Erster "Kirchentag Mensch und Tier in Dortmund"

Pfarrer Friedrich Laker mit seinem Hund

Pfarrer Friedrich Laker mit seinem Hund Amadeus hatte zum ersten ökumenischen "Kirchentag Mensch und Tier" nach Dortmund eingeladen. Foto: epd-bild / Friedrich Stark

Gastbeitrag - Am Wochenende läuft der erste ökumenische "Kirchentag Mensch und Tier" in Dortmund. Dabei geht es um Würde und Wert von Tieren in unserer heutigen Gesellschaft.

Von Anne-Kathrin Koppetsch

Würde und Wert des Tieres standen im Mittelpunkt des ersten ökumenischen "Kirchentags Mensch und Tier" in Dortmund. Zu der Veranstaltung hatte die "Aktion Kirche und Tier e.V." (AKUT) bundesweit eingeladen. "Kann es sein, dass wir als Menschen mit unserer Meinung über die Tiere irren?", fragte der katholische Priester und Zoologe Rainer Hagencord. Dass Tiere keine Seele haben, hätte die Kirche schließlich Jahrhunderte lang behauptet.

Noch deutlicher wurde der prominenteste Referent des Kirchentags, Eugen Drewermann. "Dass wir die ganze Welt in ein Schlachthaus verwandelt haben, ist Teil unserer falschen Ethik", wetterte er. Der Mensch habe sich selbst zum Maß aller Dinge gemacht und nehme seine Umwelt, auch die Tiere, ausschließlich mit Blick auf ihre Verwertbarkeit wahr. Schon in der Bibel kämen Tiere vor allem als Bestandteil der Speisegesetze vor. Hauptproblem sei das unersättliche Gewinnstreben der Menschen und ihr Mangel an Mitgefühl. "Seit ich einen Film über Viehtransporte gesehen habe, schmecken mir Tiere einfach nicht mehr", bekannte Pfarrer Ulrich Seidel, als erster Vorsitzender von AKUT mit verantwortlich für den Kirchentag.

Verantwortung für Tierschutz

Die Ambivalenz der Menschen im Umgang mit den Tieren wurde während der rund 50 Veranstaltungen an zwölf Orten immer wieder thematisiert. "Einerseits gibt es die Tiere, die das Glück haben unter dem Tisch, und andererseits die, die das Pech haben, auf dem Tisch zu landen." Zahlreiche Besucher und Besucherinnen hatten ihre Hunde mitgebracht. So wurde mancher Applaus des Publikums mit Hundegebell beantwortet. Das Problem, dass all diese Haustiere mit Futter von anderen Tieren ernährt werden, benannten die Referentinnen und Referenten zwar. Es konnte jedoch nicht gelöst werden. Einig waren sich alle darüber, dass der in der Verfassung 2002 fest geschriebene Tierschutz noch umgesetzt werden muss. Unterschriftenlisten für die Kastrationspflicht von Katzen machten die Runde. Die bekannte Tierschützerin Maja Prinzessin von Hohenzollern regte an, das deutsche "Kaninchen im Kindergarten" zum Exportschlager zu machen. Kinder sollten von klein an den Umgang mit Tieren lernen.

Auf dem "Markt der Möglichkeiten" präsentierten sich Tierschutzvereine ebenso wie Bioläden und die "Vegetarische Initiative". Der ebenfalls vertretene Verein "PROVIEH" setzt sich, wenn schon nicht für eine Ernährung ohne Tiere, dann wenigstens für eine artgerechte Haltung vor dem Schlachten ein. "Eine pragmatische Einstellung", räumt Henriette Böhm ein, "auch wenn sich die meisten unserer Mitglieder vegetarisch ernähren." Vertreten waren auch die Aiderbichler Lebenshöfe, eine Art Auffangstätte für verstoßene und misshandelte Tiere. Sie präsentierten anrührende und professionell produzierte Filme über Banti, das Wildschwein und Buski, den Hirsch.

Die Verantwortung der Kirche für den Tierschutz war eines der zentralen Themen. Insgesamt wirkte dieser erste Kirchentag für Mensch und Tier wie eine Informationsveranstaltung, trotz mitgebrachter Hunde und Agility-Show. Ausgelassenes Kirchentagsfeeling wollte nicht aufkommen. Die Besucherzahlen blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Mehrere Tausend waren angekündigt, gekommen waren schätzungsweise mehrere Hundert. "Nach den vielen Anrufen und Reaktionen im Vorfeld hatte ich mit mehr Resonanz gerechnet", zeigte sich Pfarrer Friedrich Laker enttäuscht. Er hatte den Kirchentag nach Dortmund geholt. "Ich habe gedacht, die Zeit ist jetzt reif dafür. Immerhin ist es ein Anfang!"

