Sexualethik - Wer über die Haltung der Bibel zur Ehe nachdenkt, kommt wahrscheinlich schnell auf eines der Zehn Gebote: Du sollst nicht ehebrechen! Aber ist die Form von "Ehe", die hinter diesem Gebot steht, wirklich das, was wir heute kennen? Selbst für Theologen ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, denn viele Begriffe sind nur scheinbar vertraut.
Aus alten Zeiten klingt vielen vielleicht noch der starke Satz aus dem Epheserbrief in den Ohren: "Die Frau sei dem Manne untertan...", so heißt es dort im 5. Kapitel. Aber wer glaubt, die Bibel rede damit ausschließlich der Einehe mit Vorrangstellung des Mannes das Wort, der irrt sich gewaltig. Auch das mit dem Sex vor (oder außerhalb) der Ehe ist nicht so eindeutig, wie man oftmals hört.
Der Vater des Glaubens - ein Bigamist?
Tatsächlich gibt es zahlreiche hoch angesehene biblische Gestalten, die mehr als eine Frau hatten, und zudem noch mit deren Mägden verkehrten. Prominentestes Beispiel ist Abraham, der im Neuen Testament ehrfürchtig der "Vater des Glaubens" (Röm 4,11) genannt wird. Bis heute sieht man in ihm nicht zu Unrecht den Urvater der drei großen Schriftreligionen Judentum, Christentum und Islam.
Doch mit christlich-abendländischen Moralvorstellungen muss sein eheliches Gebaren erst einmal abgeglichen werden. Nachdem er von seiner Frau Sara keine Kinder bekommen hatte, teilte Abraham mit deren Magd Hagar das Lager – übrigens mit Saras Einverständnis. Und tatsächlich wurde Hagar schwanger und gebar dem Abraham seinen ersten Sohn, Ismael (Gen 16).
Betrug in der Hochzeitsnacht
Erst hinterher verheißt Gott auch der alternden Sara einen Sohn und macht sein Versprechen wahr: Sie bringt dem Abraham einen zweiten Sohn zur Welt, Isaak. Dessen späterer Sohn ist Jakob, und der hat ein ganz ähnliches Verständnis von Ehe wie sein Großvater Abraham: Er möchte seine Cousine Rahel heiraten, geht aber in der Hochzeitsnacht aufgrund einer List seines Onkels unwissend mit Lea ins Bett. Mit dieser bleibt er daraufhin verheiratet, nimmt aber sieben Jahr später die erhoffte Rahel einfach als zweite, gleichberechtigte Frau.
Wie kann es sein, dass im Christentum ausschließlich die Ehe mit einem Partner akzeptiert ist, nicht aber mit mehreren zugleich – wenn doch die Glaubensvorbilder selbst es ganz anders gehalten haben? Das liegt daran, dass die Bibel selbst über hunderte von Jahren entstanden ist und keineswegs ein eindeutiges Eheverständnis an den Tag legt. In einer nomadisch geprägten Welt wie zur Zeit Abrahams und Jakobs waren Familien auf möglichst viele Nachkommen angewiesen, durch deren Arbeit die Alten später ernährt werden konnten. Und Frauen waren darauf angewiesen, sich in einer stabilen sozialen Verbindung wirtschaftlich abgesichert zu wissen. Ob ein Mann es sich aufgrund seiner Besitztümer leisten konnte, nur eine oder mehrere Frauen zu ernähren, war da zweitrangig.
Will Gott nur Monogame?
In der Zeit, zu der Jesus lebte – möglicherweise 1800 Jahre nach Abraham – wohnten viele Menschen in Städten und hatten das Nomadendasein lange hinter sich gelassen. Im neuen sozialen Kontext galten auch neue soziale Regeln, zu denen es zählte, dass ein Mann nur mit einer Frau verheiratet sein sollte, nicht mit mehreren. Die Überlegungen im Neuen Testament, ob sich ein Mann scheiden lassen dürfe um eine andere zu ehelichen, zeugen davon.
Viele Christen, die ihre Überzeugung biblisch begründen wollen, nur die Einehe sei von Gott gewollt, behaupten: Von den Sitten der Vorväter sei "deskriptiv, nicht präskriptiv" berichtet wurden. Will sagen: Die biblischen Geschichten beschreiben zwar, wie es gewesen ist, drücken aber durch die Blume aus, dass dieses eheliche Verhalten nicht dem Willen Gottes entspricht. Und dieser sei nun mal die Monogamie.
