Äthiopisches Tauffest mit Wasserschlacht und Trommeln

Zeremonie im äthiopischen Timkat-Gottesdienst

Zeremonie im Gottesdienst: Priester Sirak Woldeselassie verteilt Heiliges Wasser an die Gläubigen, begleitet von Gesang und Trommeln. Foto: Anika Kempf/evangelisch.de

Konfessionen - Auch das gibt es in Frankfurt am Main: Einen christlichen Gottesdienst mit afrikanischen Trommelgesängen, einer Wasserschlacht und Fladenbrot mit Knoblauchsoße. Zum Tauffest "Timkat" hat evangelisch.de-Fotoredakteurin Anika Kempf die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde im Stadtteil Bockenheim besucht.

Von Anika Kempf (Reportage + Fotos) und Anne Kampf (Recherche)

Audioslideshow: Tauffest in Frankfurt

Timkat - Äthiopisches Tauffest in Frankfurt mit Wasserschlacht und Trommeln. Audioslideshow: evangelisch.de/Anika Kempf

Morgens früh um viertel nach sieben, es ist stockdunkel und wie ausgestorben auf den Straßen. Wer sollte auch an einem Sonntagmorgen bei Nieselregen unterwegs sein außer mir? Ungefähr hundert gläubige Äthiopier waren sogar schon einige Stunden früher auf den Beinen, um an diesem Morgen das Tauffest Timkat in der Frauenfriedenskirchen im Frankfurter Stadtteil Bockenheim zu feiern. Ich sehe es an den vielen Autos auf dem Parkplatz, ein Pickup mit Zebramuster stimmt mich auf eine exotische Veranstaltung ein.

Die Fenster der der massigen Kirche leuchten, Gesänge sind zu hören. Mein Herz schlägt schneller, als ich die Kirchentür öffne und hinter einem Paar mit Kinderwagen in die Kirche eintrete. "Schuhe ausziehen", hatte mich die Sekretärin der katholischen Gemeinde vorgewarnt, und "mit Kopftuch". Ich bin also verschleiert und schlüpfe aus meinen Winterstiefeln, stelle sie zu den Kinderschuhen neben der Eingangstür.

Weihrauchschwaden wabern durch das Kirchenschiff, auf der rechten Seite sitzen weiß verschleierte Frauen mit dem Rücken zu mir, links die Männer in Winterjacken. Der Fliesenboden ist eiskalt, ich habe extra zwei Paar Socken an. Langsam wage ich mich weiter nach vorn, meine Kamera noch in der Tasche. Wie soll ich mich dem Geschehen dort am Altar nähern, ohne alle zu stören? Ich beginne einfach zu fotografieren, beobachte, fange Blicke auf. Der Priester hat mit offiziell eingeladen, also fühle ich mich auch eingeladen.

Frauen und Mädchen trommeln und trillern

Die Menschen beten, singen, knien nieder. Vorne an der Ikone der Maria führen drei Geistliche die Gebete und Rituale durch. Eisfüße. Ich schleiche zurück zur Eingangstür und schiebe die Isoliersohlen aus meinen Stiefeln zwischen meine beiden Sockenpaare. Jetzt geht's besser. Ich beobachte, wie die Frauen in Socken auf Teppichen oder Filzplatten stehen, neben sich Kinderwagen und spielende Kinder, teilweise auch in weiß gehüllt. Keine Kinder auf der Männerseite. Eine Frau kommt zu mir und fragt in einfachem Deutsch, ob ich die Erlaubnis hätte zu fotografieren. Ich bejahe, sage ihr den Namen des Priesters und mache Telefongebärden. Sie nickt, teilt es wohl den anderen Frauen mit.

Eine Plastikwanne mit Wasser steht in der Mitte der Kirche vor dem Altar, da muss wohl das Heilige Wasser drin sein, das zur Erinnerung an die Taufe verwendet wird - nicht zur Wiedertaufe, wie erste weiße Beobachter die Timkat-Zeremonie einst in Äthiopien deuteten. Am 19. Januar feiern die orthodoxen Christen das Fest der Taufe Jesu im Jordan, auch hierzulande dauert es bei den Äthiopiern mehrere Tage und Nächte.

Ich arbeite mich nah an den Chor heran und nehme die afrikanischen Gesänge auf, die von einer großen Trommel begleitet werden, abwechselnd gespielt wird von Frauen und Mädchen. Es wird geklatscht, und das typisch afrikanische Trillern mit der Zunge ertönt. Vorn verteilt der Priester das Heilige Wasser, das er zuvor gesegnet hat, an die Menschen: Jeder bekommt ein Gläschen zu Trinken.

"Heiliges Wasser" in Plastikflaschen - zum Mitnehmen

Gegen halb zehn ist der feierliche Teil des Gottesdienstes beendet und der Gesang des Chors begleitet die Familien ins Freie. Es ist hell geworden, die Kinder spielen im Innenhof auf der Wiese, Begrüßungen, Umarmungen, lachende Gesichter. Ich folge den Gläubigen ins Gemeindehaus, wo der Priester in einer Sprache, die ich nicht verstehe, eine Stunde lang predigt. Die Plastikwanne ist mit ins Gemeindehaus umgezogen, darüber schwebt ein rot-goldener Regenschirm (zur Erinnerung daran, dass Gott auch Wolken und Regen erschaffen hat, wie ich später vom Gemeindevorstand erfahre), Feuerstäbchen leuchten und die Luft ist dicht von Weihrauch. Währenddessen treffe ich Meraf, die ein Kleinkind in den Kinderwagen legt und frage die zwölfjährige Gymnasiastin aus. Sie versteht auch nichts von der alten Sprache, kommt vor allem wegen der Gesänge. Ja, die sind wirklich beeindruckend!

Die Predigt ist beendet, verstanden habe ich nur "Jesus Christus" und "Johannes". Dafür ist mir jetzt klar, wozu ein Regenschirm noch verwendet werden kann, wenn man ihn umdreht: Die Kollekte wird darin gesammelt - wie praktisch! Frauen haben Fladenbrote und dünnes Brot bereitgestellt, das gemeinsam verzehrt wird. Ich sitze als Ehrengast neben Priester Sirak Woldeselassie am Tisch, von vielen dunklen Augenpaaren beobachtet, und esse mit den Fingern scharfe Kartoffeln, weißen Frischkäse und eine rote Knoblauchsoße, in die das Brot getunkt wird. Dazu gibt's Cola, immerhin, das kenne ich. Es ist köstlich, wenn auch ungewohntes Essen vormittags um halb elf.

Die Frauen haben sich Heiliges Wasser in kleine Plastikflaschen abgefüllt und nebenher eine kleine Wasserschlacht veranstaltet. Ausgelassenes Spritzen, die bunten Kleider glitzern unter den weißen Tüchern. Ich spreche mit einigen zuvorkommenden Herren, alle sind bereit, so gut es geht Auskunft zu geben, organisieren Dolmetscher und Handynummern für weitere Nachfragen. Ich bin gespannt, was sich aus dieser ersten Stippvisite entwickeln wird. Nächstes Wochenende feiert die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde ihr großes Marienfest, zu dem ich mehrfach eingeladen werde - das wird wieder ein frühes Aufstehen.


Anika Kempf ist Fotoredakteurin bei evangelisch.de.

Anne Kampf ist Redakteurin bei evangelisch.de.
 

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