Afghanistan-Debatte - In Deutschland zeichnet sich ein neuer ökumenischer Dissens ab. Der katholische Bischof Franz-Josef Overbeck hält der EKD in der Afghanistan-Frage "radikale Schlussfolgerungen" vor.
Overbeck distanzierte sich am Mittwochmorgen im Deutschlandfunk deutlich und mit zum Teil harschen Formulierungen von der Kritik der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann, am Bundeswehreinsatz am Hindukusch. Kirchliche Interventionen hätten dort ihre Grenzen, "wo es um konkrete Handlungsanweisungen geht", unterstrich der Essener Bischof. Er halte es für klug, "nicht genau darauf zu antworten", welche Mittel zur Verfügung gestellt werden müssten, um Frieden in Afghanistan zu schaffen.
Die heftigen Reaktionen auf Käßmann führt Overbeck auf die "Formulierung des konkreten Ziels" zurück, das sie benannt habe, sowie auf die Zuspitzung der Lage in Afghanistan in den vergangenen Wochen. Die EKD-Ratschefin hatte sich in ihrer Neujahrspredigt in der Dresdener Frauenkirche für mehr zivile Hilfe in dem kriegsgeschüttelten Land ausgesprochen und Alternativen für den massiven Militäreinsatz der internationalen Gemeinschaft angemahnt. Käßmann sprach sich allerdings mit keinem Wort für einen sofortigen Abzug der 4.500 in Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten aus.
Alles für den Frieden tun
Overbeck verwies auf unterschiedliche Akzentsetzungen in der Friedensethik der evangelischen und der katholischen Kirche, die sich in den vergangenen Jahren ergeben hätten. Beide Kirchen seien zunächst an die Maxime gebunden, alles zu tun, um Frieden zu schaffen. Allerdings gebe es Unterschiede in der Bewertung einzelner Vorgänge und der damit verbundenen politischen Maßnahmen. Mit Blick auf die friedensethische Position der EKD sprach er von "radikalen Schlussfolgerungen". Auf Nachfrage betonte er, es gehe darum, "nicht so zugespitzt zu formulieren, wie es geschehen ist".
Auf konkrete Aussagen Käßmanns in der kritisierten Predigt angesprochen, unterstrich der im Dezember in sein neues Amt eingeführte Ruhrbischof, dass Krieg nicht gerechtfertigt werden könne, sei eine "Position, die wir alle teilen". Allerdings müsse dies nach den jeweils obwaltenden Umständen entschieden werden; dies sei Aufgabe von Politikern und Militärs, nicht der Kirchen. Auch der Satz "Frieden schaffen ohne Waffen" müsse sich in der Wirklichkeit bewähren, hob Overbeck hervor. Auch dass in Afghanistan "nichts gut" sei, gelte nicht pauschal.
"Kein Aufbau ohne militärischen Schutz"
Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück, sagte im Deutschlandradio Kultur, die Position der Katholiken sei nicht weniger klar als die der evangelischen Kirche. Die Aufbauarbeit in der Krisenregion sei ohne militärischen Schutz nicht möglich. Mit Hinweis auf Käßmannns Äußerungen Käßmanns sagte der CSU-Politiker, er halte es für dumm, wenn die Kirchen sich in einen Wettlauf um Schlagzeilen begäben. "In dem Zusammenhang muss die Politik entscheiden, nicht die Kirchen, wie und mit welcher Perspektive die Entwicklung der nächsten Jahre sein kann, welches Ausstiegsszenario insgesamt politisch entschieden wird und in welchem Zeitraum man dieses anstrebt."
Die katholische Kirche hatte bisher zu der Auseinandersetzung zwischen der EKD und Teilen der Politik über die Afghanistanfrage geschwiegen. Käßmanns Stellvertreter im EKD-Vorsitz, der rheinische Präses Nikolaus Schneider hatte jüngst seine Hoffnung auf katholische Unterstützung bekundet. "Es wäre schön, wenn in den aktuellen Debatten über die Positionen von Frau Käßmann ein solidarisches Wort zu hören wäre", sagte er. "Das kann man aber nicht fordern."
Die Passage aus der Dresdener Neujahrspredigt von Bischöfin Käßmann im Wortlaut:
"Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. (...) Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir, etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen."