"Gottes Plan für Geschlechtsverkehr"
Die Behauptung wird zum Beispiel anhand von 1. Mose 2,24 konkretisiert. Dort heißt es im Zusammenhang der Schöpfung von Mann und Frau: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein 'ein' Fleisch." Fünf Eigenschaften der Ehe werden aus diesem Vers herausgelesen: Sie sei der Beginn der Eigenständigkeit eines jungen Menschen (Loslösung vom Elternhaus), es handele sich um einen Mann und eine Frau (also keine Polygamie), die Verbindung sei umfassend (denn "Fleisch" bedeute hier die ganze Person), sie sei unauflöslich (das hebräische Wort "anhangen" habe auch die Bedeutung "kleben") und Sexualität gehöre genau hier hin (das beinhalte das "ein Fleisch werden").
Schaut man etwas kritischer hinter die Kulissen, so zeigt sich, dass in dieser Interpretation sehr viel christliche Sexualethik eingeflossen ist, die es in dieser Form vor mehr als zweitausend Jahren noch nicht gegeben hat. Manch einer lässt sich von dieser Argumentation sogar derart mitreißen, dass er ein Loblied auf eine abstinente Welt singt: "Stellen Sie sich vor, wie viel besser unsere Welt wäre, wenn Gottes Plan für Geschlechtsverkehr befolgt würde: weniger Geschlechtskrankheiten, weniger unverheiratete Mütter, weniger ungewollte Schwangerschaften, weniger Abtreibungen", heißt es zum Beispiel auf www.gotquestions.org, einer Website mit Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit dem Christentum. Die Meinung der Mehrheit der Christen in Deutschland ist dies freilich nicht, und die eindeutige Aussage der Bibel auch nicht.
Abartige Formen der Unzucht
Auch die Argumentation gegen Sexualität vor bzw. außerhalb der Ehe ist teils drastisch. Reihenweise werden biblische Verse zitiert, die alles über den ehelichen Verkehr hinausgehende scheinbar geißeln. Allerdings geht es dabei immer wieder um das griechische Wort porneia, von dem man einfach nicht exakt weiß, was es bedeutet. Die deutsche Übersetzung mit "Unzucht" drückt das passend aus, denn was damit exakt gemeint ist, bleibt auch im Deutschen unklar.
Ist hier vorehelicher Sex im Blick? Oder Ehebruch? Oder Selbstbefriedigung? Oder Sex mit Verwandten, wie er im Alten Testament in den zahlreichen Rechtstexten verboten wird? Meist erwähnt gerade Paulus den Begriff porneia einfach so, ohne ihn genau zu definieren. Manchmal gibt er aber Hinweise auf sein Verständnis. In 1. Korinther 5,1 geißelt er eine besonders abartige Form der Unzucht: "dass einer die Frau seines Vaters hat". Vom Sex vor der Ehe ist das natürlich weit entfernt.
Unzucht ist ein weites Feld
Im 1. Korinther 7,2 heißt es: "Um Unzucht zu vermeiden, soll jeder seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann." Hier könnte Selbstbefriedigung Pate für die Verwendung des Begriffs "Unzucht" gestanden haben. Und Judas 7 bestätigt, dass "Sodom und Gomorra... Unzucht getrieben haben". Die beiden Städte sind bekannt dafür, dass ihre Männer und Frauen mit Tieren (!) sexuell verkehrt haben. Man nennt dieses Verhalten darum heute auch Sodomie. Gleichwohl: Was Unzucht nun alles sein kann, ist offenbar ein weites Feld.
Eine vollkommen eindeutige Meinung zur Ehe hat die Bibel also nicht. Obwohl wir wissen, dass Hochzeiten zu biblischen Zeiten groß gefeiert wurden und auch Jesus mitgefeiert hat (die Geschichte von der "Hochzeit zu Kana" steht in Johannes 2). Es gab Scheidungen, aber Jesus verurteilte, dass ein Mann seine Frau durch entsprechende gesetzliche Regelungen einfach auf die Straße setzen konnte. Man kannte selbstverständlich auch Ehebruch. Jesus sieht darin eine Sünde, ist aber auch bereit, diese Sünde zu vergeben, wie die Geschichte von der Ehebrecherin in Johannes 8 zeigt.
