Afghanistan - Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann, hat Kritik an ihren Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zurückgewiesen. "Wer meine Neujahrspredigt liest, sieht glasklar, dass dort kein sofortiger Abzug deutscher Streitkräfte aus Afghanistan gefordert wurde", sagte sie am Sonntag dem epd in Hannover auf Anfrage. Die Aussagen Käßmanns in einer Predigt zum Neujahrstag in Dresden hatten bei Regierung und Opposition zum Teil scharfen Widerspruch ausgelöst.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte der "Welt am Sonntag" gesagt: "Frau Käßmann sollte nicht übersehen, dass die Bundeswehr im Auftrag der Vereinten Nationen in Afghanistan ist. Wir brauchen im 21. Jahrhundert mehr Zusammenarbeit - beim Kampf gegen den Terrorismus ebenso wie beim Umweltschutz und bei der Regulierung der Finanzmärkte." Davon dürfe man niemals einseitig lassen.
Käßmann erklärte in ihrer Reaktion, in der evangelischen Kirche gebe es die Sorge, "dass die Militarisierung durch Truppenverstärkung voranschreitet, ohne dass die zivilen und politischen Friedensoptionen klar gestärkt werden." In der Friedensdenkschrift der EKD "Aus Gottes Frieden leben" von 2007 heiße es: "Die militärische Komponente ist strikt auf die Funktion der zeitlich limitierten Sicherung der äußeren Rahmenbedingungen für einen eigenständigen politischen Friedensprozess vor Ort zu begrenzen".
"Mehr Fantasie für den Frieden"
"Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer begleiten Soldatinnen und Soldaten im Einsatz vor Ort. Sie wissen, welche Traumata bei ihnen entstehen. Auch deshalb halten wir eine klare Exit-Strategie für notwendig", unterstrich die Bischöfin der größten deutschen evangelischen Landeskirche. "Als Bischöfin halte ich mich fern von parteipolitischen Optionen und eine Predigt ist keine Bundestagsrede." Dass die evangelische Kirche die biblische Aufforderung "Selig sind die Friedfertigen" ernst nehme, könne kaum erstaunen. Käßmann: "Deshalb sage ich: Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden und alternative zivile Optionen der Konfliktbewältigung."
Käßmann hatte zu Beginn des neuen Jahres zu einem Friedenszeugnis in der Welt aufgerufen. Gegen Gewalt und Krieg aufzubegehren, brauche "den Mut, von Alternativen zu reden" und sich dafür einzusetzen, sagte die hannoversche Bischöfin in der Dresdner Frauenkirche. In Afghanistan schafften Waffen "offensichtlich auch keinen Frieden". Für den Frieden und die Bewältigung der Konflikte seien "ganz andere Formen" nötig.
Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose bezeichnete die Predigt als "problematisch". Käßmann habe sich nicht als Privatperson, sondern in ihrer Funktion als EKD-Ratsvorsitzende geäußert. "Sie hat sich mit ihrer Äußerung in Gegensatz zur Mehrheit des Bundestages gesetzt." Käßmann vertrete "die Position der Linkspartei" und habe unrecht: "Wenn die internationale Gemeinschaft in Afghanistan scheitert, würde das mit Sicherheit zu einer neuen Welle terroristischer Anschläge führen."
"Inflation politischer Stellungnahmen"
Ruprecht Polenz (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, erklärte: "Frau Käßmann macht es sich zu einfach, wenn sie die Botschaft vermittelt, man könne sich kurzfristig aus Afghanistan zurückziehen, ohne sich schuldig zu machen." Schuldig würde man in einem solchen Fall an den Afghanen, die sich auf Deutschland verließen, aber auch an den 43 anderen Staaten, die sich in Afghanistan für die internationale Sicherheit engagierten, sagte Polenz der "Welt am Sonntag".
Das Vorstandsmitglied der den Grünen nahe stehenden Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, warf Käßmann in einem offenen Brief vor, sie vermehre die "Inflation politischer Stellungnahmen von Kirchenoberen, die selten über gut gemeinte Banalitäten hinauskommen". Fücks: "Was mich allerdings gegen Kirchenfunktionäre aufbringt, ist die zur Routine gewordene Unart, im Brustton der höheren Moral politische Handlungsanweisungen zu erteilen." Protestantische Verantwortungsethik ernst zu nehmen hieße deshalb, Kriterien für einen legitimen Bundeswehreinsatz aus der Sicht der Kirche zu diskutieren.
