Florida: Empörung über geplante Koran-Verbrennung

Kleiner Junge liest Koran

Ein palästinensischer Junge liest während des Fastenmonats Ramadan den Koran. Eine Gemeinde in den USA will am Jahrestag der Anschläge vom 11. September den Koran verbrennen. Foto: dpa / Ali Ali

Kritik - Aufschrei in den USA: Eine kleine radikale Kirchengemeinde in Florida will öffentlich den Koran verbrennen. Die Aktion könnte Anschläge auf amerikanische Soldaten in Afghanistan provozieren - den zuständigen Pastor stört das wenig.

Die US-Regierung ist empört über die geplante öffentliche Koran-Verbrennung durch eine kleine radikale Kirchengemeinde in Florida. US-Außenministerin Hillary Clinton kritisiert das Vorhaben scharf. Anlässlich eines Fastenbrechens im islamischen Monat Ramadan am Dienstagabend in Washington sagte sie: "Ich fühle mich ermutigt von der klaren, unmissverständlichen Verurteilung dieses respektlosen, schändlichen Akts" durch führende Vertreter aller Glaubensrichtungen in den USA.

Respektlosigkeit

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, nannte es eine Provokation. Es zeige Respektlosigkeit gegenüber einer Religion. Er hoffe, dass die Gruppe von ihrem Plan doch noch abrückt.

Zugleich betont Crowley, dass es sich um eine extrem kleine Religionsgemeinschaft in der Stadt Gainesville in Florida handele. Die Welt dürfe Amerika "nicht an der Aktion eines Pastors oder 50 Anhänger" messen. Crowley fügte hinzu, dass Stadtverwaltung die Aktion verboten habe, doch es sei unklar, ob sich die Kirchengemeinde daran halten werde.

Das evangelikale Dove World Outreach Center in der 120.000-Einwohner-Stadt Gainesville hat den 11. September zum "Internationalen Tag der Koran-Verbrennung" erklärt. Es wolle der Opfer der Terroranschläge vor neun Jahren gedenken und dem radikalen Islam eine klare Absage erteilen, sagte der Gemeindepastor Terry Jones.

"Der Islam ist eine schlechte Religion." Der Koran "ist für den 11. September verantwortlich", meint Jones in einem Video auf der Website seiner Gemeinde. Jones nannte die Sorgen zwar durchaus berechtigt. Er wolle die Verbrennung aber trotzdem nicht absagen. "Wir müssen eine klare Botschaft an den radikalen Islam senden, dass wir seine Drohungen und die Verbreitung von Angst hier bei uns in Amerika nicht tolerieren", meinte er.

Der Koran ist das heilige Buch der Muslime, die verlangen, dass es mit höchstem Respekt behandelt wird. Verstöße werden als zutiefst beleidigend empfunden und haben in der Vergangenheit wiederholt gewalttätige Reaktionen ausgelöst.

Kritik von EKD und Vatikan

In Washington verurteilten religiöse Führer die geplante Verbrennung. Es handele sich zum ein "besonders ungeheuerliches" Vorhaben, meinten muslimische, christliche und jüdische Vertreter.Zugleich mahnten sie religiöse Toleranz in den USA an. Sie verurteilten eine "steigende Welle von Angst und Intoleranz" in den USA, hieß es mit Blick auf jüngste Proteste gegen den geplanten Bau eines muslimischen Kulturzentrums in der Nähe der Anschläge vom 11. September in New York.

Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, hat die Verbrennung des Koran gerügt. Dies stelle eine "unerträgliche Provokation" dar, sagte Schindehütte am Mittwoch in Hannover. In einem Land wie den USA, das der Freiheit der religiösen Überzeugung einen sehr hohen Wert beimesse, sollte mit Respekt mit den grundlegenden Schriften anderer Religionen umgegangen werden, mahnte der evangelische Theologe.

Die evangelische Kirche distanziere sich entschieden von solch provozierenden Handlungen, sagte Auslandsbischof Schindehütte. Derartige Aktionen seien mit dem christlichen Zeugnis nicht vereinbar und trügen in keiner Weise dazu bei, Probleme zu lösen und Vertrauen zu schaffen. Gerade zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan diene eine solche Handlung nicht der Verständigung, sondern gebe radikalen Positionen und Reaktionen neuen Nährboden. Christen seien verpflichtet, mit Muslimen in guter Nachbarschaft zu leben und zum Frieden beizutragen, betonte der Bischof.