Gott ist ein Freund des Lebens
Worauf es Jesus wohl ankam, ist die Botschaft, die man in dem schönen Satz zusammenfassen kann: "Gott ist ein Freund des Lebens". Die Verbindung zwischen Mann und Frau dient dem Leben, und insofern sie das tut, entspricht sie auch Gottes Willen, denn: In einer Ehe der damaligen Zeit war das Leben einer Frau wirtschaftlich abgesichert, entstand durch Kindersegen neues Leben, war das Leben der Familie und des Clans auf lange Sicht gesichert.
Wo Ehe heute noch genau dafür steht, wissen die Eheleute das biblische Zeugnis in ihrem Rücken. Mitunter müssen sie sich aber die Augen reiben angesichts der Ehegebote, die man im Alten Testament liest. Denn da geht es nicht nur um Verfehlungen und Verkehr mit Verwandten. Im 2. Mose 21,10 werden die Rechte behandelt, die eine Frau hat, wenn ihr Mann sich eine Zweitfrau nimmt. Er darf die erste Frau dann nicht benachteiligen hinsichtlich Nahrung, Kleidung und ehelichem Verkehr. Siehe da: Nicht der Mann bekommt das Recht zugesprochen, mit seiner Frau ins Bett zu gehen. Es ist umgekehrt: Die Frau hat ein Recht auf Sex mit ihrem Mann. Emanzipation? Die gab es eben auch schon zu biblischen Zeiten.
Ingo Schütz ist angehender Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).







Kommentare
Zur Bewertung von Masturbation in Kirche und Wissenschaft
Die Bewertung von Selbstbefriedigung (Masturbation) durch die christlichen Kirchen ist nicht einheitlich. Für die evangelisch-lutherische und die neuapostolische Kirche ist Selbstbefriedigung keine Sünde. Die römisch-katholische Kirche hingegen sieht in SB eine "absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen", wie auch jeglichen freiwilligen, außerehelichen "Gebrauch der Geschlechtskraft", eine "in sich schwere ordnungswidrige Handlung". Allerdings werden in der Seelsorge Faktoren wie "affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren" berücksichtigt, "welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Minimum beschränken können." (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2352).
Diese unnatürliche Einstellung der Kirchen wirkte sich Jahrtausende lang auf die Menschheit aus und ist heute nicht nur auf die römisch-katholische Kirche beschränkt, sondern besonders evangelikale Kirchen und fundamentalistische christliche Gemeinschaften, aber auch Sondergruppierungen wie z.B. die Mormonen, sind diesem Leitbild verfallen. Man versucht besonders jungen Menschen Schuldgefühle einzureden, wenn sie masturbieren. Das Leitbild dieser "Christen" ist der bis zur Ehe absolut keusch lebende Mensch, danach aber wird von demselben Gläubigen in der Ehe erwartet, dass die ehelichen "Pflichten" erfüllt werden.
Lange Zeit wurde von den Kirchen die alttestamentarische Onan-Geschichte (1. Mose 38. 1-10) als "Beweis" für die Sündhaftigkeit der "Onanie" herangezogen. Onan vollzog jedoch keine Selbstbefriedigung, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Er wollte seinem verstorbenen Bruder und dessen Witwe keine Nachkommen hinterlassen und verstieß damit gegen die jüdische Sitte und das Gebot Gottes. Für seinen Ungehorsam wurde er von Gott mit dem Tode bestraft.
Selbstbefriedigung wurde jahrhundertelang von Medizinern, Pädagogen, Philosophen und Kirchenvätern unterdrückt. Zahlreiche Krankheiten wurden ihr zugeschrieben: Akne, Gehirnerweichung, Rückenmarksschwund, Tuberkulose oder Lepra sollten die Folgen des Masturbierens sein. Ausgeklügelte Apparaturen wurden entwickelt, um die Masturbation zu verhindern; Mädchen und Frauen in Europa und den USA erlitten Klitoridektomien zur "Behandlung" der weiblichen Masturbation.
Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft ist SB eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist nicht auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt. Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist SB willkommene Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität. Erwachsene können durch SB ihr Sexualleben bereichern, und für viele, vor allem Frauen, ist sie ein gutes Orgasmustraining. Sexualtherapeuten verordnen SB gegen Orgasmusprobleme und vorzeitigen Samenerguss. Nach einer australischen Studie aus dem Jahre 2003 senken fünf Ejakulationen in der Woche das Prostatakrebsrisiko bei Männern um ein Drittel.