Auszug aus Margot Käßmanns Neujahrspredigt:
Nichts ist gut in Afghanistan. All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir, etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen. Vor gut zwanzig Jahren haben viele Menschen die Kerzen und Gebete auch hier in Dresden belächelt … (zur kompletten Predigt)
epd









Kommentare
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Sehr geehrte Frau Bischöfin Käßmann,
ich denke, es ist zwar auf der einen Seite schwer zu ertragen wie die sogenannte öffentliche Meinung auf Ihre Preigt reagiert hat, aber auf der anderen Seite finde ich es gut, dass endlich einmal eine Diskussion über den Afghanistaneinsatz losgetreten worden ist. Schade, dass die Presse aber den anderen Teil Ihrer Predigt (den Großteil) nicht zu einer Diskussion genutzt hat - vielleicht passten die Themen ja gerade nicht in die öffentliche Diskussion.
Mit freundliche Grüßen
N: vÖLKL
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Es ist doch entlarvend, dass in den zugänglichen Meldungen (zB.) aus Afghanistan fast ausschließlich über Bombardierungen, Selbstmordattentate, Schießereien zwischen Einheimischen und Soldaten aus fremden Ländern und Scharmützeln zwischen inländischen verfeindeten religiösen Gruppierungen berichtet wird - hinzu kommen immer wieder Erwähnungen von Übergriffen ausländischer Soldaten auf Teile der einheimischen Bevölkerung! Wo sind denn die Nachrichten über die angeblichen sog. "humanitären Aktivitäten" zur Schaffung sozialverbessernder Verhältnisse, die zwar immer wieder vorgeschoben und von bestimmten Politikern wortreich formuliert werden, über die aber keinerlei "Erfolgsmeldungen" zu vernehmen sind???
Gibt es konkrete Angaben über bereits errichtete Kindergärten, Schulen und Krankeneinrichtungen? Wo sind die vielen Brunnen, die das Land inzwischen ja wie einen Schweizer-Käse aussehen lassen müssten... (oder hat man da die Bombentrichter gezählt?)! Welche Firmen investieren im Land, um Arbeitsplätze zu schaffen? Und die angekündigten Schulungsmaßnahmen zum Aufbau einer jenseits aller Korruption funktionierenden Polizei scheinen lediglich Verschleierung dafür zu sein, dass Einheimische zu militärischen Hilfskräften für ausländische Armeen gedrillt werden...
"Nichts ist gut in Afghanistan!" ist als Äußerung einer engagierten Christin, Bischöfin und Sprecherin einer der größten kirchlichen Zusammenschlüsse Deutschlands nur für all jene eine "Provokation", die sich von den Fensterreden auf politischer Ebene haben einlullen lassen, die es nicht wahr haben wollen und sogar wider besseren Wissens leugnen, dass es in Afghanistan - genauso wie in vielen anderen Ländern bei der Ausübung militärischer Gewalt - lediglich um Machtverhältnisse geht, an denen bestimmte Wirtschaftsnationen ein großes Interesse für die Zukunft haben: Ihnen geht es - unter Einsatz militärischer Gewalt - einzig und allein um den Zugang zu bestimmten Recourcen, die sie für ihre weitere militärische - und dadurch auch wirtschaftliche Vorherrschaft weltweit zu sichern suchen!
Kritisch zu den Äußerungen der Bischöfin ist allerdings anzumerken, dass die Zuschreibung, der militärische Einsatz in Afghanistan (und anderswo) sei die sog. "ultima ratio" (die letzte aller Möglichkeiten) verschweigt und nur ein Hüllwort dafür ist, dass andere, zivile, soziale, humanitäre, auf Frieden und Zusammenarbeit statt auf Krieg und Ausbeutung angelegte (Hilfs-)Programme überhaupt noch nicht umgesetzt wurden - die wenigen diesbezüglich tätigen nicht-staatlichen Organisationen, die dort tätig sind, haben eher eine Alibifunktion, um von den eigentlichen globalen Machtinteressen abzulenken. Leider!
