Studie - Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) soll für Jugendliche attraktiver werden. In einer Studie wird empfohlen, die Kirche für populäre Jugendkultur zu öffnen.
"Kirche sind nicht nur Erwachsene", kirchliche Angebote müssten junge Menschen in deren unterschiedlichen Lebensstilen und -welten besser ansprechen, empfiehlt eine EKD-Studie zum Verhältnis von Kirche und Jugend, die am Mittwoch in Hannover veröffentlicht wurde. Angesichts zunehmender Distanz und abnehmender Kirchenbindung wird darin eine "jugendsensible Kirche" befürwortet. Dazu gehöre die Öffnung für populäre Jugendkultur, in der neuen Medien, Ästhetik und Inszenierung mehr Platz finden.
Junge Menschen suchten nach Orientierungen für ihr Leben und nach Antworten auf ganz unterschiedliche Fragen. "Es geht dabei immer auch um Werte und Lebenssinn, und damit eben immer auch um religiöse Fragen", schreibt die Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischöfin Margot Käßmann, im Vorwort der Handreichung.
Neue Formen der Konfirmandenarbeit
Eine immer wichtigere Rolle in der evangelischen Jugendarbeit spielen der Studie zufolge das Konzept von Jugendkirchen, Jugendclubs und -zentren sowie neue Formen der Konfirmandenarbeit. Von Jugendlichen würden jedoch viele Angebote als "geschlossen" und wenig zugänglich empfunden. Die Kommunikationskulturen und "Theologien" von Jugendlichen sollten stärker aufgegriffen werden. Hierzu sollten mehr Räume eröffnet werden, etwa durch Beteiligungsmöglichkeiten in Blogs Foren und Portale im Internet. Dies gelte auch für die finanzielle Ausstattung der Angebote.
Auf den Wunsch Jugendlicher nach alltäglicher Ästhetisierung sollte die Kirchengemeinden besser reagieren: "Schlecht gepflegte Kirchen, unaufgeräumte Ecken, Häkeldeckchen in Gemeindesälen und zusammengesuchtes Geschirr strahlen eine Alltagsästhetik aus, die (nicht nur) auf Jugendliche wenig anziehend wirkt", wird gemahnt. Fotostreifzüge, mit denen Jugendliche zeigen, wie sie sich "eine Gemeinde mit Zukunft" vorstellen, könnten Veränderungen in Gang setzen.
Gemeinden, Kirchenkreise und Landeskirchen werden aufgefordert, Jugendlichen ein abgestimmtes und vielfältiges Angebot zu machen. Als Beispiele nennt die Studie: feste Gruppen, offene Jugendarbeit, Internetangebote, Treffs, Freizeiten, "Konficamps" und Handy-Arbeit. In Ostdeutschland sollte über niedrigschwellige Angebote vermehrt Kontakt gesucht werden zu Jugendlichen, die keinen Zugang zu Glaube, Kirche und Religion haben.
Wissen von Religion sinkt
Bei der Suche nach Orientierung und Engagement seien kirchliche Antworten und Angebote häufig nicht attraktiv, beschreibt die Studie den Handlungsbedarf. Denn obwohl sich rund 90 Prozent aller evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs konfirmieren lassen, werde danach Kirchenmitgliedschaft meist zur "bloßen Konvention und Tradition". Zwar interessierten sie sich für moralische Fragen und Lebenssinn, gebe es Sehnsucht nach Transzendenz und Spiritualität, aber gleichzeitig sinke in der Generation zwischen 14 und 25 Jahren das Wissen von Religion und sei christliche Überlieferung immer weniger selbstverständlich.
Auf dem religiösen Markt ist die Kirche der Studie zufolge für Jugendliche nur noch eine Anbieterin für Sinnfragen neben anderen. Sie könne auf keinen Bonus rechnen und nur wenig voraussetzen. Mit Blick auf die demographischen Verschiebungen weisen die Autoren daraufhin, dass Jugendliche zur Minderheit in der Gesellschaft und zur Minderheit in einer schrumpfenden Kirche werden. Kirchliche Jugendarbeit sei deshalb darauf zu überprüfen, inwieweit sie die Interessen und Lebenssituation junger Menschen genügend aufnehme oder einer Eigenlogik folge.
