Kirchentag - "Sonne der Gerechtigkeit" im Nieselregen: Mit einem fröhlichen Festgottesdienst auf der Münchner Theresienwiese ist am Sonntag der 2. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) zu Ende gegangen.
Grau war der Himmel über der Theresienwiese, so grau wie die riesigen Kirchentagstransparente auf der Bühne – doch selbst der hartnäckige Nieselregen konnte die 100.000 Besucher des ÖKT-Schlussgottesdienstes nicht davon abhalten, zum Abschluss des europaweit größten Christentreffens ein fröhliches Fest zu feiern. "Wir durften hier in München abwechslungsreiche und anregende Tage ökumenischer Verbundenheit erleben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.
Bei der Schlussfeier legten Zollitsch sowie der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider, die methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner sowie der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos das Tagesevangelium aus, den Lobpreis Mariens aus dem Lukasevangelium. Diesem Text war auch das Motto des live in der ARD übertragenen Gottesdienstes entnommen: "Meine Seele preist die Größe des Herrn". Musikalische und pantomimische Elemente sorgten für den Rahmen – trotz widriger äußerer Bedingungen eine ausnehmend stimmungsvolle Angelegenheit und ein würdiger Abschluss des Kirchentags.
130.000 Dauerteilnehmer
"Ein großes ökumenisches Ereignis geht zu Ende", sagte der katholische ÖKT-Präsident Alois Glück. Seit Mittwoch hatten sich mehr als 130.000 Dauergäste in der bayerischen Landeshauptstadt versammelt, um über aktuelle politische, gesellschaftliche und kirchliche Fragen zu diskutieren – nicht zuletzt auch über die Probleme im Miteinander der Konfessionen. Die um sich greifende Finanzkrise war ebenso einer der Schwerpunkte wie die Debatte über sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kamen nach München. Zu den "Stars" des Treffens zählte auch die zurückgetretene Bischöfin Margot Käßmann.
Zum Abschluss rief Käßmanns Nachfolger an der EKD-Spitze, Präses Schneider, die Gläubigen zu einem wesentlich entschiedeneren Eintreten für eine gerechte Welt auf. Er kritisierte eine gewisse Lauheit der bürgerlichen Gesellschaft, die von friedlicher Veränderung träume, statt auf eine "Umkehrung aller Verhältnisse" hinzuwirken. Auch der evangelische ÖKT-Präsident Eckhard Nagel prangerte die "unrealistischen Wachstumsversprechen" an und forderte unter großem Beifall der Gottesdienstbesucher: "Wir brauchen ein Wachstum an Mitmenschlichkeit, an Rücksichtnahme und Achtsamkeit."
Vertrauenskrise durch Missbrauch
Nagel rief die Christen zudem zu einer missionarischen Perspektive auf. "Der Kirchentag zeigt: Kirchen müssen auf die Menschen zugehen", sagte er. Die ÖKT-Besucher sollten die Begeisterung für den Glauben mit nach Hause, in die Gemeinden und in den Alltag nehmen. Von einer "schweren Vertrauenskrise" sprach Glück angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. "Wir leiden an unserer Kirche, aber sie ist weiter unsere Kirche. Wir gehen nicht weg." Die katholischen Laien, so der CSU-Politiker, wollten ihren Beitrag leisten, "damit aus dieser Krise eine neue Lebendigkeit, eine neue Strahlkraft, eine neue Anziehungskraft wächst".
Mit Blick auf ökumenische Kernfragen wie das Abendmahl zeigte sich Nagel begeistert über die sogenannte Artoklasia, zu der die orthodoxe Kirche am Freitagabend auf dem Münchner Odeonsplatz eingeladen hatte. Durch das gemeinsame "Brotbrechen" habe die Ökumene in Deutschland ein neues Gesicht bekommen. Glück mahnte erneut mutigere Schritte an: "Insbesondere denke ich an die konfessionsverbindenden Ehen." Dort litten viele Menschen schmerzlich daran, dass sie keine Eucharistiegemeinschaft hätten. "Wir brauchen hier dringend eine Lösung", sagte der katholische ÖKT-Präsident unter großem Beifall der Besucher.
Blau, nicht grau
"Damit ihr Hoffnung habt" lautete das Motto des Ökumenischen Kirchentags. Die Hoffnungen der Veranstalter und Teilnehmer wurden zu einem guten Teil erfüllt. "Die Ökumene in Deutschland ist wetterfest", sagte Glück zur Erheiterung der Gottesdienstbesucher. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es im Jahr 2017, wenn die reformatorischen Kirchen 500 Jahre Thesenanschlag feiern, einen 3. Ökumenischen Kirchentag geben. Beim verregneten Münchner Schlussgottesdienst wurde es erst am Schluss ein wenig heller, und man konnte erkennen, dass die Transparente auf der Bühne nicht grau waren, sondern blau. Wenn auch ein blasses Blau.