MB
Ein autistischer Reflex der Politik
Es erstaunt, welche Staatsnähe und staatstragende Funktion führende Politiker kirchlichen Amtsträgern beimessen. Anders ist die Reaktion der Politik auf die Predigt (!) von Frau Käßmann, nicht zu verstehen. Die Kritiker tragen als Gegenargumente die völkerrechtliche Legitimation des Einsatzes, das Fehlen von politischen Gegenkonzepten und den Abfall von der Mehrheitsmeinung des Deutschen Bundestages bzw. die heimlichen Unterstützung der Opposition vor. Das zeigt, dass hier bewusst, oder wohl leider unbewusst, auf verschiedenen Ebenen argumentiert wird. Denn verkürzt ausgedrückt, verbittet sich die Politik einfach das Wildern im eigenen Revier.
In der Predigt ging es aber nicht um Völkerrecht und (Partei-)Politik, sondern um den Menschen, der im Spannungsfeld zwischen Schrecken und Hoffnung, immer wieder auf das Neue seinen Weg finden muss und die theologische Antwort auf diese existentielle Frage. Dass hierbei auch das allgegenwärtige Thema Afghanistan als mögliches Schrecknis (von immerhin 4.500 Soldaten und ihren Familien) genannt wird und darüber hinaus eine tragfähige Strategie jenseits des schlichten und so anerkanntermaßen sinnlosen Waffenganges gefordert wird, ist mittlerweile nicht nur politischer Usus (siehe Westerwelle u.a.), sondern auch Pflicht einer Kirche, deren Angehörige ihren Glauben nicht an der Garderobe abgeben. Glaube muss sich im Alltag bewähren; mitzuteilen, wie das zum Thema Afghanistan gelingen kann, dies ist nun aber die ureigenste Aufgabe einer sich selbst ernstnehmenden Kirche und ihres Oberhauptes. So geschehen in der Friedensdenkschrift der EKD "Aus Gottes Frieden leben" von 2007 und eben im Rahmen dieser Predigt.
Es wäre hilfreich, wenn die Politik nicht jede öffentliche kirchliche Äußerung allein als (staats-)politischen Beitrag zu irgendeiner aktuellen politischen Diskussion (Stichwort: Kunduz-Untersuchungsausschuss und Afghanistankonferenz) begreifen würde. Sondern als Appell an den Menschen hinter dem Amt, wenn man so will dem personalen Substrat des Amtsträgers - sei es ein Soldat oder ein Mitglied des Deutschen Bundestages; beide sind Menschen. Argumente, weswegen die Aussage aber aus menschlich-weltanschaulicher Sicht abzulehnen ist, gab es aber keine. Schade.
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Als älterer Bürger dieses Landes verwundert mich die Verwahrlosung politischer Sitten immer noch, weil ich mir ein wenig Hoffnung auf Besserung bewahrt habe. Anscheinend kann sich keiner mehr daran erinnern, wie es nach dem Ende des Krieges in Deutschland ausgesehen hat. Aus architektonischer Sicht war das sicherlich begrüßenswert, dass viele Elendsquartiere durch die Bombardierung dem Erdboden gleichgemacht wurden. Aber für die junge Generation dieser Zeit sprach ein Dichter, der heute nicht mehr zur Schullektüre gehört. Er starb an den Folgen des Krieges 1947 in Basel. Wolfgang Borchert schrieb einen flammenden Aufruf mit einer Vision, die stark an die Apokalypse erinnert: "Wenn Ihr nicht NEIN sagt..." Kein Politiker hat dies damals ernsthaft bestreiten wollen. Wenn heute jemand NEIN sagt, dann fällt die nationalkonservative "Welt" über die Nein-Sager her, dieselbe Gazette, die damals den Amtsvorgänger Hanns Lilje hofierte. Auch jener Bischof hätte mit Sicherheit den Krieg nicht gerechtfertigt. Die Verwahrlosung politischer Sitten besteht darin, dass alles nur dem Prinzip Opportunität geopfert wird. Ein hohle Propaganda versucht immer wieder Potemkinsche Dörfer der Moralität zu errichten, damit die völlig skrupellose Politik nicht ans Tageslicht gerät. Doch ist die Fassade so löcherig, dass das wahre Antlitz dahinter immer wieder zum Vorschein kommt.
In den 60er Jahren gab es schon einmal so eine hirnverbrannte Parole: "Die Freiheit Westberlins wird in Vietnam verteidigt." Anscheinend schon völlig vergessen, weil die Verteidigung mit einem Desaster endete, aber Westberlin dagegen bekanntlich nicht unterging.