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Kommentare
Guter Ansatz-wie umsetzbar?
So ähnlich wie im Artikel beschrieben, kritisierte ich letztens den Konfi-Unterricht bei uns am Ort, in dem leider nicht die Konfis im Mittelpunkt stehen, ihre Fragen, ihre Gedanken und ihre Wünsche sondern zu 99% die erforderlichen Kirchgänge, die erforderlichen Anzahl der Besuche bei den Konfi-treffen und vor allem die erforderliche Anzahl der auswendig vorgesagten Bibelstellen, Kirchenlieder, Psalmen, Liturgien etc.
Sehr abschreckend für die Jugendlichen, vor allem für die, die sich wegen der Erneuerung der Taufe konfirmieren lassen und nicht wegen der Feier und der Geschenke am Ende der KOnfi-Zeit.
Doch wie kann das Besagte aus dem Artikel umgesetzt werden? Da müssen sich manche/viele Pfarrer und Pfarrerinnen sehr umstellen, umgewöhnen, informieren etc. Haben sie die Zeit dazu? Sind sie offen dafür oder ist es für manche nur "neumodisches" Zeugs? Ganz so einfach ist das nicht aus den "altbewährten" Bahnen auszubrechen, da sich ja immerhin "trotzdem" ca. 90% der Jugendlichen konfirmieren lassen.
Bei mir ist es das 3. Kind, das auf altherkömmliche Weise seine Konfi-Zeit "hinter sich bringt" und nun habe ich mal rebelliert. Ob es Sinn machte? Habe leider noch kein Feedback bekommen, vielleicht wurde die Studie ja von den hier Zuständigen gelesen? Ich habe Hoffnung. Wenn es auch nicht für mein Kind mehr greifen wird, aber für die nachfolgenden Jahrgängen, dann hatte es auf jeden Fall Sinn gemacht mal "den Mund aufgemacht zu haben".
Grüßle, Webse
Mehr Möglichkeiten zur Teilhabe schaffen
Die Kommunikationskulturen und "Theologien" von Jugendlichen sollten stärker aufgegriffen werden. Hierzu sollten mehr Räume eröffnet werden, etwa durch Beteiligungsmöglichkeiten in Blogs Foren und Portale im Internet.
Das klingt doch schon mal nach einem guten Ansatz - junge Menschen dort abholen, wo sie sich im Alltag bewegen bzw. kommunizieren. Die gerade für Jugendliche doch sehr eingeschränkten Möglichkeiten zur Partizipation sollten bei dieser Gelegenheit - allerdings nicht nur im Internet - unbedingt ausgebaut werden. Wobei sich mir noch nicht erschlossen hat, was denn genau mit "Theologien von Jugendlichen" gemeint sein könnte...
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"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de
RE: Evangelische Kirche muss für Jugendlicher attraktiver werden
Auf dem religiösen Markt.......
Ich denke, genau da liegt das Problem. Solange Kirche nur als Institution wahrgenommen wird und nicht als eine (Lebens-)gemeinschaft, solange die Menschen "christlich" sind, aber eben (vielleicht?) keine Christen, solange im Elternhaus der eigene Glaube nicht öffentlich wird....... (to be continued), so lange wird die Kirche auch nur eine Institution bleiben, die sich auf dem religiösen Markt sogar Konkurrenz entgegenstellen muss.
Dabei ist (unabhängig von Konfession und Kirchenzugehörigkeit) der Glaube und das, was daraus resultiert, nun wirklich konkurrenzlos.
Schade, dass die Kirche sich um das "Abwerben" von Jugendlichen bemühen muss. Ich befürchte aber, damit wird sie wohl nur bei Leuten mit einer gewissen "Immunschwäche" auf offene Ohren stossen. Denn die Prägung und Erziehung, auch hin zu "religiösen Werten", findet ja nun doch im Elternhaus statt. Und solange die Eltern propagieren "geh doch zum Konfi-Unterricht, denk an die viele Kohle und die coole Party"...... so lange........ *traurigkopfschüttel*
Si deus pro nobis, quis contra nos?
