Glauben - Was glauben die Hessen? Dieser Frage nimmt sich eine kleine Studie an, die im Auftrag des Fernsehmagazins "Horizonte" erstellt wurde. Die Ergebnisse sind interessant zu lesen: Zwar gibt es - unter den Befragten jedenfalls - ein klares allgemeines Bekenntnis zu Übersinnlichem und zur Sinnsuche. Die christliche Kirche spielt dabei aber eine weit kleinere Rolle als ihr lieb sein sollte.
76 Prozent der Hessen finden es gut, dass es die Kirchen als soziale Instanzen, als "kulturelle Anreger" und als Arbeitgeber gibt. Als Sinnstifterinnen werden sie dagegen kaum wahrgenommen. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Zentrums für kirchliche Sozialforschung Freiburg im Auftrag des Hessischen Rundfunks hervor, die am Dienstagabend bei der Aufzeichnung der 1.000. Sendung des Magazins "Horizonte" vorgestellt wurde. Dazu waren 500 Telefoninterviews geführt worden.
Der Studie "Was glauben die Hessen?" zufolge glauben 80 Prozent der Menschen zwischen Bad Karlshafen und Neckarsteinach, dass das Leben "nur dann einen Sinn hat, wenn man ihm selber einen Sinn gibt". Sie glauben etwa an Wunder (70 Prozent), daran, dass Tiere eine Seele haben (66 Prozent), an Engel (40 Prozent) - und zum Teil auch daran, dass Menschen Gedanken lesen können (37 Prozent). An einen personifizierten Gott glauben aber nur 49 Prozent der Befragten. Trotzdem glauben zugleich 73 Prozent, "dass es hinter oder über unserem normalen Leben ein Geheimnis gibt".
Das religiös-spirituelle Potenzial in Hessen ist somit vergleichsweise groß, ohne dass allerdings die Kirchen davon profitieren können. Nur 24 Prozent der Hessen würden nach den Kriterien der Befragung als "Christen" eingestuft - das gilt auch für die Kirchenmitglieder: Jeder dritte Protestant und jeder fünfte Katholik in Hessen glaubt nicht daran, "dass sich Gott in Jesus zu erkennen geben hat". Zehn Prozent der Katholiken und 15 Prozent der Protestanten fallen sogar in die Kategorie "Atheisten": Sie sind von der Existenz eines Gottes nicht überzeugt, auch nicht von der Existenz von Engeln, und verneinen Gott als Schöpfer ebenso wie einen Gott, der sich in Jesus zu erkennen gegeben hat.
Gut, dass es die Kirche gibt, aber jede Religion hat einen wahren Kern
Die Ergebnisse ließen den Schluss zu, dass die Hessen Religion als etwas ganz Individuelles und Privates begriffen und sich ihren Glauben selbst zusammenstellten, kommentierte der Leiter der Studie, der Religionssoziologe Michael Ebertz. "Die Hessen basteln sich ihren eigenen Patchwork-Glauben, die Religionsfreiheit hat sich durchgesetzt." Die Kirchenmitglieder seien auch keine Missionare, ergänzte Ebertz. Denn nur 17 Prozent der Katholiken und 13 Prozent der Protestanten hätten der Aussage "Ich versuche möglichst viele Menschen für meine Religion zu gewinnen" zugestimmt, im Gegenzug lehnen 80 Prozent der Hessen die Aussage ab, "dass in religiösen Fragen vor allem meine eigene Religion Recht hat und andere Religionen eher Unrecht haben".
Ein Traditionsbruch zeichnet sich speziell im Christentum ab. Es sei für viele Menschen nicht mehr spannend, in der Kirche zu sein, weil die großen Gemeinschaftserlebnisse fehlten, sagte Ebertz. Die Studie zeigt auch, dass die Kirchen nur ein Anbieter auf dem Markt der Sinnangebote ist: Obwohl 76 Prozent der Hessen, darunter nicht nur Christen, sondern auch Muslime, es gut finden, dass es die Kirchen gibt, weisen fast ebenso viele (72 Prozent) darauf hin, dass die Kirchen auf Fragen, die die Hessen wirklich bewegen, keine oder nur hin und wieder eine Antwort haben. 70 Prozent der Befragten glauben, dass in jeder Religion ein wahrer Kern zu finden ist.
Der Gottesdienstbesuch am Heiligen Abend zeige allerdings, dass die Kirchen noch immer als Experten für das Transzendente, das Überschreiten von der irdischen zur himmlischen Welt, angesehen würden, kommentiert Religionssoziologe Ebertz. "Sie sind aber nicht mehr alleine dafür zuständig."
Kirchenpräsident Jung: Stärker nachdenken
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung und der katholische Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zeigten sich überrascht über die hohe Akzeptanz der Kirchen bei den Hessen. Sie bezweifelten allerdings, dass die Menschen die christliche Botschaft nicht mehr als wichtig für ihr Leben erachteten. Die Kirche reagiere mit besonderen Veranstaltungen auf die Bedürfnisse der Menschen, etwa indem sie sich auf Hessentagen und an Landesgartenschauen beteilige, sagte Jung. Er räumte aber auch ein, dass sie stärker über ihre Inhalte und ihre Sprache nachdenken sowie ihre Ansichten mitunter "aggressiver" in die gesellschaftliche Debatte einbringen müsse.
Tebartz-van Elst rief die Kirchenmitglieder auf, "missionarischer zu werden", mit persönlichen Zeugnissen für den christlichen Glauben zu werben und die persönliche Beziehung zu Jesus Christus wieder in den Mittelpunkt ihres Lebens zu rücken. Er warnte allerdings davor, "das Sperrige" des christlichen Glaubens wie die Kreuzestheologie zu verwässern.
Die 1000. "Horizonte"-Sendung, die sich mit der Studie befasst, ist übrigens am Mittwoch, 25. Januar, von 23.15 bis 0.15 Uhr im Hessischen Rundfunk zu sehen. Die erste "Horizonte"-Sendung war am 2. Februar 1975 ausgestrahlt worden, seit 1986 moderiert Meinhard Schmidt-Degenhard die Sendung.







