Finanzen - Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat gegen die geplante Streichung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger kirchlichen Widerstand gefordert. "Als ich von der Streichung erfahren habe, habe ich mich gefragt, ob Hartz-IV-Empfänger weniger Würde als andere Menschen haben", sagte die ehemalige Landesbischöfin am Montagabend im Martin-Luther-Forum in Gladbeck. Die Kirche dürfe politisch sein und müsse nun ihr Wächteramt wahrnehmen.
Käßmann erneuerte ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. "Es war richtig und gut diese Debatte anzustoßen. Sie ist aber noch nicht zu Ende geführt worden", beklagte die Theologin. Man müsse anfangen, den menschlichen Opfern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Sie ermutigte auch die Kirchen zum Handeln, indem sie aus Afghanistan zurückgekehrten Soldaten oder Ärzten einen Raum geben könnten, um über ihre Erlebnisse zu sprechen.
Auch zu ihrer Zukunftsperspektive äußerte sich Käßmann in Gladbeck. "An meinem 52. Geburtstag in der vergangenen Woche bin ich aufgewacht und habe mich angesichts meiner Zukunft gefühlt wie im Monopoly-Spiel bei 'Zurück auf Los!'" Bis jetzt wisse sie nur, dass sie nach dem Ende August beginnenden viermonatigen Aufenthalt an der Universität in Atlanta definitiv nach Deutschland zurückkehren werde. "Ich möchte aber eigentlich keine Arbeit in der Politik oder Wirtschaft übernehmen, sondern in der Kirche", sagte sie. "Bis Dezember habe sie aber erst einmal "ausgesorgt".
Gesichter für Evangelisch-Sein
Ebenfalls äußerte sich Käßmann zur umfangreichen Medienpräsenz nach ihrem Rücktritt. Sie sei überrascht gewesen und hätte anfangs "die Nase gestrichen voll gehabt" und deshalb öffentliche Auftritte abgesagt. Dass die Medien sie teilweise wie einen Superstar behandelt hätten, sei für sie "absolut unevangelisch", da es das Priestertum aller Gläubigen gebe.
Jedoch habe sie gespürt, auch auf dem Ökumenischen Kirchentag in München, ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Rücktritt, dass die Menschen offenbar auch Gesichter für ihr Evangelisch-Sein suchen würden. "Ich hoffe, dass es auch weiterhin in der Kirche offensive Leute gibt, die mutig zu ihrem Christ-Sein stehen", sagte Käßmann.
epd




Kommentare
Erschütternd!!
Die hier stehenden Kommentare erschüttern mich. Wie scheinheilig ist das denn?
Wer schon mal was von den ARCHEN gehört hat, weiß wie arm dran die Kinder aus H4 Familien sind. Übrigens auch junge Akademikerinnen, die gerade ihr Studium fertig haben und keine Anstellung finden und zur Generation Ewiger Praktikant zählen, sind oft dazu gezwungen H4 zu beantragen. Wenn man dann ein Baby bekommt, fällt man voll damit rein.
Ich schäme mich regelrecht für Euch!
Eigentlich hätte ich von allen Bischöfen solche Reaktionen erwartet, wie von Frau Käßmann.
Was ist schon sozial ?
Sozialleistungen sind nicht notwendigerweise sozial ! Eigentlich werden sie den sogenannten
"sozial Schwachen " aus dem gleichen Grunde eingeräumt,den schon Bismarck anführte: „die arbeitenden Klassen zu gewinnen oder soll ich sagen, zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte.“
Steuern hingegen nehmen den Produktiven, was ihnen gehört.
Der Umverteilungsstaat schafft mehr Probleme, als er zu beseitigen vorgibt.
Kommentar von Frau Käßmann zu Streichung Elterngeld
Typisch Käßmann - immer schön im Gespräch bleiben.
Da Kirche - wie sie sagt politisch sein soll, natürlich vor allem links aus ihrer Sicht - wie wäre es den Staat vom Eintreiben der Kirchensteuer zu entlasten? Die eingesparten Kosten direkt an die Hartz IV - Empfänger weitergeben; das wäre doch mal politische Kirche.
Das Pulver ist trocken!
Ist Don Pasquillo als Anlehnung an die Opernfigur Don Pasquale zu verstehen? Ich gehe mal davon aus.