RE: RE: Evangelische Kirche muss für Jugendlicher attraktiver
Was Du postest ist nur die eine Seite der Medaille.
Ich dachte immer, dass die Konfirmanden sich auf die viele Kohle zur Konfirmation freuen...
Gott hat keine Enkelkinder. Jeder Jugendliche muss sich neu entscheiden, welchen Weg er gehen will - trotz kirchliches, christliches oder frommes Elternhaus.
Die Kirche sollte die Jugendlichen abholen, wo sie sich gerade befinden. Vielleicht muss die Evangelische Kirche tatsächlich für Jugendliche attraktiver werden.
RE: RE: Evangelische Kirche muss für Jugendliche
Ich bin mir nichtmal sicher, ob die Kirche sich um Abwerbung bemühen muß.
Ich bin ja bereit, mich da (in meiner katholischen Kirche) mich zu engagieren, mir ist aber nicht klar, welches Angebot die Jugendlichen suchen.
Es würde ggf. schon viel helfen, die Jugendlichen dahin zu bringen, dass sie sich selbst fragen (Macht ja pädagogisch keinen Sinn, was vorzuturnen, die müssen die Erfahrungen selber machen.) "Hat dieses Christentum irgendwaas mit meinem Alltag zu tun? Gibt es da eine Schnittmenge?"
Man möge mir erlauben zu sagen, dass Jesus keine neue Religion, sondern ein neues Leben predigte.
Mahatma Ghandi
RE: RE: RE: Evangelische Kirche muss für Jugendliche
Mein "Abwerben" bezog sich weniger auf andere Kirchen, sondern mehr auf den "Feind". Wenn die EKD "attraktiver" werden will, so hat dies nichts mit einer Überzeugung von Jugendlichen zu tun, sondern frei nach "Pirates of the Carribbean" mit "wir schwören dem die Treue, der das beste Angebot unterbreitet".
Wenn die EKD das Angebot "bunter" machen will (ich lese "Handy-Kurse"), sehe ich dies als ein Lockmittel für Jugendliche. Glaube und Zugehörigkeit entsteht aber aus freien Entscheidungen, Überzeugungen, und nicht, weil es glitzert, bunt ist und gut riecht.
IMHO liegt das Problem woanders - nämlich Zuhause. Nicht schlecht fände ich allerdings, wenn sich die Kirche der Sprache der Jugendlichen etwas annähert. Ich bin zwar nicht unbedingt für "und Gott chillte", aber eine Sprache, die Jugendliche verstehen. "Hoffnung für alle" statt "Luther-Bibel". So in der Art.
Aber auch hier sehe ich das Problem, wie mir mal eine evangelische Pastorin sagte: "wir müssen uns nicht verstellen und andere Sprachen sprechen, die Sprache der Liebe wird die Angesprochenen auch so erreichen". Ich lasse das mal unkommentiert so stehen.
Si deus pro nobis, quis contra nos?