Gewaltsame Proteste 2006

Kritik kam auch vom Vatikan: Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog hat die geplanten Koran-Verbrennungen aufs Schärfste verurteilt. Der Gewalt der Terroranschläge dürfe nicht durch eine "schwerwiegende Beleidigung eines von einer Religionsgemeinschaft als heilig angesehenen Buchs" begegnet werden, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung der Vatikanbehörde.

Jede Religion habe mit ihren heiligen Büchern, Orten und Symbolen ein Recht auf Respekt und Schutz. Diese seien "der Würde der Personen, die ihr angehören und ihren freien religiösen Entscheidungen geschuldet". Die Verantwortlichen aller Religionen haben dem Rat für Interreligiösen Dialog zufolge im Zusammenhang mit dem Jahrestag der Attentate des 11. September 2001 die Pflicht, "die klare Verurteilung jeder Form von Gewalt zu bekräftigen, vor allem der im Namen der Religion begangenen".

2006 hatten Karikaturen des Propheten Mohammeds in dänischen Medien gewaltsame Proteste in der muslimischen Welt ausgelöst, bei denen über 20 Menschen getötet worden. Auch eine Rede von Papst Benedikt XVI. 2006 in Regensburg, in dem er den Islam durch ein historisches Zitat mit Gewalt in Verbindung brachte, führte zu Unruhe und Protesten.

epd/dpa

Kommentare

Verfasst von philoktetes am 9. September 2010 - 13:37.

Ohne Kommentar !

Aus Short News vom 14.07.2007: "In einer Dokumentation des hessischen...

Aus Short News vom 14.07.2007:

"In einer Dokumentation des hessischen Rundfunks wurde für die Sendung "Hardliner des Herrn" eine Bibel verbrannt.

Der Autor des Films Tilman Jens äußerte der "Bild" gegenüber, dass es ihm darum ging, die heilige Schrift als ein Instrument der Angst und Gottes Feuerschwert zu zeigen.

Für viele Kirchenvertreter und Politiker ein Skandal, aber der HR-Chefredakteur steht zu dieser Dokumentation. Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU Bosbach fragt, was in Deutschland passieren würde, wenn es der Koran statt der Bibel gewesen wäre."

Verfasst von Barnabas am 9. September 2010 - 7:26.

Vielleicht eine gute Nachricht aus Florida

Immerhin etwas: Am Samstag, 11. 9. 2010 soll es in Florida regnen und Gewitter...

Immerhin etwas: Am Samstag, 11. 9. 2010 soll es in Florida regnen und Gewitter geben. (Wahrscheinlichkeit mindestens 60 Prozent) Dass der Regen etwas heftiger ausfällt, vor allem über der Wiese, auf der Fanatiker den Koran verbrennen wollen, wäre doch ein gutes interreligiöses Gebetsanliegen für Juden, Christen und Muslime ...

BTW: Die wahrlich bescheuerte Aktion der Fanatiker kann man nicht verbieten. Aber vermutlich könnte man doch auch der Feuerwehr nicht verbieten, zur gleichen Zeit dort eine Löschübung abzuhalten?
 

Barnabas

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 8. September 2010 - 17:01.

Koran-Verbrennung

„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ Das Dove World...

„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“

Das Dove World Outreach Center in Gainesville in Florida hatte angekündigt, am kommenden Samstag anlässlich des 9/11-Jahrestags mehrere Exemplare des Korans zu verbrennen. Das von Hass diktierte Verbrechen vom 11. September soll mit einer weiteren von Hass diktierten Schandtat beantwortet werden. Die Ideologie dieser fundamentalistischen christlichen Sekte wird – das bedarf keiner visionären Begabung – der Gewaltbereitschaft bei den Fundamentalisten im Irak, Iran und Afghanistan neue Nahrung geben.