Jetzt entblödet man sich mit der Abwandlung, dass die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt wird. Wie unterscheidet dies sich eigentlich noch von dem: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen"? Es ist die gleiche Kategorie an rhetorischem Sondermüll, denn in Wirklichkeit wurde der Afghanistaneinsatz ja nur im Bundestag durchgesetzt, weil die Politik Angst hatte vor dem Pranger des evangelikalen George W. Bush. Man wollte es sich nicht mit ihm verderben. Das nenne ich mutige Verteidigung der Freiheit Deutschlands.
Sollen sie also kläffen - die Bischöfin Margot Käßmann hat gezeigt, dass sie nicht vor dem Staat einknickt, wie es leider in der Geschichte der evangelischen Kirche vor hundert Jahren noch üblich war.
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Der Staat und die Kirche sollten sich vollständig trennen. Dann können die Kirchen auch politische Stellungnahmen ausbauen. Sie könnten sich durch freiwillige Beiträge ihrer Gläubigen finanzieren, wie dies in vielen christlich geprägten Ländern und ja auch in Deutschland für viele Kirchen üblich ist.
RE: RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Warum nicht gleich noch die Menschenrechte und Rechte zur politischen Partizipation von Gläubigen mit abschaffen?
Kommentare wie den Ihrigen kann ich nur mit Ironie beantworten, weil Sie vergessen, dass wir Gläubige eine Gruppe von Staatsangehörigen sind-mit den gleichen Pflichten, aber eben auch an Rechten!
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Frau Käßmann hat recht und sie argumentiert durchaus biblisch, bzw. im Sinne Jesu.
Allerdings findest sogar auch die ZEIT, dass der Afghanistaneinsatz doch überdacht werden sollte:
http://theolounge.wordpress.com/2009/12/28/afghanistan-die-macht-des-mil...
Ob man die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt ? Diese These halte ich für äußerst fraglich. Auch Wortgefechte, wie dass Frau Käßmann der LINKEN nahestehe, sobald sie irgendwelchen Politikern in die Quere kommt und ihnen nicht nach dem Mund redet.
Vor allem: was macht eigentlich die Bundeswehr in Afghanistan, einem Land, das von den USA meines Wissens nach völkerrechtswidrig (nämlich ohne UN-Beschluß) als Reaktion auf den 9/11 angegriffen wurde ?
Ziemlich albern bis sogar fast schon ignorant ist in diesem Zusammenhang auch Obamas Rede, als er den Friedensnobelpreis entgegennimmt und gleichzeitig massiv aufrüstet.
Obamas nobles Wortgefecht
http://theolounge.wordpress.com/2009/12/11/obamas-nobles-wortgefecht/
Friedensbewegung: Obama knickt ein
http://theolounge.wordpress.com/2009/12/03/friedensbewegung-obama-knickt...
Gott kommt, dass Friede werde ?
http://theolounge.wordpress.com/2009/11/29/advent-gott-kommt-dass-friede...
www.theolounge.de
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Kompliment Frau Käßmann! Was haben Sie eigentlich gesagt? "Wir brauchen mehr Phantasie für den Frieden..." Bravo. Für mich heißt das nichts anderes, als über Alternativen nachzudenken und bessere Lösungen zu finden. Ist es nicht das was wir von uns, unseren politischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Vertretern erwarten? Ist es nicht genau der richtige Wege den Dialog zu suchen? Was haben wir denn mit unseren Aktionen bisher erreicht? Die Antworten liefern uns Taten und Aktionen aus der Welt und zwar täglich. Warum müssen eigentlich öffentliche Personen zu allem etwas sagen ohne die Fakten, in diesem Fall, die Predigt gelesen zu haben. Dieser reine Populismus ist nicht nur erschreckend sondern gefährlich. Wir brauchen Stimmen, wie die von Frau Käßmann, die uns auffordern kritisch über unsere Strategien nachzudenken. Danke für Ihre Worte!
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Ich freue mich über die klare Aussage von Frau Käßmann. Wenn die Kirche ihren Auftrag , nämlich Christus nachzufolgen, ernst nehmen will, ist es unmöglich zu politischen Themen wie diesem zu schweigen. Wer, wenn nicht wir Christen, soll hier an Gottes Gebote erinnern? Ich hoffe, Frau Käßmann lässt sich durch die Vorwürfe der Politiker nicht entmutigen, weiterhin eine klare Position zu beziehen!