Evangelische Kirche muss für Jugendlicher attraktiver werden
Es ist immer das Gleiche Lied: Kirche muß für Jugendliche attraktiv werden. Das machen wir schon seit 50 Jahren. Und es führt dazu, dass wir für Jugendliche eine besondere Betreuungsgruppe machen und die Kirche bleibt wie sie ist. Wann endlich gibt es eine Kirche, die "für MENSCHEN" attraktiver wird. Ein Pfarrer, der mit Jugendlichen gut kann, ist zwar angesehen und er soll ja das Spielchen weiter machen, aber ja nicht dabei noch die Kirche ändern. Wie heißt es so schön von einer pfarrersuchenden Gemeinde: "Wir suchen einen Pfarrer, der Bewährtes fortführt und offen ist für Neues". Zu deutsch: Mach alles schön weiter und nebenbei gestatten wir dir mal noch ein paar Gags". Das ist der Tod im Topf. Wir können uns auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln, wenn die Jugendlichen, die morgen schon Eltern neuer Kinder sind, in der Kirche nicht zu Hause sind gemeinsam mit allen anderen Menschen, fühlen sie sich verarscht von einer Eventkultur. Öffnen wir doch einfach die Kirche für alle anderen auch, auch die Alten singen gern mal was Poppiges. Wenn ich Seniorenkreise halte, habe ich das Keyboard und einen Sack neuer Lieder dabei. Und die Alten, deretwegen wir ja das Alte erhalten, sind begeistert. Aber wenn dann ein Pfarrer sagt: aus dem "roten Gesangbuch" wird nicht gesungen, dann hilft der beste Jugendspaß nicht. Alles richtig, was oben steht, aber es ist zu wenig. Kirche muß endlich den Mut haben, für alle attraktiv zu werden. Sie gilt nämlich einfach als alt(modisch) und zwar bei allen Generationen. Und das oben erwähnte zusammengesuchte Geschirr stößt allen auf, sie sagen nur nichts, weil sie sich daran gewöhnt haben an so eine Kirche. Ich wünsche mir eine Kirche, die mal kräftig ausmistet - nicht nur beim Geschirr. Vielleicht hat mal jemand Mut eine mutige Studie dazu zu machen!
RE: Evangelische Kirche muss für Jugendlicher attraktiver werden
Schön - Dein Mut zur Kritik. "Immer das gleiche Lied" oder besser immer die gleichen Lieder. Immer das gleiche Geschirr usw....
Nur der Kirche fehlen die Gelder und die begabten Personen die sich ehrenamtlich einsetzen...Nicht jede(r) kann dies neben seiner/ihrer beruflichen Tätigkeit leisten.
Schon einmal etwas von Bill Hybels gehört? Besuche seinen Kongress und Du wirst begeistert sein! Eventuell wird die Kirche attraktiver oder Du bringst Dich in der Jugendarbeit dann voll ein.
Hoffentlich! - so der Herr Pfarrer von Deinen Erneuerungen und neuen Ideen begeistert ist.
lg
RE: @Gast von 13:45
Ich bin selber ein Herr Pfarrer und hab es viele Jahre versucht, Offenheit in eine Gemeinde zu bringen, manches ist gelungen, manches nicht und für manches habe ich ich "von oben" Dresche bekommen. Der Superintendent hat mich schon angezählt, weil ich in einem Gottesdienst um des Themas willen eine Lesung ausgetauscht habe. DAS ist Kirche!
Nein, dazu braucht es keines Geldes und Leute, die was ändern wollen gibts genug, wenn man sie nur läßt. Und das liegt an auch den Pfarrern, die vom Berufsbild her die "letzte Verantwortung" tragen. Es braucht kein Geld, wenn man einfach mal einen Schnitt macht und wenigstens die toten Traditionen abtrennt, es braucht kein Geld, statt des unverständlichen Wochenliedes etwas Singbares anzusetzen (Lied 68 am 10.1.ist so ein Beispiel, wenn da Fremde im Gottesdienst sitzen, gute Nacht!), es braucht kein Geld, diese entwürdigende Konfirmandenprüfung abzuschaffen, es braucht kein Geld, einen Taufgottesdienst zum Gemeindefest zu machen, es braucht auch keinen Bill Hybels, es braucht einfach mal einen Blick aus der Sicht der "Konsumenten". Und es braucht, das Repressalien für Abweichler verboten werden und von Menschen erdachte Ordnungen nicht das Letzte sind....und und und...Es braucht einfach eine menschenfreundliche Kirche, dann wirds mit der Jugend so wie mit den Alten. Und dann kommen Leute, weil sie sich wohl fühlen. Wie sagte Schlingensief im Interview? Die Kirche macht mich nicht froh. Da hat er wohl vielfältig Recht.
Dresche von oben
Dresche gibt es hier doch wohl von allen Seiten. Wenn man schon mal hin und wieder in die Kirche geht, dann soll der Gottesdienst so sein, wie man ihn erwartet hat. Er soll möglichst kurz sein und nicht allzu intellektuell. Die Lieder sind vielen Leuten egal, weil sie ja eh nicht mitsingen. In der Regel besucht man an Beerdigungen, Weihnachten und eventuell Taufen den Gottesdienst. Man will sich gar keine Gedanken darüber machen. Im Gegenteil: Man ist sogar der Meinung, dass Menschen, die sich darüber Gedanken machen wohl psychisch krank sein müssen!