Dass sich als Christen bezeichnende Sektenmitglieder zu dieser Schandtat hinreißen lassen, kann man nur mit einer diabolische Vernebelung ihres Gewissens und als bösartige Entstellung ihres Glaubens bezeichnen. Diese Gruppe um den verblendeten und von Hass erfüllten Pastor Terry Jones hat kein Recht, sich auf Jesus von Nazareth zu berufen!

Keine Religion sollte sich im Besitz der alleinigen, vollständigen göttlichen Wahrheit wähnen. Die großen Weltreligionen besitzen allenfalls – wie es in dem Konzilspapier „Nostra aetate“ formuliert wurde „einen Strahl“ göttlicher Wahrheit. Jede Verabsolutierung führt zum Fundamentalismus, zur Menschenverachtung und zur Gewaltanwendung.

Das Christentum muss sich neben und nicht über anderen Religionen verstehen und diese Religionen ebenso akzeptieren, wie wir ja auch kulturelle Verschiedenheit nicht als Mangel, sondern als Reichtum erleben. In ihrer Vielfalt können die Religionen einander ergänzen und korrigieren. In dem Dokument des 2. Vatikanischen Konzils „Nostra aetate“ hieß es noch von der katholischen Kirche im Hinblick zu den anderen Weltreligionen : „ Mit aufrechtem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.“

Angelus Silesius, ein schlesischer Mystiker, formulierte bereits im 17. Jahrhundert : „Man kann den höchsten Gott mit allen Namen nennen, man kann ihm wiederum nicht einen zuerkennen.“

Dieses von Pfarrer Jones inszenierte Autodafé erinnert an die Geschichte aus Heinrich Heines Roman „Almansor“ aus dem Jahre 1821. Inhalt ist u.a. die Verbrennung des Korans während der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Mateo Ximenes de Cisneros 1499/1500. In Heines Toleranzstück spricht der Moslem Almansor ben Abdullah mit Hassan, der verzweifelt gegen die christliche Besatzung kämpft :

Almansor:

Wir hörten dass der furchtbare Ximenes,
Inmitten auf dem Markte, zu Granada –
Mir starrt die Zung im Munde – den Koran
In eines Scheiterhaufens Flamme warf!

Hassan:

Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen

Im Zusammenhang mit seinem „Projekt Weltethos“ richtet der katholische Theologieprofessor Hans Küng einen dringenden Appell an alle Religionen, sich verstärkt einer global ausgerichteten Friedensarbeit zu stellen :

„Die Glaubwürdigkeit aller Religionen wird künftig davon abhängen, dass sie mehr betonen, was sie eint, und weniger, was sie voneinander trennt. Die Menschheit kann sich immer weniger leisten, dass die Religionen auf dieser Erde Kriege schüren und nicht Frieden stiften, Fanatisierung betreiben und nicht Versöhnung suchen, Überlegenheiten praktizieren und nicht den Dialog." Küng ist davon überzeugt, dass ein Überleben ohne ein Weltethos unmöglich ist, und der Weltfriede ohne einen Religionsfrieden unerreichbar bleibt.

Dem möchte ich nichts hinzufügen, außer dem Wunsch, dass alle Christen sich daran erinnern, dass der Koran auch (wie die Bibel) ein Gottesbuch ist. Als 1938 die Synagogen brannten, haben die meisten Christen vergessen, dass „Synagogen“ auch Gotteshäuser sind. Hoffentlich haben wir alle heute daraus gelernt!

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Heinz Pütter am 8. September 2010 - 15:22.

Koran-Verbrennung durch eine kleine radikale Kirchengemeinde in

Juden, Christen und Muslime sollten ihr Verhältnis zum eigenen Mittelalter und...

Juden, Christen und Muslime sollten ihr Verhältnis zum eigenen Mittelalter und zur modernen Welt klären.
Entweder Rivalität der Religionen, Zusammenprall der Kulturen, Krieg der Nationen – oder Dialog der Kulturen und Frieden zwischen den Religionen als Voraussetzung für den Frieden zwischen den Nationen! Sollten wir angesichts der tödlichen Bedrohung der Gesamtmenschheit nicht, anstatt neue Dämme des Hasses, der Rache und Feindschaft aufzurichten, lieber die Mauern des Vorurteils Stein um Stein abtragen und damit Brücken des Dialogs bauen, Brücken gerade auch zum Islam?

