Kirchen begehen erstmals ökumenischen Tag der Schöpfung

Seeadler im Flug beim Greifen der Beute. Er ist der größte europäische Adler: der Seeadler (Haliaeetus albicilla). Foto: epd

Seeadler im Flug beim Greifen der Beute. Er ist der größte europäische Adler: der Seeadler (Haliaeetus albicilla). Foto: epd

Bewahrung - Am ersten bundesweiten Tag der Schöpfung haben die christlichen Kirchen zur Bewahrung der Erde aufgerufen. Die Menschen müssten wieder lernen, die Welt als Gottes Schöpfung zu sehen, sagte der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber am Freitag bei der zentralen Feier in Brühl bei Köln.

Es sei eine moderne Illusion zu glauben, der Mensch könnte die Natur beherrschen. Diese Vorstellung "hängt auch mit einem veränderten Selbst- und Gottesbild des Menschen zusammen, das seine Wurzeln in der Aufklärung hat".

Die Schädigung der Erde sei "nicht nur ein praktisches, sondern vor allem ein ethisches und spirituelles Problem", sagte der evangelische Theologe laut Redetext. Der biblische Schöpfungsbericht sei lange Zeit als Auftrag zur Herrschaft des Menschen über die Natur missverstanden worden. Stattdessen gehe es jedoch um Fürsorge, Gestaltung und Pflege. Die Menschen sollten die Erde "in Besitz nehmen als treusorgende Haushalter, hütend und nicht kämpfend, im Sinne aller, die dies Lebenshaus bewohnen".

Umgang mit der Natur

Am ökumenischen Tag der Schöpfung soll künftig jedes Jahr am ersten Freitag im September Gott als der Schöpfer gelobt und "unsere schuldhafte Verstrickung im Umgang mit der Natur" bekannt werden, wie Weber erläuterte. Bislang komme der Bezug zu Gott als Schöpfer im liturgischen Kalender allenfalls an Erntedank vor.

"Wir brauchen einen liturgisch verankerten Schöpfungstag, weil wir am Scheideweg stehen", sagte Weber mit Blick auf die fortgeschrittene Umweltzerstörung und den Klimawandel. Christen sollten nach seinen Worten nicht nur auf Programme setzen, sondern in ihrem eigenen Alltag Schritte zur Bewahrung der Schöpfung gehen, auch wenn sie von manchen für naiv oder praxisfern gehalten würden.

560 Millionen Gläubige

Weber ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), die den Tag der Schöpfung ab sofort jedes Jahr an wechselnden Orten veranstaltet. Die Arbeitsgemeinschaft repräsentiert rund 50 Millionen Christen. Dem 1948 gegründeten Dachverband gehören 17 Kirchen an, darunter die römisch-katholische Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die alt-katholische Kirche, mehrere orthodoxe Kirchen sowie evangelische Freikirchen.

Der Impuls für den jährlichen Schöpfungstag kam vom ehemaligen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Dimitrios. Er hatte bereits am 1. September 1989 dazu aufgerufen. Auch der Weltkirchenrat forderte seine knapp 350 Mitgliedskirchen mit 560 Millionen Gläubigen auf, eine besondere Zeit für die Schöpfung einzuräumen.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 4. September 2010 - 12:14.

Was leider oft vergessen

Was leider oft vergessen wird: Natürliche Ökosysteme sind zwar dem Menschen...

Was leider oft vergessen wird: Natürliche Ökosysteme sind zwar dem Menschen nützlich und sie beherbergen Tiere, die zeitweise ihr Leben genießen, aber sie verursachen leider auch unfreiwilliges Leid in einer gigantischen Größenordnung, das durch nichts auf der Welt gerechtfertigt werden kann. Und dieses Leid ist nicht nur eine Abweichung, ein Unfall, der bisweilen vorkommt, sondern eine systematische Eigenschaft der ureigenen Natur von Ökosystemen. Dabei richtet sich das Leid gegen empfindungsfähige Wesen, die ihrer eigenen Existenz und Leidensfähigkeit nie zugestimmt haben - ethisch ein enormes Problem, das wir nur deshalb nicht sehen, weil wir es gewohnt sind und weil wir oft dem naturalistischen Fehlschluss folgen, diese Systeme seien gut oder gar gottgewollt, nur weil sie natürlich sind.

Ein Zitat des Biologen Richard Dawkins macht das Ausmaß dieses Problems anschaulich:

"The total amount of suffering per year in the natural world is beyond all decent contemplation. During the
minute that it takes me to compose this sentence, thousands of animals are being eaten alive, others are
running for their lives, whimpering with fear, others are being slowly devoured from within by rasping
parasites, thousands of all kinds are dying of starvation, thirst and disease. It must be so. If there ever is a time of plenty, this very fact will automatically lead to an increase in the population until the natural state of starvation and misery is restored."
River Out of Eden (1995)

Dies ist leider eine sachlich zutreffende Analyse. Daher ist weder der moralisch kompetente Schöpfungsakt eine realistische Weltbeschreibung, noch ist es ethisch vorzuziehen, diese Systeme in ihrer ursprünglichen Natur aufrecht zu erhalten. Zwar sind wir Menschen noch auf die vielfältigen Lebenserhaltungsfunktionen der Natur angewiesen, doch wenn wir eines Tages diese Funktionen durch künstliche Ressourcenkreisläufe ersetzen könnten, sollten wir die Fehler der "Schöpfung" korrigieren und das Leid der Welt so stark reduzieren wie nur möglich.

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