Manchen Streich spielte den Veranstaltern auch das Wetter: Der Eröffnungsabend auf der Festwiese fiel buchstäglich "ins Wasser". Just zu Beginn des Drewermann-Vortrags begann es zu gewittern. Hier zeigten sich die Veranstalter kreativ und holte das zahlenmäßig überschaubare Publikum kurzerhand auf die Bühne.

Besucherinnen und Besucher waren aus verschiedenen Regionen nach Dortmund gekommen, zum Beispiel aus den umliegenden Ruhrgebietsstätten und dem Sauerland, aber auch aus weiter entfernten Städten wie Stuttgart. Iris Hopff reiste aus Hamburg an, gemeinsam mit ihrer Freundin und den Hunden Lina, Bronski, Jolie und Fix: "Ich finde diesen Kirchentag toll!"


Anne-Kathrin Koppetsch arbeitet für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Dortmund-Mitte-Nordost.

Kommentare

Verfasst von Antonietta am 31. August 2010 - 11:50.

"Seit ich einen Film über Viehtransporte gesehen habe..."

Weltweit werden jährlich rund 50 Milliarden Tiere lebendig transportiert....

Weltweit werden jährlich rund 50 Milliarden Tiere lebendig transportiert. Zwischen Herkunfts- und Bestimmungsort liegen dabei oft Tausende von Kilometern. Allein in Deutschland werden jährlich rund 450 Millionen Tiere geschlachtet, wozu jedes mindestens einmal transportiert werden muss. Die Agrarsubventionen führen zu einer Überproduktion von Tieren, die dann in Länder mit größerer Nachfrage transportiert werden. Durch den Erlass von Importzöllen wird die Einfuhr von Kälbern in die EU gefördert. Immer mehr Großschlachthöfe entstehen, gegen die kleinere Betriebe in den jeweiligen Regionen nicht konkurrieren können und geschlossen werden. Dadurch verlängern sich die Transportstrecken. Es werden z. B. lebende Tiere in Länder transportiert, damit sie dort gemäß den religiösen oder traditionellen Riten (Schächten) des Landes getötet werden. Es werden auch Masttiere in Länder transportiert (z. B. Spanien), in denen Haltungsformen erlaubt sind, die in Ländern mit strengeren Vorschriften verboten sind (z. B. Deutschland). Tierschützer beklagen seit langem, dass selbst bei Einhaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Tiere während der Transporte große Qualen ertragen müssten. Sie leiden während der Transporte an Erschöpfung, Dehydrierung und Stress.

Verfasst von Eckard Wendt, AGfaN e.V. am 31. August 2010 - 8:39.

Erfolgreich trotz wetterbedingter geringer Teilnahme!

Den Organisatoren des "1. Kirchentag Mensch und Tier" in Dortmund gebührt...

Den Organisatoren des "1. Kirchentag Mensch und Tier" in Dortmund gebührt großer Dank für die von ihnen neben ihrer normalen beruflichen Tätigkeit und den familiären Verpflichtungen geleisteten (Vor-)Arbeit!
Da etliche Veranstaltungen auf der Festwiese im Fredenbaumpark unter - im wahrsten Wortsinn! - offenem Himmel und damit bei vorhergesagtem Regen stattfanden, werden so manche die hohen Reise- und Übernachtungskosten gescheut haben. Vielleicht hatten einige von denen, die nicht gekommen waren, (in leider mißverständlicher Weise) mit dem gezahlten Teilnehmerbeitrag die Veranstaltung finanziell unterstützen wollen.
Die Vorträge waren hochkarätig! Wann kamen schon einmal so viele und derart profilierte Referenten bei einer Veranstaltung zusammen?
Leider war die Zeit zu kurz. Wer auf dem Markt der Möglichkeiten eingespannt war, hatte dort reichlich zu tun und konnte nur wenige Vorträge anhören und wer bei Vorträgen war, konnte nicht oder nur kurz zum "Markt der Möglichkeiten" ins "Depot".
Drei der sechs Mitglieder der "Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. (AGfaN), die nach Dortmund gefahren waren, hatten an ihrem Infostand, der unter der Frage "Warum schweigen die Kirchen zu den Leiden der Tiere?" sehr viel zu tun, auch mit der Ausgabe vegetarischer Kostproben, die sehr gut angenommen wurden. Wir hatten keine Schwierigkeiten, die Zusammenhänge zwischen der heute üblichen Nutztierhaltung, mit der wir die Tiere zum Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht haben, und der zunehmenden Hungerproblematik in der Welt zu vermitteln.
Fazit: Der "1. Kirchentag Mensch und Tier" war trotz einiger Enttäuschungen ein Erfolg, der bestimmt die Mehrheit der TeilnehmerInnen hoffen läßt, daß es in nicht allzu ferner Zukunft eine Neuauflage geben wird!