Diese Opernfigur wird mit >reich, alt, boshaft und Junggeselle< beschrieben. Eines davon trifft auch auf ihren Kommentar zu, er ist boshaft.
Vor 80 Jahren begann eine politische Entwicklung, die die jedem Menschen innewohnende Würde in die Beliebigkeit einer politischen Bewegung stellte. Sie konnte ganzen Bevölkerungsgruppen aberkannt werden. Wie das Ergebnis dieser Denkweise aussieht, ist in Auschwitz zu besichtigen. Der erste Satz unseres Grundgesetzes lautet deshalb auch >die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Und im christlichen Glauben? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ist es christlich, wenn man den Armen das Notwendige nimmt und die Reichen ungeschoren lässt? Menschenwürde ist also nicht das Höchste, als Ziel zu Beschwörendes, es ist die Grundlage des christlichen Glaubens, die Basis christlichen Denkens und Handelns. Für einen Christen ist es also selbstverständlich sich zu Wort zu melden, wenn gegen diesen Grundsatz gehandelt wird.
Ausbläser?
Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein! Das ist ihnen als Merksatz doch sicher bekannt.
Was ist denn daran unappetitlich, wenn man an das größte Verbrechen an Menschen erinnert, das die Würde von ihnen total zerstört hat? Wird dieses Verbrechen geringer, wenn ich noch an andere ähnliche Vorgänge erinnere? Wir Deutschen haben den zweifelhaften Ruf, auf diesem Gebiet führend in der Geschichte zu sein.
Vor Gott sind alle Menschen gleich, das ist die Grundlage unseres Glaubens. Deshalb ist auch allen Menschen die gleiche Würde zuzurechnen.
Ich greife ihre Formulierung auf. Könnte es sein, dass sie auch ein Ausbläser sind?.
Unappetitlich!
Leider trifft Ihre Aussage nicht ganz zu. Die Entwicklungen, welche die Menschenwürde in die Beliebigkeit der Politik stellen, haben schon vor weit mehr als 80 Jahren begonnen: z.B. mit der Propagagierung des Tugendterrors , mit der Diktatur des Proletariats etc.
Offensichtlich ist Ihr Wahrnehmungsvermögen für menschenverachtende, totalitäre Ideologien sehr eng fokussiert.
Aber dies wird Ihnen in Ihrem Lebensumfeld vermutlich eher förderlich sein.
Haben Sie allerdings bitte dafür Verständnis ,wenn ich nicht bereit bin ,die unappetitlichen Resultate Ihrer eingeschränkten Urteilskraft hier noch weiter zu kommentieren.
Pulver verschossen!
Frau Käßmann hat mal wieder einen rhetorischen Heuler gezündet und gleich das - fast - Höchste, die Menschenwürde beschworen. Jetzt bleibt ihr als Steigerung nur noch die Anrufung des Allmächtigen. Pulver verschossen !
Man kann natürlich von einer Ikone des Linksprotestantismus keine sachliche Bewertung erwarten, etwa den Hinweis, daß z.B. die bösen Banken,die energieintensiven Betriebe, die Kernkraftwerksbetreiber, die Verwaltung des Bundes und nicht zuletzt die Streitkräfte, die ja ohnehin - wenn überhaupt - nur Christen zweiter Wahl sind, fast zwei Drittel zum Einsparvolumen beitragen.
Also nicht nur Pulver verschossen, sondern auch Rohrkrepierer. Ludwig Ehrhardt, der alte Artillerist aus dem Ersten Weltkrieg, pflegte von "Ausbläsern" zu sprechen.
Das war ja klar...
"Als ich von der Streichung erfahren habe, habe ich mich gefragt, ob Hartz-IV-Empfänger weniger Würde als andere Menschen haben"
Auf diesen absehbaren Kommentar von Frau Käßmann habe ich eigentlich gestern schon gewartet. Zur begrifflichen Orientierung: Das Elterngeld ist in erster Linie eine Entgeltersatzleistung, die den Ausfall des Einkommens während der Elternzeit kompensieren soll, der bei ALG II-Empfängern gar nicht eintritt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Entgeltersatzleistung
Allein die Tatsache, dass über die Bedeutung dieses Wortes einmal offen diskutiert wird, hat nichts damit zu tun, dass man den Menschen gleich ihre Würde aberkennt. Auch an anderer Stelle wird gespart. Streicht der Staat beispielsweise die Kohle-Subventionen während er die Subventionen für Wind- und Solarenergie beibehält, bedeutet dies dann, dass Beschäftigte im Kohlebergbau weniger Würde haben als solche in der Solarbranche?
