Glaube - Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber hat die Kirche aufgerufen, sich stärker den Konfessionslosen zuzuwenden. Die Situation in Ost und West sei dabei unterschiedlich.
Die evangelische Kirche muss sich nach Ansicht des Braunschweiger Landesbischofs Friedrich Weber intensiver den Konfessionslosen zuwenden. Konfessionslosigkeit sei in Deutschland kein Randerscheinung mehr, sagte er am Freitag bei der Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Leipzig. Allerdings stelle sich die Situation in Ost und West unterschiedlich dar und verlange von der Kirche auch unterschiedliche Angebote. Der Evangelische Bund ist einer der größten protestantischen Verbände und Träger des Konfessionskundlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die rund 150 Teilnehmer der Generalversammlung beraten bis Sonntag über das Thema "Missionsland Deutschland".
In Ostdeutschland sei Konfessionslosigkeit der "Normalfall", drei Viertel der Bevölkerung seien kirchlich nicht gebunden, sagte Weber. Wegen fehlender Kenntnisse über biblische Geschichten, Gebete oder Kirchenlieder bestünden bei "ererbter Konfessionslosigkeit" kaum noch Anknüpfungspunkte. Wenn die Kirche in Ostdeutschland neue Mitglieder gewinnen wolle, müsse sie sich für die "Träger und Mitläufer" des DDR-Systems öffnen. Denn ernst gemeinte Mission setze voraus, schlimme Erfahrungen, Verletzungen, Benachteiligungen und Bespitzelung zu vergeben, argumentierte der Theologe. Der frühere brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hatte jüngst die Entchristlichung im Osten mit gesellschaftlicher Verwahrlosung in Zusammenhang gebracht.
Absage an Glauben oder an Institution?
Als Folge von Kirchenaustritten lässt sich Weber zufolge für Westdeutschland von "erworbener Konfessionslosigkeit" sprechen. Zumeist verfügten Konfessionslose über eigene Erfahrungen mit der Kirche und seien auf religiöse Fragen ansprechbar. Hier müsse sich die Kirche fragen, ob hinter Konfessionslosigkeit eine Absage an christliche Glaubensinhalte oder an die Institution Kirche stehe. Dass konfessionslose Menschen weiter Erwartungen an die Kirche hätten, sollte als Chance begriffen werden, empfahl der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Braunschweig.
In seinem Lagebericht hatte am Donnerstagabend der Generalsekretär des Evangelischen Bundes, Walter Fleischmann-Bisten, die ökumenische Entwicklung des vergangenen Jahres bilanziert. "Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung mit dem ökumenischen Partner und Mut zum eigenen Bekenntnis mit allen Konsequenzen gehören untrennbar zusammen", sagte er. Der Generalsekretär erinnerte an den am 31. Oktober anstehenden bevorstehenden zehnten Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Obwohl in den zwischenkirchlichen Gesprächen auf dieses lutherisch-katholische Dokument Bezug genommen werde, stehe die offizielle Anerkennung der evangelischen Kirchen aus Rom noch aus. Dies verhindere eine "Ökumene auf Augenhöhe".







Kommentare
RE: Bischof: Kirche muss sich Konfessionslosen zuwenden
Folgt man dem Aufruf von Bischof Weber, so müssen innerhalb der Kirche große Antrengungen unternommen werden um für die Karteileichen und "Ausgetretenen" als lebendiges Organ wieder attraktiv zu werden. Das kann nur unterstrichen werden. Das erfordert aber auch qualifizierte Mitarbeiter, die es nicht umsonst gibt. Der kostengünstige Weg "CD-Player statt Orgel", wie schon einmal aus dem Wolfenbütteler Landeskirchenamt zu vernehmen war, ist bestimmt nicht der richtige Weg. Mitarbeiter kosten Geld und es ist wenig motivierend von demselben Bischof immer wieder vorgehalten zu bekommen, welchen Wert doch das Ehrenamt besitzt und wohltuend für die leeren Kassen ist.
Da nimmt es nicht wunder, wenn die Diskussion um das Fortbestehen kleiner Landeskirchen immer lauter wird. In der Öffentlichkeit wird das langsame Ausbluten schon wahr genommen. So falsch es ist, sich als ein reines Dienstleistungsunternehmen, als Eventagentur zu präsentieren, so unersetzlich sind die Aufgaben, welche an Stelle des Staates wahrgenommen werden. Was sehr oft dabei vergessen wird: die steigende Armut bewirkt auch eine weitere Ausgrenzung von kultureller Teilhabe an unserer Gesellschaft. In diesem Umfeld ist es möglich kulturell hochwertige Veranstaltungen entweder ohne oder nur mit geringem Eintrittsgeld durchzuführen. Das können Laien und Ehrenamtliche aber nur in Ausnahmefällen leisten. Sonst bleibt es bei Veranstaltungen vom Typ: das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Die personelle Vielfalt in den Landeskirchen, welche ein aktives kulturelles Leben gewährleistet, kostet Geld, welches sicher sehr gut angelegt ist. Kaputtsparen gestattet zwar ein "Weiter so!" - aber nur auf dem Weg in die reine Pastorenkirche.
RE: Bischof: Kirche muss sich Konfessionslosen zuwenden
Öffnen für die "Mitläufer" ist in Ordnung. Aber wir müssen uns zunächst erst einmal für die "Karteileichen" interessieren. Wie re-aktivieren wir die eingetragenen Gemeindemitglieder wieder? Warum reicht denen das bestehende Angebot nicht? Wenn es uns gelingt, diese nicht aktiven Gläubigen wieder zu motivieren, helfen die uns vielleicht auch, auf "Mitläufer" zuzugehen.