Kommentare
RE: Lieber lutherisch als diplomatisch!
Meint der katholische Bischof wirklich, wie ich es verstehe, „Kirche muss immer schweigen, wenn es um konkrete Forderungen an die Politik geht“? Da fiel mir ein, das wird schon so sein, der damalige Nuntius in Deutschland, der spätere Papst PiusXII. hat ja auch geschwiegen, als es besser gewesen wäre, den Mund ganz weit aufzumachen und das verbrecherische Nazi System beim Namen zu nennen und alles, was nicht gut war. Die Geschichte Europas wäre anders verlaufen. Wer die Wahrheit kennt und sie verschweigt usw.
Frau Käßmann hat, in dieser Reihenfolge, Dinge und Zustände beschrieben, die nicht gut sind. Die heraufziehende Klimakatastrophe und die Unfähigkeit der Politik Änderungen zu beschließen. Die Afghanistansituation und die Perspektivlosigkeit zum Frieden zu gelangen. Die wachsende Armut in unserer Gesellschaft, die unsere Kinder mehr und mehr trifft und die Gnadenlosigkeit mit der die Menschen zu Mehrleistungen angetrieben werden – als Beispiel nannte sie Robert Enke, der seinem Leben unter diesem Druck selbst ein Ende machte.
Zu all diesen Fehlentwicklungen soll die einzige moralische Instanz in Deutschland schweigen? Die moralische Instanz, die ihre Handlungsweise an den 10 Geboten und an der Bergpredigt messen lassen muss?
Die EKD ist in erster Linie ihren Gläubigen verpflichtet und ihrem lutherischen Erbe.
Zum Schluss nenne ich drei der Seligpreisungen, die nach meiner Ansicht hier sehr gut passen.
Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr.
Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position der EKD
Jesus war radikal friedfertig. Dennoch scheute er nicht davor zurück, die Händler mit Prügeln aus dem Jerusalemer Tempel zu vertreiben. Jesus nachzufolgen ist schwierig. Pazifist war und ist er nicht. Die Bischöfin sollte etwas nachliefern: nämlich eigene real wirkende Friedensphantasien. Die gibt es. Es könnte im Nahen Osten anstelle der Zweistaatenlösung ein Bundesstaat sein, aus einem überwiegend jüdischen und einem überwiegend islamischen Teilstaat. Es könnte eine Initiative zum angstfreien Gespräch innerhalb der evangelischen Kirche über Glaubensfragen sein, ohne Gefahr der Verketzerung. Etwa ein Drittel der Kirchenmitglieder halten sich abseits, beteiligen sich nicht an Kirchenwahlen. Solch eine Initiative wirkte entspannend auch auf das Verhältnis der Religionen. Solche Entspannung braucht es dringend, wenn die Fortsetzung der Attentate im Nahen und Mittleren Osten weitgehend verhindert werden soll.
RE: Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position der EK
Wie bitte ? Den Militärs und Politikern allein die Problemlösung überlassen ? Das möchte die katholische Kirche ?
Die Kirche sollte m.E. durchaus ihre Meinung mitteilen. Und nicht den Militärs und Politikern allein überlassen, wie man die Welt zu sehen und interpretieren habe, indem sie schweigend dabeisteht.
Zu dieser Aussage hier:
Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück, sagte im Deutschlandradio Kultur, die Position der Katholiken sei nicht weniger klar als die der evangelischen Kirche. Die Aufbauarbeit in der Krisenregion sei ohne militärischen Schutz nicht möglich. Mit Hinweis auf Käßmannns Äußerungen Käßmanns sagte der CSU-Politiker, er halte es für dumm, wenn die Kirchen sich in einen Wettlauf um Schlagzeilen begäben. "In dem Zusammenhang muss die Politik entscheiden, nicht die Kirchen, wie und mit welcher Perspektive die Entwicklung der nächsten Jahre sein kann, welches Ausstiegsszenario insgesamt politisch entschieden wird und in welchem Zeitraum man dieses anstrebt."
Allein die Politik entscheiden zu lassen - ohne die Meinung der Kirche zumindest zu äußern - erscheint mir sehr fraglich bis schon gefährlich. Man denke an den Irakkrieg, der von Politikern begonnen wurde und dessen Kriegsfolgen heute immer noch den Irak in Terror halten.