Sparen tut immer jemandem weh und entsprechende Vorschläge stoßen immer auf Widerstand. Schön hätte ich es gefunden, wenn Frau Käßmann sich auch einmal dazu geäußert hätte, wie man die 80 Miliarden einsparen kann, ohne den Sozialetat anzutasten. Wer sich öffentlich empört, von dem erwarte ich auch einen - brauchbaren - Alternativvorschlag. Ich bin gespannt, ob Frau Käßmann uns diesen noch liefert...
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"ex libris" auf evangelisch.de
Irrtum
Der Leser irrt: Im Gesetz über das Elterngeld heißt es:
10 Verhältnis zu anderen Sozialleistungen
(1) Das Elterngeld und vergleichbare Leistungen der Länder sowie die nach § 3 auf das Elterngeld angerechneten Leistungen bleiben bei Sozialleistungen, deren Zahlung von anderen Einkommen abhängig ist, bis zu einer Höhe von insgesamt 300 Euro im Monat als Einkommen unberücksichtigt.
(2) Das Elterngeld und vergleichbare Leistungen der Länder sowie die nach § 3 auf das Elterngeld angerechneten Leistungen dürfen bis zu einer Höhe von 300 Euro nicht dafür herangezogen werden, um auf Rechtsvorschriften beruhende Leistungen anderer, auf die kein Anspruch besteht, zu versagen.
(3) In den Fällen des § 6 Satz 2 bleibt das Elterngeld nur bis zu einer Höhe von 150 Euro als Einkommen unberücksichtigt und darf nur bis zu einer Höhe von 150 Euro nicht dafür herangezogen werden, um auf Rechtsvorschriften beruhende Leistungen anderer, auf die kein Anspruch besteht, zu versagen.
(4) Die nach den Absätzen 1 bis 3 nicht zu berücksichtigenden oder nicht heranzuziehenden Beträge vervielfachen sich bei Mehrlingsgeburten mit der Zahl der geborenen Kinder.
Also: den ärmeren Familien werden tatsächlich mit den Sparplänen echte 300 € geklaut. Und das ist empörend!
Schäuble meint; die Sparpläne könnten Arbeitslose animieren, eine reguläre Arbeit aufzunehmen. Aber wo sind bitte, die Arbeitsplätze, auf denen eine reguläre Arbeit aufgenommen werden kann?
Nein, diese Sparpläne sind unsozial, zynisch, familienfeindlich - und damit tatsächlich ein Verstoß gegen die Würde derer, die ganz bestimmt nicht über ihre Verhältnisse gelebt haben!
Der Gesetzestext...
...ist mir durchaus bekannt, was aber nichts daran ändert, dass bei der Einführung des Elterngeldes der Gedanke im Vordergrund stand, berufstätigen Müttern oder Vätern einen Verdienstausgleich anzubieten, wenn sie sich für ein Elternjahr entscheiden. Außerdem ist es ganz unabhängig davon ein ziemliches Unding, eine Kürzung gleich als einen Angriff auf die Menschenwürde zu beklagen. Jede Kürzung (aber auch jede Erhöhung der Einnahmenseite) betrifft schließlich Menschen bzw. deren Einkommen. Darüber hinaus bleibt, dass wir als Gesellschaft die sich abzeichnende Schuldenkrise irgendwie zu bewältigen haben - tun wir das nicht, werden zukünftige Generationen schwer darunter leiden, was ebenfalls kaum als sozial bezeichnet werden kann. Ich bleibe dabei: Wenn Frau Käßmann den öffentlichen "Widerstand" gegen die Kürzungen propagiert, steht sie auch in der Pflicht eine Alternative anzubieten...
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Wächteramt oder Wächterrat?
Und wieviel Prozent ihres 8000 Euro Gehaltes hat sie gespendet?
CB
Zu den kirchlichen Gehältern...
