Kardinal beklagt Asymmetrie bei Religionsfreiheit

Joachim Kardinal Meisner

Joachim Kardinal Meisner beklagt eine Asymmetrie bei der Religionsfreiheit. Foto: dpa/Oliver Berg

Interview - Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, beklagt eine Asymmetrie bei der Religionsfreiheit. Die Christen würden in vielen Ländern in ihrem religiösen Leben behindert. Als Beispiel nannte der Kardinal die Türkei.

Christen würden in muslimischen Ländern, etwa in der Türkei, in ihrem religiösen Leben behindert, sagte der Kardinal in dem am Sonntag gesendeten "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. In Europa werde gerichtlich geboten, "dass wir Kreuze abnehmen". Daneben gebe es das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach eine deutsche Schule einem Muslim einen Gebetsraum zur Verfügung stellen muss.

"Da stimmt etwas nicht", sagte Meisner. Er kämpfe seit zwei Jahren darum, dass die Pauluskirche in Tharsus für alle Christen als Gotteshaus ständig zu Verfügung gestellt werde. "Es ist ein Kampf, der vergeblich ist. Und da fragt man sich vom Gefühl her: Da stimmt etwas nicht. Und daher kommt auch so die ganze Aversion gegen unsere muslimischen Mitbürger." Tarsus ist der Geburtsort des Apostels Paulus. Die nach ihm benannte Kirche war 1943 vom türkischen Staat beschlagnahmt worden. Heute dient das Gebäude als Museum, Gottesdienste sind nur nach Absprache möglich. "Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten", sagte Meisner. Vor fünf Jahren habe im arabischen Emirat Katar eine Kirche für 100.000 christliche Gastarbeiter gebaut werden dürfen - "aber per Gesetz ohne Turm, ohne Glocke, ohne Kreuz". Er sage jetzt nicht, wir müssen das in Deutschland genau so machen.

Meisner unterstrich das Recht der Muslime auf den Bau von Moscheen. Er sei froh darüber das "wir hier Religionsfreiheit haben und dass die Muslime ein Recht haben, große Moscheen zu bauen". Eine ungleiche Behandlung der Religionen führe allerdings zu "Aversionen gegen unsere muslimischen Mitbürger", so der Kölner Erzbischof. Wenn es in Deutschland eine Abstimmung wie in der Schweiz über ein Minarettverbot gebe, so glaube er nicht, "dass die hier viel anders ausfiele". Dies müssten Politiker auch ins Kalkül ziehen.

Die Bundesregierung forderte der Kardinal auf, auf Wünsche und auf Unstimmigkeiten im Umgang mit dem Recht auf freie Religionsausübung zu achten.

epd/dpa

Kommentare

Verfasst von Gast am 21. Dezember 2009 - 8:46.

RE: Asymmetrie der christlichen Kirchen

Es gibt ein altes Sprichwort: Ein jeder kehre vor seiner Tür, es liegt genug...

Es gibt ein altes Sprichwort: Ein jeder kehre vor seiner Tür, es liegt genug Schmutz dafür. (davor)
Zur beklagten Asymmetrie der Religionsfreiheit gehört aber auch, dass sogar christliche Kirchen einander asymmetrisch behandeln. Ich denke dabei an das Wort des Papstes, dass die evangelische Kirche keine sei, sondern allenfalls eine christliche Glaubensgemeinschaft. Die russische orthodoxe Kirche lehnt es ab, aus dogmatischen Gründen mit einer Frau, Bischöfin Käßmann der Vorsitzenden der ev. Kirchen in Deutschland über Fragen der Ökumene zu verhandeln. Da ist es wohlfeil, die Politiker aufzufordern für Religions- und Expansionsfreiheit der Christen in der Türkei zu sorgen.
Solange es niemandem gelingt, entweder einen positiven oder negativen naturwissenschaftlichen Gottesbeweis zu führen, solange steht es den Verantwortlichen jeder Religion gut an, darauf hinzuweisen, dass alle Religionen Vereinigungen von Menschen gleichen Glaubens sind. Dogmatische Festlegungen sind von Menschen gemacht.
Wissen werden wir erst, wenn wir unsere menschliche Existenz beenden und dabei möge uns unser Glaube helfen.

Verfasst von Gast am 21. Dezember 2009 - 18:59.

RE: RE: Asymmetrie der christlichen Kirchen

Habe ich in meinem Kommentar von einem Glauben an ein Bierglas gesprochen? Ich...

Habe ich in meinem Kommentar von einem Glauben an ein Bierglas gesprochen? Ich habe darauf verweisen wollen, doch erstmal in den eigenen Reihen, also innerhalb der christlichen Kirchen die Toleranz zu üben, die von anderen Religionen eingefordert wird.
Der Streit, welche Richtung nun der Inhaber der beschworenen richtigen Wahrheit ist, wird sich mit Mitteln der Logik und Empirie nicht führen lassen. Glaubenswahrheiten haben liturgischen Charakter.
Glauben und Naturwissenschaften schließen einander auch nicht aus. Es ist die von Gott geschaffene Natur, in der wir leben und wir sind ein Teil davon. Wo ist da ein Widerspruch?
Im ersten Kapitel des Johannesevangeliums heißt es. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Kann man Unfassbares schöner ausdrücken?

