Deutscher Jesuiten-Chef: Weitere Missbrauchsfälle

Jesuiten-Chef Stefan Dartmann und Schuldirektor Klaus Mertes

"Betroffenheit und Respekt gegenüber den Opfern": Der deutsche Jesuiten-Chef, Provinzial Stefan Dartmann (links), und der Direktor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, traten am Montag vor die Presse. Foto: dpa / Robert Schlesinger

Ermittlungen - Der Skandal um sexuellen Missbrauch am jesuitischen Canisius-Kolleg in Berlin weitet sich aus. Der deutsche Ordenschef versprach eine umfassende Untersuchung.

Neben mehr als 20 Missbrauchsfällen in den 70er und 80er Jahren am Berliner Canisius-Gymnasium durch zwei Lehrer habe es auch Fälle in Hamburg, St. Blasien, Göttingen, Hildesheim, Chile und Spanien gegeben. Das sagte der Ordenschef in Deutschland, Provinzial Stefan Dartmann, am Montag bei einer Pressekonferenz im Canisius-Kolleg. Zugleich entschuldigte er sich bei Opfern, Lehrern und Eltern für das jahrelange Schweigen. "Ich bitte um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals an notwendigem und genauen Hinschauen und angemessenem Reagieren unterlassen wurde."

An dem Berliner Gymnasium wurden von 1975 bis 1983 mindestens 22 Kinder und Jugendliche missbraucht. Täter waren nach Angaben des Ordens zwei Patres, die als Lehrer arbeiteten. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft die Missbrauchsfälle. "Es spricht aber vieles dafür, dass die Taten verjährt sind", sagte Behördensprecher Martin Steltner. Das betreffe auch etwaige Vorwürfe an den Jesuiten-Orden wie Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung.

65-Jähriger Täter schrieb kürzlich Brief an die Opfer

Dartmann schloss nicht aus, dass noch weitere Missbrauchsfälle bekannt werden. "Ich bin sicher, wenn Sie nur weit genug zurückgehen in den Akten, würden Sie etwas finden." Der Ordenschef und Canisius-Rektor Klaus Mertes kritisierten den rein internen Umgang des Ordens mit den Fällen. Heute würde er auch Polizei und Staatsanwaltschaft informieren, sagte Dartmann. Damals zeigten weder die Jesuiten noch der Vatikan die Täter an. Sie wurden nach den Vorwürfen meist nur an andere Orte versetzt.

Wolfgang S. arbeitete als Deutsch-, Religions- und Sportlehrer von 1975 bis 1984 an Jesuiten-Schulen in Berlin, Hamburg und St. Blasien im Schwarzwald. Danach ging er für den Orden nach Spanien und Chile. 1991 gestand er der Kirchenleitung seine Taten gegen "Zusicherung der Diskretion", weil er aus dem Orden ausscheiden wollte. Laut diesem Geständnis kam es auch zu Missbrauchsfällen in Hamburg und St. Blasien. Dartmann sagte zudem: "Es gibt klare Hinweise in den Akten, dass er bis 1990 auch in Chile und Spanien übergriffig geworden ist." Es habe sich um "exzessive körperliche Bestrafungsrituale" gehandelt.

Der 65-Jährige lebt heute in Chile. Der frühere Lehrer wandte sich laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" nun in einem Brief an seine Opfer. Es sei "eine traurige Tatsache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe", heißt es in dem Brief.

"Unangenehme Berührungen und Selbstbefriedigung"

Der andere Pater, Peter R., arbeitete von 1972 bis 1981 als Religionslehrer und Jugendseelsorger an dem Berliner Gymnasium, später in Göttingen in der Jugendarbeit, als Seelsorger in Hildesheim (beides Niedersachsen) und beim dortigen Bischof. "Wann der Missbrauch anfing, wissen wir nicht", sagte Dartmann. 1981 suchten Berliner Schüler in einem offenen Brief an die Schule und die Kirche indirekt Hilfe und kritisierten besonders eine verfehlte Sexualpädagogik.

Ende der 80er Jahre gab es laut Dartmann Hinweise auf zurückliegende Übergriffe auf Mädchen in Göttingen. Als er in Hildesheim arbeitete, beschwerte sich eine Mutter über die Belästigung ihrer Tochter. Es sei bei den Übergriffen von Peter R. um "unangenehme Berührungen und Selbstbefriedigung" gegangen, es habe keine Hinweise auf "Penetration oder Vergewaltigung" gegeben.