Kommentare
Zähmung der Religion
Gast schreibt: "Wo ist denn der evangelische Theologe, der es waagt gegen den Mainstream der liberalen Theologie zu schwimmen? Ich habe keinen einzigen gefunden. Wo ist den der Theologe, der die Glaubwürdigkeit des Evangeliums offen verteidigen würde?"
"Meine Theorie ist, dass unsere Theologen es gar nicht wollen, da sie ihre Aufgabe als Staatsdiener eher in der Zähmung der Religion als in der Apologie sehen."
Also für mich als religionsfreier Mensch ist nur eine gezähmte Religion akzeptabel. Unsere Grundwerte, wie z. B. Religionsfreiheit, sexuelle Selbstbestimmung, Gleichberechtigung von Mann und Frau, sind Werte, die im Zuge der Aufklärung gegen die Religionen schwer erkämpft werden mussten und die immer noch bzw. wieder von fundamentalistisch Religiösen in Frage gestellt werden - siehe z. B. die Debatte hier über Homosexualität, oder siehe z.B. wie orthodoxe Juden Frauen diskriminieren/bevormunden (sie sollen sich "züchtig" kleiden und im Bus hinten sitzen), oder siehe z.B. den Glaubenszwang in islamischen Ländern, wo Religion überhaupt noch nicht gezähmt wurde.
Liberale Theologen wissen, dass nur die gemäßigte, gezähmte Variante von Religion mit den Grundwerten unserer säkularen Gesellschaft kompatibel sind. Und gebildete, liberale Theologen verteidigen die sogenannte "Frohe Botschaft" m. M. nach möglicherweise nicht mehr gern offen, weil sie Glaubensansichten wie z. B. den Sühnetod oder die Auferstehung von den Toden selber nicht mehr glauben können.
Glaubensmündungen im Meer unserer Zeit
Hätte, könnte, sollte, müsste...
Was die evangelische Kirche nicht alles anbieten muss, um Angebotsvielfalt und somit Nachfragemenge in Mitgliederzahlen zu erhalten...
Die "Glaubensflüsse" unserer Zeit führen auf dem Weg von Ihrer Quelle zur Mündung in das Meer unserer Zeit ebenso viel Sedimente wie die Wasserströme mit sich.
Kein Wunder, dass man nicht mehr klar sehen kann.
Der Weg zur Quelle des Lebens ist jedem von uns Menschen möglich zu gehen und zu finden.
Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir. (Jesaja 60.1)
Herzlichst
Max schaut
Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift
Ich denke, dass das große Problem der Evangelischen Kirche ist, dass sie kein klares Profil mehr besitzt. Früher war sie klar an der Heiligen Schrift orientiert, heute ist sie sehr liberal und nicht mehr einheitlich, wobei es ja eigentlich auch schön ist, dass der Glaube so individuell gelebt wird. Trotzdem fände ich es gut, wenn die evangelischen Christinnen und Christen sich wieder stärker an der Bibel als glaubwürdigem Glaubenszeugnis orirntieren würden. Die Bibel ist deshalb so glaubwürdig, weil darin von so vielen Autorinnen und Autoren vermittelt wird, dass Gott am Leben jedes Menschen teilnehemen will; sich aufmacht, um mit ihnen zu leben.
Quote:An einen
Das glaube ich nicht. 49% glauben an, dass Gott eigentlich nicht personal ist, aber sie (oder jemand anders) ihn personifiziert haben?
Es muss doch wohl heißen: 49% glauben an einen personalen Gott. Die Formulierung verrät, dass der Autor selber (falls er nicht schlampig formuliert hat) nicht an einen personalen Gott glaubt und deshalb den Glauben an einen personalen Gott als "Personifizierung" interpretiert.
"weil die großen Gemeinschaftserlebnisse fehlten"
Auch ich vermisse diese Gemeinschaftserlebnisse, aber diese kommen eben nur durch Gemeinschaft zu stande.
"Jeder dritte Protestant und jeder fünfte Katholik in Hessen glaubt nicht daran, "dass sich Gott in Jesus zu erkennen geben hat".
Das find ich schade, denn gerade dieses Nicht-Erkennen führt oft dazu die Botschaft von Jesus, dem Christus, nicht zu verstehen und eben zu erkennen. Und schade gerade dewegen, weil die Botschaft von Jesus in dieser Form weltweit einmalig ist. Tatsächlich hat kein zweiter Mensch die Wahrheit in solch klarer Art und Weise ausgedrückt wie dieser Jesus vor 2000 Jahr.
Und die Toleranz gegenüber anderen Religionen find ich gut, denn gerade der über-ängstliche Fundamentalismus(jeglicher Art) ist schädlich für den Frieden. Als Christ braucht Mensch nichts fürchten, wichtig ist nur das Mensch den Christus nicht vergisst. Denn es stimmt schon, dass nahezu überall eine Spur von Wahrheit enthalten ist, aber leider auch viel Lug und Trug. Oft schön geschmückt und vielversprechend, aber in Wahrheit erstunken und erlogen, eine bloße Behauptung ohne festen Fundament und viele treiben mit "Religion" bewusst ihren unfug. Gott sei dank, gibt es die Bibel, womit schnell jeder Trug entarnt werden kann. Denn, 'Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündigt.' Johannes 1:18
Toleranz
Was ist eigentlich Toleranz? Das, was viele heute "Toleranz" nennen, hieß früher Relativismus.
Toleranz heißt eigentlich: akzeptieren, dass Leute was Falsches denken oder tun. Natürlich gibt es Grenzen der Toleranz: beispielsweise toleriert es fast niemand, dass unschuldige Menschen einfach so umgebracht werden. Aber gerade, wenn jemand etwas Falsches denkt oder glaubt, sollte das toleriert werden.