Verfasst von Gast Karin Oehl am 31. August 2010 - 7:49.

Kirchentag - Markt der Möglichkeiten

trotz mancher möglicher Verbesserungsvorschläge war diese Veranstaltung ein...

trotz mancher möglicher Verbesserungsvorschläge war diese Veranstaltung ein Anfang.
Schade, daß offensichtlich nur die erreicht wurden, die dem Tierschutz und einem bewußten Umgang mit Nahrung ohnehin nahe stehen.
Das Thema muß weiter voran gebracht werden und endlich in den Kirchen seine Verankerung finden.
Tiere gehören zur Schöpfung, der wir Respekt zollen müssen.
Bitte weitermachen - nicht eine Eintagsfliege daraus werden lassen!!!!

Verfasst von Gast am 29. August 2010 - 21:21.

So ein Quatsch. Hoffentlich

So ein Quatsch. Hoffentlich werden auch mal mißhandelte und verwahrloste...

So ein Quatsch. Hoffentlich werden auch mal mißhandelte und verwahrloste Kleinkinder so behandelt, wie Tiere. Klar, man sollte Tiere nicht quälen, aber nicht besser behandeln als ein Kleinkind. Wie oft wird weggesehen
oder weggehört, wenn ein kleines Kind leiden muß.

Verfasst von Gast am 30. August 2010 - 8:57.

Was ist denn das für ein

Was ist denn das für ein dämlicher vergleich? Kinder sollen wie Tiere behandelt...

Was ist denn das für ein dämlicher vergleich? Kinder sollen wie Tiere behandelt werden? SIe wollen wirklich Massenkleinhaltung für Kinder, die sollen den ganzen Tag zu Millionen leiden. Sie wollen, dass man statt Tierversuche Kinderversuche macht? Das ist ja ungeheuerlich! Gott sei dank sagen sie noch, dass man sowohl Tiere und Kinder nicht qüälen soll. Vielleicht begreifen Sie mal, dass die Ausbeutung von Menschen und Tieren dieselbe Struktulogik aufweist! Mitgefühl hat man mit Tieren, Kindern und allen lebenden Wesen oder man hat es nicht und dann fängt die Barbarei an!
Wir können nicht Tiere in der Massentierhaltung quälen und uns dann fröhlich an den Tisch setzen.

Verfasst von Christiane Kirst am 2. September 2010 - 7:57.
Kommentar auf: Was ist denn das für ein

Was ist denn das für ein ... (zum Kirchentag Mensch und Tier)

Eine gute Antwort! Wird uns doch zuoft vorgehalten, wie wir mit (unseren)...

Eine gute Antwort! Wird uns doch zuoft vorgehalten, wie wir mit (unseren) kleinen Kindern umgehen. Gleichzeitig leben wir ihnen vor, wie wir uns unseren Mitgeschöpfen gegenüber zu verhalten haben. Das eine geht nicht ohne das andere: wir brauchen unbedingt feinere Antennen für Menschen und Tiere. So wie wir unsere elektronischen Hilfsmittel immer sensibler gestalten, sollten wir endlich unsere Sinne sensibilisieren. Doch die stumpfen anscheinend immer mehr ab. Allerdings ist auch Bio-Tierhaltung keine wirkliche Antwort auf das Desaster mit den Nutztieren: auch einer Bio-Kuh wird gleich nach der Geburt ihr Kind entrissen, damit sich die "höher entwickelten" Menschen das nehmen können, was sie gar nicht brauchen. Als vom Lande kommend habe ich sie tagelang schreien hören ... Und auch das Töten eines Bio-Rindes ist kein Akt der Liebe - im Gegenteil, es ist vielleicht sogar ein noch größerer Vertragsbruch ... voller Vertrauen in seinen bis dahin guten Hirten folgt das Tier seinem Menschen zur Schlachtbank ...
(Schade, wir hörten erst zu spät vom Kirchentag Mensch und Tier. Leider hatte die Presse nebenher auch wieder mehr Spott als nötig übrig.)

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