen Kirche nicht nach diesen Worten? Warum treiben wir Spott mit dem Wort Gottes? Warum lassen wir es zu, daß das Wort Gottes von uns verfälscht wird und begrüßen diese Verfälschungen auch noch?
Warum gehen wir in so vielen Punkten von der Lehre der Heiligen Schrift und vom Wort Gottes ab und widersprechen unserem HERRN ins Angesicht? Warum treiben wir Spott mit den Aussagen der heiligen Apostel und maßen uns ein besseres Urteil an als diese? Warum halten wir uns selbst für klug und diffamieren die Demut? Warum sind wir nicht bereit, von unserm HERRN Belehrung anzunehmen, wenn ER uns Christen an die Seite stellt, die uns auf die Wahrheit hinweisen? Warum wollen wir nicht neu auf die Worte Jesu lauschen und sie in unser Leben aufnehmen, wie es die andern Kirchen vorschlagen? Warum strotzen wir nur so vor Selbstgerechtigkeit und Verachtung unseres HERRN? Warum basieren wir uns nicht allein auf Sein Wort, Seine Treue und Zuverlässigkeit? Warum lieben wir nicht die Wahrheit, sondern verbreiten in Lehre und Praxis Lügen, indem wir Gutes böse und Böses gut nennen? Warum verachten wir diejenigen, welche den Mut haben, uns die Wahrheit vorzuhalten?
Das Erste muß sein, daß wir Buße tun. Unser ganzes Leben muß eine Buße sein, persönlich und kirchlich. Allein aufrichtige Buße und Umkehr, Gehorsam gegenüber dem lebendigen Gott ist jetzt unsere Aufgabe. Bei IHM allein sollen und können wir Zuflucht suchen, solange es noch Zeit ist.
Denn es ist in der Tat auf der Tagesordnung, daß wir als Christen mit einer Stimme sprechen lernen. Das aber geht nur, wenn wir von allen unseren Ansprüchen und Rechten ablassen und uns allein in Christus gründen. Denn allein in Christus finden wir die Einheit, die wir immer gesucht haben.

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