Relativismus ist: alles ist irgendwie richtig, "du hast deine, ich meine Wahrheit". Wer relativistisch denkt, braucht nichts zu tolerieren, da ja nichts falsch ist - außer der Meinung, es gäbe richtige und falsche Ansichten, Weltanschauungen oder Religionen. Ob ein Relativist tolerant ist, erkennt mensch also daran, wie er mit denen umgeht, die an eine absolute Wahrheit glauben und tolerant sind (wie es typischerweise christliche Fundamentalisten sind, im Gegensatz zu islamischen Fundamentalisten).
in unserem Land kann jeder nach seiner Fasson zur Hölle fahren, und das ist gut so. Aber selig wird mensch nur nach Gottes Fasson
Ja,Jesus und die Bibel...da steht auch:
"Wer auch nur einen einfachen Menschen,der mir vertraut an mir irre werden läßt für den wäre es besser,wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde"
Matthäus-Ev.Kap.18 Vers 6
Eigentlich froh machend
Ich finde das eigentlich frohmachend, Der Materialismus ist das größte Übel. Und die Kirchen hatten einiges getan, dass dieser auch Einzug in die Kirchen halten konnte. Ich denke da nur an die Ganztodtheorie oder wie man die Auferstehung deutete. In der Kirche konnte man wahrlich nicht viel Spirituelles erleben oder im Glauben gestärkt werden.
Die Versäumnisse der Kirchen wirken sich eben aus. Da hilft nicht jammern, sondern endlich selbst etwas bieten.
Für alle Christen, die im Glauben wachsen möchten, gibt es dieses blog: Glaube und Erkenntnis
Zunehmende Säkularisierung
„Der Gottesdienstbesuch am Heiligen Abend zeige … , dass die Kirchen noch immer als Experten für das Transzendente, das Überschreiten von der irdischen zur himmlischen Welt, angesehen würden, kommentiert Religionssoziologe Ebertz. Sie sind aber nicht mehr alleine dafür zuständig"
Als Nichtchrist meine ich:
Weihnachten als Fest des familiären und politischen Friedens, der Besinnung und des gegenseitigen Erfreuens durch ein mit Bedacht ausgewähltes Geschenk – warum sollten es nicht erhaltenswerte festliche Tage im Ablauf eines Jahres sein, zwar auf Tradition fußend, aber mit neuen Inhalten ausgestattet? Für mich ist Weihnachten inzwischen ein säkulares Fest der Familie, und wenn es von den Kindern gewünscht wird, auch gern mit einem geschmückten und leuchtenden Weihnachtsbaum, der ohnehin kein christliches Symbol ist.
Was dieser Form eines wieder verweltlichten Weihnachtsfestes (ursprünglich heidnisch gefeierte Sonnenwende bzw. Geburtstag des römischen Sonnengottes!) fehlen würde, ist eine das Gefühl ansprechende, gemeinschaftlich erlebte Feierlichkeit. Dass sich zu Weihnachten regelmäßig die Kirchen füllen, ist für mich weniger Zeichen einer jährlich einmal aufflackernden Frömmigkeit, sondern vielmehr der unbewusst sich äußernde Wunsch nach einer gefühlsmäßigen Überhöhung eines solchen Tages, die in uns eine Ahnung aufsteigen lässt, dass das Leben aus mehr besteht als aus der rationalen Bewältigung des täglichen Lebens, dass es Fragen gibt, die unser Wissen über die Welt und uns übersteigen, die sich der Beantwortung entziehen und doch als Fragen immer da sind. Es fehlt eine Form von Feierlichkeit, die das Gemüt – oder wenn man es lieber so ausdrücken möchte: die Seele – anspricht, ohne den Verstand zu kränken.
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Zunehmende Säkularisierung
"...Zeichen einer jährlich einmal aufflackernden Frömmigkeit,"
Dann wäre doch der Slogan vom Media Markt ein willkommener Weihnachtsgruß. Nämlich: "Weihnachten entscheidet sich unter dem Weihnachtsbaum." Den Fernseher kauften wir schon zuvor - aber nicht beim Media Markt. Unter dem Baum lagen dann nur noch ein paar Tannennadeln und ein Buch von Carlo Strenger.
Und unseren Platz in der Kirche am Heilig Abend überließen wir gern den Menschen, die nur einmal im Jahr zur Kirche gehen...und ihren (nicht-)frommen Emotionen ja sonst nichts gönnen.
Übrigens die "zunehmende Säkularisierung" betrifft schon lange nicht nur das Land Hessen.
Etwas unfreundlich!
Liebe Moorblume, warum so eine unfreundliche Interpretation meiner Auffassung? Ich will Ihnen Ihre Weise, Weihnachten zu feiern, ja nicht ausreden. Ich werbe lediglich um Verständnis für Menschen, die an die Botschaft von der Geburt eines Erlösers nicht mehr glauben können, sehr wohl aber auch das Bedürfnis haben, Traditionen, die sie nun einmal verinnerlicht haben, fortzuführen. Aber dies in einer Weise, die von der Auffassung ausgeht, dass es diesen Heiland nur in der Legende gibt, wir infolgedessen diesem uralten, vorchristlichen Weihnachtsbrauch wieder eine Deutung geben, mit der wir uns identifizieren können.
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Warum...?
Sie sind, waren doch nicht persönlich gemeint. Außerdem war/ist es Ironie.
Übrigens darf man hier bei evangelisch.de keine Smilies verwenden.
Grüße
Warum ...?
Akzeptiert!
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weihnachtsbaum kein christl. symbol?
Der Weihnachtsbaum ist ein Symbol für das Paradies.
Seltsame Deutung
hinter dem Weihnachtsbaum steht heute doch nur noch kommerziell sanktioniertes Baumsterben.
Nachtfalter
Weihnachtsbaum
Ursprünglich war es tatsächlich ein Paradiessymbol. Aber Sie sind selbstverständlich nicht gezwungen, einen Weihnachtsbaum zu haben! Wenn Sie es wünschen, können Sie gerne darauf verzichten.