Buchempfehlungen
Wer sich über die Geschichte der Selbstbefriedigung informieren möchte, dem sei folgendes Buch empfohlen:
Thomas W. Laqueur: Die einsame Lust. Eine Kulturgeschichte der Selbstbefriedigung. Osburg Verlag, Berlin 2008. 496 Seiten, 26,90 Euro.
Über die weibliche Sexualität allgemein und die SB speziell informiert sehr gut:
Shere Hite: Hite Report. Das sexuelle Erleben der Frau. Bertelsmann Verlag, München o.J. 576 Seiten.
Religiöse Witze
Hier zwei religiöse Witze, dami es nicht zu ernst wird:
1) Wenn jemand in einem dunklen Tunnel ohne Licht eine schwarze Katze sucht, dann ist das ein Psychologe. Wenn dann noch jemand ruft: "Ich hab' sie!", dann ist das ein Theologe!
2) Der Priester: "Mein Sohn, wirst du von unkeuschen Gedanken geplagt?" Der junge Mann: "Im Gegenteil, sie machen mir Vergnügen!"
Ist Selbstbefriedigung Sünde?
Hallo,
Selbstbefriedigung ist KEINE Sünde!
Selbstbefriedigung kommt in der Bibel gar nicht vor. Onan vollzog in der bekannten Onan-Geschichte keine SB, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Die Meinung, SB sei Sünde und "unrein" (unrein auch die weibliche Periode!), ist reine Willkür. Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft ist SB eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist NICHT auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt! Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist SB Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität (die laut Schöpfungsbericht von Gott gegeben ist). Erwachsene können durch SB ihr Sexualleben bereichern, und für viele, vor allem Frauen, ist sie ein gutes Orgasmustraining.
Ich empfinde es als ungeheure Arroganz und Größenwahn, wenn "Christen" Menschen, die sich selbst befriedigen, verachten und allgemein gültige Regeln aufstellen wollen. Die jahrhundertelange Unterdrückung der SB durch Mediziner, Pädagogen und Kirchenväter (gibt es eigentlich auch Kirchenmütter?) hat viel Not und Elend über die Menschheit gebracht. Ich erinnere nur an die zahlreichen Klitoridektomien in Europa und den USA zur "Behandlung" der weiblichen Masturbation.
Selbstbefriedigung - eine Sünde? NEIN!
Ist Selbstbefriedigung Sünde?
Natürlich ist Selbstbefriedigung keine Sünde. In der Bibel ist sie nirgends erwähnt, wie Religionslehrer richtig schreibt. Die römisch-katholische Kirche sieht das anders: Für sie ist SB eine "in sich schwere ordnungswidrige Handlung" (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2552), also Sünde. Biblisch ist das nicht belegbar. Durch diese Verurteilung sind schon in zahllosen Gläubigen Schuldgefühle und Gewissensbisse hervorgerufen worden, denn SB wird von ca. 95% der Männer und 75% der Frauen betrieben. Der RKK ist vorzuwerfen, dass ihre Auffassung, SB sei Sünde, nichts mit der Lebenswirklichkeit der meisten Schäfchen zu tun hat. Dazu passen auch die weiteren Verurteilungen von vor- und außerehelichem Sex, ehelichem Geschlechtsverkehr ohne Offenheit zur Zeugung, Homosexualität und Empfängnisverhütung. Alles Sünde! Welch eine Anmaßung zu behaupten, die allein selig machende Wahrheit gepachtet zu haben und den Menschen die Gestaltung ihres Intimlebens vorzuschreiben!
Zölibat
Zur Verurteilung zahlreicher sexueller Verhaltensweisen und Orientierungen, z,B. der Selbstbefriedigung, durch die römisch-katholische Kirche passt auch der unnatürliche (biblisch nicht begründbare) Zwangszölibat. Katholische Priester entwickeln dadurch offensichtlich unerwünschte Verhaltensweisen wie heimliche Liebschaften, uneheliche Kinder (die von der Kirche versorgt werden), Homosexualität und homosexellen Kindesmissbrauch.
Absurd erscheinen von der RKK veröffentlichte Verteidigungsversuche, die o.a. Missstände seien nicht durch den Zölibat, sondern durch die fortschreitende Sexualisierung unserer Gesellschaft entstanden ("sexuelle Revolution"). Bei etwas gesundem Menschenverstand sieht man in der Abschaffung des Zölibats (der ein Verbot von Sexualität und Ehe durch den Arbeitgeber bedeutet) das geeignete Gegenmittel für die "Verfehlungen" dder katholischen Priester.