Ich kenne junge moderne Pfarrer, denen Misthaufen vor die Tür gesetzt wurden!
Die berufliche Situation ist heute so geprägt, dass viele Menschen oft ihren Arbeitsplatz und damit wohl auch ihren Wohnort wechseln. Kirche könnte hier Heimat sein! Aber da muss man anders ansetzen, sonst ziehen sich die Menschen, die ihre Heimat gefunden haben, auch noch zurück.
Da gibt doch diesen berühmten Satz: Gott ist okay, nur sein Bodenpersonal läßt manchmal zu wünschen übrig!
RE @ Herrn Pfarrer
Danke für den Kommentar. Was soll ich nun dazu sagen? Eine Lösung für die ganze Miesere weiß ich leider auch nicht. Es stimmt alles was Sie berichten. Dennoch gibt es die Kirche und die Gemeinde gar nicht, da jede Gemeinde in der EKD unterschiedlich ist. Allgemein sind die Strukturen natürlich überall festgefahren. Und auf Dauer bin selbst nicht von einer starren Tradition angetan oder begeistert. Doch vieles kann Kirche gar nicht leisten, denn ein Gemeindeglied möchte die Urgemeinde und andere hätte lieber eine liberale Gemeinde, und hier geht es um eine attraktive Jugendarbeit. Jeder wünscht sich eine lebendige Kirche nach seinem Muster und seinen Vorstellungen.
"Es braucht einfach eine , dann wirds mit der Jugend so wie mit den Alten". Das sehe ich genauso. -
Noch einmal zu Bill Hybels: Ich denke Willow Creek würde Jugendliche ansprechen. Allerdings sehe ich Hybels auch kritisch. "Eine Gemeinde (Jugendkreis) soll sich in drei Wochen oder in drei Tagen verändern" (So gelesen!) Bill Hybels und sein Team arbeiten überwiegend mit Marketing (und Show). Und irgendwann ist auch in den großen Konferenzen die Luft raus. -
Wer aber ist nun Schlingensief?
@ gast 4.2.10:50
Schlingensief ist ein deutscher Regisseur und hat in einem bemerkenswerten Interview Bemerkenswertes zur Kirche gesagt: http://www.cicero.de/97.php?item=4573
Noch zu Willow Creek usw: das sind alles Zielgruppen- und Inhaltsgemeinden, die mit einer bestimmten Art und vor allem bestimmten Frömmigkeit Menschen ansprechen. Wer da nicht mitziehen kann, geht nicht hin und bleibt aussen vor. Das ist auch bei Freikirchen so. Das Plus der evangelischen Kirche als Großkirche ist für mich die Vielfalt, die Du sonst eben nicht findest. Ihr Minus ist momentan ihre Erstarrtheit, die einfach das Leben, das das Evangelium verspricht nicht abbildet. Dass Menschen heute so vieles und Unterschiedliches in den Gemeinden suchen, liegt wohl daran, dass sie in der Kirche aus der Kirche aussteigen, eben, weil sie ihnen nichts bietet. Es steht der Versuch noch aus, die vielen Interessen in fröhlichen "Gottesdiensten" (man bemerke die Anführungsstriche!) zu bündeln. Ich habe mal gelernt: Jede Freikirche, jede Sekte, jede Strömung weist auf ein Defizit der Kirche hin. Sicher man kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen, dafür gibt es ja auch Gruppen und Kreise, aber man kann es bündeln.
RE: Evangelische Kirche muss für Jugendlicher attraktiver werden
Ganz meine Meinung!
Nicht von ungefähr ist das Themenbild wohl aus Taizé ? Das erkenn ich am Teppich :D
Wir sind bei uns mit unserer Jugendkirche mit vielen Angeboten dabei, die auch genutzt werden. Bedarf ist also da. Kirche wird von vielen Jugendlichen (und Kindern) aber immer noch als "geschlossene Veranstaltung für Eingeweihte" empfunden. Ein Schritt aus den alten Gottesdienststrukturen raus, zu alternativen Angeboten ist da sinnvoller-
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Lebe, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist, aber lebe es!