Heidenkram
Ursprünglich war es tatsächlich ein Paradiessymbol.
da hatte er aber Blätter, keine Nadeln und statt Kerzen bunte Bänder.
Nachtfalter
Traurig
Traurig
Selig ist die römisch-katholische Kiche
Selig ist die römisch-katholische Kirche (zumindest in Hessen):
Zitat aus dem Text: "Jeder dritte Protestant und jeder fünfte Katholik in Hessen glaubt nicht daran, "dass sich Gott in Jesus zu erkennen geben hat"."
D.h., dass der Kern des christlichen Glaubens von 4 aus 5 Kirchenmitgliedern bejaht, bei den Evangelischen aber von jedem dritten Kirchenmitglied verneint wird. Die Katholiken schaffen es also irgendwie besser, diesen Glauben zu vermitteln.
Zitat aus dem Text: "Zehn Prozent der Katholiken und 15 Prozent der Protestanten fallen sogar in die Kategorie "Atheisten"."
D.h., dass es unter den Kirchenmitgliedern der römisch-katholischen Kirche weniger menschen gibt, die ganz vom Glauben abgefallen sind - muss heißen, die Katholiken schaffen es irgendwie besser, die Menschen beim Glauben zu halten und in demselben zu stärken.
Zitat aus dem Text: "Denn nur 17 Prozent der Katholiken und 13 Prozent der Protestanten hätten der Aussage "Ich versuche möglichst viele Menschen für meine Religion zu gewinnen" zugestimmt."
D.h., dass unter den Katholiken mehr eifrige, überzeugte Verkünder des Evangeliums sind, als unter den Evangelischen - wird also das allgemeine Priestertum von den Katholien besser in die Tat umgesetzt?
Über den Limburger Bischof heißt es im Text: "Tebartz-van Elst rief die Kirchenmitglieder auf, "missionarischer zu werden", mit persönlichen Zeugnissen für den christlichen Glauben zu werben und die persönliche Beziehung zu Jesus Christus wieder in den Mittelpunkt ihres Lebens zu rücken. Er warnte allerdings davor, "das Sperrige" des christlichen Glaubens wie die Kreuzestheologie zu verwässern."
D.h. ein römischer Bischof setzt sich ein für Mission, persönliches Glaubenszeugnis, persönliche Beziehung zu Jesus und den Erhalt der Kreuzestheologie??? Wow, das hätte man wohl bisher eher dem württembergischen Pietismus zugeordnet.
Ich kann nur sagen: Selig ist die römisch-katholische Kirche, zumindest in Hessen.
Qual der Wahl
Nun gibt es aber gerade in der katholischen Kirche so Einiges, das mich zu dem Schluss führt, dass sie gerade in Gottes Augen nicht selig ist.
Wer sich auf katholisch und landeskirchlich-evangelisch beschränkt, hat somit die Wahl zwisachen Regen (kath.) und Traufe (ev.Landeskirche). Aber es gibt ja zum Glück noch andere Optionen, neben Sekten eben auch vernünftige Freikirchen (von Altkatholiken bis zu Baptisten), die nicht wischiwaschi sondern missionarisch sind.
Der Grundgedanke der
Der Grundgedanke der Evangelischen Kirche (Orientierung an der Bibel) besitzt eine gewisse Logik und ist an sich nicht schlecht. Heute hat sich das freilich mitunter etwas verändert. An evangelischen Freikirchen sind noch die Methodisten, die Siebenten-Tags-Adventisten und der Bund freier evangelischer Gemeinden und beispielsweise die altreformierte Kirche zu nennen. Der Vorteil bei diesen und bei anderen ist, dass die Mitglieder wirklich überzeugt sind, was ja leider bei den Landeskirchen und der kath. Kirche nicht immer der Fall ist.
Das Problem der Evangelischen
Das Problem der Evangelischen Kirche ist meines Erachtens, dass sie es allen recht machen will und eben nur wenige evangelische Christinnen und Christen sich auch wirklich ehrlich bekennen und aktiv für ihren Glauben engagieren. Vom usprünglichen protestantischen Geist ist leider sehr wenig übriggeblieben. Im Konfirmandenunterricht werden einem fast keine Glaubensinhalte mehr vermittelt und vielen fällt es-unter anderem wohl deswegen- schwer, über ihren Glauben zu reden. Die Basis sollten nach wie vor die für alle evangelischen (reformierte, unierte und lutherische) Kirchen vier Soli sein. Und das müsste eben klar und frei heraus schon den jungen Gemeindemitgliedern erklärt werden. Entgegen der biblischen Aussagen und damit der evangelischen Lehre werden Homosexuelle aks Pfarrerinnen und Pfarrer zugelassen. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Evangelische Kirche in Deutschland es allen recht machen will, und dabei die Bibel als Glaubensgrundlage vergisst. Die Evangelische Kirche bräuchte dringend ein klares Profil! Und dies sollte die Bibel als Glaubensbasis sein!
Bibel als moralische Grundlage?
Zitat: „Die Evangelische Kirche bräuchte dringend ein klares Profil! Und dies sollte die Bibel als Glaubensbasis sein!“
Die Bibel als Glaubensbasis zu nehmen, würde bedeuten, dass Homosexuelle zu töten, mindestens zu verfemen wären oder dass das Sklaventum nach wie vor als göttliche Einrichtung gelten würde. Sowohl Altes wie Neues Testament vertreten diese Auffassungen an vielen Stellen. Nichtgläubige erwartet die Hölle, wo das ewige Feuer brennt – so Jesus in vielen seiner Äußerungen. Und viele andere steinzeitliche Forderungen mehr!