Zölibat und Arbeitsplatz
In der historischen Wurzel der christlichen Religion, dem Judentum, wird Sexualität als Geschenk Gottes angesehen; das Christentum jedoch - insbesondere der Katholizismus und der radikale biblizistische evangelische Pietismus - verteufelt die Sexualität, verbiegt und verbietet sie. Ein Element hiervon ist die zwangsweise Ent-Sexualisierung der Priesterschaft bei einer gleichzeitig nahezu zwanghaften Fixierung auf die Sexualität.
Ein Verbot oder die Einschränkung der eigenen Sexualität ist im Bereich eines Arbeitsverhältnisses als grob sittenwidrig zuzuordnen. Eine Verknüpfung von Arbeitsplatz und Gestaltung des eigenen Sexuallebens ist ethisch nicht zu befürworten.
2. Mose21,10
Ich bin leider gar nicht bibelfest und immer wieder auf´s neue erstaunt, was so alles drin steht in diesem Buch!
Ich hoffe, dass es auch von vielen anderen Menschen so detailliert gelesen und wahrgenommen wird!
Sodaom und Gomaorra
Und schon Sarah sagte ihrem Mann Abraham, daß er mit ihrer Magd zu schlafen habe, ob er davon begeistert war, steht da nicht.
Und Judas 7 bestätigt, dass "Sodom und Gomorra... Unzucht getrieben haben". Die beiden Städte sind bekannt dafür, dass ihre Männer und Frauen mit Tieren (!) sexuell verkehrt haben. Man nennt dieses Verhalten darum heute auch Sodomie. Gleichwohl: Was Unzucht nun alles sein kann, ist offenbar ein weites Feld.
Hierzu: Mir fällt grad nicht ein, wo bestätigt wird, daß Sodomie für Sex mit Tieren steht (Zoophilie), vielmehr hieß früher Homosexualität Sodomie.
"... dem Manne untertan" - Was sagt die Bibel zur Ehe?
ich möchte noch einen Satz sagen an Ingo Schütz und zwar wegen des Kommentars von Steffen, der so leidenschaftlich das "theologische" vertritt und dies dem eigentlichen Willen Gottes voransetzt.
Der Artikel ist ganz im Gegenteil brilliant, Steffen. Er hat mehr Einsicht als man gemeinhin von Pfarrern, die theoretisch etwas an den einschlägigen Akademien gelernt haben und einfach nichts weiter tun als eine "Lehre", ein Dogma, verfechten.
Das weist nicht eben auf direkten Kontakt zu Gott hin. Schau dich um in der Schöfpung. Sie ist schön und bunt und hat kaum grade Linien. Was nicht heissen soll "alles kann". Nein, es gibt boundaries, aber die bekommt man deutlich zu spüren, wenn man sich beulen geholt hat. der versuch der kirche -die ja gemeinhin sich mehr als die theologische gemeinschaft auffasst- alles das wieder einzusetzen, was Christus abgeschafft hat, hat für mehr Katastrophen gesorgt, menschlich wie natürlich, als man sich vorstellen kann. Das ist ein sehr weites Feld.
Herzlichst Miriam, übrigens in 1998 persönlich und direkt, Auge in Auge, von Christus berührt und seither einer ordentlichen Wäsche unterzogen
Sexualethik - Wer über die Haltung der Bibel zur Ehe nachdenkt,
Ja Ingo Schütz,
ich hab nicht alles gelesen, aber was ich las, konnte ich nur abnicken. Es wird Zeit, dass aufgeräumt wird, mit falschen Traditionen. Klar, die ganze Zeremonie ist was "Herzerwärmendes". Die Feier ist schön. Aber sie kostet auch sehr viel Geld und Viele verausgaben sich für etwas, was in den meisten Fällen in die Brüche geht. Weil es Tradition ist und "weil man das so macht". Und dann wird "verkauft", dass alles andere verdammenswürdig ist. Zumindest war es so in meiner Generation. Die Erfahrung führte zum Bruch damit und leider ins andere Extrem, das ganz bestimmt nicht Gott-Gewollt ist.
