Christen und Muslime - Zum Tag der Menschenrechte haben die Kirchen das Recht auf freie Religionsausübung angemahnt. Sie wiesen vor allem auf die Lage der Christen in muslimischen Ländern hin.
"Mehr als drei Viertel aller religiös Verfolgten sind Christen", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Besonders in "spätkommunistischen" Staaten sowie in muslimisch geprägten Ländern würden Kirchen und christliche Gemeinden kontrolliert, überwacht und reglementiert. Am 10. Dezember 1948 hatte Vollversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte angenommen. Der jährliche Tag der Menschenrechte erinnert daran.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, sagte, sie wünsche sich von Muslimen, dass diese wie die Kirchen in Deutschland für die Religionsfreiheit in allen anderen Ländern einträten. Dies sei auch immer ein Thema beim EU-Beitritt der Türkei. Dort gebe es keine Religionsfreiheit für Christen, so die Landesbischöfin.
Türkisches EU-Amt in enteigneter christlicher Schule
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Türkei ein enteignetes christliches Schulgebäude in Istanbul für eine Abteilung ihres Amtes für EU-Angelegenheiten eingerichtet hat. Die griechisch-orthodoxe Gemeinde will vor türkischen Gerichten gegen das Vorgehen klagen und gegebenenfalls vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg ziehen. Die Europäische Union verhandelt mit der Türkei seit einigen Jahren über einen Beitritt des Landes. Dabei spielen auch die Religionsfreiheit und die Lage der christlichen Minderheit in der Türkei eine große Rolle.
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Der Freiburger Erzbischof Zollitsch unterstrich mit Blick auf Menschenrechtsverstöße weltweit: "Gläubige werden gesellschaftlich diskriminiert, in ihren bürgerlichen Rechten beschnitten und sogar offen verfolgt." Geradezu dramatisch sei die Situation in "ungeordneten" Staatswesen wie dem Irak, wo islamistische Terroristen durch Angriffe gegen Kirchen die verbliebenen Christen aus dem Land drängen wollten. Zollitsch appellierte an die Politiker, zur Stärkung der Menschenrechte und besonders der Glaubensfreiheit in aller Welt beizutragen: "Wir sind gefordert, uns an die Seite all derer zu stellen, die unterdrückt werden und aufgrund ihres Glaubens um ihr Leben fürchten müssen."
Hein kritisiert Straßburger Kruzifix-Urteil
Nach Einschätzung des kurhessischen evangelischen Bischofs Martin Hein ist auch die positive Religionsfreiheit in Europa bedroht. Entwicklungen in der Rechtsprechung der EU belegten, dass die Freiheit vom Religiösen selbst zur Religion werde, sagte Hein. Er bezog sich dabei auf das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Dieser hatte einer italienischen Mutter eine Entschädigung zugesprochen, weil ihr Kind an einer staatlichen Schule mit Kruzifix im Klassenzimmer unterrichtet wurde. Nach Auffassung des Gerichts verstoßen die Kreuze gegen das Gebot der Religions- und Bildungsfreiheit.















Kommentare
Kirchen fordern Recht auf freie Religionsausübung
In den Staaten der Arabischen Liga gilt die universelle Religionsfreiheit nicht. Ob die Türkei dazu gehört, weiß ich nicht. Offiziell sind in der Türkei Staat und Religion getrennt. Der Schleier ist an Universitäten verboten. Doch zweifele ich nicht daran, dass der christliche Glaube dort tatkräftig behindert wird. Der Mord an Christen wird allerdings strafrechtlich verfolgt.
Das beste Mittel für Religionsfreiheit einzutreten wäre, für ein freies, unbehindertes Gespräch über den christlichen Glauben bei uns selbst einzutreten. Eine der Glaubensumfragen in Deutschland hat ergeben, nur 7% der Deutschen sind dazu bereit. Die meisten halten Religion für eine Privatsache. Dazu tragen die Kirchen selbst bei, indem sie vieles tabuisieren und sich vor allem nicht deutlich genug von der eigenen Vergangenheit distanzieren ( Ketzer- und Hexenverfolgungen). Beispiel für Tabuisierung: Ist das Thomasevangelium nützlich zu lesen, wenn auch vielleicht geringfügig verunreinigt? Als der Text im Altertum erstmals bekannt wurde, verurteilten ihn führende damalige Theologen; er paßte nicht zur Dogmatik, wie sie sich im römischen Reich im vierten Jahrhundert durchsetzte. Gerade darum paßte er aber heute dazu, anderen Religionen nicht völlig das Existenzrecht zu bestreiten.- Zweites Tabuthema: Gibt es ein Zwischenreich für Verstorbene, aus dem sie zu einem erneuten Leben auf der Erde zurückkehren können. Seit 2005 ergab eine Umfrage eine Zahl von 30% Christen, die Reinkarnation erwarten. Solange die Kirche sich nicht offiziell zu beiden Fragen äußert, kann sie sich nicht über die kräftige Wahlenthaltung bei Kirchenwahlen wundern.