Ich höre Sie schon antworten, nein, nein, das sehen wir heute anders. Aber mit welcher Begründung eigentlich? Aus der Bibel heraus können Sie diesen Sinneswandel nicht rechtfertigen. Tatsächlich stützen Sie sich auf Einsichten der Vernunft und der Wissenschaften, letztlich also auf Argumente der Aufklärung. Was wir heute als „gut“ oder „böse“ ansehen, das deckt sich nur noch zu Bruchteilen mit dem, was die Bibel verkündet. Sich nur auf das zu berufen, was heute und übrigens weltweit humanistischer Standard ist (bzw. sein könnte), ist deshalb nicht überzeugend.
Es ist intellektuell unredlich, sich nach außen auf die Worte des Evangeliums zu berufen und in entscheidenden Fragen des Zusammenlebens sich auf die Werte der Aufklärung zurück zu ziehen. Was heute als „gut“ und „böse“ angesehen wird, hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte so gründlich gewandelt, dass ein Zusammenhang mit den Worten der Bibel eine einfach nicht zu belegende Behauptung darstellt. Der Kern der Zehn Gebote – Du sollst nicht lügen und betrügen, Du sollst nicht stehlen, du sollst nicht töten – und das Gebot der Barmherzigkeit, dem anderen in der Not beizustehen – sind auch ohne Christentum weltweit verbreitet und kein Alleinstellungsmerkmal der christlichen Lehre, schon gar nicht der Bibel.
Deshalb: Die religiöse Auffassung eines jeden Menschen ist seine Sache, das heißt Privatsache. Verbindlich für alle Menschen, egal welcher Religion oder Nicht-Religion, sind die Menschenrechte, wie sie z.B. in den ersten Artikeln unserer Verfassung beschrieben werden (aber von der Politik vielfach ignoriert werden!).
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Alleinstellungsmerkmale?
Es wurde nie behauptet, Barmherzigkei und gewisse ethische Grundsätze seien Alleinstellungsmerkmale der Bibel bzw. der heiligen christlichen Kirche. Die Bibel als Glaubensbasis würde keinesfalls die Dinge, die Sie, sehr geehrter Herr Professor Lehnert, hier beschrieben haben, bedeuten, denn es ist hier ja von der der Bibel als Glaubensbasis, nicht als politischer Basis, die Rede, denn -und da haben Sie völlig Recht- Glaube ist Sache jedes, jeder Einzelnen.
ethische Grundsätze
O doch! Es wird oft so getan, als seien gewisse ethische Grundsätze (z. B. Mitgefühl und Selbstlosigkeit) Alleinstellungsmerkmale des Christentums - man nennt das dann "christliche Werte" oder "christliche Nächstenliebe". Gerade Politiker, die ihren christlichen Glauben in die Politik u.a. öffentliche Bereiche einbringen wollen, reden gern von für eine Gesellschaft unverzichtbaren "christlichen Werten".
Christliche Werte
Hier liegt ein Irrtum vor: "Christliche Werte" bezeichnet die Ideale, die im Christentum besonders wichtig sind, wobei nicht explizit impliziert wird, ebenjene Ideale seien nur dem Christentum zu Eigen. Falls dies einzelne Personen tatsächlich tun, haben sie nicht unbedingt Recht. Einige Werte (Feindesliebe als Beispiel) sind nur dem Christentum wichtig, andere hingegen nicht.
Sehr geehrte/r
Sehr geehrte/r uwelehnert.de,
wenn ich Sie richtig verstanden haben sollte, schreiben Sie, die Bibel gebiete die Tötung Homosexueller. Stellen, die auf jenes Thema bezogen werden, befehlen nie den Mord ( z. B. 3. Mose 18; Röm 1, 26 ff. ; 1. Kor 6, 9). Die Bibel sagt auch nicht, Sklaverei sei in irgendeinerweise Weise "göttlich". Nein, in 1. Kor 7 wird stattdessen Sklavinnen und Sklaven, die die Gelegenheit zur Freiheit bekommen, geraten, davon umso lieber Gebrauch zu machen.
Homosexuelle und Sklaven in der Bibel
Lieber Gast, Sie sollten die Bibel genauer lesen, sich vor allen Dingen nicht nur auf das verlassen, was ihnen im Religionsunterricht und in der Sonntagspredigt an bewusst einseitigen Auszügen geboten wird!
Levitikus (3. Buch Moses), Kapitel 20, Vers 13: »Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.« Auch Paulus ist der Auffassung, dass gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern die Todesstrafe verdient. Brief des Paulus an die Römer; Kap. 1, Vers 26-32, wo es heißt: »Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verwirrung. … Wer so handelt, verdient den Tod.«
Im Alten und Neuen Testament gibt es eine Fülle von Beispielen, wo in größter Selbstverständlichkeit vom gottgewollten Sklaventum die Rede ist. Hier aus Platzgründen nur die Verweise: Levitikus 25, 1, 44-46 / Exodus 21, 2-11 / Buch Jesus Sirach 33, 25-30 /1. Korinther 7, 21-24 /1. Petrusbrief 2, 18-20.
Sie sehen, die Sklaverei wird in der Bibel als gottgegebene Einrichtung angesehen, ja sie wird geradezu zum Modell des Verhältnisses Gott zu Mensch verklärt. Christen aller Zeiten hatten daher überhaupt keine Skrupel noch Zweifel an der Rechtmäßigkeit, einen anderen Menschen als persönliches Eigentum zu betrachten und zulasten dessen Lebensglücks auszubeuten. Päpste, Bischöfe und Klöster verfügten im Mittelalter über Tausende von Sklaven, die deren riesige Güter bearbeiten mussten. Zu Sklaven wurden beispielsweise Kriegsgefangene, Bauern, die ihre Steuern nicht aufbringen konnten, Kinder von Priestern. Ab etwa 1500 wurden vor allem Schwarzafrikaner mit ausdrücklicher päpstlicher Billigung(!) millionenfach verschleppt und als lebende Arbeitsmaschinen bis zu ihrem Tod ausgebeutet, wenn sie nicht schon auf den mörderischen Transporten umkamen. Erst unter dem Einfluss der Aufklärung und gegen den Willen der Kirche wurde die Sklaverei nach und nach abgeschafft und verboten. Wie viel millionenfaches Leid und Sterben mit der Sklaverei verbunden war, kann kein Mensch mehr ermessen. Und wie verträgt sich die elende und verachtende Behandlung der Schwarzen in den USA bis fast zum heutigen Tag mit der christlichen Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit? Übrigens: Der Vatikan schaffte als einer der letzten Staaten Europas erst im Jahre 1838 die Sklaverei ab.