Verfasst von Jesus Christus am 8. September 2010 - 13:07.

Hirnrissig

Das ist eine äußerst hirnrissige Aktion. Ich befürchte, dass nach der...

Das ist eine äußerst hirnrissige Aktion. Ich befürchte, dass nach der Verbrennung des Koran weltweit Schlimmes passieren wird.
Der Koran verlangt in der 3.Sure Respekt vor Jesus, dem Sohn der Maria.
Allein schon deswegen sollte der Koran als heiliges Buch respektiert werden.

Verfasst von philoktetes am 8. September 2010 - 11:14.

Der Skandal liegt woanders !

Das eigentlich Erschreckende an diesem Vorgang ist,daß der Okzident die...

Das eigentlich Erschreckende an diesem Vorgang ist,daß der Okzident die islamische Welt ohne weiteres für fähig hält, auf die Provokation von fünfzig (!) Spinnern mit weltweiter Gewalt zu reagieren.Leider ist diese Furcht - wie wir alle wissen - mehr als berechtigt!
Deshalb müßten nach westlichen Wertvorstellungen jetzt die religiösen Führer des Islam ihre Glaubensgenossen weltweit zur Mäßigung aufrufen. Dies ist ganz offensichtlich nicht der Fall - vermutlich wird zumindest partiell das Gegenteil eintreten; daraus sieht man, wie weit der Islam von unseren Grundwerten,z.B. dem der freien Meinungsäußerung entfernt ist.
Herr Dr.Sarrazin läßt grüßen.

Verfasst von Ismael am 8. September 2010 - 14:58.

Den Schwarzen Peter nicht anderen zustecken!

Lieber philoktetes, das Problem ist doch ein anderes! Zwar ist, gemessen an der...

Lieber philoktetes,

das Problem ist doch ein anderes! Zwar ist, gemessen an der Mitgliederzahl dieser fanatischen Gemeinde in Florida die Bedeutung der Aktion scheinbar marginal. Doch trägt diese Aktion leider das falsche  Etikett "christlich". Und das wird - wiederum von fanatischen Aktivisten aus dem Spektrum der Islamisten - sicher mit Wonne so kolportiert werden.

Also ist es Aufgabe der Christen, ein anderes, ein humanes und von der Liebe Christi geprägtes Bild von sich selbst zu zeigen. Es ist nicht die aufgabe der Muslime, die Christen vor sich selbst, nämlich vor einer verzerrten Selbstdarstellung und der Verirrung einzelner in Schutz zu nehmen.

Verfasst von azad am 8. September 2010 - 13:17.

Das eigentlich Erschreckende

Das eigentlich Erschreckende an diesem Vorgang ist,daß der Okzident die...

Das eigentlich Erschreckende an diesem Vorgang ist,daß der Okzident die islamische Welt ohne weiteres für fähig hält, auf die Provokation von fünfzig (!) Spinnern mit weltweiter Gewalt zu reagieren.

Stimmt.

Leider ist diese Furcht - wie wir alle wissen - mehr als berechtigt!

Ja? Woher wissen wir denn das? Meinst Du den Karikaturenstreit? Das wäre ein ziemlich schlechtes Beispiel. Jyllands-Posten hat immerhin vier Monate gebraucht, bis sich endlich jemand über die Bildchen aufregte, und dann waren's auch zunächst gar keine sonderlich frommen Muslime, sondern die Fatah, die gerade in Palästina die Wahlen verloren hatte und dringend etwas Publicity brauchte.

Deshalb müßten nach westlichen Wertvorstellungen jetzt die religiösen Führer des Islam ihre Glaubensgenossen weltweit zur Mäßigung aufrufen.

Komisch. Ich dachte immer, nach westlichen Wertvorstellungen müßten jetzt die religiösen Führer des Christentums ihre Glaubensgenossen aufrufen, ihre Religionsfreiheit nicht zu pervertieren, indem sie nach tiefbrauner Manier Bücher verbrennen.

vermutlich wird zumindest partiell das Gegenteil eintreten

Der Herr bewahre uns vor den Feierabend- und Hobbypropheten!

daraus sieht man, wie weit der Islam von unseren Grundwerten,z.B. dem der freien Meinungsäußerung entfernt ist.