Ginkgo2009
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
meinen herzlichen Dank an Frau Käßmann und meine volle Zustimmung zu Ihren Aussagen ! Endlich einmal eine klare Aussage zu dem Desaster in Afghanistan. Wir Christen brauchen eine klare Bewertung der Politik auf der Grundlage der Bergpredigt nicht zu fürchten. Wer, wenn nicht wir müssen der Welt Alternativen jenseits der "Waffenlogik" aufzeigen.
Das Politiker diverser Richtungen nun aufschreien zeigt nur, dass es der richtige (auch evangelische) Weg ist.
Frau Käßmann nur Mut und weiter so ! Sie sind in guter Gesellschaft, auch den politischen Machthabern war Jesus seinerzeit mehr als ein Dorn im Auge !! Soll bedeuten: So sieht wahre "Nachfolge" aus.
"Liebesfähig zu werden ist das Ziel des Lebens" (Dorothee Sölle)
U St (Euka2009)
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Die "Welt am Sonntag" feuert in ihrer heutigen Ausgabe mit der Titelseiten-Schlagzeile "Bischöfin Käßmann löst Empörung aus" und gleich drei großen Artikeln ganze Breitseiten gegen Margot Käßmann ab, von denen diese Meldung nur einen Teil der Verbalinjurien wiedergibt. Fehlt beispielsweise der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder: "Dass sich die Bischöfin auf eine Stufe mit Oskar Lafontaine stellt, erschreckt mich sehr. Wer soll die Rechte afghanischer Frauen schützen, wenn die Nato abzieht?" Wenn Herr Fücks Recht hätte mit seinem Lamento von der "Inflation politischer Stellungnahmen von Kirchenoberen", mit "gut gemeinte Banalitäten"... und "zur Routine gewordene Unart...", dann gäbe es nicht auf einmal eine solch wüste Polemik und solchen Druck auf die neue Ratsvorsitzende. Nein, hier ist seit langer Zeit von der EKD-Spitze einmal etwas klar gesagt worden, worauf die Menschen, nicht nur die Christen in unserem Land warteten: eine ethische Orientierung. Dem gegenüber wird erstaunlich unverblümt eingefordert, dass eine Ratsvorsitzende doch bitte "staatstragend" zu sein, eine (momentan vielleicht noch bestehende) Parlamentsmehrheit gegen eine lange stabile Bevölkerungsmehrheit zu verteidigen habe. Es kommt m. E. jetzt darauf an, gegenüber solch massiven Einschüchterungsversuchen ihrer kritischen Stimme Frau Käßmann deutliche und öffentliche Solidarität zu bekunden. Was ich - nicht nur hiermit - tue. Schreiben Sie der Bischöfin! Schreiben Sie den Politikern! Überziehen Sie die Afghanistan-Kampfpresse mit Leserbriefen!
RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
Si tacuisses, philosopha mansisses
Nun müssen Sie nachlegen Frau Käßmann. Was sind "andere Formen" zur Friedensgewinnung? Warum schlagen Sie Friedensgebete mit Kerzen in Afgahnistan vor und haben sich selbst doch noch nie dort blicken lassen? Wollen Sie die Evangelikalen sich dort ermorden lassen wie im Jemen? Warum nehmen Sie nicht zur Kenntnis, dass in Afgahnistan sehr viel mehr an ziviler Förder- und Friedensleistung (Schulen, Infrastruktur, Mädchen- und Frauenförderung etc.) erbracht wird, als an militärischem Einsatz?
Wo sind Ihre konkreten Vorschläge?
Zu empfehlen ist Ihnen eine Entschuldigung der Rückzug aus der Politik. Wenn ich Protestant wäre, würde ich nun zum Katholiken. Aus dieser Sicht sei Ihnen Dank. Sie haben nun entgültig deutlich gemacht, dass die evangelische Kirche überflüssig ist wie ein Kropf.
RE: RE: Käßmann weist Kritik an Neujahrspredigt zurück
da darf man sich schon wundern: http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/politik/858/499140/text/
was herr mixa tut ist okay, wenn frau käßmann das gleiche tut nicht....
RE: Politiker kritisieren Bischöfin Käßmann scharf
Was soll das, Herr Schäuble?