Das alles ist dem Geiste nach aus der Bibel gekommen!
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sklaverei in der bibel
Es stimmt, in der Heiligen Schrift ist so manches Mal von Sklaverei die Rede. Aber es ist nicht so, dass sie ein " Modell des Verhältnisses von Gott zu Mensch" sei. Auch wenn dies in im Ersten Testament manchmal der Fall sein mag, wird Gott hier liebend wie eine Mutter ( siehe auch Psalm 2) beschrieben, und im Zweiten Testament ist Modell des Verhältnisses Gott-Mensch das von einem Vater, einer Mutter zu seinen/ihren Kindern. Und nicht zuletzt setzt sich die Bibel auch aktiv für Rechte der -zur Entstehungszeit der Bibel weltweit verbreiteten- Sklavinnen und Sklaven (manche Übersetzungen bevorzugen das Wort "Knecht") ein ( siehe z. B. 2. Mose 21, 2 und 5. Mose 15, 12-18)).
Sehr geehrter Herr Professor
Sehr geehrter Herr Professor Lehnert,
Jesus Sirach ist Teil der Apokryphen und somit nicht ein verbindlicher Teil der Heiligen Schrift, wie es Erstes oder Neues Testament sind.
Das Buch Jesus Sirach gehört
Das Buch Jesus Sirach gehört zu den Büchern der Lehrweisheit und der Psalmen, ist also Bestandteil des Alten Testaments! Ein wenig genauer sollte man schon hinschauen!
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Jesus Sirach kein Teil der Apokryphen?
Sehr geehrter Herr Professor Lehnert,
Sie erstaunen mich immer wiedeer. Jesus Sirach ist NICHT Bestandteil des Ersten Testaments. Zitat aus Wikipedia:"In den Kirchen der Reformation, die das Buch Jesus Sirach nicht unter die Bücher des Alten und Neuen Testaments, sondern unter die Apokryphen rechnen, ..." Martin Luther sagte zu den Apokryphen: Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleichzusetzten, und doch nützlich und gut zu lesen sind."
Erstaunen
Das Buch Jess Sirach ist natürlich Bestandteil des Alten Testaments und damit der Bibel. Schauen Sie mal in die Einheitsübersetzung, gemeinsam und offiziell herausgegeben von den katholischen und evangelischen Kirchen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, Herder Verlag 1980. (Dieser Fassung habe ich auch alle meine Zitate entnommen.)
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Apokryphen
Die Einheitsübersetzng ist nur im Neuen Testament und in den Psalmen ausdrücklich für die ökumenische Zusammenarbeit ausgewiesen
bibel nicht genau gelesen?
Sehr geehrte/ r uwelehnert.de,
den Inhalt der Heiligen Schrift mit den Taten und Lehren der römisch-katholischen Kirche, insbesondere im Mittelalter, gleichzusetzten, ist vielleicht nicht immer ganz sinnvoll. Ich würde Sie außerdem gerne darauf hinweisen, dass ich in der Bibel nirgendwo die Aufforderung finde, dass Homosexuelle durch Menschen bestraft werden sollen: 3. Mose 20, 13 sagt: " ... und sollen beide des Todes sterben... "( Luther 1984). Und in Römer 1, 32: "Wer so handelt, verdient den Tod." ( BasisBibel) Und 1. Korinter 6, 9 sagt aus, dass Menschen, die homosexuelle Handlungen praktizieren, nicht das Reich Gottes erben werden. Aber hier steht nirgendwo, dass Homosexuelle von Menschen bestraft werden sollen. Sie beschreiben die Hölle als steinzeitlich. In ihr brenne das Feuer. Die "Hölle" ist nach den Worten der Johannesoffenbarung der zweite Tod und entsprechende Bilder sollen den verfolgten Christinnen und Christen Mut machen! Und ebenjene Stelle aus 1. Korinther 7 sagt, dass Sklavinnen und Sklaven, dass sie, wenn sie die Gelegenheit bekommen frei zu werden, davon umso lieber Gebrauch machen sollen.
Und wieder kann ich Ihnen nur raten, Stellen der Bibel, die sich auf die genannten Themen beziehen, nicht aus ihrem historischen und inhaltlichen Kontext herauszureißen und damit vom Sinn her zu entstellen.
Falsch verstanden? Aus dem Zusammenhang gerissen?
Nochmal Levitikus 20,13: »Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.«
Dieser Passus im Alten Testament ist mindestens 2500 Jahre alt. In dieser Zeit haben diese Zeilen Hunderttausenden (die Zahl ist wohl überlegt!) das Leben gekostet. Alles nur willkürliche Auslegung, weil aus dem Zusammenhang gerissen? Ist Ihnen eigentlich bewusst, was Sie da behaupten?
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Falsch verstanden? Aus dem Zusammenhang gerissen?
Mit meiner Auslegung wollte ich eigentlich den Mord an Homosexuellen kritisieren. Ich meine und meinte, dass jene Stellen Menschen (!) nicht das Recht geben zu töten. Mit dem aus dem Kontext gerissen bezog ich mich auf Ihre Äußerungen bezüglich Sklaverei. Hier verweise ich Sie nochmals auf folgende Stellen( Rechte: 2. Mose 21, 2: 5. Mose 15, 12-18; was das Gott Mensch Verhältnis betrifft Psalm 2,
Jesaja 63, 15-64,11 und Matthäus 6, 8-13). Entschuldigen Sie, falls ich mich mitunter unklar bzw. nicht ganz genau ausgedrückt haben sollte! Außerdem, sehr geehrter Herr Professor Lehnert, ist es mir wichtig zu betonen, dass die Heilige Schrift oft missverstanden wird und wurde!