"Das, was viele befürchtet haben, hat sich bewahrheitet", sagte der Hamburger Bistums-Sprecher Manfred Nielen am Montag. Dort hätten sich zwei ehemalige Schüler der Sankt-Ansgar-Schule gemeldet, die Opfer des Jesuitenpaters wurden. Schüler des Kollegs in St. Blasien wurden am Montag auf einer kurzfristig einberufenen Schülerversammlung über die Vorgänge informiert.

"Das Fatale an der Verjährungsfrist zeigt sich in seiner ganzen Tragik"

Bis Mitte Februar soll ein Untersuchungsbericht erstellt werden. Der Jesuitenorden beauftragte Ursula Raue, lange Jahre Vorsitzende der Kinderschutzorganisation "Innocence in Danger" (Unschuld in Gefahr), mit Ermittlungen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte ihre Prüfungen selbst eingeleitet. Strafanzeigen habe es nicht gegeben, sagte Steltner.

Die Deutsche Kinderhilfe forderte unterdessen, die Verjährungsfrist für Sexualdelikte an Kindern auf 30 Jahre zu verlängern. "Das Fatale an der Verjährungsfrist zeigt sich hier in seiner ganzen Tragik",  sagte der Vorsitzende Georg Ehrmann der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe). Die Täter müssten nach jetzigem Kenntnisstand keine strafrechtliche Verfolgung mehr fürchten, die Opfer könnten auch zivilrechtlich keine Ansprüche auf Schadenersatz mehr erheben.

dpa

 

Kommentare

Verfasst von www.uwelehnert.de am 9. Februar 2010 - 17:49.

Canisius-Kolleg

Viele Christen, speziell katholische, nehmen es dem lieben Gott heimlich ü...

Viele Christen, speziell katholische, nehmen es dem lieben Gott heimlich übel, dass er das mit der Fortpflanzung so delikat eingerichtet hat. Dass die "Lustleitung" mit der "Sanitärleitung" so verkoppelt ist, zeigt ja eigentlich, dass das Ganze "irgendwie schmutzig" ist – so jedenfalls die unausgesprochene Auffassung vieler Geistlicher. Die evangelische Kirche und ihre Gläubigen haben sich von diesem Denken in den letzten Jahrzehnten immer mehr befreit, katholische Gläubige in ihrer großen Mehrheit wohl auch. Nur der katholische Klerus, vor allem ihre tonangebende Spitze in Rom, verfolgt nach wie vor eine die menschliche Natur vergewaltigende Politik. Welche Verfehlungen, Verbrechen und menschlichen Tragödien diese Sexualfeindlichkeit über die Jahrhunderte zur Folge hatte und bis heute hat, beschreiben z.B. die Theologen Uta Ranke-Heinemann in "Eunuchen für das Himmelreich" oder Horst Hermann in "Sex und Folter in der Kirche" in beklemmender Deutlichkeit. Die versteckten sexuellen Motive der mittelalterlichen Hexenprozesse, die verzweifelten Kämpfe von Mönchen und Nonnen mit ihren Trieben fertig zu werden und die ungezählten Tötungen heimlich und ungewollt gezeugter Kinder oder die vielen Aids-Toten aufgrund des Verbots schützender Maßnahmen sind erschütternde Beispiele für eine Ideologie, die an der menschlichen Natur vorbei "konstruiert" wurde.

Die verheerenden Folgen des Zölibats und der befohlenen sexuellen Enthaltsamkeit sind speziell der katholischen Kirche seit sehr langer Zeit bekannt. An der eigentlichen Ursache will sie jedoch nicht rütteln. Sie versucht vielmehr die Problematik durch einen Schweigebefehl intern zu lösen. Diese explizite Aufforderung mehrerer Päpste, alle Fälle sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener intern zu regeln, also nach außen strikt zu verheimlichen, ist anhand von Dokumenten belegbar (siehe meinen früheren Beitrag hier oder Spiegel-Wikipedia "Crimen sollicitationis", dort Nachweis der Originalquellen). Solange diese Order nicht explizit zurückgenommen wird, bleibt aller Aufklärungswille unglaubwürdig.