Wir leben immer noch in einem demokratischen Staat. Jeder kann seine Meinung überall sagen. Auch die Bischöfin. Und immerhin sind über 50% der Deutschen der gleichen Meinung. Aber diese Meinung interessiert die Politiker ja nur vor Wahlen. Und ob das eine Meinung der Linken ist, ist doch egal. Dass wir immer noch am Hindukusch sind und die Truppe laufend aufgestockt wird, ist eine der vielen Fehlleistungen die Schwarz/Gelb in der kurzen Amtszeit schon vollbracht hat. Also, Herr Schäuble, kümmern Sie sich um die desolaten Finanzen unseres Staates, damit haben Sie genug zu tun.
Die Sonne scheint auch über den Wolken
Gunther
RE: Politiker kritisieren Bischöfin Käßmann scharf
Erstmal finde ich es super, dass in diesem Portal so kritisch über Frau Käßmann berichtet wird. Das hat was von evangelischer Weite. Dann finde ich es allerdings genauso routiniert zu sagen: bei solchen Dingen, soll sich Kirchens doch bitteschön raushalten. Und dann noch solche Sachen wie: Ist auf der Linie der Linken! Hallo! Hier spricht keine Politikerin. Und wenn schon: Heiner Geisler steht manchmal genauso auf Positionen, die die Linke auch hat.
Von einem Absolutheitsanspruch kann wohl bei einer evangelischen Bischöfin nicht gesprochen werden. Falsche Konfession! Wer mit solchen Argumenten hantiert, der hat wohl keine anderen... Auch eine Antwort.
RE: Politiker kritisieren Bischöfin Käßmann scharf
Wer so viele Politiker gleichzeitig gegen sich aufbringt, muss Recht haben! Besonders interessant ist der Beitrag von H. U. Klose, Käßmann habe sich "mit ihrer Äußerung in Gegensatz zur Mehrheit des Bundestages gesetzt". Das mag schon sein, aber sie hat auch die Position von zwei Dritteln der deutschen Bevölkerung ausgesprochen, die den Einsatz für völlig unsinnig hält und ihn möglichst schnell beenden möchte.
Es gab und es gibt bis heute überhaupt keine vernünftige militärische Konzeption für die Befriedung Afghanistans und der zivile Aufbau wurde jahrelang sträflich vernachlässigt.
Wir sind das Volk, liebe Politiker, die ihr gegen Käßmann "zu Felde zieht".
Und irgandwann erwarten wir, dass unsere Werte und Standpunkte ernst genommen werden!
RE: RE: Politiker kritisieren Bischöfin Käßmann scharf
Die Spitzen des Staates, Bundespraesident und Bundeskanzlerin haben sich fuer Frau Kaeszmann ausgesprochen, und die Dikusssion ueber das Thema ist auch sicherlich angebracht. Wichtig dabei ist freilich auch, wirklich alle Aspekte in Betracht zu ziehen,
und da stellt sich die Frage, wie der Rat der EKD und Frau Kaeszmann vor November 2009 in dem Punkt agiert haben. Bischof Otfried July soll nach einer Information von idea schon frueher beim Bundesverteidungsminister die Frage nach dem weiteren Vorgehen in Afghanistan aufgeworfen haben und das ist ganz sicher in Ordnung so. Frau Kaeszmann dagegen hat in ihrer Neujahrspredigt sehr pauschal argumentiert und das rief offenbar den Unmut vieler Soldaten und der evangelischen Militaerseelsorger in Afghanistan selber hervor.
Nun wird es ja dazu kommen, dass auch Frau Kaeszmann sich vor Ort informieren und ein Bild von der Lage am Hindukusch machen kann, und vielleicht lassen sich dann einige der aufgekommenen Probleme ausraeumen. Klar ist soviel, dass Frau Kaeszmann in der Neujahrspredigt eben ihre Meinung geaeussert hat, von der sie ueberzeugt ist, dass sie wirklich mit dem Evangelium uebereinstimmt. Jetzt bleibt halt noch die Aufgabe, auch die Taliban und die Bevoelkerung Afghanistans davon zu ueberzeugen, dass das so ist. Wir wuenschen aufrichtig, dass Frau Kaeszmann Zeit und Kraft dafuer findet.
Wider die Käßmannschen Afghanistan-Banalitäten
Der Protestant und Vorstand der Heinrich Böll Stiftung Ralf Fücks kritisiert in einem offenen Brief die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Margot Käßmann. Ihre Äußerungen zum Krieg in Afghanistan seien Ausdruck einer zur Routine gewordene Unart, im Brustton der höheren Moral politische Handlungsanweisungen zu erteilen.