Heilige Schrift oft missverstanden
Ich denke, die vielen Verbrechen im Namen des biblischen Gottes können nicht nur bedauerliche Betriebsunfälle auf Grund von "Missverständnissen" sein - sie waren möglich, weil man sie durchaus mit der Bibel gut rechtfertigen kann.
Selbst wenn es aber so wäre, dass biblische Rechtfertigungen von Verbrechen eigentlich nur auf "Missverständnissen" basieren: auch bzw. gerade dann ist die Bibel als Richtlinie für ein friedliches Miteinander aller Menschen völlig ungeeignet. Wer will nämlich ausschließen, dass durch die problematische Vieldeudigkeit der Bibel in der Zukunft nicht wieder verhängnisvolle "Missverständnisse" eintreten?
Eindeutigkeit der Bibel?
Sehr verehrter Gast, Sie haben natürlich insofern Recht, als man aus der Bibel alles herauslesen kann, sie bietet in ihrer Vielfalt geradezu Beliebiges. Nur ein kleines Beispiel dazu unter vielen anderen:
Im Buch Jesaia steht der oft zitierte Spruch, der gern als Beispiel für die angeblich friedensstiftenden Weisheiten der Bibel herausgestellt wird: »Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.« Dass im Buch Joël, Kap. 4, Vers 10 das genaue Gegenteil steht, wird geflissentlich verschwiegen, wenn man es denn überhaupt weiß oder wissen will: »Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen/ und Lanzen aus euren Winzermessern!«
Dass ich Textstellen aus dem Zusammenhang gerissen hätte, ist eigentlich schon eine sehr unfreundliche, im Übrigen sehr beliebte Unterstellung. Ich habe jeweils auf den Kontext verwiesen, der zusätzlich belegt und bekräftigt, was tatsächlich gemeint ist.
Dass die Heilige Schrift so oft missverstanden wird, ist eigentlich sehr verwunderlich. Wenn sie Gottes Wort sein soll und »unter dem Beistand des Heiligen Geistes verfasst wurde« (Einheitsübersetzung), dann ist es schon verwunderlich, dass sie so wenig eindeutig ist und daher immer wieder missverstanden und missdeutet wurde.
Stellen sie sich vor, unser Grundgesetz hätte für jeden Artikel einen zweiten, der genau das Gegenteil aussagt. Würden Sie eine solche Verfassung ernst nehmen und zur verpflichtenden Grundlage Ihres gesellschaftlichen Handelns machen?
Wir werden uns ohnehin nicht überzeugen. Sie wollen glauben, weil Sie – vermutlich – von Kindesbeinen an in diesem Glauben erzogen wurden und gar nicht mehr anders denken können. Ich kann nicht glauben, weil ich nach gründlichen Recherchen und jahrelangen Auseinandersetzungen (siehe das Buch: Warum ich kein Christ sein will) die Bibel für reines Menschenwerk halte und die christliche Lehre für eine Legende.
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Erziehung
Ich bin nicht zum christlichen Glauben erzogen worden, sondern habe dazu gefunden.
Sehr geehrter Herr Professor
Sehr geehrter Herr Professor Lehnert!
Als mindestens unfreundlich empfinde ich Ihre wiederholte Behauptung, ich würde die Bibel nicht genau lesen oder nicht genau hinschauen!
Bibel
Sehr geehrter Herr Professor Lehnert,
ich finde die Bibel deshalb überzeugend, weil so viele Autorinnen und Autoren darin das Bild eines Gottes vermitteln, der sich aufmacht , um mit den Menschen zu leben; an deren Leben teilnahmen will. Die meisten Widersprüche lösen sich auf, wenn man den Hintergrund, aus dem die entsprechenden Stellen entstanden sind, berücksichtigt.
Sie können gerne (nicht) glauben, was Sie wollen.
Zum Schluss noch der Hinweis: Die Einheitsübersetzung ist lediglich im Neuen Testament und in den Psalmen auch von der Evangelischen Kirche in Auftrag gegeben.
Ich wünsche Ihnen den Segen Gottes!
Die Bibel als Glaubensbasis
Die Bibel als Glaubensbasis bedeutet nicht, dass man alles wörtlich versteht oder verstehen sollte. Und, wie Sie es hier tun, einzelne Stellen der Heilgen Schrift völlig aus dem historischen und inhaltlichen Kontext zu reißen, ist meiner Meinung nach überhaupt kein faires und vernünftiges Argument, insbesondere, wenn diese Stellen oberflächlich verstanden werden. Dies wird dem Wort Gottes keinesfalls gerecht!
Äthiopier schrieb:Selig ist
D.h., dass unter den Katholiken mehr eifrige, überzeugte Verkünder des Evangeliums sind, als unter den Evangelischen - wird also das allgemeine Priestertum von den Katholien besser in die Tat umgesetzt?
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D.h. ein römischer Bischof setzt sich ein für Mission, persönliches Glaubenszeugnis, persönliche Beziehung zu Jesus und den Erhalt der Kreuzestheologie??? Wow, das hätte man wohl bisher eher dem württembergischen Pietismus zugeordnet.
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Ich kann nur sagen: Selig ist die römisch-katholische Kirche, zumindest in Hessen.
Da hat der Bischof tatsächlich eine schwierige Formulierung benutzt. Trotzdem ist die theologia crucis ja kein Streitpunkt der Ökumene mehr. Von daher hat er nicht Unrecht.
Dass die römischen Katholiken vordergründig gläubiger scheinen erklärt sich mir damit, dass es anspruchsvoller ist, katholisch zu sein. Man denke nur an die Sonntagspflicht oder der Anspruch der regelmäßigen Beichte, eigentlich vor jeder Eucharistie. Man merkt wohl schnell, wenn man die Ansprüche seiner Kirche verletzt und tritt eben irgendwann aus. In einem katholischen Diasporaland wie Hessen (mit wenigen Ausnahmen) haben vermutlich viele Menschen bewusst den katholischen Weg eingeschlagen, z.B. durch Konversion.
