Gewalt gegen Gläubig - Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ruft erstmals bundesweit zu einem "Tag der verfolgten Christen" auf. Am 28. Februar soll besonders an die bedrängten Gläubigen im Irak erinnert werden.
Künftig soll der "Tag der bedrängten und verfolgten Christen" regelmäßig am zweiten Sonntag der Passionszeit stattfinden, wie die EKD am Mittwoch in Hannover mitteilte. Der Sonntag trägt den Namen Reminiszere ("Gedenke"). Im Gebiet des heutigen Irak ist das Christentum seit seinen frühen Anfängen vertreten. Doch die Zahl der irakischen Christen von 1,2 Millionen habe sich in den vergangenen Jahren halbiert, so die EKD. Wie andere religiösen Minderheiten seien sie durch islamistische Terroristen, politische Machtkämpfe und kriminelle Akte an der freien Religionsausübung gehindert und in ihrer Existenz bedroht.
In weiten Teilen des Irak würden Christen aus ihren Häusern vertrieben, ihre Kirchen und Einrichtungen seien Zielscheibe von Anschlägen, teilte die Kirche weiter mit. Angesichts dieser Entwicklung seien zehntausende Christen nach Syrien und Jordanien geflohen. Viele seien über das europäische Programm zur Neuansiedlung irakischer Flüchtlinge in die Bundesrepublik gelangt. Doch auch andernorts sind die Christen in einer sehr schwierigen Lage. In Ägypten, Malaysia und Nigeria gab es in den vergangenen Wochen gewaltsame Übergriffe auf Gläubige und Anschläge auf Kirchen.
Käßmann: Gläubige werden massiv bedrängt
"Das Menschenrecht der Religionsfreiheit nimmt für unsere Kirchen einen besonderen Stellenwert ein", erklärte die EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Margot Käßmann. "Es wird immer wieder eingeschränkt und bestritten. Vor allem Angehörige religiöser Minderheiten leiden auch in unserer Zeit unter massiver Bedrängnis." In Deutschland sei das oft nicht bewusst. Doch wer Christen in Indien oder in Indonesien besuche, wer Berichte von der Lage in Pakistan oder dem Irak höre, "dem wird deutlich, wie hoch das Gut der Freiheit in unserem eigenen Land ist".
Der Gedenktag mit Fürbitten für verfolgte Christen geht auf einen Vorschlag der EKD-Synode 2008 in Bremen zurück: "Das weltweite Leiden von Christen zu nennen ist eine wichtige Aufgabe der Kirche", lautete seinerzeit der Beschluss des Kirchenparlaments. Diesen Vorstoß unterstützten der Rat und Kirchenkonferenz der EKD. Bereits zuvor hatten Initiativkreise und einzelne Landeskirchen mit einen gesonderten Tag an das Schicksal verfolgter Christen erinnert. Für den diesjährigen Gedenktag hat die EKD Informationsmaterialen und Gestaltungshinweise erstellt.







Kommentare
Gedenktag für verfolgte Christen
Dass Christen in Ländern mit großer Religionsfreiheit verfolgter Christen in anderen Ländern gedenken, ist mehr als überfällig. Warum aber fällt der evangelischen Kirche der zweite Fastensonntag dafür ein, wo es doch in der katholischen schon lange einen Gedenktag gibt, der mit gutem Grund der zweite Weihnachtsfeiertag, also der Tag des Hl. Stephanus ist. Er ist derjenige, der als erster der jungen Kirche für seinen Glauben verfolgt wurde und in einer Steinigung starb.
Wäre dieser Tag nicht auch ein schönes ökumenisches Zeichen gegeben, in einer Sache, die ja beide Konfession gleichermaßen angeht? Oder wäre eine Einigung auf diesen Tag dem evangelischen Profil abträglich gewesen?
Evangelische Kirche erinnert an verfolgte Christen
In Europa gibt es, Gott sei Dank, keine Christenverfolgung. Anderwärts schon, und nicht zu knapp. Unsere neu gewählte EKD-Ratsvorsitzende hat unterstrichen, dass es um das Menschenrecht der Religionsfreiheit gehe. In Deutschland ergab eine Glaubensumfrage, die Deutschen sähen den Glauben mehrheitlich als Privatsache an und würden nur zu 7% gerne öffentlich über ihn reden. Gewiß, er ist auch Privatsache. Aber er braucht auch das öffentliche Gespräch über seine Inhalte, das öffentliche Bekenntnis ebenfalls. Auch die mehrheitliche Beteiligung an Kirchen-Vorstandswahlen. Sollte die Wahlbeteiligung allgemein bei unter 25%, wie kürzlich in Hessen-Nassau, wäre das skandalös. Dann ist irgend etwas mit der Glaubensfreiheit bei uns selbst nicht in Ordnung.