Bezeichnend für die enge, verfassungswidrige Verquickung von Staat und Kirche in Deutschland ist die Tatsache, dass bisher kein Justizministerium und keine Generalstaatsanwaltschaft diese diesen Behörden wohl bekannte Aufforderung zur Strafvereitelung als Straftatbestand wahrhaben wollen. Dieses Geflecht aus kirchlicher Sexuallehre, daraus entstehender nicht bewältigter sexueller Probleme, Verklemmtheit und Scham, Wegschauen, Nichtwahrhabenwollen usw. erklärt dieses weltweit in allen kirchlich-christlich geprägten Ländern ans Tageslicht kommende moralische Desaster. Auch die Heimkinder-Tragödie hat hier eine ihrer Wurzeln. Die Kirche als Quelle und Hüterin der Moral?

Übrigens: Sich für solche Taten "entschuldigen" zu wollen, empfinde ich als anmaßend und geradezu schamlos. Man kann um Verzeihung bitten, aber dann ist es Sache des Opfers, eine solche erbetene Vergebung der Schuld auszusprechen.

www.uwelehnert.de

Verfasst von Thomas M. 1489 am 3. Februar 2010 - 20:55.

RE: Deutscher Jesuiten-Chef: Weitere Missbrauchsfälle

Also ich war selber in den 70ern in einem Ordensinternat. Und nach allem, was...

Also ich war selber in den 70ern in einem Ordensinternat. Und nach allem, was ich da mitbekommen habe, gehe ich jede Wette ein, dass das Problem fast jedes von Patres geführte Internat betroffen hat und möglicherweise auch noch betrifft. Bei uns wurden auch nicht die Behörden informiert. Ich habe nur keine Ahnung, wie sich die Internatsleitung mit den Eltern geeinigt hat und ob überhaupt. Ich weiss nur, das die Opfer mächtig unter Druck gesetzt wurden. Alles schnell vertuscht und der Täter ruckzuck versetzt und das wars. Ich bin mal gespannt, ob irgendjemand den Mut hat, in dieses katholische Wespennest zu stechen. Das gibt eine Erschütterung bis nach Rom.

Verfasst von baksb am 3. Februar 2010 - 19:39.

RE:Missbrauch in Hildesheim?

Mir ist bekannt, dass es in Hildesheim Suizide von Jugendlichen in den 80er bzw...

Mir ist bekannt, dass es in Hildesheim Suizide von Jugendlichen in den 80er bzw. bis Anfang der 90er Jahre gab, die im kirchlichen Kontext verwurzelt waren. Mir war immer unklar, woran das gelegen haben kann, weil ich die Familienverhältnisse etwas kannt und wusste, dass sie sehr im katholischen Milieu beheimatete Verwandte und Eltern hatten. Nun stellt sich mir die Frage, ob man nicht auch mal diesen Fällen nachgehen soll, denn möglicherweise steckt dahinter auch eine Folge nicht ausgesprochener Erlebnisse tiefsten Vertrauensverlustes. Wer prüft sowas nach? Gerade der Missbrauch im Umfeld von Kirche ist der schlimmste Vertrauens (also Glaubens-)-Verlust, den man Menschen zufügen kann.

Verfasst von www.uwelehnert.de am 1. Februar 2010 - 19:57.

RE: Deutscher Jesuiten-Chef: Weitere Missbrauchsfälle

Ich will nicht recht glauben, dass die Eilfertigkeit, mit der die Schulleitung...

Ich will nicht recht glauben, dass die Eilfertigkeit, mit der die Schulleitung des Canisius-Kollegs und auch die katholische Kirche in Berlin unbedingte Aufklärung fordern, ehrlichen Herzens ist. Ich vermute eher, dass man das Heft in der Hand behalten will und jeweils nur soviel an Information zulässt, wie ohnehin schon bekannt ist oder sicher noch zu erwarten ist. Die Begründung meiner Vermutung liegt in einem vatikanischen Schreiben des damaligen Kardinal Ratzinger (heute Papst Benedikt XVI.) aus dem Jahre 2001 an alle Bischöfe, in dem er bei Androhung der Exkommunikation absolute Geheimhaltung fordert bei innerkirchlichem Bekanntwerden von Fällen von priesterlicher Pädophilie.