Die evangelische Seite, gerade in der EKHN, der ich selbst angehöre, ist hingegen völlig unverbindlich. Man strickt sich seinen Mischmaschglauben, der Luther völlig ablehnt und sich dort an Calvin und Zwingli bedient, wo es bequem ist. Schwerpunkte der Gottesdienste meiner Gemeinde sind z.B. homosexuelle Filmtage, Umweltschutz und Emazipation. Man kann es sich dort eben bequem machen und eckt einfach nicht an. Da ist es wesentlich anspruchsvoller, katholisch zu sein und dem Leib Christi zu dienen, den die PfarrerInnen in Hessen kaum noch schreiben können.
Als Protestant kann man in seiner Landeskirche eben gut rumgammeln. sie fordert nicht.
Luther völlig abgelehnt?
[quote=pro ecclesia]Die evangelische Seite, gerade in der EKHN, der ich selbst angehöre, ist hingegen völlig unverbindlich. Man strickt sich seinen Mischmaschglauben, der Luther völlig ablehnt und sich dort an Calvin und Zwingli bedient, wo es bequem ist.[ /quote]
Ich gehöre ebenfalls der EKHN an, aber dass Luther völlig abgelehnt wird, kann ich nicht bestätigen.
Falls Sie mit Ihre Gemeinde/Ihrem Pfarrer bzw. Ihrer Pfarrerin nicht zufrieden sind, können sie Umpfarrung beantragen
Das Problem ist die Theologie!
Meines Erachtens ist eines der maßgeblichen Probleme der evangelischen Kirche die Theologie. Oder besser: Das Fehlen jeglicher Theologie. Ich weiss, dass es zwar viele Theologische Fakultäten gibt. Das Einzige, was jedoch dort noch mit Theologie zu tun hat, ist der Name. Kein Wunder also, dass uns die Leute nicht zuhören, denn wir haben auf Ihrer einfachen theologischen Fragen keine Antworten. Wir haben einfach vergessen was wir zu sagen hatten.
Erst wenn wir wieder ernsthaft was zu sagen haben, können wir von den Leuten wieder erwarten, dass sie uns zuhören.
Erneuerung der Theologie
Dem kann ich voll zustimmen. Aber eine Erneuerung der Theologie ist möglich.
Problem Theologie?
Ich teile mit vielen hier die Einschätzung dass gerade die beiden hessischen Landskirchen ganz OFFENSICHTLICH (auch meine eigenen Erfahrungen und Begegnungen mit Hessen, zB an Theol.Fakultäten bestätigt dies) eine Menge falsch gemacht haben dürften, Stichwort linksliberaler Zeitgeist, bei vielen Hauptamtlichen verbreitete Unfähigkeit von Gott, von Jesus Christus, und von einer "Glaubens-WAHRHEIT" zu reden; aber bei politischen Demos, dort, wo es "pc", politically correct ist, da sind Pfarrer und ggf. auch Bischof/Kirchenpräsident natürlich ganz vorne mit dabei!
Nur: ich wundere mich über Ihre Annahme, an den Universitäten würde nur mehr der Name "Theologie" von Gott zeugen - das ist m.E. nun wirklich kompletter Unfug! Ich kenne drei hess. Universitäten und ihre Ev-Theologischen Fakultäten, und versichere Ihnen, dass in den Bereichen Bibelwissenschaft, Systematische Theologie & Praktische Theologie von Gott & seinem Sohn mehr die Rede ist, als Sie offenbar beurteilen können. Falsche Unterstellungen dienen hier überhaupt nicht der Sache! Werden Sie Gasthörer an Ihrer nächstgelegen Universität & kritisieren Sie in christlicher Absicht die Dozenten; das kann nie schaden!
Problem Theologie?
Ich gebe ja gerne zu, dass ich momentan dabei bin, eine chronische Abneigung gegen evangelische Theologen zu entwickeln. Aber das hat eben auch seine Gründe. Wo ist denn der evangelische Theologe, der es waagt gegen den Mainstream der liberalen Theologie zu schwimmen? Ich habe keinen einzigen gefunden. Wo ist den der Theologe, der die Glaubwürdigkeit des Evangeliums offen verteidigen würde? Wo der Theologe, der die Kernstücke des christlichen Glaubens nicht für späte "gemeindebildung" oder "gnostisches Gedankengut" halt?
Wenn Sie mir dabei helfen würden, solche Theologen zu finden, dann bin ich nur allzu gerne bereit meine Aussage zu korregieren und das Gegenteil zu behaupten.
Bis zu diesem Zeitpunkt aber bleibe ich bei meiner These: Die evangelische Theologie hat in den letzten 200 Jahren nichts geleistet, was nicht dazu beigetragen hätte die christliche Botschaft zusammenzuschießen, so dass heute nur ein kümmerlicher Rest übrig geblieben ist, der absolut nichtssagend ist.
Was die Folge davon ist, dass sehen wir ja.
Konsumentenhaltung
Lieber Gast,
Ihr Positionslicht ist erkennbar und nachvollziehbar.
Aber ob sie dort auch für immer Anker werfen sollten, würde ich Ihnen herzlich empfehlen zu überdenken.
Warum leisten wir Menschen immer so hohe Erwartungshaltungen an die Theologie und Theologinnen und Theologen unserer Tage?
Eine gut argumentierbare Form des Nichts-Tuns an sich selbst, wie ich meine.
Wenn ein Mensch beginnt, in sich zu suchen, wer er ist und wer es sein soll, so wird er auch den lebendigen Gott in sich und anderen Menschen und in allem Leben erkennen.
"Wie Regentropfen einzeln vom Himmel fallen, so sollen wir Gott suchen und lieben - zusammen bilden wir ein Meer des Glaubens"
Herzlichst
Max schaut