Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Geht in den Ruhestand: Joachim Vobbe, Bischof der deutschen Alt-Katholiken. Foto: epd-bild / Gustavo Alabiso epd

Geht in den Ruhestand: Joachim Vobbe, Bischof der deutschen Alt-Katholiken. Foto: epd-bild / Gustavo Alabiso

Besonderheit - Eine katholische Kirche ohne Papst, dafür mit Verheirateten und Frauen am Altar: Die Alt-Katholiken sind eine Besonderheit in der ökumenischen Landschaft. Am Samstag wählen sie einen neuen Bischof. Der bisherige Amtsinhaber Joachim Vobbe (62) geht in den Ruhestand. Nachfolgekandidaten sind Matthias Ring aus Regensburg und Jürgen Wenge aus Köln.

Von Stephan Cezanne

Es gibt eine katholische Kirche, in der Frauen Priester werden können, die mit Protestanten Abendmahl feiert und in der kein Papst etwas zu sagen hat: Die alt-katholische Kirche versteht sich als katholische Reformkirche. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Die Zahl der Gläubigen wird weltweit auf 70.000 geschätzt, 20.000 von ihnen leben in Deutschland.

Dort steht am Wochenende ein Wechsel an der Spitze bevor. Bischof Joachim Vobbe (62), seit 1994 Repräsentant der Alt-Katholiken in der Bundesrepublik, geht aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Am Samstag soll in Mannheim von der Synode sein Nachfolger gewählt werden. Zwei Kandidaten bewerben sich um das Amt: Matthias Ring (46), Pfarrer in Regensburg, und Dekan Jürgen Wenge (47) aus Köln. Der neue Bischof soll am 20. März 2010 geweiht werden.

Zum gemeinsamen Abendmahl ermutigt

Vobbe habe mit seiner "theologisch bedachten und fröhlichen" Art die Ökumene gefördert, würdigte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den Bischof zu seinem 60. Geburtstag. Zum diesjährigen Reformationstag hatte Vobbe katholische und evangelische Christen zum gemeinsamen Abendmahl ermutigt. "In der ewigen Seligkeit gibt es keine nach Konfessionen getrennten Tische", sagte der Theologe. Wenn ein gemeinsames Abendmahl erst nach Klärung aller theologischen Fragen und entsprechenden Vereinbarungen möglich werde, dann sei das "14 Tage nach dem Jüngsten Tag".

Mit der evangelischen Kirche trafen die Alt-Katholiken bereits 1985 eine Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zum Abendmahl. "Denn es ist ja nicht der Priester beziehungsweise die Priesterin oder die Kirche, sondern Christus selbst, der uns um seinen Tisch versammelt und sich uns schenkt. Er lädt uns ein zur Kommunion, zur Gemeinschaft mit ihm und in ihm", so die Begründung.

Protest gegen Unfehlbarkeit des Papstes

Die alt-katholische Kirche wurde aus Protest gegen die am 18. Juli 1870 während des Ersten Vatikanischen Konzils in Rom verkündeten Dogmen von der Unfehlbarkeit des Papstes und des sogenannten Jurisdiktionsprimats gegründet. Danach hat der Papst die höchste Rechtsgewalt in der Kirche. Hochrangige Katholiken, die den Dogmen nicht zustimmen konnten und deswegen exkommuniziert wurden, riefen 1871 in München unter Leitung von Ignaz von Döllinger eine "Notkirche" ins Leben, die sich später alt-katholisch nannte.

1994 öffnete die alt-katholische Kirche in Deutschland das Priester- und Bischofsamt für Frauen. Einen Pflichtzölibat gibt es nicht. Grundsätzlich ist eine kirchliche Wiederheirat für Geschiedene möglich. "Auch Homosexualität ist kein Tabuthema mehr", betont die Reformkirche. Die Kirche mit Hauptsitz in Bonn ist Gründungsmitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). International sind die Alt-Katholiken in der Utrechter Union organisiert.

epd

Kommentare

RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Ich halte die Anmerkung, dass es bei den Alt-Katholiken angeblich "auch nicht immer so locker zugehe", für Unsinn. Ich habe sie selbst als eine sehr offene und menschenfreundliche Konfession kennengelernt, die sich selbst als "katholische Kirche in evangelischer Freiheit" bezeichnet.

Selbst die evangelischen Kirchen könnten meiner Meinung nach von dieser Konfession, in der ich als evangelischer Christ die Reformation viel eher im Sinne Melanchtons und Luthers verwirklicht und umgesetzt sehe, eine Menge lernen und endlich einmal von ihrer Starsinnigkeit und ihren pfarrerzentrierten Machtstrukturen Abstand nehmen. - "Denn ganz so locker, die evangelische Kirche sich rühmt, ist sie nun bei Weitem auch nicht!"

In diesem Sinne: Alles erdenklich Gute und Gottes Segen zur Synode und Bischofswahl!

RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Schade nur, dass sich die altkatholische Kirche nur in Abgrenzung zur Katholischen Kirche präsentieren kann. Das zeigt allein die Überschrift dieses Artikels.

Und ganz so locker, wie im letzten Abschnitt beschrieben, gehts bei den "Alten" auch nicht zu...

RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Wie soll sie das auch, da sie vereinfacht gesagt sich als Teil vom Ganzen verstehen und entgegen den Kirchen der Reformation aus einem besonderen historischen Prozess heraus entstanden ist, der mit der protestantischen Kirchengeschichte oder anderen Kirchen nicht vergleichbar ist. Die alt-katholische Kirche ist nur ein Provisorium bis die Gegensätze zwischen Romabhängigen und Romunabhängigen Katholiken überwunden sind. Wie das auch immer aussehen mag ???
Deine zweite Anmerkung unterstütze ich nachdrücklich !!!

RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Was meinst Du damit ?
ich bin seit drei Jahren selbst altkatholisch und empfinde dies nicht so.
Wir haben ausgezeichnete ökumenische Beziehungen zu verschiedenen Kirchen, formell und informell. Natürlich grenzen wir uns auf gewisse Art ab, weil wir eben unsere speziellen Vorstellungen von Kirche haben, aber das tut doch jede Kirche, sonst wären wir ja nicht getrennt. Für mich als ehemaligem römisch-katholischen Katholiken war es sogar eine Entspannung gegenüber der römisch-katholischen Kirche, seit ich altkatholisch war. Seitdem ärgere ich mich viel weniger über die römisch-katholische Kirche und kann wieder mehr das gute in ihr sehen. Bei uns sind Leute aus unterschiedlichsten Gründen. Viele wollen einfach nur unbeschwert katholisch sein. Z.B Schwule wollen halt gerne in enien katholischen Gottesdienst gehen, ohne sich verstecken zu müssen und ohne diffamiert zu werden. Eigentlich sind wir nämlich keine eigene Kirche, sondern wir haben uns nur Strukturen geschaffen, um Gottesdienste zu feiern, obwohl wir vom Papst exkommuniziert sind.
Was meinst Du damit, dass es bei uns auch nicht so locker zu geht ?
Wir sind ernsthafte Christen.
Gruß
Walter

RE: RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

 Wie ist die Haltung zu Schwulen ganz genau? 

RE: RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Katholische und Alt-Katholische Kirche haben sich in jüngster Zeit angenähert und Differenzen ausgeräumt, siehe die im Mai verabschiedete Erklärung der Internationalen römisch-katholisch/alt-katholischen Dialogkommission (IRAD) unter http://www.utrechter-union.org/german/news/akrk_Dialog052009.pdf.

Bernd Buchner - evangelisch.de

RE: RE: RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Das ist doch alles Unsinn! Die Alt-Katholiken sind ja gar nicht katholisch! Nur in ihrem eigenen Verständniss sind sie das. Katholisch sind nur jene, welche die Authorität des Papstes anerkennen. Das weiß doch nun wirklich jeder Depp!

RE: RE: RE: RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Lieber Gast,

kurz zur Information: Wir werden auch von der römisch-katholischen Kirche als katholische Kirche anerkannt. Du kannst ja ggf. mal bei Deinem Pfarrer oder in Deinem Ordinariat nachfragen. Oder aber das erst jüngst beim Bonifatius-Verlag erschienene Büchlein "Kirche und Kirchengemeinschaft" lesen, welches den Bericht der Internationalen Römisch-Katholisch - Altkatholischen Dialogkommission enthält (Zitat Seite 11: "Hinsichtlich der oben erwähnten 'weitgehend gemeinsamen Glaubensgrundlagen' sei noch darauf hinzuweisen, dass die sog. Züricher Nota (ZN), ... im zweiten Absatz aus einer Relatio zum Entwurf des Dekrets über den Ökumenismus 'Unitatis Redintegratio' zitiert, in der den Altkatholischen in ähnlicher Weise wie den Orthodoxen der Status einer Kirche, nicht (nur) einer kirchlichen Gemeinschaft, zuerkannt wird.")

Herzlich grüßt

Walter Jungbauer, Alt-Katholischer Diakon & Diplom-Theologe

Walter Jungbauer, Alt-Katholischer Diakon
walter.jungbauer@alt-katholisch.net
Weblog: www.alt-katholisch.net

RE: RE: RE: RE: RE: Katholiken ohne Papst wählen neuen Bischof

Katholisch bedeutet zunächst einmal "allumfassend, den ganzen Erdkreis einschließend" und hat mit der Anerkennung des Papstes nicht allzuviel zu tun. Was wir heute landläufig unter katholischer Kirche verstehen, ist die römisch-katholische Kirche. Wenn man den allgemeineren Begriff von Katholizität zugrundelegt, sind selbstverständlich auch die alt-katholische, die evangelische, anglikanische und die orthodoxe Kirche katholisch - wie umgekehrt die römisch-katholische Kirche "evangelisch" ist, da sie sich ja nach dem Evangelium ausrichtet. Insofern sollte man mit den Begrifflichkeiten sensibel umgehen.

Bernd Buchner - evangelisch.de

DIE EINE HEILIGE

Bernd, Du hast Recht!

Allerdings weiß das die große Mehrzahl der Protestanten nicht. Sonst würde man in protestantischen Gottesdiensten im Credo nicht von der "Christlichen Kirche" reden (was soviel Sinn macht, wie eine Feststellung, dass eine Synaggengemeinde jüdisch ist oder eine islamische Gemeinde sich zum Islam bekennt...)

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