Wer des Lateinischen mächtig ist, der lese nach in "De Delictis Gravioribus":

http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_...

Die katholische Theologin Frau Prof. Uta Ranke-Heinemann teilte mir persönlich (mit freundlicher Erlaubnis der Zitierung) zu diesem in Latein verfassten Schriftstück u.a. Folgendes mit:

"Die absolute Geheimhaltung von Pädophiliefällen ist allen Bischöfen in den beiden Geheimschreiben Crimen Sollicitationis von Kardinal Ottaviani 1962 und erneut und verstärkt in De Delictis Gravioribus von Kardinal Ratzinger 2001 unter Strafe der Exkommunikation befohlen worden. Diese beiden Geheimschreiben beinhalten nichts über Hilfe für die Betroffenen. "Sie dienen ausschließlich dem weltweiten Schutz der Täter, die ständig, um Skandal für die Kirche zu vermeiden, nach einer Therapie in eine andere Pfarrei versetzt werden und haben eine totale Justizbehinderung für die staatlichen Gerichte zur Folge", laut Dominikanerpater Tom Doyle.

Dieser Dominikanerpater Tom Doyle OP, Kirchenrechtler, wurde übrigens September 2003 aller kirchlichen Ämter enthoben – siehe den BBC-Film von dem BBC-Reporter Colm O'Gorman "Sex Crimes and Vatican", Otober 2006 in www.youtube.com. Der Film darf in Deutschland dank deutschen Bischöfen nicht gezeigt werden.

Dieser Trend zur Geheimhaltung von Fällen sexuellen Missbrauchs an Kindern, der durch Ratzinger 2001 auf die Spitze getrieben wurde, ist übrigens für jeden sichtbar beim Vergleichen des Kirchenrechts von 1917 mit dem (weithin von Kardinal Ratzinger verfaßten) neuen Kirchenrecht von 1983 (siehe Can. 2368 §2 und Can. 904 CIC 1917 und demgegenüber Can. 1387 CIC 1983): Von einer Meldepflicht an den Bischof und das Hl. Officium (denuntiare loci Ordinario, vel Sacrae Congregationi S. Officii, wie es im Kirchenrecht von 1917 hieß), ist keine Rede mehr. Vielmehr als einzige Reaktion des Vatikans werden alle Schriftstücke staatlicher Behörden ungeöffnet zurückgeschickt wie z.B. das umfangreiche Schriftstück, das der Staatsanwalt in Phönix Arizona Rick Romley an Kardinal Angelo Sodano schickte. Auf dem Umschlag lediglich zu lesen in mehreren Sprachen: "retour, rinvio, refuse.." (= Annahme verweigert)."

Bemerkenswert, wie die bundesdeutsche Justiz, der dieses vatikanische Dokument ja wohl schon lange bekannt ist, hier still hält, obwohl hier doch eindeutig Aufforderung zur Strafvereitelung vorliegt.

Uwe Lehnert 

www.uwelehnert.de

Verfasst von Gast am 1. Februar 2010 - 19:56.

RE: Deutscher Jesuiten-Chef: Weitere Missbrauchsfälle

Zivile Gerichtsverfahren auch für Bischöfe und Kardinäle! Für Papst Benedikt...

Zivile Gerichtsverfahren auch für Bischöfe und Kardinäle!

Für Papst Benedikt müsste es doch konsequent sein, die Bischöfe und Kardinäle, die über viele Jahre Mitwisser ( teilweise auch Mittäter) waren, nicht nur ihres Amtes zu entheben, sondern diese auch einer weltlichen Gerichtsbarkeit zuzuführen und damit auch einen juristisch abgesicherten Strafzuführungsprozess nach den Grundsätzen der zivilen Strafprozessordnung in die Wege zu leiten.

Sowohl zur stillschweigenden Duldung als auch zur aktiven pädophilen Täterschaft sollte sich der Papst zu einer eindeutigen und unmissverständlichen Vorgehensweise bezüglich einer zivilgerichtlichen Verfahrensweise durchringen.

Von den zuständigen Stellen hört man immer wieder dieselben Floskeln: Man ist „tief betroffen“ , „fällt aus heiterem Himmel“, „bemüht sich um Aufklärung“, „man empfindet Trauer, Zorn und Scham“.