Verfasst von Gast am 21. Dezember 2009 - 20:43.

RE: RE: RE: Asymmetrie der christlichen Kirchen

Eben das ist es: die Wahrheit ist in sich stimmig. Johannes drückt das...

Eben das ist es: die Wahrheit ist in sich stimmig. Johannes drückt das meisterhaft aus. Und sie ist nicht einmal unvernünftig, sondern einfach größer als unser meschlicher Verstand fassen kann. Gerade deshalb kommt es aber darauf an, daß wir uns mit unserm unvermögenden Verstand der göttlichen Wahrheit unterordnen, daß wir sie uns sozusagen aneignen und daß wir uns nicht über sie stellen. Mit anderen Worten: Es kommt darauf an, daß wir wirklich Christus nachfolgen und nicht unseren Einbildungen.
Das können wir sicher nicht aus eigenem Vermögen, wir sind viel zu sehr in uns selbst verliebt (der "homo incurvatus in se" bei Martin Luther), aber auf den Ruf Christi hin geschehen Wunder. Die Alte Kirche nannte dies das Neue Leben, ein Leben aus der Taufe, und faktisch ist es ein Übergang vom Tod zum Leben. Genau hier sehen wir das Evangelium, daß Gott den Sünder liebt, aber eben nicht (!) die Sünde. Augustinus sagt an einer Stelle dasselbe auf andere Weise, nämlich daß Gott nicht (!) den Sünder liebt, aber sehr wohl den Menschen. Deshalb ist es am Menschen, Gott zu lieben, welcher ja die Wahrheit ist. Und genau deshalb ist es fatal, wenn wir uns mit unserem persönlichen Lebenszeugnis gegen jenes Wort stellen, das schon im Anfang bei Gott war. Das einzige, was uns zu tun übrig bleibt, ist Buße tun,umzukehren zu jenem Heil bringenden, menschnefreundlichen Wort, und dem HERRN Recht geben.
Was wir aber faktisch tun, ist lautes Geschrei, das wir respektiert werden wollen in unserem Anderssein, wir wollen Bestätigung in unseren angeblichen Rechten.
Mensch, wer sind wir denn eigentlich? Und was maßen wir uns eigentlich an? Haben wir vergessen, daß der HERR zuerst eben auch ein eifernder Gott ist, welcher die Sünde der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied, aber denen, die Gott lieben und (!) seine Gebote halten, wohltut bis ins tausendste Glied?
Wie gesagt, es ist gut, wenn wir vor der eigenen Türe kehren. Es ist nicht gut, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber wir müssen wissen, daß uns Irrtümer in der Lehre nicht vergeben werden, weil wir damit andere in die Irre führen. Und es ist ein sehr wichtiger Dienst, wenn wir von anderen auf solche Irrtümer aufmerksam gemacht werden, damit wir darüber nachdenken können und unsere Schlußfolgerungen ziehen können, die freilich in Übereinstimmung sein müssen mit der Heiligen Schrift.
Das sind die drei soli der Reformation: solus Christus, sola gratia und sola scriptura. Freilich das mit den Schlußfolgerungen ist dann ein Schritt, den jeder selber vollziehen muß. Jeder muß eben vor der eigenen Türe kehren.
Gott wartet auf unsere Umkehr.

Verfasst von Gast am 21. Dezember 2009 - 15:33.

RE: RE: Asymmetrie der christlichen Kirchen

Der Hinweis, daß ein jeder vor der eigenen Tür kehren möge, ist sicherlich...

Der Hinweis, daß ein jeder vor der eigenen Tür kehren möge, ist sicherlich richtig. Trotzdem ist damit niemand davon entbunden, nach der Wahrheit zu streben, die Wahrheit zu bekennen und aufrichtig zu sein. Dazu gehört auch, daß man die Dinge in ihrem jeweiligen Zusammenhang wahrnimmt.
Ich wäre deshalb sehr vorsichtig mit der Behauptung, daß "alle Religionen Vereinigungen von Menschen gleichen Glaubens sind." Der Glaube an ein Bierglas ist nicht der Glaube, der uns aus dem Verderben rettet, und es ist auch nicht gleichgültig, welchen Glauben eine Kirche oder Religionsgemeinschaft bekennt und durch ihre Repräsentanten bezeugt. Es ist möglich, daß wir offenen Auges ins Verderben rennen, weil wir der Wahrheit ungehorsam waren. Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und an IHN allein wollen wir uns halten, mögen andere auch den Wahnsinnsgebilden ihrer sogenannten Vernunft nachfolgen.
Die Wahrheit finden wir noch immer in dem Kind in der Krippe. HERR, zeige uns den Weg, damit wir das Kind dort finden und anbeten.

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