RE: RE: Evangelische Kirche muss für Jugendliche...
Habt ihr konkrete Ideen für solche alternativen Angebote? Vielleicht selbst Erfahrungen, was funktioniert und was nicht? In den Jugendkirchen scheint es ja schon durch eine andere Form der Ansprache zu funktionieren. Aber wie lassen sich eurer Meinung nach solche Schritte aus den "alten Gottesdienststrukturen" auch in den Gemeindealltag einbinden? Oder geht das nicht?
Ich jedenfalls habe die Erfahrung gemacht, dass bei den Pfadfindern ein gelebtes Christentum und Christsein möglich ist, das nicht an das institutionelle Kirchenleben gebunden sein muss. Die Übertragung von einem zum anderen fällt vielen aber doch schwer. Und ich weiß keinen Weg, wie das funktioniert, weil bei Jugendkirchen, Pfadfindern etc. völlig andere Erfahrungen gemacht werden als in z.B. Gemeindegottesdiensten.
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Hanno Terbuyken
evangelisch.de
@ Hanno T.
Welche Pfadfinder meinst Du? Es gibt auch charismatische Pfadfindergruppen.
"Welche Pfadfinder meinst
"Welche Pfadfinder meinst Du?"
Ich bin VCP'er und fühle mich da gut aufgehoben.
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Hanno Terbuyken
evangelisch.de
RE: @ Hanno Terbuyken
Ich denke, dass man Jugendkirchen, auch andere Formen wie Willow Creek wie auch freie Gemeinden extra sehen muß. Mein Thema bleibt die Evangelische Kirche und ich hoffe immer noch darauf, dass es eine Kirche wird, in der sich möglichst viele finden können. Eine Idee ist einfach, dass sich der Blick ändern muss. In der Regel machen wir Kirchenleute Kirche für die, die (noch) kommen. Kirche entscheidet über liturgische Fragen, gibt neue Gesangbücher raus unter Gesichtspunkten, die aus der Sicht der Kirche und Musiker sicher richtig sind. Das Volk sieht es nur anders. Kleines Beispiel: Das Lied von Siegfried Fitz "Von guten Mächten" ist zum Hit geworden, es wird überall gesungen von jung und alt. Könnte also z.B. auch im Gottesdienst die Gemeinde verbinden. Dann kam das EG mit einer völlig fremden, musikalisch sicher besseren Variante. Von einem Chor gut gesungen, klingt das gut. Von der Gemeinde wird es selten gesungen. Hätte man dem Volk aufs Maul geschaut, wäre das nicht passiert.
Was ich meine, das Volk, (die immer wieder hoch gelobten und als unverzichtbar umgarnten Laien) hat eine eigene Theologie. Hat eigene Erwartungen und Hoffnungen. Sucht eine Kirche, die lebt. Die Jugend nimmt sich die Freiheit, mit den Füßen abzustimmen, die Alten bleiben mangels Alternativen und einer gewissen traditionellen Verbundenheit. Nur, die Jugend heute wird auch mal alt, was dann? Besteht die Alternative nur in Alters-und Interessengruppen und löst sich die Kirche als solche auf? Ich suche immer noch andere Wege. Und das sind kleine Wege. Schau Dir mal aus Pfarrersicht einen Gottesdienst an. Schau in die Gesichter, schau wer wo und wie sitzt und auch wie mit singt. Wo sitzen die Konfirmanden, wer spricht mit ihnen? Wer freut sich über sie? Gehorsam stehen sie hinterher an, um ihre Unterschrift abzuholen. Denn die müssen warten, bis der Pfarrer erst mal die richtigen Besucher verabschiedet hat? Oder, da wird in einer Gemeinde hinterher zum Kirchenkaffee eingeladen. Schöne Sache, ist in Mode gekommen. Warum gibt man in der kalten Kirche nicht zwischendurch mal was aus? Nein, hinterher, wenn keiner mehr Ruhe hat und alle durchgefroren sind. Und wo gibts den Kaffee? Im Vorraum, wo die Türe auf uns zu geht, keine Kommunikation, man friert. Draußen vor der Kirche gibts auch Glühwein, da ist Weihnachtsmarkt. Da ist es auch kalt, aber da ist Ambiente. Was ist mit Kirche los, dass sie was gut meint und es so schlecht macht?