Warum das, eigentlich? Ist es nicht indirekt eine Bestätigung, dass "etwas nicht stimmt" mit der romantisierten Ehe? Also von Gott ist das nicht! DER geht etwas anders vor. Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Man wird beim Schopf gepackt und man wird "gepaart", anders als die sogenannte "Liebesheirat". Ich will niemanden erschrecken, es heisst nicht, dass bei dieser "Art von Paarung" die "Liebe" nicht ebenfalls eintritt. Eigentlich ist diese Art der Paarung, die Gott selbst vornimmt, ein Garant dafür. Ein Garant auch dafür, dass die Partner im Laufe der Zeit etwas lernen über sich selbst - auch den anderen - vor allem aber über Gott und dessen Souveränität. Und.... über den Sinn dieser Welt, das Leben hier und was dahinter steckt - ausser der Geschichte von Adam und Eva.
Männer und Frauen sind zwar gleich und der geflügelte Satz, den ein jeder schon mal gehört hat, ist doch nur ein halber Satz. Oder nur ein Drittel Satz. Denn zwei Drittel wurden immer unter den Teppich gekehrt. Zum Beispiel "Mann, liebe deine Frau". Das ist ein direkter Befehl. Warum wurde ein Befehl verfasst? Fragt man sich das nicht? Also ich habs mich gefragt, solange ich es nicht wusste. Aber auch Singleness hat seinen Platz. Zwar ist dieser in der katholischen Kirche entartet worden, das heisst aber nicht, dass er nicht existent ist. Man lese Original Christ.
Es gibt so viele liebgewonnene Traditionen, die den Gläubigen gar nichts bringen - dazu gehört dieser gewisse Jargon - dieses Bänke-sitzen- anstelle dessen, was eigentlich hätte sein sollen : LEBENDIGE KIRCHE, nicht den Worten nach sondern dem Leben nach.
Ich gebe zu, dieser Artikel
Ich gebe zu, dieser Artikel ist der erste, den ich hier für richtig schlecht halte!
Er ist theologisch völlig unausgegoren und scheint nur ein Ziel zu haben, irgendwie eine liberale Haltung zur Sexualität zu begründen. Das ist mir ja an sich nicht unsympathisch, aber so, wie es hier geschieht, ist es unmöglich!!!
Wer in diesem Zusammenhang über biblische Begründungen nachdenkt, muss zwingend klarstellen, welche Hermeneutik er zugrunde legt, d.h. wie die Herangehensweise an biblische Texte generell erfolgen soll. Unkritisch die Texte herzunehmen, und dann zu sagen, so sei es oder so ist es nicht, ist keine Theologie!
Wir müssen als Theologen Rechenschaft geben können, wie wir die biblischen Texte auslegen und verstehen, besonders wenn wir nach dem biblischen Befund fragen. So aber muss ich dem Autor Beliebigkeit vorwerfen. Ein paar Bröcklein mit Geschichten aus dem AT, die gerade passend scheinen - ohne nach deren Zusammenhang und nach deren BEdeutungen zu fragen - und ein paar Bröcklein aus dem NT, ebenso wahllos herausgegriffen und ohne deren Zusammenhang zu erhellen. Leute, so kann es nicht gehen! So macht sich Theologie lächerlich und unglaubwürdig.
Gerade bei einem solchen Thema, das heiß umstritten ist - besonders bei den Themata Sex vor der Ehe, Trennungen von Ehen, Homosexualität - muss ein Theologe mit besonderer Sorgfalt und besonderer Gründlichkeit vorgehen. Das heißt zuerst: Genau den gesamten biblischen Befund zu erheben und zu analysieren, das heißt dann auch, sich informieren, was andere zum Thema bereits gesagt haben und dann heißt es, die anderen - abweichenden Positionen - nachvollziehen und sich mit ihnen wirklich auseinandersetzen. Alles das ist nicht geschenen.
So kann man billig provozieren oder am Stammtisch reden (wenn man keinem verrät, dass man Theologe ist), auf einer derartigen Plattform sollten solche Plattheiten keinen Platz haben.
Für mich ist die Frage nicht,
Für mich ist die Frage nicht, was die Mehrheit der Christen denkt oder was 1:1 aus allen biblischen Büchern herausgelesen werden kann, sondern was mir hilft, mein Beziehungsleben glücklich zu gestalten. Wie immer ist das eine Sache des Vertrauens in Gott: Gehe ich diesen Weg, kann ich nicht gleichzeitg einen anderen gehen. Allein gehen kann und muss ich ihn nicht, ich brauche die Hilfe des Heiligen Geistes. Da ist so ein grundlegender Text wie die Schöpfungsgeschichte ein guter Ratgeber.