Wieso? Bisher feiern die Muslime doch ganz friedlich ihren Ramadan, und keiner von denen hat sich über irgendwas aufgeregt (was durchaus erlaubt wäre). Nicht mal das iranische Hetzblatt Kayhan kümmert sich um den Fall. Und in der tendentiell tränenreichen Presse finden sich auch keine Anhaltspunkte für überbordende Emotionen. Oder habe ich was Wesentliches verpaßt?

Übrigens: Falls Du Dein Geschreibsel ernst nimmst und es wirklich für ein mündiges und intelligentes Zeichen gelebter Meinungsfreiheit hältst, Korane und womöglich auch noch andere Bücher (z.B. Bibeln?) zu verbrennen, würde das zu einer vernichtenden Diagnose zwingen.

Wie es ein Milliyet-Leser in seinem Kommentar zum Vorgang ausdrückte: Allah akıl fikir versin. . ! - Herr, schmeiß Hirn ran!

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"Kirche ist Medium und nicht Selbstzweck. Kirche hat eine Botschaft. Keine 'milieusensible Kommunikation' ohne die christlichen Essentials."

Tom Noeding

Verfasst von Ingo1971 am 8. September 2010 - 15:44.

Zunächst muss ich klar

Zunächst muss ich klar stellen dass ich diese Koran-Verbrennung hö...

Zunächst muss ich klar stellen dass ich diese Koran-Verbrennung höchst unsinnig finde. Ich halte deren Handeln und/oder Motivation gar nicht für richtig.

>>Komisch. Ich dachte immer, nach westlichen Wertvorstellungen müßten jetzt die religiösen Führer des Christentums ihre Glaubensgenossen aufrufen, ihre Religionsfreiheit nicht zu pervertieren, indem sie nach tiefbrauner Manier Bücher verbrennen.<< 

Weißt Du wie viele Schriften von Christen in der islamischen Welt Jahr für Jahr enteignet und vernichtet werden?

Zumindest sind wir in der Beziehung einig dass es tiefbraune Manier ist. Allerdings meine ich ist es das nur wenn man anderen die Schriften abnimmt. Was man mit dem eigenen macht ist imho jedem seine eigene Sache. Und das gilt es zu schützen!!!!!

>>Übrigens: Falls Du Dein Geschreibsel ernst nimmst und es wirklich für ein mündiges und intelligentes Zeichen gelebter Meinungsfreiheit hältst, Korane und womöglich auch noch andere Bücher (z.B. Bibeln?) zu verbrennen, würde das zu einer vernichtenden Diagnose zwingen.<<

Nach dem WK II. sind etliche Bücher und Schriften(auch im Schuldienst und an Universitäten) vernichtet worden. War das auch falsch?

Man muss es nicht für richtig halten was sie machen und man sollte versuchen aus sie einzureden aber wenn mögliche Gewaltreaktionen von Muslimen hier die Freizügigkeit im Handeln bestimmen dann denke ich läuft etwas ziemlich verkehrt.

Du müsstest hier klar stellen ob Terry Jones nach seinem besten Wissen und Gewissen handeln dürfen sollte.

 

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von azad am 8. September 2010 - 16:25.
Kommentar auf: Zunächst muss ich klar

Zumindest sind wir in der

Zumindest sind wir in der Beziehung einig dass es tiefbraune Manier ist....

Zumindest sind wir in der Beziehung einig dass es tiefbraune Manier ist. Allerdings meine ich ist es das nur wenn man anderen die Schriften abnimmt. Was man mit dem eigenen macht ist imho jedem seine eigene Sache. Und das gilt es zu schützen!!!!!

Wenn Terry Jones ganz privat und hinter verschlossener Klotür sein ganz persönliches Koranexemplar einer speziellen Verwendung zuführt, ist das selbstverständlich seine Privatsache. Wenn er eine höchst plakative Aktion durchführt, um damit gezielt Menschen wegen ihres Glaubens herabzuwürdigen, ist das etwas grundsätzlich anderes.