...gab es just heute einen Artikel im SPIEGEL:
Die Bundesregierung spart und streicht, doch kirchliche Gehälter verschont sie. Die Bezüge werden seit 200 Jahren vom Staat getragen, und niemand scheint daran etwas ändern zu wollen - obwohl 2009 fast eine halbe Milliarde Euro gezahlt wurde. Hier könnten jährlich mehrere Millionen Euro eingespart werden, denn die Gehälter von Bischöfen, Priestern und Vikaren werden von Steuergeldern bezahlt. Völlig unabhängig von der Kirchensteuer. [...] Insgesamt zahlte Deutschland im Jahr 2009 mehr als 442 Millionen Euro für kirchliche Personalkosten.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699422,00.html
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Kirchengehälter
christian1980: Die Bundesregierung spart und streicht, doch kirchliche Gehälter verschont sie.
Muss sie wohl, weil nichts davon bundesfinanziert ist,
keine Bundesgehälter sondern Länderzahlungen und aus ganz verschiedenen Gründen, für die Bischöfe nach Reichtsdeputationshauptschluss 1803, für Erzieher, Lehrer, Professoren, Ärzte, Pfleger - weil es staatliche Aufgaben sind, für die evt. soziale Träger Kostenersatz zusteht oder Staat direkt Arbeitgeber ist ...
Fritz
"Der User merkt schnell, ob ihm zugehört wird." (Tom Noeding)
Wohl wahr...
...was aber nichts daran ändert, dass ein kirchlicher Verzicht Landesmittel für andere Aufgaben freisetzen und damit Transferzahlungen des Bundes an die Länder in entsprechender Höhe verzichtbar machen würde. Der Punkt ist doch aber eigentlich ein ganz anderer: Wenn von kirchlicher Seite das aktuelle Sparpaket verflucht wird, ohne dass man gleichzeitig mit einer Alternative aufwarten kann, trägt das nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Und führt in dieser Konstellation unweigerlich zu der Frage, warum die finanziellen Leistungen des Staates gegenüber der Kirche nicht auch zur Disposition stehen...
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Staat verschleudert 442 Millionen an die Kirchen
Angesichts dieser 442 Millionen verschlägt es einem doch die Sprache und Frau Käßmanns Äußerungen werden dadurch solange zur unglaubwürdigen Nullnummer, bis sie vorne her geht und die Abschaffung der staatlichen Zahlungen an die Kirchen fordert. Auch Frau Käßmanns Einkommen wurde vom Staat bezahlt. Auch wenn's noch im Grundgesetz steht, ich kann es einfach nicht glauben, dass Christen, Muslime, Juden und Atheisten gleichermaßen die fetten Gehälter selbstgerechter Bischöfe bezahlen, die hintenrum wieder einen auf sozial machen. Mir wird übel, Frau Käßmann!
elterngeld
ich möchte unbedingt daran erinnern das es bis 2007 erziehungsgeld für familien gab - 24 monate lang 300 euro. das wurde gestrichen und dafür elterngeld eingeführt - was quasi (weil nur 12 monate x 300 euro bezahlt wird) eine halbierung dieser leistung war. nun wird diese "entgeldersatzleistung" den armen familien auch noch gestrichen. merkt hier überhaupt noch irgend jemand was mit unseren ""familien"" gemacht wird? für benzinauto!! abwrackprämien, solardachförderung, griechenland, irland, verspekulierte banken und zwangsarbeiterentschädigung sind ultra viele milliarden vorhanden --- aber für familien mit kind garnichts??
wem ist also die rettung des euro mehr wert als der familiennachwuchs des eigenen volkes? um welches goldene kalb tanzen wir hier eigentlich??
Übrigens:: Es ist nur ein kleiner Haushaltsposten, der hinter Hunderten Milliarden Euro für Banken und Konjunkturpakete verblasst. Und es ist ein Posten, der kommende Generationen nicht mehr belasten wird. 2010 werden die letzten Folgeschulden des Ersten Weltkriegs getilgt sein - die fehlenden 56 Millionen Euro sollen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums bis zum 3. Oktober kommenden Jahres, dem 20. Jahrestag der Wiedervereinigung, beglichen werden. Damit enden die Langzeitfolgen des Versailler Vertrags, der in Deutschland als "Schandfrieden" geschmäht wurde, die Weimarer Republik strangulierte und als mitverantwortlich gilt für den Aufstieg Adolf Hitlers.
hauptsache das wär schonmal bezahlt!!!!!