Der englische Politiker Tony Blair gab jüngst zu, dass er den Irak angreifen wollte, egal wie: auch, wenn er keine Massenvernichtungswaffen besäße (was er ja auch nicht tat). Hier: Tony Blair admits: I would have invaded Iraq anyway.
Die Ansicht, allein den Politikern und dem Militär das Feld zu überlassen, wird auch in folgenden Artikel recht kritisch gesehen (auch, wenn es hier nicht um Kirche geht):
Obama? Oh weh!
Afghanistan: Die Macht des Militärs muss begrenzt werden !
Herr Präsident, Krieg ist nicht Frieden
Interessant auch, was DER FREITAG dazu schreibt:
Eine Kritik und ihre Folgen – Käßmann und der Afghanistan-Einsatz
Guttenberg wechselt das Etikett
www.theolounge.de
RE: Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position der EK
Im Prinzip antwortet ihr ja als "Autorengruppe", also im Rahmen einer -weitestgehend- journalistischen Äußerung. Da hätte ich mir schon ein wenig mehr "Formulierungsgenauigkeit" gewünscht. Wenn sich Einzelpersonen, wie Bischof Franz-Josef Overbeck oder der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück äußern, dann ist es eben nicht so, dass die Katholische Kirche oder eine andere offizielle Organisation Stellung bezogen hätte. Aus den Äußerungen von Einzelpersonen sowohl pfeil-, als auch vorschnell (rethorisch fragestellend) abzuleiten, "Den Militärs und Politikern allein die Problemlösung überlassen ? Das möchte die katholische Kirche ?", halte ich für journalistisch unseriös!
Weder hat die Evangelische Kirche, noch die Deutsche Bischofskonferenz, noch das Zentralkommitee der Katholiken oder gar die Katholische Kirche sich geäußert. Frau Dr. Käßmann hat eine, meines Erachtens bemerkenswerte Predigt gehalten und einige andere Personen, die sich in bestimmten Positionen/Ämtern befinden haben ihre persönlichen Einschätzungen abgegeben!
Mit geschwisterlichen Grüßen
Bernd
RE: RE: Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position de
Stimmt. Müsste ich korrigieren als: "Das will Franz-Josef Overbeck ?", da haben Sie Recht.
Ich ändere es jetzt aber nicht, weil sonst ihr Kommentar nicht mehr verständlich bleibt.
www.theolounge.de
RE: Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position de
Herzlichen Dank!
Vielleicht darf ich Sie auch auf dieses Gespräch hinweisen?
Ich ergänze mal meinen Beitrag:
Ich habe mir in der Zwischenzeit die Mühe gemacht, den Wortlaut des Interviews des Deutschlandfunk mit Bischof Franz-Josef Overbeck zu suchen, zu finden und auch zu lesen. Über den Link kann jeder selbst dort nachlesen, was genau gesagt wurde und dann natürlich auch bewerten, ob Überschrift und Kommentierung hier durch den Inhalt "gerechtfertigt" sind. Ich persönlich meine das dies nicht der Fall ist.
Nur einmal ein Ausschnitt und eine, meiner Meinung nach, deutliche Antwort von Bischof Overbeck:
"Barenberg: Nun hat es ja den Anschein in den letzten Wochen, in den letzten Monaten, als sei die Debatte um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein Stück weit ehrlicher geworden, ehrlicher mit Blick auf die Verhältnisse dort, die immer schwierigeren Verhältnisse dort, und einige haben den Eindruck, dass Bischöfin Käßmann jenseits diplomatischer Floskeln, jenseits diplomatischer Formulierungen etwas sehr Grundsätzliches eben angesprochen hat, diesen Einsatz betreffend. Ist das insofern auch ein nötiger, ein notwendiger Beitrag der christlichen Kirchen gewesen zu dieser Debatte?
Overbeck: Das war der Beitrag, den die Evangelische Kirche durch die Ratsvorsitzende geleistet hat, den wir Katholiken so nicht getan haben, und es ist sicherlich richtig, dass gerade angesichts der Äußerung des derzeitigen Verteidigungsministers, dass es sich dort um kriegsähnliche Zustände handele, ein neues Wort notwendig war, in eine neue Diskussion einzutreten." (Quelle: siehe Verlinkung).