Nach christlichem Verständnis besteht der Inbegriff von Freiheit nicht darin, allen anderen auf die Füße treten zu dürfen und das auch zu tun. Auch das solltest Du nicht vergessen. Übrigens kämest Du mit der Forderung, Jones ein Recht einzuräumen, öffentlich Korane zu verbrennen, hierzulande vermutlich nicht weit. Anders als in den USA könnte das hiesige Strafrecht dem sehr schnell einen Riegel vorschieben.

wenn mögliche Gewaltreaktionen von Muslimen hier die Freizügigkeit im Handeln bestimmen dann denke ich läuft etwas ziemlich verkehrt.

Dem stimme ich zu, wenn auch aus anderen Gründen als denen, die Du zu sehen scheinst. Nur mal so zur Erinnerung: Von den Ausschreitungen, vor denen manche warnen, ist momentan jedenfalls weit und breit nichts zu sehen. Die Freizügigkeit im Handeln wird also nicht von Muslimen bestimmt bzw. beschnitten, sondern von Leuten, die darüber jammern, daß ja theoretisch ein muslimischer Mob sie ihrer Freiheit berauben könnte. Erst eine provokante Aktion anzetteln und diese dann dann womöglich abblasen, und zwar unter Berufung auf etwas, das gar nicht aktuell ist, nur um bestimmte Leute, die man nicht mag, hinzuhängen - das ist scheinheilig und ein Mißbrauch der eigenen Freiheit für populistische oder gar rassistische "Politik". Im Strafrecht (um mal diese Parallele zu bemühen) ginge das stark in Richtung Fälschung von Beweismaterial. Zumindest ist es paranoid.

Du müsstest hier klar stellen ob Terry Jones nach seinem besten Wissen und Gewissen handeln dürfen sollte.

Ich muß hier prinzipiell gar nichts klarstellen. Aber bitte sehr: Ebensowenig wie ich der Meinung bin, ein Ehrenmörder dürfe nach bestem Wissen und Gewissen handeln, bin ich der Meinung, Jones dürfe nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Weil ich ihn nämlich für gewissenlos und niederträchtig halte. Und solche Leute sollte man lieber nicht gewähren lassen.

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"Kirche ist Medium und nicht Selbstzweck. Kirche hat eine Botschaft. Keine 'milieusensible Kommunikation' ohne die christlichen Essentials."

Tom Noeding

Verfasst von Ingo1971 am 8. September 2010 - 18:11.
Kommentar auf: Zumindest sind wir in der

>>Wenn er eine höchst

>>Wenn er eine höchst plakative Aktion durchführt, um damit...

>>Wenn er eine höchst plakative Aktion durchführt, um damit gezielt Menschen wegen ihres Glaubens herabzuwürdigen, ist das etwas grundsätzlich anderes.<< 

Ich habe bislang nichts davon gehört dass er Menschen wegen ihres Glaubens herab würdigen will.

Das Plakative an dieser Aktion ist doch wohl der Medienhype der darum gemacht wird. Schön finde ich dass alle dem ablehnend gegenüber stehen. 

>>Übrigens kämest Du mit der Forderung, Jones ein Recht einzuräumen, öffentlich Korane zu verbrennen, hierzulande vermutlich nicht weit. Anders als in den USA könnte das hiesige Strafrecht dem sehr schnell einen Riegel vorschieben.<<

Melde es als Kunst an und niemand würde etwas sagen. 

>>Von den Ausschreitungen, vor denen manche warnen, ist momentan jedenfalls weit und breit nichts zu sehen.<<

Dann ist alles halb so wild?

>>Die Freizügigkeit im Handeln wird also nicht von Muslimen bestimmt bzw. beschnitten, sondern von Leuten, die darüber jammern, daß ja theoretisch ein muslimischer Mob sie ihrer Freiheit berauben könnte.<<

Inwiefern?

>>Aber bitte sehr: Ebensowenig wie ich der Meinung bin, ein Ehrenmörder dürfe nach bestem Wissen und Gewissen handeln, bin ich der Meinung, Jones dürfe nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Weil ich ihn nämlich für gewissenlos und niederträchtig halte. Und solche Leute sollte man lieber nicht gewähren lassen.<<

Du siehst keine Differenz zwischen einem Ehrenmord und dem Verbrennen eines Koran?