RE Gast am 3. Januar 2010 - 15:00.
Der Protestant und Vorsitzende der mit Abstand unwichtigsten politischen Stiftung in Deutschland Ralf Fücks braucht Frau Margot Käßmann, würde ihm doch sonst niemand zuhören.
Die Heinrich Böll Stiftung geriert sich als spiritus rector der Partei B 90/ Grüne und "the green think tank". Sie berieten Joschka Fischer und der wählte Krieg und ließ es sich durch den Bundestag im Anschluss absegnen.
Frau Göring-Eckardt, Sie lassen doch sonst nicht unerwähnt bei den Grünen Politikerin zu sein: pro oder contra Frau Bischöfin, das ist jetzt hier die Frage!
RE: Wider die Käßmannschen Afghanistan-Banalitäten
Wie soeben gemeldet wurde, zeigen tiefe Risse im Friedhofsboden, dass Heinrich Böll sich im Grabe herumgedreht hat.
RE: Wider die Käßmannschen Afghanistan-Banalitäten
Ralf Fücks beklagt sich offenbar darüber, dass Frau Käßmann moralische Fragen in der Politik nicht den Politikern überlässt. Aber seine Intervention gilt ja auch der eigenen Partei, der er noch einmal die Begründung herunterbetet, mit der er 2001 so erfolgreich war, als die Partei mehrheitlich dem Krieg zugestimmt hat. Doch der Erfolg dieser Position innerhalb der Grünen hing eng mit dem vermeintlichen Erfolg beim Sturz der Taliban zusammen. Doch 2010 ist nicht 2001. Heute ist der "Sieg" ferner denn je. Und außer Ralf Fücks begründen die wenigsten Politiker den Einsatz damit, dass es in Afghanistan um Brunnenbohren und Frauenrechte geht. Heute wird der Krieg allein damit begründet, es brauche noch einige Zeit um den afghanischen Gewaltapparat von Polizei und Armee so aufzurüsten, dass dieser für die Sicherheit des Westens in Afghanistan sorgen könne. Dabei sucht die NATO das Bündnis mit örtlichen Warlords, etwa dem Gouverneur der Provinz Balkh Mohammed Atta Nur. Von dessen Gerichten wurde vor einem Jahr in Mazar-e-Sharif ein Student zum Tode verurteilt, weil er im Internet islamkritische Texte herunter geladen hat.
RE: Politiker kritisieren Bischöfin Käßmann scharf
Verantwortung für die Afghanen…
Ich gebe zu, dass wir eine gewisse Verantwortung für die Afghanen tragen, die mit der Bundeswehr kooperiert haben und die im Falle eines Abzuges der Bundeswehr mit Vergeltungsaktionen zu rechnen haben. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass die Afghanen auch selber für sich Verantwortung übernehmen müssen. Angesichts des Eindrucks, dass regionale Kriegsherren die Politik des Landes entscheidend mitzubestimmen scheinen, muss man sich jedoch fragen, ob diese Verantwortung von den Afghanen auch wirklich übernommen wird. Selbst die Regierung in Kabul erscheint mir recht fragwürdig. Mir ist klar, dass Afghanistan eine islamische Republik und keine Demokratie im westlichen Sinne ist, aber dies bedeutet nicht, dass wir im Westen es akzeptieren müssen, dass die Religionsfreiheit in Afghanistan so eingeschränkt ist, dass ein Konvertit, der zum Christentum gewechselt ist, nur aufgrund von politischer Trickserei von Karzai, die von massiven westlichen Drohungen ausgelöst wurde, von der Todesstrafe verschont blieb. Dann wäre da noch das Gesetz, das es Männern erlauben sollte Sex von ihren Ehefrauen auch gegen ihren Willen einfordern zu dürfen. Wenn mich nicht alles täuscht, dann wurde dieses Gesetz aufgrund von Druck aus dem Westen nicht umgesetzt, aber es zeigt dennoch, wie die afghanischen und die westlichen Werte auseinander gehen. In diesem Zusammenhang muss man sich wirklich fragen, ob man wirklich das Leben unserer Soldaten gefährden möchte, um ein politisches System zu etablieren, dass unseren politischen Werten so sehr widerspricht.