< "Die Behauptung wird zum Beispiel anhand von 1. Mose 2,24 konkretisiert. Dort heißt es im Zusammenhang der Schöpfung von Mann und Frau: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein 'ein' Fleisch." Fünf Eigenschaften der Ehe werden aus diesem Vers herausgelesen: Sie sei der Beginn der Eigenständigkeit eines jungen Menschen (Loslösung vom Elternhaus), es handele sich um einen Mann und eine Frau (also keine Polygamie), die Verbindung sei umfassend (denn "Fleisch" bedeute hier die ganze Person), sie sei unauflöslich (das hebräische Wort "anhangen" habe auch die Bedeutung "kleben") und Sexualität gehöre genau hier hin (das beinhalte das "ein Fleisch werden"). >
Was wäre denn, Ingo Schütz, wenn Sie Paulus fragen könnten, was er genau gemeint hat? Wäre das dann die Richtschnur?
Ich habe eine ganz einfache
Ich habe eine ganz einfache Antwort auf die Frage der geschlechtlichen Partnerschaft gefunden, die ich nicht nur christlichen Partnern zur Beachtung empfehlen möchte: In einer Partnerschaft ist alles erlaubt, was beiden gefällt und keinem von beiden schadet. Das meint nicht nur die Praktiken beim Akt selbst, sondern auch das Verhältnis der Partner zueinander und vor der Gesellschaft. Was meint ihr dazu?
...wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...
Am Ende zählt doch, ob beide Partner die christlich-tradiotionelle Moralethik annehmen oder nicht. Jemanden dazu zu zwingen "keusch" zu leben oder zu heiraten- gegen die eigene Überzeugung- führt dazu, dass die Gesellschaft aus Heuchlern und verbogenen Menschen besteht. Die Bibel und ihre Gebote gehen auf Zeiten zurück, in denen bestimmte gesellschaftliche Probleme herrschten und die Aussagen aus der Bibel sollten den Gemeinschaften/Gemeinden damals helfen, diese Probleme zu lösen. Manche Problem sind ewige "Dauerbrenner", z.B. Ehebruch, Fremdgehen, gegenseitige Verantwortung der Partner...
...und es wird auch immer unterschiedliche sexuelle Vorlieben geben, manche krankhaft und andere "ungewöhnlich"...
...doch solange die Menschen Gott als ihren Lebensmittelpunkt annehmen und in Übereinstimmung mit ihrem Partner(n)ihr Leben teilen, niemandem anderen schaden und auch sich selbst nicht, sollten wir davon Abstand nehmen sie zu richten.
Sein Leben ganz Gott anzuvertrauen ist immernoch die Entscheidung des Einzelnen, genauso wie auf vorehelichen Verkehr zu verzichten, um sich für den Partner aufzusparen, den Gottes Vorsehung für einen bestimmt hat oder sich von seinem PartnerIn scheidenzulassen.
Am Ende muss doch der bekennede Christ eine jede seiner Entscheidungen vor Gott rechtfertigen- das brauchen wir Menschen nicht schon ein ganzes Leben lang von unseren Mitmenschen verlangen.
Ganz klar ist aber auch:
Der Mensch ist im Allgemeinen eine leicht polygyne heterosexuelle Spezies. Zum Schutz und Aufziehen der Nachkommen wird in unserer Gesellschaftform die Monogamie praktiziert.
Allerdings verliert die Fortpflanzung durch den gesellschaftliche Wandel an Stellenwert und die Sexualität wird vermehrt zum Freizeitvergnügen ohne die eigentlichen "Aufgaben" zu erfüllen...und das liegt in der freien Entscheidung eines jeden einzelnen von uns...
Schon mal drüber nachgedacht, dass Gott mit Absicht die Menschen alle unterschiedlich gemacht hat?
Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein
Ausschlaggebend ist einzig und allein die personale Beziehung zwischen Mann und Frau in aufrechter Liebe, alles andere ist für mich mehr Droh- als Frohbotschaft.
Und damit macht man nicht nur einzelne Menschen kaputt, sondern missachtet die
Kernbotschaft des christlichen Glaubens.
Was ihr dem Geringsten getan, habt ihr mir getan!
Gerd 65