Kommentare
Kein "fröhliches Fest"
Der Abschlussgottesdienst auf der Theresienwiese war nicht nur wettermäßig kalt. Er war kein Gottesdienst, sondern ein Nummernprogramm. Und er stand in krassem Widerspruch zu dem, was ich auf dem Rest des Kirchentages erlebt habe: nämlich eine selbstverständliche Gemeinschaft von Christen verschiedener Konfessionen. Im Gottesdinest wurde die Kluft zwischen "oben" und "unten" wieder deutlich spürbar. Ich fand es bezeichnend, daß erst beim Auftritt von Alois Glück und Eckhard Nagel, Beifall aufkam. Nach über einer Stunde Frieren im Regen, wurden zum ersten Mal von der Bühne her die Menchen wirklich angesprochen. Das war zuvor keinem der vier Bischöfe gelungen (und damit wurde natürlich Margot Kässmann ein weiteres Mal schmerzlich vermisst - mit ihr wäre es anders gewesen). Der Kirchentag war ein "fröhliches Fest" - dort, wo er von "normalen" Christen getagen wurde. Der Abschlussgottesdienst war eine gruselige Veranstaltung.
Passend dazu die Musik
http://www.taz.de/1/leben/schwerpunkt-kirchentag/artikel/1/flauschig-fal...
und der Himmel weint und weint...
Lassen wir doch Jesus im Himmel Halleluja singen!
Von diesem Kirchentag ging kein Signal der Hoffnung für ein Mehr an Gemeinsamkeiten aus. Die Blockadehaltung – vor allem von kath. Seite – macht jedes weitere Aufeinanderzugehen schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Kosmetische Zugeständnisse, medienwirksame Umarmungen verschleiern, dass in Rom die Ampeln nach wie vor auf Rot gestellt sind.
Was muss eigentlich noch mehr passieren, dass die Kirchen endlich einsehen, dass sie nur gemeinsam noch eine Chance haben, eine gewichtige Stimme im gesellschaftspolit. Diskurs zu haben? Die Abstimmung mit Füßen reicht der kath. Kirche offensichtlich noch nicht, um endlich ihre Machtspiele und ihre inakzeptablen Vorstellungen von Ökumene zu überdenken. Wann sieht Rom endlich ein, dass die Argumentationsebene des Papstes hinsichtlich einer Verweigerung der Abendmahlsgemeinschaft auf tönernen Füßen steht und dass Fachtheologen auf beiden Seiten längst ausführlich darlegt haben, dass keine theologischen Gründe mehr gegen eine gemeinsame Abendmahlsgemeinschaft sprechen?
Es verbleibt der schale und zynische Nachgeschmack, dass man nur deshalb nicht den Mut hat, ein lang ersehntes Zeichen für Millionen von Christen zu setzen, weil dann die systemimmanenten Reformschritte der kath. Kirche unweigerlich folgen müssten. Die Männer dominierte kath. Kirche würde ihre Macht verlieren. Wäre das ein Nachteil?
Jesus würde im Himmel ein dreimaliges Halleluja anstimmen, wenn endlich
• der Leitsatz für jedes ökumenische Gespräch der christlichen Kirchen untereinander lautete : Extra christum, nulla salus - und nicht mehr: Extra ecclesiam, nulla salus!
• die Organisationsstrukturen demokratisiert und damit transparenter und zugleich menschlicher gemacht würden
• die Betonkopfmentalität hinsichtlich des Zugangs zum Priesteramt aufgeweicht würde, z.B. für die viri probati oder für die nicht Zölibatswilligen
• der Pflichtzölibat abgeschafft würde und es jedem Einzelnen überlassen bliebe, ob er zölibatär leben möchte
• die wiederverheirat Geschiedenen endlich wieder den vollkommenen Zugang zu den Sakramenten erhielten
• die Frauenordination nicht zu einer Gottesfrage hochstilisiert und den Frauen endlich die Gleichberechtigung ermöglicht würde
• die Querdenker in der Kirche nicht mit Ausgrenzung und Amtsenthebung mundtot gemacht würden
• die Leib-, Frauen- und Sexualfeindlichkeit auf dem Müllhaufen der Kirchengeschichte entsorgt würde
• das vom Konzil beschlossene Communio-Prinzip endlich realisiert würde
• mit einem Wort gesagt : ein „Aggiornamento" vom Papst nicht mehr als Teufelswerk diskriminiert und desavouiert würde!
Paul Haverkamp, Lingen
Blockadehaltung
Sie reden hier von einer Blockadehaltung besonders von kath. Seite und bringen als Lösung nur eine Auflistung evangelischer Forderungen.
Wenn das nicht evangelische Blockadehaltung ist, was dann? Frei nach ihrem Motto "extra evangelisch, nulla salus". Warum sprechen sie "der kath. Seite" das Recht ab, auf ihren Positionen genauso zu bestehen wie sie es hier bei den ihrigen tun? Wären Sie bereit, ihren "Forderungskatalog" einzuschränken? Keine Frauenordination,dafür gibt es die Abschaffung des Zölibats?
Wenn Sie hier nicht wenigstens "ja, vielleicht" sagen können, blockieren Sie nicht weniger als die von ihnen gescholtenen "Betonköpfe"
C.K.H.
P.S. Auch ein Johannes XXIII hat Zeit seines segensreichen Lebens die Messe im römisch-katholischen Ritus der alten Form auf Latein Gott zugewandt gefeiert.
Danke für den Link
Ich wusste gar nicht, dass ein so durchgestylter Kirchentag ein Auftragswerk mit so miesem Ausgang durchgehen lässt. Ich war nicht in München, habe sicher manches verpasst, aber dass mir DAS erspart geblieben ist.....! Weder christlich, noch kirchentäglich festlich, noch eingänglich, noch nichts, einfach grottenschlecht, und eigentlich einfach peinlich.