Natürlich kann man in diesem Zusammenhang auch zu der Einschätzung kommen, dass der Westen in den oben genannten Fällen gezeigt hat, dass das politische System in Afghanistan sich durch gezielte Druckausübung zum positiven verändern lässt, d.h. dass es möglich ist die Menschenrechte in Afghanistan nach und nach zu verbessern. Eine solche Einschätzung würde jedoch ignorieren, dass die Menschenrechte, wie wir sie verstehen, in Afghanistan kaum Rückhalt zu haben scheinen, oder warum war sonst so viel Druck nötig, um Karzei dazu zu zwingen den Konvertiten nicht hinrichten zu lassen? Wenn unsere westlichen Politiker ein Konzept haben sollten, wie sich dies ändern lässt, dann sollten sie uns so langsam mal auf überzeugende Art und Weise erklären, wie dies geschieht, bzw. wie dies geschehen soll. Bis jetzt ist eine solche Erklärung meines Wissens allerdings noch nicht erfolgt. In der Tat scheint es mir stattdessen eher so, als ob unsere Politiker versuchen würden die Lage in Afghanistan als positiver, hoffnungsvoller, einfacher und übersichtlicher darzustellen, als sie wirklich ist. Ich frage mich nur warum…
Natürlich wäre da noch das Argument zu erwähnen, dass sich Afghanistan nicht wieder zu einem Hort des Terrorismus entwickeln darf. Dem muss man natürlich zustimmen. Der Westen darf es nicht durchgehen lassen, wenn Terroristen sich frei in fremde Länder zurückziehen können, um dort sicher vor lokalen Strafverfolgungsbehörden neue Terroranschläge im Westen oder wo auch immer organisieren zu können. Dennoch: Bedarf dies wirklich einer solch umfangreichen Intervention in Afghanistan? Selbst wenn die gegenwärtige Intervention sicherstellen sollte, dass sich Afghanistan zumindest derzeit nicht wieder zu einem Rückzugsgebiet für Terroristen entwickelt, muss man sich fragen, wie es in diesem Zusammenhang mit anderen unsicheren Ländern in der Welt aussieht. Es ist ja nun wirklich nicht so, als ob Terrorgruppen auf Afghanistan angewiesen wären. Dies zeigt zum Beispiel die aktuelle Diskussion um den Jemen. Will der Westen nun all diese Länder besetzen, um sie vor Terrorgruppen zu schützen? Dies erscheint mir irgendwie unrealistisch.
Abschließend muss ich sagen, dass mir Frau Käßmann in vielerlei Hinsicht recht zu haben scheint. Waffen alleine können keinen Frieden schaffen. Sie mögen gegebenenfalls ein unterstützender Faktor sein, aber alleine können sie definitiv keinen Frieden schaffen. Einzig und allein die implizit von ihr gemachte Aussage, dass es überhaupt möglich sein könnte überhaupt Frieden in Afghanistan zu schaffen, erscheint mir fragwürdig. Dafür scheinen mir die westlichen Werte und die afghanischen Werte einfach zu weit auseinander zu klaffen.
"Die Ausschaltung der Schwachen ist der Tod der Gemeinschaft."
-Dietrich Bonhoeffer-
RE: RE: Politiker kritisieren Bischöfin Käßmann scharf
Frau Dr. Käßmann wird ganz zu Unrecht angegriffen, sie ist leider viel weniger kritisch als ich zuerst angenommen hatte, als ich die üblichen Verdächtigen sich empören hörte. Sie stimmt ja grundsätzlich dem Militäreinsatz auch in Afghanistan- und das ist aus meiner Sicht falsch- als ultima ratio zu. Nur Außenminister Westerwelle hat verstanden, dass sie ganz auf seiner erstaunlich konsequenten Linie (er ist in der FDP und nicht in der LINKE, Herr Klose) sich dagegen stemmt, dass das UN Mandat zu einem Krieg verkommt, denn das UN Mandat beinhaltet eben keinen Krieg und unsere Soldaten dort sind nicht im Kriegseinsatz, sonden dienen dem Wiederaufbau des Landes.- Der Kriegseinsatz der NATO findet gleichzeitig aber nicht von denselben Truppen und Zur Zeit ohne direkte deutsche Beteiligung statt und heißt Enduring freedom. Und der verhindert den Erfolg des UN Mandats.