Und noch was dazu: wir reden hier zwar über die Jugend und wie wir sie gewinnen. Wenn das nur das Problem wäre, wären wir gut dran. Aber wo sind eigentlich die Älteren und Alten, die es ja statistisch ausreichend gibt und die - im angeblichen gegensatz zur Jugend - noch mit einem gewissen religiösen Wissen aufgewachsen sind. Seniorenkreise stellen deprimiert fest, dass sie aussterben. Es gibt Untersuchungen und Studien noch und nöcher, auch über die anderen Lebensgewohnheiten und wir wissen, dass nicht nur Jugendliche später ins Bett gehen und darum kaum 9.00 Uhr im Gottesdienst sein wollen. Kirche macht große Verlautbarungen, wenn es um den Schutz des Sonntags geht, aber sie ignoriert völlig, dass es dabei nicht nur ums Einkaufen geht, sondern dass mancher zumindest im Osten bereits am Sonntag-nachmittag auf die Autobahn geht, um zur Arbeit nach München zu fahren. Woche für Woche. Da ist nichts mit Familie und Sonntag feiern und erst recht nicht Gottesdienst.
Wann hätte Kirche mal auf die unmenschliche Arbeitsmarktpolitik genauso groß getönt?
Kirche redet in Räume hinein, von denen sie nichts versteht.
Erfahrungen wie es anders geht? Samstags Gottesdienst als Familienfest, Lebensfragen statt Katechismus pauken, mir fällt vieles ein, vielleicht ist hier nicht der Platz. Einfach gucken, wie kann ich das, was das Evangelium den Menschen anbietet, in den Räumen und Zeitfenstern, die Kirche hat, wie kann ich das den Menschen anbieten. Dazu gehört, mit den Menschen leben, die Menschen kennen lernen und dann Kirche zu gestalten. Dem Volk aufs Maul schauen, aufs Herz schauen, aufs Leben schauen. Da wird einiges anders und manche schöne Liturgie wird fraglich. Kirche wird angreifbar, hinterfragbar, offener und ehrlicher. Und ich ahne, das wird ein Kampf.
@ Herrn Pfarrer
Sicher hätten Sie gerne eine JUGENDKIRCHE, oder wie hab ich mir den Kampf vorzustellen?
Die Heiligung des Sonntags vertreten bei uns auch junge gläubige Menschen in ihrem Privatleben. (Da gibt es sogar Zeitungsartikel!) Nur man darf kein Gesetz daraus machen. Sonst fällt man von der anderen Seite vom Pferd. Und ist der Ansicht: Lasst andere für mich arbeiten.
PS. Der andere längere Artikel unter H.T. war auch für Sie gedacht.
Kirche & Co
"Erfahrungen wie es anders geht? Samstags Gottesdienst als Familienfest, Lebensfragen statt Katechismus pauken, mir fällt vieles ein,[...]"
Du scheinst ja nun wirklich alles auf den Kopf stellen zu wollen.
Nur bringt das die Kirchengemeinden tatsächlich weiter? Muss nicht jede Gemeinde für sich entscheiden, was sie leisten will und kann?
"Dem Volk aufs Maul schauen." Das kennen wir von Martin Luther. Ich würde ebenfalls dafür plädieren und würde sagen: Dem Volk auf seine Probleme schauen. Freuen würde ich mich, wenn Gemeinden innerhalb der Kirche sich mehr für die jungen und älteren Arbeitslosen einsetzen und arrangieren würden.