Als ich den Kommentar, auf den ich hier antworte, gelesen habe, war ich zunächst ärgerlich über die Äußerungen unseres Bischofs (ich lebe übrigens im Ruhrbistum). Nachdem ich jetzt das Interview gelesen habe, relativiert sich mein Urteil erheblich. Und ich stelle wieder einmal fest, dass ich, soweit es mir möglich ist, die Originaltexte lese, bevor ich mir ein Urteil bilde oder gar Stäbe breche. Bei Kommentierungen wäre es -m.E.- auch nicht gerade hinderlich, wenn die Quelle (z.B. durch Verlinkung) zugänglich gemacht würde.
Als nächstes werde ich dann mal die Predigt von Fr. Dr. Käßmann intensiver lesen.
Gruß
Bernd
Bloß nicht aufregen
Auf Nachfrage betonte er, es gehe darum, "nicht so zugespitzt zu formulieren, wie es geschehen ist".
Na klar, schön wischiwaschi und nach allen Seiten offen. Arme katholische Kirche, was hat die bloß für Leute? Euer Wort sei Ja oder Nein, irgendwo steht das doch in der Bibel. Aber JAEIN ist viel besser, da eckt man nicht an und macht trotzdem einen Guten.
Solche Käßmanns sind viel zu selten und verdutzt oder aggressiv reibt sich mancher die Augen, was da plötzlich aus der Kirche kommt. Wenn noch mehr Käßmanns auftauchen, wird es noch mehr Differenzierte Aussagen zu diesem und jenem geben und man wird sich dran gewöhnen müssen, dass auch die Kirchen ihren Senf dazu geben. Vielleicht nicht immer das Gelbe vom Ei, aber das erleben wir bei den Politikern ja auch nicht anders. Lieber einmal in die Pampe treten, als stehen bleiben! Also, Bischöfe, Konsistorialräte, Pfarrer - traut Euch. Es wird Zeit. Und Frau Käßmann wünsche ich einen großen Schutzengel, wenn sie nach Afghanistan fliegt.(Natürlich auch den Mitfliegern...)
RE: Bloß nicht aufregen
ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern. Römer 12, 8
RE: Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position der ..
Darauf habe ich lange gewartet. Die Katholiken springen auf alles auf, was ihnen PR bringen kann.
Das ist einfach nur scheinheilig und allzu durchsichtig. Katholisch eben.
Ich hoffe nur, Frau Käßmann reagiert nicht auf solche Nichtigkeiten.
Die Sonne scheint auch über den Wolken
Gunther
RE: Katholischer Bischof spricht von "radikaler" Position der ..
Soso!
Du hast die Originaltexte (z.B. das Interview mit Bischof Overbeck) gelesen?
Du schreibst, "Die Katholiken springen auf alles auf, was ihnen PR bringen kann.
Das ist einfach nur scheinheilig und allzu durchsichtig. Katholisch eben.", wie ich vermute, ohne die Inhalte dessen, was im Eingangskommentar geschrieben wurde überhaupt geprüft zu haben.
In meiner Stellungnahme von mit, etwas weiter oben, kannst Du zumindest einen Text prüfen. Dort wirst Du auch den Auszug finden, den ich in meinem Beitrag zitiert habe.
Und danach würde ich gern einen weiteren Beitrag von Dir hier finden.
Gruß
Bernd
RE: RE: "radikaler" Position der ..
Publicitygeil sind Protestanten kaum weniger ...
Sie haben in vergangenen Jahren öfters sehr drunter gelitten, wenn der katholische Bischofskonferenzvorsitzende aktueller, schneller und wirksamer in den Medien Kirchenmeinung profilieren konnte ... Das gab sich erst ein wenig mit Wolfgang Huber und dann mit dem Abgang von Lehmann ...
Kässmann hat das Zeug zur protestantischen Pop-Ikone und zu zeitaktueller protestantischen Medienpräsenz und DAS bringt ihr die Widerstände der Konservativen, auch innerkirchlich, ein.
Fritz
"Der User merkt schnell, ob ihm zugehört wird." (Tom Noeding)
RE: Kath. Bischof spricht von "radikaler" Position der EKD
Die Kirchen haben u.a. in den Jahren 1930 - 1945 zu viel geschwiegen. Soll sich das wiederholen, sollen die Kirchen wieder warten, bis es zu spät ist?