Ich denke auch die Leute sollten das sein lassen weil es sehr kontraproduktiv ist. Das ist meine Meinung andere haben eine andere Meinung. 

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von azad am 8. September 2010 - 18:53.
Kommentar auf: >>Wenn er eine höchst

Ich habe bislang nichts davon

Ich habe bislang nichts davon gehört dass er Menschen wegen ihres Glaubens...

Ich habe bislang nichts davon gehört dass er Menschen wegen ihres Glaubens herab würdigen will.

Was denn sonst? Er bezeichnet eine Religion als diabolisch. Religionen werden aber immer von Menschen gelebt, und er hält den Islam ja anscheinend auch vor allem deshalb für diabolisch, weil er die Muslime (also Menschen) für die Anschläge vom 11.9.2001 verantwortlich macht.

Dann ist alles halb so wild?

Ganz genau.

Inwiefern?

Ich meint eigentlich, mich klar ausgedrückt zu haben. Also nochmal zum Mitschreiben: Es gibt von muslimischer Seite keinerlei überzogene Reaktionen auf die geplante Verbrennungsaktion. Trotzdem gibt es Leute, die sich vorsorglich schon mal als potentielle Märtyrer der Meinungsfreiheit feiern. Warum eigentlich? Was ist das anderes als die Konstruktion von Feindbildern durch Paranoiker, die ohne solche Feindbilder anscheinend nicht auskommen?

Du siehst keine Differenz zwischen einem Ehrenmord und dem Verbrennen eines Koran?

Wie kommst Du denn auf diesen Quatsch? Ist diese Unterstellung nun Dummheit oder Bosheit?

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"Kirche ist Medium und nicht Selbstzweck. Kirche hat eine Botschaft. Keine 'milieusensible Kommunikation' ohne die christlichen Essentials."

Tom Noeding

Verfasst von philoktetes am 8. September 2010 - 13:51.

Vernichtende Diagnose !

Na, wenn die moslemische Welt nur halb so heftig reagiert wie Sie, werter Herr...

Na, wenn die moslemische Welt nur halb so heftig reagiert wie Sie, werter Herr, dann steht das Schlimmste zu befürchten ...

Verfasst von Kathy_Valiant am 8. September 2010 - 12:08.

Respekt vor den heiligen Büchern

Völlig fehlgeleitet ist die Gemeinde mit diesem Vorhaben. Während die...

Völlig fehlgeleitet ist die Gemeinde mit diesem Vorhaben. Während die Karikaturen von unabhängigen Zeitungen veröffentlicht wurden (was in vielen Ländern nicht exisiert) und der Papst etwas in einem wissenschaftlichen Vortrag zitierte, ist es das jetzt ein klarer Angriff auf das heilige Buch, der von Christen ausgeht, die es besser wisen müssten. Sie brechen ein weiteres Tabu gegenüber den Moslems. Den verfolgten Christen in islamischen Ländern schaden sie damit.

Bedenkenswert fand ich, was ich in diesen Tagen in einem Gebetsheft der Evangelischen Allianz las, wie dort versucht wird, Christen Respekt zu vermitteln: "Muslime achten alles Heilige auch mit äußerem Respekt. Sie bewahren den Koran meistens in einer Höhe oberhalb der Gürtellinie auf, sei es im Bücherbord, einer Vitrine oder einem Extra-Beutel an der Wand. Zeigen auch Sie Respekt vor der Bibel und legen Sie diese nie auf den Fußboden oder an Stellen, wo sie beschmutzt werden kann."

Übrigens ist morgen Ende des Ramadan. Die hiesige Moscheee lädt ein. Ich gehe hin, jetzt erst recht.

Verfasst von johannes am 8. September 2010 - 16:42.

Endlich einmal ein

Endlich einmal ein vernünftiger Kommentar zu dieser Aktion. Mir stellt...

Endlich einmal ein vernünftiger Kommentar zu dieser Aktion.

Mir stellt sich die Frage was mit dieser Bücherverbrennung eigentlich bezweckt werden soll.

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