Aber eins würde mich ebenfalls und brennend interessieren, wo Du denn die Botschaft des Evangeliums an den Mann, die Frau und an die Jugend in dem Fall( siehe Thematik!) bringen würdest oder bringst? Früheren Generationen hat es nicht geschadet Die zehn Gebote und christliche oder kirchliche Lieder auswendig zu lernen. Im Gegenteil! Ich bin heute dankbar dafür. Haben doch die Lieder von Martin Luther und Paul Gerhard usw. Tiefgang, was man von den neuneusten christlichen Liedern nicht unbedingt sagen kann. Außerdem: Wo lernen junge Menschen denn heute noch Texte auswendig? Bei Dieter Bohlen und Co?
Dennoch wünsche ich dem Herrn Pfarrer Gottes Segen für sein Vorhaben und finde ansonsten neue Ideen in der eigenen Gemeinde immer gut.
Ev. Kirche muss für Jugendliche attraktiver werden @ Pfarrer
Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Eventuell interessiert Sie dieser Link!?
http://www.idea.de/nachrichten/detailartikel/artikel/wie-kirchengemeinde...
mfg
@Gast 20:20
Danke für den Link, ja das ist die Richtung!
Dagegen steht das andere:
http://www.sonntag-sachsen.de/2010/02/04/ohne-wegweiser-unterwegs/
Wenn schon die Hauszeitung einen solchen Artikel wagt, muß es ja schlimm stehen! Steht es auch.
RE: Kirche muss für Jugendliche attraktiver .. - @ Gast 8.56
Ich denke Frau Käßmann wird das Kind schon schaukeln. Da habe ich keine Sorge. Ich denke in ihrer Amtszeit, als Bischöfin, wird sich auch unter der Jugend einiges tun oder bewegen werden/müssen. Sie hat schon so einige Erneuerungen in der EKD angeregt und wird es auch weiterhin tun.
Die arme Frau Käßmann @gast 10:47
Was soll die Frau denn alles machen? Warum machen wir es nicht, warum geht keiner zu seinem Pfarrer und sagt: aber Hallo, das hat mir (nicht) gefallen? Da sind so viele Widerstände, da kann schon Frau Käßmann aus Gründen des Kirchenrechts und ihrer Kompetenz nicht ran. Sie hat nur das Wort und sie hat sich schon oft auch innerkirchlich geäußert. Bloß bewegt hat sich nichts.
RE: RE: RE: Evangelische Kirche muss für Jugendliche...
Habt ihr konkrete Ideen für solche alternativen Angebote?
Einfach mal in eine Calvary Chapel gehen. Da wird die Bibel von vorne bis hinten durchgegangen, die Predigten sind locker, stellenweise lustig (ohne das ganze als Klamauk aussehen zu lassen), es ist immer ein Bezug zum Alltag da, der Jung und Alt anspricht, die Lieder sind poppig und selbst so manches altbekannte "Orgelgedudel" wird dort zum Klang von Akustik- und E-Gitarrre spielbar gemacht.
Wie sagte einer unserer Pastöre letztens so schön: "die heutigen Kirchen regen sich darüber auf, was eine Gitarre im Gottesdienst verloren hätte, dabei sind die ursprünglichen Instrumente, die es schon zu Davids Zeiten gab (Zither und Laute) der Gitarre um so viel näher als der Orgel" ;)
Und auch die Sprache ist der Umgangssprache doch sehr nah. Von den ca. 1000 Leuten, die sonntäglich den Gottesdienst besuchen, würde ich mal auf folgende Altersgruppierungen tippen:
20 % über 60
50 % über 30 bis 60
der Rest darunter
Und wenn ich dann die "grauhaarige Oma" sehe, die selbst die (mit deutschen Untertitel versehenen) Lieder voller Begeisterung mitsingt, da geht mir wirklich das Herz auf.
Aber vielleicht liegt's auch an der "Gemeinde zum Anfassen". Da wird sich nachher auf einen Kaffee in der CoffeeBar getroffen, da gibt es Pastöre und Älteste zum Anfassen, und wenn keine "privaten" Freundschaften entstehen, gibt es ein grosses Netz an Hauskreisen. Gemeinde als Teil des Lebens und des Alltags.
Si deus pro nobis, quis contra nos?