Frau Landesbischöfin Käßmann hat in ihrer Verantwortung als Pfarrerin gepredigt und aufgezeigt, was Ihrer Meinung nach wichtig und richtig ist. Will der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken in seiner Eigenschaft als CSU-Politiker den Kirchen, ihren Bischöfen und Bischöfinnen etwa vorschreiben, was sie im Gottesdienst predigen dürfen? Er möge bedenken, dass die sanfte Revolution in der DDR auch nicht möglich gewesen wäre, hätte es nicht mutige Pfarrer, wie z.B. Pfarrer Christian Führer gegeben, die auch öffentlich aussprachen, was dem damaligen Regime keineswegs zusagte. Im übrigen glaube ich auch nicht, dass es Aufgabe von Pfarrern und Bischöfen ist, "nicht so zugespitzt zu formulieren (Bischof Overbeck)". Diplomatie ist nicht Aufgabe der Kirche, wenn es auch manchmal so gesehen wird.
Dkfm. Peter Marwan-Schlosser, A-2700 Wiener Neustadt, evangelisch
RE: RE: Kath. Bischof spricht von "radikaler" Position der EKD
Von einer Bischöfin (und EKD-Ratsvors.) erwarte ich keine politischen Stellungnahmen. Im Gegenteil.
Ich erwarte theologische Stellungnahmen, also eine t h e o l o g i s c h e Argumentation. ... auch zu politischen Themen, die sie aufgreift.
Eine evangelische, theologische Stellungnahme in dieser Sache ohne inhaltlichen Bezug zur Rechtfertigungslehre ist in meinen Augen mehr als fragwürdig. Ohne diesen Bezug bleibt der Eindruck, eine weiße Weste behalten zu wollen, seine Hände in Unschuld zu waschen ... zurück.
Auch sich heraushalten kann Schuld sein.*
Die Argumentation von Frau Käsmann hinterläßt zumindest bei mir den Eindruck, daß sie das "simul iustus et peccator ... peccator in re et iustus in spe" in ein iustus in re zu verwandeln versucht.
Und selbst politisch wird von der Ratsvorsitzenden nicht sauber argumentiert. Man kann nicht alles für grundverkehrt erklären und als Alternative lediglich mehr zivile Hilfe einfordern und "mehr Phantasie für den Frieden" anbieten.
In der vorliegenden Argumentation legt sich der Schluß nahe, daß Frau Käsmann der Politik Phantasielosigkeit vorwirft und eine prinzipielle Gleichgültigkeit in der Frage von Krieg, Tötung, ...Und das ist eine Unterstellung.
Vielleicht wäre es besser und der Sache dienlicher gewesen zuzugestehen, daß man selbst ratlos ist. ... um d a n n Akzentverschiebungen anzumahnen, ....
So bleibt mehr als ein schaler Nachgeschmack.
Und ich fühle mich in dieser Frage _ mit vielen anderen alles andere als gleichgültigen oder gefühlskalten Menschen - von "meiner" Ratsvorsitzenden nicht repräsentiert.
Ch. Kohler
* selbst das Eingreifen der Alliierten in den 2. Weltkrieg ist für Bischöfin Käsmann nicht zu rechtfertigen: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1...
... abgesehen davon scheint mir hier die historische Situation nicht wirklich richtig beurteilt zu sein (Wo war die große, starke Opposition, die man nur noch hätte unterstützen müssen???)
Käßmanns Position war falsch und ihre Äußerung unklug
Wischiwaschi ist vor allem das, was Bischöfin Käßmann mit ihren Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz produziert.
Der Behauptung, dort sei "nichts gut" und der Einsatz sei nicht gerechtfertigt, folgten halbherzige Dementis.
Dass für eine vernünftige Lösung die zivile Hilfe entscheidend ist, ist eine Binsenweisheit, der alle zustimmen und die auch bisher bereits beherzigt wird.
Ebenso sollte jedoch klar sein, dass es ohne militärischen Schutz nicht geht.
Bei aller Ungeduld und Unzufriedenheit, dass noch nicht alle Probleme gelöst sind:
Ohne den von den Vereinten Nationen beschlossenen Einsatz, an dem sich auch die Bundeswehr beteiligt, gäbe es in Afghanistan heute weder Menschenrechte noch Entwicklungshilfe; wohl aber noch die Terrorcamps.