Meine Fragen an den Papst lauten: Welcher Bischof/Kardinal sitzt wo wegen einer Pädophilie-Anklage im Gefängnis? In welchem Gefängnis haben die verstorbenen (und zivilgerichtlich nie verurteilten) Bischöfe (z.B. die irischen Bischöfe John Charles McQuaid, Dermot Ryan, Kevin McNamara)eingesessen? Warum wurden diese zivilgerichtlich nie verurteilt?

In welchem Gefängnis sitzt der noch lebende irische Bischof Desmond Connell oder der Pöltener Bischof Krenn? Warum sind sie bisher zivilgerichtlich nicht verurteilt worden?

Ebenfalls würde mich sehr interessieren, in welchem Gefängnis die nordamerikanischen Bischöfe/Kardinäle sitzen, die ebenfalls sich der Pädophilie schuldig gemacht haben?

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Murphy-bzw.Ryan-Berichts sagte Colm O'Gorman, Direktor eines Opfer-Unterstützung-Verbands: „Wir haben die große Sorge, dass angesichts der (geringen) Ressourcen, die der Polizei zur Verfügung gestellt wurden, als die Untersuchung vor vier Jahren begann, keine substanziellen Ergebnisse zu erwarten sind.“

Am 18. 9.2006 hieß es in einem Artikel der „Irish Independent“ : „Trotz Anzeichen dafür, dass Priester zu anderen Gemeinden versetzt wurden, wo sie weiteren Missbrauch begingen und trotz öffentlicher Einlassungen von hochrangigen Persönlichkeiten, dass nicht alle relevanten Informationen den zivilen Behörden übergeben wurden, wird keine Anklage gegen führende Mitglieder der Kirche erhoben.“ Die katholische Kirche habe es versäumt, ausreichende Beweise für die Anklage gegen sämtliche Mitglieder der oberen Kirche zu sammeln.

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Hibbing am 3. Februar 2010 - 15:46.

RE: RE: Deutscher Jesuiten-Chef: Weitere Missbrauchsfälle

Es fallen bei diesen Mißständen mehrere Faktoren ins Gewicht: 1. Das...

Es fallen bei diesen Mißständen mehrere Faktoren ins Gewicht:

1. Das Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche. Nach außen hin immer bemüht rein und ehrbar dazustehen - nur möglichst den Deckel auf dem siedenden Topf zu halten. Man möchte den antikatholischen Kritikern keine Munition liefern. Dieses Problem hatte die Kirche allerdings auch schon in früheren Jahrhunderten (erinnert sei an die Päpste der Renaissance-Zeit).

2. Das Fehlen von verheirateten Priestern. Das Zölibat schreckt viele ab katholische Theologie zu studieren, dieser Mangel an gewissenhaften Pfarrern tut der RKK nicht gut. Und wer sich dann zu so einem Amt bewirbt und mit welchen Intentionen, darüber können nur Mutmaßungen angestellt werden.

3. Das Amtsverständnis einer hierarchischen Kirche verleiht den einzelnen Priestern viel zu viel Macht, die auch mißbraucht werden kann.

Es ist schon sehr bezeichnend für die innere Lage der katholischen Kirche das solche Mißbrauchsfälle gleich ganze Lawinen an menschlichen Leid und Elend lostreten. In Nordirland haben über Weihnachten drei Bischöfe ihren Rücktritt erklärt, in den USA stehen aufgrund von Mißbrauchsfällen viele katholische Kirchengemeinden vor dem finanziellen Ruin.

Das Zwangs-Zölibat ist für die RKK mit einem Fluch beladen, und an diesem Punkt müßte von verantwortlicher Seite endlich einmal ein gangbarer Weg gefunden werden.

Gruß HB

HB

Verfasst von Thomas M. 1489 am 4. Februar 2010 - 16:13.

RE: RE: RE: Deutscher Jesuiten-Chef: Weitere Missbrauchsfälle

Sehr gut analysiert! Es fällt auf, wie wenig Kommentare zu diesem Thema...

Sehr gut analysiert! Es fällt auf, wie wenig Kommentare zu diesem Thema seitens unserer katholischen Mitglieder eintrudeln. Ist es nun Scham oder wird das Thema ignoriert gemäß dem Grundsatz: Da wird nur mal wieder mit Dreck geworfen! Alles Lügen und Verleumdung?

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